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Forschungs- und Videopreis 2019 der AG Keramik

Abb. 1: PD Dr. Sven Rinke, Dr. Tim Hausdörfer und Prof. Dr. Dirk Ziebolz.
Abb. 1: PD Dr. Sven Rinke, Dr. Tim Hausdörfer und Prof. Dr. Dirk Ziebolz.

Der Forschungspreis der Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde (AG Keramik) wurde zum 19. Mal ausgeschrieben. Die Jury entschied sich für eine Studie zu Teilkronen aus zirkonoxid-verstärktem Lithiumsilikat.

Die prämierte Studie „5-Jahresuntersuchung von Teilkronen mit verschiedenen Wandstärken aus ZLS-Keramik“ war eingereicht worden vom Autorenteam Priv.-Doz. Dr. Sven Rinke M.Sc., Universitätsmedizin Göttingen, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Praxisklinik für Zahnmedizin, Hanau; Dr. Tim Hausdörfer, Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Universität Göttingen; Prof. Dr. Dirk Ziebolz, Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universität Leipzig (Abb. 1).

  • Abb. 2: Zirkonoxid-verstärktes Lithiumsilikat enthält Kristallite in der Größe 500-700 Nanometer und entsprechen dem Wellenbereich des natürlichen Lichts. Die Opaleszenz gleicht dem Zahnschmelz. 10% Zirkonoxidanteil unterstützt die Festigkeit.

  • Abb. 2: Zirkonoxid-verstärktes Lithiumsilikat enthält Kristallite in der Größe 500-700 Nanometer und entsprechen dem Wellenbereich des natürlichen Lichts. Die Opaleszenz gleicht dem Zahnschmelz. 10% Zirkonoxidanteil unterstützt die Festigkeit.
    © Dentsply Sirona
Die prospektive Studie über 5 Jahre beobachtete 45 Patienten und untersuchte die klinische Leistungsfähigkeit von 61 Teilkronen, chairside im CAD/CAM-Verfahren aus zirkonoxid-verstärktem Lithiumsilikat (ZLS) gefertigt (Abb. 2). Die Autoren evaluierten die Risiken, indem die vom Hersteller empfohlenen Wandstärken unterschritten und verschiedene Befestigungskonzepte genutzt wurden.

Okklusale Wandstärken mit 0,5-0,74 mm erzielten eine Überlebensrate von 83% und zeigten damit ein 11fach höheres Frakturrisiko als die Gruppe mit 0,75-1,0 mm Wandstärke, die zu 100% frakturfrei blieb. Die Lage im Kiefer (Molar vs. Prämolar) hatte keinen Einfluss. Retentionsverluste traten eher mit selbstadhäsivem Befestigungszement auf im Vergleich zur Gruppe, die mit Total-Etch-Technik und dualhärtendem Komposit befestigt wurden. Mit dieser Studie konnte erstmalig klinisch belegt werden, dass mit hochfesten glaskeramischen Werkstoffen okklusale Schichtstärken auf 1,0 mm reduziert werden können (Abb. 3 u. 4).

  • Abb. 3: Klinisches Beispiel für das Behandlungsergebnis mit einer CAD/CAM-fabrizierten ZLS-Teilkrone vor der Behandlung.
  • Abb. 4: Behandlungsergebnis mit einer CAD/CAM-fabrizierten ZLS-Teilkrone nach der adhäsiven Zementierung und dem Finishing (Baseline).
  • Abb. 3: Klinisches Beispiel für das Behandlungsergebnis mit einer CAD/CAM-fabrizierten ZLS-Teilkrone vor der Behandlung.
  • Abb. 4: Behandlungsergebnis mit einer CAD/CAM-fabrizierten ZLS-Teilkrone nach der adhäsiven Zementierung und dem Finishing (Baseline).

Funktion und Ästhetik – digital behandelt im Videoclip

Der zum 5. Mal ausgeschriebene Videopreis der AG Keramik hatte erneut Videofilmer in Praxis und ZT-Labor mobilisiert, besonders interessante Vorgehensweisen bei vollkeramischen Restaurationen in den Fokus zu nehmen.

Die 3 Teams, für deren Videos sich die Jury entschied, hatten ideenreich die digital gestützte Rekonstruktion eines Abrasionsgebisses, das schonende Trepanieren einer implantatgetragenen Keramikkrone zur Behebung einer Schraubenlockerung, und die Konstruktion einer 2-Flügel-Krone für den Lückenschluss regio 46 geschickt und wirkungsvoll in Bild und Ton umgesetzt.

  • Abb. 5: Zahnärztin Lisa Türp, Dr. Wojtek Libecki und ZTM Reinhard Busch.

  • Abb. 5: Zahnärztin Lisa Türp, Dr. Wojtek Libecki und ZTM Reinhard Busch.
    © privat
Die Jury vergab den 1. Videopreis an das Team der Zahnärztin Lisa Türp und Oberarzt Dr. M.S. Chaar, Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Kiel, für das Video „Vollkeramische Rekonstruktion eines Abrasionsgebisses – mit Tipps zum adhäsiven Befestigen“.
Mit dem 2. Videopreis für das Video „Keramik schonend trepanieren“ wurde Dr. Wojtek Libecki, Fachzahnarzt für Oralchirurgie aus Hamburg, ausgezeichnet.
Den 3. Videopreis erhielt ZTM Reinhard Busch, Laborleiter in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Kiel, für den Kurzfilm „Doppel hält besser“ (Abb. 5).

