Abrechnung


GOZ: Aktuelle Nachkommentierung der Bundeszahnärztekammer

Seit dem 13. August 2013 gibt es eine neue Kommentierung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zur privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Aktuelle Fragestellungen, Interpretationen und die bisher gesammelten Erfahrungen mit der GOZ führten erneut zu umfangreichen Veränderungsvorschlägen bzw. Statements in allen Teilbereichen der Gebührenordnung. Unsere Abrechnungsspezialistin Sabine Schröder hat diese Neuerungen durchforstet und stellt die wichtigsten Aussagen der Nachkommentierung stichpunktartig vor.

In der Nachkommentierung wurden die folgenden Punkte behandelt:

• Kostenvoranschläge

Ein Kostenvoranschlag ist nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) grundsätzlich nur eine unverbindliche Berechnung der voraussichtlich entstehenden Kosten. Eine Preisgarantie gibt der Zahnarzt damit nicht.

Trotzdem ist der Zahnarzt verpflichtet, das zahnärztliche Honorar, das für seine Leistungen anfallen wird, so genau wie möglich im Vorhinein aufzuschlüsseln. Patienten- oder verfahrensbezogene Gründe, die dem Zahnarzt zum Zeitpunkt der Erstellung des Heil- und Kostenplanes bekannt sind, müssen bei der Bemessung der vorhergesagten Gebühren berücksichtigt werden. Der Patient bzw. Zahlungspflichtige ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass eventuell erst im Verlauf der Behandlung Tatsachen ersichtlich werden können, die eine Erhöhung des zahnärztlichen Honorars bewirken. Der Patient wird dadurch in die Lage versetzt, seine Entscheidung zu treffen, ob er die Behandlung von diesem Zahnarzt in der vorgesehenen Art und Weise durchführen lassen will. Eine Erhöhung des im Kostenvoranschlag errechneten Zahnarzthonorars ist möglich, wenn im Verlauf der Behandlung für den Zahnarzt nicht vorhersehbare Schwierigkeiten, ein erhöhter Zeitaufwand und/oder sonstige Umstände auftreten. Eine wesentliche Änderung der ursprünglichen Planung und eine damit verbundene wesentliche Veränderung des Vergütungsanspruchs sind dem Patienten umgehend mitzuteilen.

Wirkung entfaltet der Kostenvoranschlag im Übrigen nur hinsichtlich der in ihm erfassten Leistungen. Zur Klarstellung empfiehlt sich ein Hinweis, dass eventuell notwendige zusätzliche Leistungen oder sogenannte Begleitleistungen nach individuellem Aufwand zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

• GOZ 0065 (Optisch-elektronische Abformung)

Diese Nummer darf neben einer Leistung, die neben anderen Leistungsbestandteilen auch Abformungen beinhaltet, zusätzlich berechnet werden. Konventionelle Abformungen im Sinne der nachgelagerten Abrechnungsbestimmungen sind ausschließlich die Abformungen nach den Gebührennummern 5170, 5180, 5190 GOZ. Die Nebeneinanderberechnung dieser Leistungen und der Gebührennummer 0065 für denselben Kiefer ist nicht statthaft.

• GOZ 0100 (Intraorale Leitungsanästhesie)

Die Leitungsanästhesie ist entsprechend der Anzahl der zu anästhesierenden Nerven und/oder bei lang dauernden Eingriffen auch mehrfach berechnungsfähig.

• GOZ 1000 (Mundhygienestatus) /1010 (Kontrolle des Übungserfolgs)/ 1020 (Fluoridierung)/1030 (individuelle Fluoridierungsschiene)/ 4000 (PA-Status)/4005 (Gingival- und/oder Parodontalindex [PSI])

Hier wird der Passus „Innerhalb eines Jahres ...“ genau definiert: Nach Ausschöpfung der Ziffer mit letzter Sitzung am 29.02. ist sie dann im Folgejahr ab 01.03. erneut berechenbar.

