Steuer


Steuer: Gemischt veranlasste Reisekosten besser abziehbar gestalten

11.10.2010

Quelle: © Klicker/pixelio.de
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Ein Urteil des Bundesfinanzhofes vom vergangenen Jahr erlaubt es dem Zahnarzt, gemischt veranlasste Reisekosten steuerlich geltend zu machen. Dabei kommt es darauf an, wie groß der beruflich motivierte Zeitanteil ausfällt. Und der Gesetzgeber verlangt, soweit möglich, eine Zuordnung der Kosten zu den privaten und den beruflichen Reisetagen. Wie dieser Regelung nachgekommen werden kann, lesen Sie im Folgenden nach.

Es ist ein steuerlicher Grundsatz, dass private Ausgaben nicht absetzbar sind. Streit mit dem Finanzamt gibt es immer dann, wenn Aufwendungen betrieblich und privat veranlasst sind, beispielsweise weil einer Auslandstagung ein Kurzurlaub angehängt wird. Bis vor kurzem galt, dass solche gemischt veranlassten Kosten ebenfalls grundsätzlich nicht abziehbar sind (Aufteilungs- und Abzugsverbot). Ausnahmen machte die Rechtsprechung schon bisher bei Kfz, Telefon, Waschmaschine oder Versicherungen.

Das Aufteilungs- und Abzugsverbot hat der Bundesfinanzhof in einer Entscheidung zu Reisekosten nun verworfen (BFH vom 21.09.2009 GrS 1/06). Zukünftig ist für gemischt veranlasste (Reise-)Kosten wie folgt zu verfahren: Beruflicher Anteil bis 10 % – kein Abzug; beruflicher Anteil zwischen 10 % und 90 % – Aufteilung der Reisekosten; beruflicher Anteil über 90 % – voller Abzug. Regelaufteilungsmaßstab ist im Fall der Reisekosten das Verhältnis der Zeitanteile. In besonderen Ausnahmefällen kann davon abgewichen werden.

Die Entscheidung ist positiv. Sie ist aber leider kein Freibrief zum vollen Abzug von Reisekosten. Zunächst ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Kosten einer beruflich mitveranlassten Reise auch „gemischt“ veranlasst sind. Die Tagungsgebühren, die Übernachtungskosten und den Verpflegungsmehraufwand können Sie in der Regel direkt den beruflichen und privaten Reisetagen zuordnen. Gemischt veranlasst sind hingegen z. B. die Flugkosten.

Im Detail bleiben einige Fragen offen. Die o. g. 10 %-Bagatellgrenze ist ein Erfahrungswert aus der früheren Rechtsprechung, der vom Gericht hier nicht explizit ausgesprochen wurde. Es bleibt abzuwarten, ob die Gerichte oder die Finanzverwaltung ihn bestätigen. Unklar ist zudem, wie der Maßstab „Zeit“ zu messen ist. Gilt ein Tag mit sechs Vortragsstunden und umfassender Abendunterhaltung als betrieblich oder privat veranlasst oder ist er ggf. aufzuteilen?

Der Steuerabzug Ihrer Reisekosten hängt immer davon ab, ob Sie den beruflichen Anlass möglichst detailliert belegen können. Bei Auslandstagungen sind beispielsweise das Fachprogramm und ein homogener Teilnehmerkreis entscheiden de Kriterien. Entsprechende Nachweise sollten Sie unbedingt aufheben. Planen Sie Ihre Reise zudem so, dass Berufliches vom Privaten abgrenzbar ist (Zeitblöcke bilden). Anderenfalls droht ein Abzugsverbot für die gesamten Kosten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Björn Ziegler

Bilder soweit nicht anders deklariert: Björn Ziegler


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.