Abrechnung


Die Abrechnung der externen Sinusbodenelevation

Die Berechnung der externen Sinusbodenelevation ist weder in der derzeit gültigen GOZ noch in der GOÄ klar definiert. Da sie eine nach dem Inkrafttreten der GOZ 1988 neu entwickelte, selbstständige Leistung darstellt, kann sie beispielsweise gemäß § 6 (2) GOZ analog berechnet werden. Dieses bestätigt auch die Bundeszahnärztekammer in ihrer Stellungnahme vom 03.12.2004. Welche Gebührenziffer bei dieser Berechnungsvariante

analog zugrunde gelegt wird, entscheidet grundsätzlich der behandelnde Zahnarzt.

Eine weitere Berechnungsempfehlung für diese Operationsmethode wird im Folgenden vorgestellt. Hierbei werden überwiegend Gebührenziffern aus der Gebührenordnung für Ärzte gewählt, da in der GOZ keine entsprechenden Ziffern enthalten sind.

Bei einer Sinusbodenelevation wird zunächst ein Knochendeckel im Bereich der fazialen Kieferhöhlenwand präpariert und dieser dann unter der Kieferhöhlenschleimhaut in die knöcherne Abgrenzung der Kieferhöhle versetzt. Für die notwendige operative Eröffnung der knöchernen Begrenzung der Kieferhöhle ist die GOÄ 1467 (Operative Eröffnung einer Kieferhöhle vom Mundvorhof aus – einschließlich Fensterung) berechenbar. In den nun entstandenen Hohlraum zwischen der knöchernen Kieferhöhlenabgrenzung und der Kieferhöhlenschleimhaut wird ein Knochentransplantat eingesetzt, um eine knöcherne Augmentation zu erreichen. Mit der Entnahme des Knochens beispielsweise retromolar oder aus dem Kinnbereich und dem Einbringen im Sinusgebiet ist der Leistungsinhalt der Ziffer Ä2255 (Freie Verpflanzung eines Knochens oder von Knochenteilen [Knochenspäne]) erfüllt.

Für die Befestigung des verpflanzten Knochens am ortsständigen Knochen ist keine eigene Leistungsbeschreibung in der GOZ/GOÄ vorgesehen. Da es sich um eine selbständige Leistung handelt, die nicht Bestandteil einer anderen chirurgischen Leistung ist, kann beispielsweise analog die Ziffer GOZ 903 oder GOÄ 2348 (Nagelung und/oder Drahtung eines kleinen Röhrenknochens) angesetzt werden. Operative Maßnahmen zur Lagerbildung sind notwendig, um den stark atrophierten Kieferkammbereich so vorzubereiten, dass er fähig wird, Knochentransplantate aufzunehmen. Hierfür kann je nach Größe des Defektes entweder die Ziffer GOÄ 2732 (Operation zur Lagerbildung für Knochen oder Knorpel bei ausgedehnten Kieferdefekten) oder GOÄ 2730 (Operative Maßnahmen zur Lagerbildung beim Aufbau des Alveolarfortsatzes, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich) in Ansatz gebracht werden. Der analoge Ansatz der Ziffer GOÄ 2386 (Schleimhauttransplantation – einschließlich operativer Unterminierung der Entnahmestelle und plastischer Deckung) berechnet die Präparation der Schneider’schen Membran. Um den verpflanzten Knochen vor dem Druck der Kieferhöhlenschleimhaut zu schützen und einer langfristigen Resorption vorzubeugen, wird Knochenersatzmaterial addiert. Hierfür ist je nach Aufwand die Ziffer GOÄ 2442 (Implantation alloplastischen Materials zur Weichteilunterfütterung, als selbstständige Leistung oder die GOZ 411 (Auffüllen parodontaler Knochendefekte mit autologem oder alloplastischem Material, je Zahn) berechenbar, ebenso das verwendete Material.