• GOZ 2130 (Kontrolle, Finieren/ Polieren einer Restauration)

Diese Nummer ist auch am selben Zahn in einer Sitzung mit einer Füllung berechnungsfähig, wenn getrennte Kavitäten vorliegen.

• Ein kanalverankerter Kronenkernaufbau kann analog nach § 6(1) berechnet werden und ist nicht der GOZ 2195 (Schraubenaufbau, Glasfaserstift) zuzuordnen.

• GOZ 3000 (x1)/3010 (x2)/3020 (x3)/3030 (Ost1)/3040 (Ost 2)/3045 (Ost extrem verlagerter Zahn)/3130 (Hemisektion/Teilextraktion) /3050 (Nbl1) und 3060 (Nbl2)

Hier wird der Abrechnungshinweis zum Auffüllen der Alveole mit Knochenersatzmaterial im Zusammenhang mit einer dieser Leistungen geändert: Nicht die GOZ 4110 ist anzusetzen, sondern eine Analogziffer nach § 6(1).

Das Auffüllen einer Alveole oder des knöchernen Defektes mit autologem Knochen ist auch nach einer Implantatentfernung nach GOZ 9090 abrechenbar. Die Knochenentnahme aus getrenntem Operationsgebiet ist in diesem Zusammenhang nach GOZ 9140 abrechenbar.

• Zu allen chirurgischen Leistungen wurde ergänzt, dass die Stillung einer übermäßigen Blutung, die das typische Maß eines der o.g. Eingriffe übersteigt oder eine Unterbrechung des Eingriffs erfordert, nach GOZ 3050 (Nbl 1) berechenbar ist.

• Wurzelspitzenresektionen

Das Auffüllen eines die Größe einer Zahnregion nicht übersteigenden Knochendefektes nach Zystektomie in Verbindung mit einer Wurzelspitzenresektion ist mit der Nummer 4110 zu berechnen, da es sich um einen parodontalen Defekt handelt.

Das Auffüllen eines Knochendefektes nach Zystektomie und Osteotomie des beteiligten Zahnes oder eines Knochendefektes, der die Größe einer Zahnregion übersteigt, ist bei Verwendung autologen Knochens aus dem Operationsgebiet mit der Nummer 9090 und/oder bei der Einbringung von Knochenersatzmaterial analog zu berechnen. Die Nummer 4110 kann im letzteren Fall nicht berechnet werden, da kein parodontaler, sondern ein Defekt des Alveolarknochens bzw. Kieferkörpers vorliegt. Die zusätzliche Entnahme von Knochen aus einem getrennten Operationsgebiet ist mit der Nummer 9140 zu berechnen.

• Eine nicht der Formung des Prothesenlagers dienende Knochenresektion ist analog nach § 6 (1) GOZ berechenbar.

• GOZ 4020 (Lokalbehandlung von Mundschleimhauterkrankungen gegebenenfalls einschließlich Taschenspülungen)

Die einfache Spülung von Zahnfleischtaschen mit antibakteriellen Lösungen ist nach der Nummer 4020 zu berechnen. Die Ziffer 4020 kann auch im Zusammenhang mit parodontalchirurgischen Leistungen berechnet werden.

• GOZ 4025 (Subgingivale medikamentöse antibakterielle Lokalapplikation)

Wenn diese Leistung bei Implantaten erbracht wird, wird sie analog nach § 6 (1) GOZ berechnet.

• Die subgingivale Instillation eines Kortisonpräparates entspricht nicht der Gebührennummer GOZ 4025, sondern der Nummer 4020, da es nicht antibakteriell, sondern antiphlogistisch wirksam ist, daher ist sie analog nach § 6 (1) abzurechnen.

• GOZ 4080 (Gingivektomie, Gingivoplastik)

Diese Nummer ist nicht an Implantaten abrechnungsfähig, hier wäre dann je nach Umfang die GOZ 3070 (Exc1) oder 3080 (Exc2) heranzuziehen.

