Abrechnung


Auswirkungen der GOZ 2012 auf die Beihilfeverordnungen

Mit Inkrafttreten der Neuen GOZ im vergangenen Jahr haben sich auch aus Sicht der Beihilfestellen Veränderungsnotwendigkeiten ergeben. Einen Überblick über die Änderungen der Beihilfeverordnungen im Bereich der zahnärztlichen Leistungen hat unsere Autorin ZMV Sabine Schröder für Sie zusammengefasst.

Mit Inkrafttreten der Neuen GOZ im vergangenen Jahr haben sich auch aus Sicht der Beihilfestellen Veränderungsnotwendigkeiten ergeben. Am 20.09.2012 traten die Änderungen der Bundesbeihilfeverordnung in Kraft, laut Runderlass des Finanzministeriums änderte sich zum 16.11.2012 auch Einiges im Beihilferecht in Nordrhein-Westfalen. Den Zahnarzt trifft als Nebenpflicht aus dem Behandlungsvertrag die sogenannte wirtschaftliche Aufklärungspflicht. Hieraus ergibt sich, dass der Zahnarzt seinen Patienten zumindest allgemein über mögliche Erstattungseinschränkungen der geplanten Behandlung informieren muss. Es ist allerdings nicht seine Aufgabe, die Beihilfeverordung dezidiert zu erläutern. Der Patient selbst ist gehalten, sich bei seinem Dienstherrn über die ihm zustehende Beihilfe zu informieren. Insbesondere sollte immer betont werden, dass zwischen Zahnarzt und Beihilfestelle keinerlei Rechtsbeziehungen existieren. So kommt es häufig vor, dass aus beihilferechtlicher Sicht Erstattungseinschränkungen bestehen, die aber keinen Einfluss auf die vom Zahnarzt rechtskonform nach den Vorgaben der Gebührenordnung für Zahnärzte bzw. Ärzte vorgenommene Rechnungsstellung haben. Der Patient muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass hierdurch u.U. ein von ihm selbst zu zahlender Eigenanteil an der Behandlung entstehen kann.

1. Änderungen der Bundesbeihilfeverordnung (Auszug)

„Bundesbeihilfeverordnung vom 13. Februar 2009 (BGBl. I S. 326), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 8. September 2012 (BGBl. I S. 1935) geändert worden ist“.

Stand: Zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 8.9.2012 I 1935

§ 14 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Anders als in der Vergangenheit wurde bestimmt, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (GOÄ 70) für den Dienstherrn nunmehr erstattet werden.

§ 15 Implantologische kieferorthopädische, funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen

Die Voraussetzungen, eine beihilferechtliche Anerkennung für o.g. Leistungen zu erreichen, sind wie in der Vergangenheit nur bei Vorliegen bestimmter Indikationen erfüllt. Für die Implantologie gilt außer den Indikationen bei größeren Kiefer- oder Gesichtsdefekten wie in der Vergangenheit insbesondere folgende Regelung: Bei implantatbasiertem Zahnersatz im zahnlosen Ober- oder Unterkiefer sind die Aufwendungen für höchstens vier Implantate je Kiefer, einschließlich vorhandener Implantate, zu denen Beihilfen oder vergleichbare Leistungen aus öffentlichen Kassen gewährt wurden, beihilfefähig. Liegt keiner der in Satz 1, Nummer 1–5 genannten Fälle vor, sind die Aufwendungen für höchstens zwei Implantate je Kiefer, einschließlich vorhandener Implantate, zu denen Beihilfen oder vergleichbare Leistungen aus öffentlichen Kassen gewährt wurden, beihilfefähig. Die Aufwendungen, einschließlich der Material- und Laborkosten nach den §§ 4 und 9 der Gebührenordnung für Zahnärzte, sind entsprechend dem Verhältnis der Zahl der nicht beihilfefähigen zur Gesamtzahl der Implantate zu kürzen. Aufwendungen für Suprakonstruktionen sind immer beihilfefähig.