Eine Membran, berechenbar analog z. B. nach der Ziffer GOZ 413 (Chirurgische Maßnahmen zur Verbreiterung der unverschieblichen Gingiva und/oder zur Vertiefung des Mundvorhofes, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich) oder analog gemäß der GOÄ 2442, wird zum Verschluss des Sinusfensters verwendet, dient der Stabilisierung des Augmentates und verhindert gleichzeitig das Einwachsen von Narbengewebe. Häufig wird außerdem die Durchführung eines Bonesplittings (Segmentosteotomie) notwendig. Hierbei wird der Kieferkamm mithilfe von chirurgischen Knochenfräsen und Meißeln längsseitig gespalten. Es wird somit eine künstliche Fraktur des Kieferkamms in sagittaler Richtung erreicht. Danach werden die Implantate in die neu geschaffenen Hohlräume inseriert. Durch die Verbreiterung des knöchernen Implantatlagers haben sich jedoch nach Insertion der Implantate periimplantär größere Hohlräume gebildet, die nicht von allein verknöchern. Aus diesem Grunde wird häufig jeweils in die Hohlräum – um das Implantat herum – autologer Knochen oder Knochenspäne verpflanzt, damit die Hohlräume aufgefüllt sind. Nach abgeschlossener Segmentosteotomie, berechenbar nach der Ziffer GOÄ 2710 (partielle Resektion des Ober- oder Unterkiefers, auch Segmentosteotomie, als selbstständige Leistung) oder GOÄ 2250 (keilförmige oder lineare Osteotomie eines kleinen Knochens [Finger-, Zehen-, Mittelhand-, Mittelfußknochen] oder Probeausmeißelung aus einem Knochen), wird also nun wiederum als selbstständige Leistung die GOÄ 2255 bzw. GOÄ 2254 (Implantation von Knochen) in Ansatz gebracht für die Auffüllung der Hohlräume mit autologem Knochenmaterial. Ob die Ziffer GOÄ 2255 oder GOÄ 2254 anfällt, hängt davon ab, ob eine weitere Knochenentnahmestelle genutzt wird. Wird der Knochen aus demselben Entnahmegebiet wie vorher entnommen, fällt lediglich die Ziffer GOÄ 2254 an, ansonsten die GOÄ 2255 ein weiteres Mal.

Durch den Sinuslift entsteht ein umfangreicher Defekt, dessen Verschluss aufwendig und schwierig ist. Im Rahmen der Defektdeckung wird ein Schleimhautlappen mobilisiert, der auf die Stelle der Kieferhöhleneröffnung positioniert wird. Für den plastischen Verschluss der eröffneten Kieferhöhle wird nach der Sinusliftoperation die Leistungsziffer GOZ 309 (Plastischer Verschluss einer eröffneten Kieferhöhle) in Ansatz gebracht.
Einige chirurgische Leistungen aus der GOÄ sind bei ambulanten Operationen zuschlagsberechtigt (GOÄ 442 bis GOÄ 445). Es kann immer je Operation ein Zuschlag (der höchste) berechnet werden. Wenn beispielsweise die GOÄ 2732 (zuschlagsberechtigt nach der Ziffer Ä 445), die GOÄ 2442 (zuschlagsberechtigt nach der Ziffer Ä 444) und die GOÄ 2710 (zuschlagsberechtigt nach der Ziffer Ä 444) in einer Sitzung anfallen, wäre der Zuschlag Ä 445 einmal berechenbar. Außerdem gilt es zu beachten, dass Auslagen im Zusammenhang mit GOÄ-Ziffern, wie z. B. sterile OP-Handschuhe, chirurgisches Abdeckset, atraumatisches Nahtmaterial, weiterhin berechenbar sind. Sind in der Rechnung also GOÄ-Ziffern enthalten, mit denen der Auslagenersatz in Verbindung steht, können die oben genannten Auslagen berechnet werden. Werden ausschließlich GOZ-Ziffern berechnet, besteht diese Möglichkeit nicht.


Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen.

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder


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