• GOZ 4090/4100 (Lappenoperation Front- bzw. Seitenzahn)

Diese Nummer schließt das Anlegen eines Wundverbands und auch das Zurücklegen des Zugangslappens ein.

• GOZ 4110 (Auffüllen von parodontalen Knochendefekten)

Die Leistung beinhaltet das Auffüllen knöcherner Defekte unter Beteiligung eines Parodontiums mit Knochen und/oder Knochenersatzmaterial. Auch das Einbringen regenerativer Proteine entspricht dem Leistungsinhalt. Die Gebührennummer stellt vorrangig auf die Therapie spalt- oder schüsselförmiger parodontaler Knochendefekte ab.

Die Nummer 4110 ist jedoch auch neben chirurgischen Leistungen wie z. B. der Prämolarisierung, Wurzelspitzenresektionen, Zystektomien, die als parodontaler Defekt die Größe einer Zahnregion nicht übersteigen, oder der Hemisektion und Teilextraktion berechnungsfähig. Die Leistung ist gemäß der Leistungsbeschreibung auf die Region eines Zahnes begrenzt. Eine Volumenvermehrung oder Veränderung der Außenkontur des Alveolarknochens erfolgt nicht.

Das Auffüllen knöcherner Defekte, die die Größe einer Zahnregion überschreiten, fällt nicht unter diese Nummer, da kein parodontaler Defekt, sondern ein Knochendefekt des Alveolarkammes bzw. Kieferkörpers vorliegt. Die Bezugnahme zu einem Implantat in der Leistungsbeschreibung und somit zum Auffüllen eines periimplantären Knochendefektes ist fachlich obsolet, da kein Parodontium und somit kein parodontaler Defekt vorliegt. Das Auffüllen derartiger Defekte ist bei der Verwendung autologen Knochens mit der Nummer 9090 und/ oder bei Einbringung von Knochenersatzmaterial analog zu berechnen.

Die Entnahme von Knochen aus einem getrennten Operationsgebiet berechtigt zum Ansatz der Nummer 9140.

Eine mit einer Volumenvermehrung einhergehende Augmentation mit Knochen und/oder Knochenersatzmaterial, z. B. als vorbereitende oder begleitende Maßnahme für eine lmplantateinbringung, entspricht den Nummern 9100 oder 9130. Ggf. treten die Nummern 9140 und 9150 hinzu.

Erfolgt neben der Leistung nach der Nummer 4110 eine Weichteilunterfütterung mit autologem Knochen, ist hierfür die 9090 berechnungsfähig. Wird hierbei Knochenersatzmaterial und/oder ein collagen patch verwendet, so entspricht diese Leistung der Nummer GOÄ 2442.

Werden in einem Zahnzwischenraum die parodontalen Knochendefekte zweier benachbarter Zähne behandelt, kommt die Nummer zweimal zum Ansatz.

• GOZ 4120 (Verlegen eines gestielten Schleimhautlappens)

Im Gegensatz zur einfachen Lappenplastik (Nummer 2381 GOÄ) oder einer schwierigen Lappen- plastik (Nummer 2382 GOÄ) beschreibt Nummer 4120 keine vollständige Lappenplastik, sondern das Verlegen eines vorhandenen gestielten Schleimhautlappens.

Diese Gebührennummer ist z. B. dann berechnungsfähig, wenn im Zusammenhang mit einer offenen parodontalchirurgischen Behandlung (GOZ 4090, 4100) der vorhandene Schleimhautlappen nicht nur als Zugangslappen dient und im Sinn einer primären Wundversorgung in die ursprüngliche Position reponiert, sondern apikal, koronal oder lateral verlagert wird.

Die Leistung kann u. a. der Deckung gingivaler Rezessionen oder der Beseitigung bzw. Reduktion pathologischer Zahnfleischtaschen dienen. Das alleinige Einkürzen oder Umschneiden eines Schleimhautlappens erfüllt den Leistungsinhalt nicht.