Kieferorthopädische Leistungen können wie gewohnt beihilferechtlich anerkannt werden, insofern der Patient das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder aufgrund schwerer Kieferanomalien eine kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Behandlung erfolgt. Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen werden weiterhin nur erstattet bei Vorliegen der gleichen Indikationen wie bisher (z.B. bei Kiefergelenk- oder Muskelerkrankungen, umfangreichen Gebisssanierungen, wenn in einem Kiefer mindestens 8 Seitenzähne mit Zahnersatz, Kronen oder Inlays versorgt werden müssen, wobei fehlende Zähne sanierungsbedürftigen gleichgestellt werden und die richtige Schlussbissstellung nicht mehr auf andere Weise feststellbar ist.

Diese schließt wie in der Vergangenheit die beihilfrechtliche Anerkennung der Gebührenziffern 8000 ff. bei Versorgungen aus, die nicht den o.g. Umfang erreichen. Um die Indikation nachzuweisen, hat die oder der Beihilfeberechtigte der Festsetzungsstelle eine Kopie der zahnärztlichen Dokumentation nach Nummer 8000 der Anlage zur Gebührenordnung für Zahnärzte vorzulegen.

§ 41 Prophylaktische Leistungen

In § 41 heißt es u.a., dass prophylaktische zahnärztliche Leistungen nach Abschnitt B und den Nummern 0010, 0070, 2000, 4050, 4055 und 4060 der Anlage zur Gebührenordnung für Zahnärzte und Nummer 1 der Anlage zur Gebührenordnung für Ärzte beihilferechtlich anerkannt werden. Die in der neuen GOZ enthaltene Ziffer GOZ 1040 ist in der Aufzählung nicht berücksichtigt worden. Obwohl die medizinische Notwendigkeit der Ziffer 1040 durch Aufnahme in die neue GOZ zweifelsohne gegeben ist, erfolgt laut Bundesbeihilfeverordnung eine Erstattung der Kosten auf Basis der o.a. Gebührenziffern. Zu beachten ist ferner auch die Anlage 1 (zu § 6 Absatz 2), die von der Beihilfeerstattung ausgeschlossene und teilweise ausgeschlossene Untersuchungen und Behandlungen aufführt. Hierzu zählen z.B. die Kariesdetektor-Behandlung, die Bioresonanztherapie, die kinesiologische Behandlung u.v.m..

2. Änderungen der Beihilfeverordnung NRW (Auszug)

Gewährung von Beihilfen in Geburts-, Krankheits-, Pflege- und Todesfällen | Beihilferechtliche Hinweise zum zahnärztlichen Gebührenrecht

RdErl. d. Finanzministeriums v. 16.11.2012 B 3100 - 3.1.6.2.A - IV A 4

In den anfänglichen Bestimmungen werden überwiegend die neuen Regelungen aus dem Paragraphenteil der GOZ 2012 wiederholt. Zum Beispiel wird betont, dass Verlangensleistungen ohne medizinische Indikation in der Rechnung kenntlich gemacht werden sollen oder dass Bemessungskriterien, die bereits in der Leistungsbeschreibung im Gebührenverzeichnis berücksichtigt wurden bei der Gebührenbemessung außer Acht zu bleiben haben.

Begründungen bei Faktorerhöhung:

Abweichend von den Bestimmungen der GOZ bestimmt die Beihilfeverordnung weiterhin, dass verfahrensspezifische Besonderheiten bei Überschreitung des 2,3-fachen Satzes aus beihilferechtlicher Sicht keine Anerkennung finden können. Konkret wird benannt, welche Begründungen aus Beihilfesicht in der Regel keine Überschreitung des 2,3-fachen Gebührensatzes rechtfertigen;

a) pulpanahe Präparation
b) starker Speichelfluss
c) erschwerter Mundzugang
d) divergierende Pfeilerzähne
e) subgingivale Präparation
f) Verblendung und Farbauswahl
g) erhöhter Zungen- und Wangendruck
h) kurze oder lange klinische Krone
i) tiefe Zahnfleischtaschen
j) festhaftende Beläge/ Konkremente

Analogabrechnung

Hier wird – zunächst angepasst an die Vorgaben der neuen GOZ – nachvollziehbar erläutert, welche Leistungen analog berechnet werden können. Unverständlich ist allerdings die Formulierung, dass „für Leistungen, die mehrfach berechenbar sind, eine Analogabrechnung ausgeschlossen ist“. Möglicherweise nimmt man hier Bezug auf die Tatsache, dass eine Leistung zwar in der Gebührenordnung enthalten, aber anzahlmäßig reglementiert ist. Z.B. könnte der vierte Ansatz der Gebührenziffer 9050 (Entfernen und Wiedereinsetzen sowie Auswechseln eines oder mehrerer Aufbauelemente bei einem zweiphasigen Implantatsystem während der rekonstruktiven Phase (höchstens 3 x je Implantat und Behandlungsfall) analog gesehen werden.

