Praxisführung


Warum zu viel Aktionismus der Geldanlage schadet

© Susanne Richter, pixelio.de
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Quelle: © Susanne Richter/pixelio.de

Auch wenn es für viele Anleger nur schwer zu akzeptieren ist: Die Kapitalmärkte sind insoweit effizient, dass Spekulationen dem normal informierten Privatanleger mehr schaden als nutzen. Neben der mangelnden Diversifikation sind hohe Aktivitäten für die Rendite der Geldanlage schädlich. Wie also lautet das Gegenmittel?

Anleger wollen logischerweise ihr Geld vermehren und besser abschneiden als der Markt. Damit das klappt, muss man vermeintlich aktiv in die Verwaltung seines Geldes eingreifen. Gemäß einer Studie von Prof. Andreas Hackethal, der zwischen 2005 und 2015 über 40.000 Anlegerdepots untersuchte, verändert der typische Anleger auf Jahressicht 24 % seines Portfolios; bei besonders handelsfreudigen Anlegern liegt die Umschlagsrate sogar bei 56 % und 5 % der aktivsten Anleger krempeln ihr Depot sogar zweimal pro Jahr komplett um.

Gebracht hat das leider nichts – im Gegenteil: Je mehr die Depotbesitzer agierten, desto schlechter war ihr Anlageergebnis. Im Schnitt verringerte sich die Depotrendite um 0,9 %-Punkte pro Jahr. Bei besonders aktiven Anlegern waren die Einbußen sogar noch höher. Sie verloren durch ihre ständigen Aktivitäten 3,3 %-Punkte jährlich.

Wer dies vermeiden wollte, vertraute sein Geld Fondsmanagern und Vermögensverwaltern an, im Glauben darauf, dass diese es natürlich besser können. Allerdings wird deren Können oftmals überschätzt, was diverse jährlich durchgeführte Studien belegen. Hohe Aktivitäten sind also allgemein für die langfristige Rendite schädlich. Dabei spielen vor allem auch die Handelskosten, die durch hohe Aktivitäten entstehen, eine entscheidende Rolle.

Ein Lotteriespiel

Der Versuch, den Markt zu übertreffen, ist kostspielig. Die Vorgehensweise ist mit einer Lotterie vergleichbar, deren Teilnahme ebenfalls nicht kostenfrei ist. Will man die theoretischen Gewinnchancen nach oben schrauben, müssen umso mehr Lose gekauft werden, und umso höher ist der wahrscheinliche absolute Verlust.

Risiko und Rendite sind positiv korreliert und seit jeher ein Gesetz des Kapitalmarktes. Keine einzige Gewinnchance an der Börse ist gratis und risikolos. Jede aktive Anlagestrategie, also jeder Versuch, den Markt schlagen zu wollen, verursacht aus einer Ex-ante-Perspektive, ist nur möglich, wenn höhere Risiken eingegangen werden. Bezogen auf die höher eingegangenen Risiken wird im Umkehrschluss ein höheres Renditeniveau erwartet. Diese Vorgehensweise verursacht höhere Handelskosten, die die tatsächliche Rendite schmälern.

Auf Datenbasis des deutschen Fondsbranchenverbands BVI haben die Analysten von Mars Asset Management nachgerechnet, dass Fondsmanager im Zeitraum von 1996 bis 2013 durch die Kapitalmarktentwicklung zwar eine Rendite von durchschnittlich 5,3 % jährlich erzielen konnten. Tatsächlich liegt die Anlegerrendite aber nur bei 2,8 % jährlich und damit um fast die Hälfte unter der Wertentwicklung, die möglich gewesen wäre. Grund dafür sind vor allem Steuern, Fondsund Handelskosten, die die Rendite schrumpfen lassen.

Diversifikation leidet

Um höhere Renditen zu erzielen, muss bei jeder aktiven Strategie auf Konzentration statt auf Diversifikation gesetzt werden. Den Markt, also den Marktdurchschnitt, kann nur übertrumpfen, wer nicht in den gesamten Markt, sondern nur in die einzelnen Wertpapiere, Teilsegmente des Marktes oder in Teilintervalle investiert, also bewusst auf mögliche Diversifikation verzichtet. Man betreibt in irgendeiner Form ein Wertpapier-Picking oder ein Market-Timing**, geht also Wetten gegen den Markt ein. Aktive Strategien enthalten also ein „Trading-Element“, was bedeutet, sie zielen darauf ab, bei Vorliegen bestimmter Bedingungen billig einzukaufen und dann teuer zu verkaufen.

Nebenkosten unterschätzen

Dieses Traden kostet jedoch Geld und verursacht zumeist auch zusätzlich Steuern. Je nach Trading-Intensität liegen die dadurch verursachten Kosten für aktive Privatanleger zwischen 2 und 6 % des Portfoliowertes im Jahr, der Durchschnitt etwa bei 3 %, egal ob es sich dabei um Einzelwerte oder Fonds handelt. Dass die hohen Verlustrisiken bei dem Versuch, den Markt schlagen zu wollen, nicht rein theoretischer Natur sind, zeigen die insgesamt enttäuschenden Nettorenditen von Aktienanlegern und Investmentfonds. Nach Angaben des Research-Unternehmens SP Global haben innerhalb der letzten 5 Jahre nur ca. 2 % aller Investmentfonds, die auf weltweite Aktien spezialisiert sind, den breit gefassten Aktienindex MSCI World geschlagen.

Passiv investieren

Eine andere Möglichkeit, in den Markt zu investieren, bietet sich über die passive Anlagestrategie. „Passiv“ steht in diesem Zusammenhang für den bewussten Verzicht auf aktive Anlagestrategien wie Stock- Picking* oder Market-Timing** in dem praktisch aussichtslosen, aber riskanten Unterfangen, den Markt zu schlagen. Bei dieser langfristig ausgerichteten Anlagestrategie verzichtet man auf kurzfristige spekulative Investments und laufendes Trading mit dem Ziel, an vermeintlichen Trends zu partizipieren, um eine Überrendite zu erzielen. Beim passiven Investieren setzt man systematisch und breit diversifiziert auf den gesamten globalen Aktien- und Anleihenmarkt. Bei der Umsetzung setzt man auf kostengünstige Indexfonds und ETFs, da diese sehr geringe laufende Kosten haben. Das Ziel, den Markt schlagen zu wollen, wird bei dieser Strategie nicht verfolgt. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass man mit dieser Strategie langfristig über 80 % aller gemanagten Fonds mit aktivem Ansatz hinter sich lässt.

Überrenditen oft Glückssache

Ständiges Rein und Raus bringt also keine höhere Rendite; im Gegenteil, die Gebühren für regelmäßiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren schmälern die Gewinne nur. Auch wird davon abgeraten, einen Fonds zu kaufen, dessen Manager sich fürs Timing bezahlen lassen. Den Markt genau vorherzusagen und Überrenditen zu erzielen, ist also reine Glückssache, getreu dem Motto des Wirtschaftsnobelpreisträgers Prof. Eugen Fama: „Du kannst den Markt langfristig nicht schlagen, also versuche es erst gar nicht.“

* Stock-Picking: Eine Analgestrategie die darauf basiert, Aktien zu erwerben, die sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt.
** Market-Timing: Eine Anlagestrategie, die versucht, durch die Bestimmung günstiger Zeitpunkte für Ein- und Ausstieg bei einem Wertpapier, einen Ertrag zu erzielen.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat


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