Alle Gewinner des Forschungs- sowie des Videopreises wurden auf dem 19. Keramiksymposium vorgestellt, das im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in Hamburg stattfindet. Laudator war Dr. Bernd Reiss, Vorsitzender der AG Keramik sowie der DGCZ und Vorstandsmitglied der DGZMK. Die Videos sind auch auf der Website der AG Keramik veröffentlicht.

Funktionstherapeutische Bisserhöhung

  • Abb. 6: Ausgangssituation: Erheblich abradierte Zähne im OK und UK.

  • Abb. 6: Ausgangssituation: Erheblich abradierte Zähne im OK und UK.
    © Türp
Das 3-minütige Video von Türp und Chaar zeigt die komplexe Rehabilitation eines starken Abrasiongebisses (Abb. 6). Die Rekonstruktion erfolgte mit 28 Restaurationen in Form von FZ-Kronen, Veneer-Kronen, Teilkronen und keramischen Kauflächen aus Lithiumdisilikat (Abb. 7). Die FZ-Kronen wurden im Cut-Back-Verfahren verblendet. Nach Herstellung eines Wax-ups an in zentrischer Relation einartikulierten Modellen wurde dies als Mock-up am Patienten visualisiert. Zum Austesten der neuen vertikalen Dimension
  • Abb. 7: Präparation und virtuelle Konstruktion (3shape) von Kronen, Teilkronen und Okklusal-Veneers.

  • Abb. 7: Präparation und virtuelle Konstruktion (3shape) von Kronen, Teilkronen und Okklusal-Veneers.
    © Türp
sowie der Ästhetik wurden Polycarbonatschienen analog zum Wax-up gefertigt und als Provisorium getestet. Die Präparation erfolgte defektorientiert und minimal-invasiv – in der UK-Front schmelzbegrenzt für die Veneer-Kronen. Nach Abformung und wechselseitiger Registrierung wurden die Restaurationen digital konstruiert und auf Basis der provisorischen Versorgung ausgeschliffen.

Vor der adhäsiven Eingliederung wurde Zahnseide approximal auf die Schleimhaut gelegt und mit Gewebekleber fixiert, um nach kurzzeitigem Polymerisieren des Komposits die gelartigen Überschüsse entfernen zu können. Die Reihenfolge der Eingliederung wurde systematisch vorausgeplant. So wurden zuerst die Veneer-Kronen in der Front eingesetzt, dann folgte die Eingliederung im Seitenzahnbereich, abgestützt durch die befestigten FZ-Restaurationen.

  • Abb. 8: Ergebnis nach adhäsiver Eingliederung der Restaurationen.

  • Abb. 8: Ergebnis nach adhäsiver Eingliederung der Restaurationen.
    © Türp
Ein Positionierungsschlüssel unterstützte die schaukelfreie Eingliederung und kontrollierte die Passung in der Befestigungsphase. Eine nachts zu tragende Schutzschiene schloss die Behandlung ab. Das Video zeigt, dass trotz weitreichender Zahnhartsubstanzdefekte eine minimal-invasive Versorgung funktionell und ästhetisch perfekt umgesetzt wurde (Abb. 8).

Das Video von Libecki zeigt die schonende Trepanation einer zementierten, implantatgetragenen Keramikkrone, um an eine gelockerte Befestigungsschraube im Abutment zu gelangen. Um eine extensive Beschädigung der prothetischen Suprastruktur während des invasiven Suchens nach dem Schraubenkanal zu vermeiden, hatte er vorsorglich bei der Herstellung des Zahnersatzes einen Trepanationsschlüssel gefertigt. Dieser ermöglicht, im Falle einer Schraubenlockerung substanzschonend und exakt in den Schraubenkanal zu gelangen und die gelockerte Abutmentschraube gegen eine neue auszutauschen.

  • Abb. 9: Der Molar 46 aus Zirkonoxid wurde mittig geteilt. Die 2 Flügel wurden lateral mit Zementierungsschlüssel adhäsiv befestigt.

  • Abb. 9: Der Molar 46 aus Zirkonoxid wurde mittig geteilt. Die 2 Flügel wurden lateral mit Zementierungsschlüssel adhäsiv befestigt.
    © Busch, Ostermann
Das klinisch sehr zuverlässige Verfahren der Adhäsivbrücke nutzte Busch für das Video „Doppelt hält besser“. In regio 46 sollte ein Lückenschluss mit einer Krone aus Zirkonoxid erfolgen. Da das Brückenglied als einseitiger Anhänger zu breit wäre, wurde die Restauration geteilt. Mit einem Zementierungsschlüssel wurden von Zahnärztin Freda Ostermann beide Brücken nacheinander eingegliedert. Mit diesem neuen Verfahren wurde erstmalig ein Patient im Seitenzahnbereich mit 2 Adhäsivbrücken und „halbierten“ Molaren-Gliedern versorgt (Abb. 9).

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Manfred Kern - Dr. Caroline Gommel


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