Die Periostschlitzung ist im Gegensatz zur Leistungsbeschreibung bei der Nummer 3100 nicht Leistungsvoraussetzung. Unabhängig von der Größe des verlegten Schleimhautlappens ist die Gebührennummer nur einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnungsfähig.

Vestibulum-, Mundboden- oder Gingivaextensionsplastiken sind in Abhängigkeit von Umfang und Indikation nach der Nummer 3240 oder den Nummern 2675 bis 2677 GOÄ zu berechnen.

• GOZ 4133 (Bindegewebstransplantat)

Die Transplantation von Bindegewebe an einen anderen Zielort als einen Zahnzwischenraum, z. B. in einen zahnlosen Bereich, ist analog zu berechnen. Für die Transplantation von Schleimhaut trifft diese Gebührennummer nicht zu.

• Die Implantation eines alloplastischen collagen patches wird von dieser Gebührennummer ebenfalls nicht erfasst, sondern diese wird unabhängig vom Zielort nach GOÄ 2442 (Implantation alloplastischen Materials) berechnet.

• Im Rahmen der kieferorthopädischen Behandlung kann neben der Eingliederung eines Klebebrackets (GOZ 6100) die Bracketumfeldversiegelung zusätzlich als Glattflächenversiegelung (GOZ 2000) berechnet werden.

• Obturatoren, die ohne vorangegangene gewebeabtragende Operation dem Verschluss unphysiologischer Verbindungen ohne Beteiligung des Gaumens dienen oder knöcherne Defizite der Kiefer ausgleichen, sind ebenso wie Obturatoren, die dem Offenhalten eines Zystenlumens nach Zystostomie dienen, im Wege der Analogie nach § 6 (1) zu bewerten.

• GOZ 7070 (Semipermanente Schienung)

Diese Nummer ist auch in der Retentionsphase einer kieferorthopädischen Behandlung berechenbar.

• GOZ 9150 (Fixation des Augmentates durch Osteosynthesemaßnahmen)

In der Kommentierung der Allgemeinen Bestimmungen zum Abschnitt K „Implantologische Leistungen“, wird am Ende folgender Text angefügt: „Materialien, die zur Fixierung oder Stabilisierung des Augmentates implantiert werden, sind gesondert berechnungsfähig.“

• GOZ 9100 (Aufbau des Alveolarfortsatzes durch Augmentation)

Eigentlich ist die Ä2442 (Implantation alloplastischen Materials) nicht zeitgleich berechenbar, es sei denn, es wird ein collagen patch verwendet und kein Knochenersatzmaterial.

Weichteilchirurgische Maßnahmen, die nicht der Schleimhautabdeckung des augmentierten Gebietes dienen, sondern aufgrund eigenständiger Indikation erbracht werden, sind gesondert berechnungsfähig. Beispielsweise sind weichteilplastische Maßnahmen, die der Vertiefung des Vestibulums oder Mundbodens dienen, daneben berechnungsfähig.

• GOZ 9140 (Intraorale Aufnahme von Knochen außerhalb des Aufbaugebietes)

Diese Nummer umfasst die intraorale Entnahme von Knochen, Knochenteilen oder Knochenblöcken und schließt die Aufbereitung des Knochenmaterials, z. B. durch Dekortikation, Zerkleinerung, Zermahlung oder Zuschneidung, ein. Die einfache Wundversorgung der Entnahmestelle und die Konditionierung bzw. Lagerbildung der Aufnahmeregion sind ebenfalls abgegolten. Berechnungsvoraussetzung ist die Knochenentnahme außerhalb des Aufbaugebietes, d. h. aus einem getrennten Operationsgebiet (Gebiete getrennter Schnittführung).

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen. Der genaue Wortlaut kann unter www.abrechnung-zahnmedizin.de oder www.bzaek.de abgerufen werden.

Ergänzt wurde die Kommentierung der BZÄK durch eine tabellarische Aufstellung knochenchirurgischer Leistungen bzw. Leistungskombinationen unter der Überschrift „Knochenmanagement“, die in unserer Novemberausgabe vorgestellt wird.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder


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