Unter Punkt B Gebührenverzeichnis (Anlage 1 zur GOZ) wird konkret zu einzelnen Gebührenziffern der neuen GOZ Position bezogen

1. Zu Nummer 0070 (Vitalitätsprobe)

Die Nummer 0070 ist in einer Sitzung nur einmal berechnungsfähig. Auch bei Anwendung unterschiedlicher Methoden ist die Testung nur einmal berechenbar. Die Vitalitätsprobe kann im Verlauf einer Behandlung an unterschiedlichen Behandlungstagen erneut erforderlich werden.

2. Zu Nummer 0080 bis 0100 (Anästhesien)

 
2.1 Die Leistung nach Nummer 0090 ist im Regelfall nur einmal je Zahn und Sitzung berechnungsfähig. Eine routinemäßige Berechnung je Einstich ist nicht zulässig. Eine mehr als einmalige Berechnung je Zahn ist im Ausnahmefall möglich. Dies ist dann in der Rechnung zu begründen.

2.2 Die Leitungsanästhesie nach Nummer 0100 wird im Regelfall nur einmal je Sitzung und Kieferhälfte erforderlich sein.

2.3 Die bei der Erbringung der Leistungen nach den Nummern 0080 bis 0100 verwendeten Einmalartikel (z.B. Kanüle) sind mit den Gebühren abgegolten. Dies gilt bei der Leistung nach Nummer 0080 auch für die verwendeten Arzneimittel. Bei den Leistungen nach den Nummern 0090 und 0100 ist das verwendete Anästhetikum gesondert berechnungsfähig. Hierbei können Kosten von bis zu 0,70 Euro je Karpule als angemessen anerkannt werden.

2.4 Führt der Zahnarzt die Behandlung unter Verwendung einer Lupenbrille durch, kann hierfür keine Gebühr berücksichtigt werden (weder nach Nummer 0110 GOZ noch im Rahmen einer Analogbewertung).

3. Zu Nummer 0120 (Zuschlag für Lasereinsatz)

Die Höhe des Zuschlags entspricht dem einfachen Gebührensatz der Leistung, neben der er berechnet wird und ist nicht steigerungsfähig. Bei der Durchführung mehrerer zuschlagsfähiger Leistungen wird diejenige Leistung zur Bemessung herangezogen, die mit der höchsten Punktzahl bewertet ist. Der Zuschlag darf nicht mehr als 68 Euro betragen.

4. Zu Nummer 1020 (Lokale Fluoridierung zur Verbesserung der Zahnhartsubstanz, zur Kariesvorbeugung und -behandlung, mit Lack oder Gel, je Sitzung)

Die Maßnahme ist unabhängig von der Anzahl der Zähne nur einmal je Sitzung berechnungsfähig. Sie ist nicht berechnungsfähig für die Behandlung überempfindlicher Zähne. Eine Mundspülung mit fluoridhaltigen Lösungen erfüllt nicht die Voraussetzungen dieser Leistung.

5. Zu Nummer 1040 (Professionelle Zahnreinigung)

Die Leistung umfasst die Professionelle Zahnreinigung (PZR). Die Entfernung unterhalb des Zahnfleisches liegender Konkremente, die nur vom Zahnarzt durchgeführt und nicht auf eine qualifizierte Fachangestellte delegiert werden kann, ist grundsätzlich nach GOZ-Nummer 4070 beziehungsweise 4075 berechenbar, allerdings nicht in derselben Sitzung mit einer PZR. Auch wenn die PZR aufwendiger gewesen ist (z. B. subgingivale Reinigung), rechtfertigt dies nicht die zusätzliche analoge Berechnung der Nummern 1040, 4070 oder 4075 GOZ. Die Verbrauchsmaterialien sind mit den Gebühren abgegolten. In einer separaten Sitzung nach erfolgter PZR ist als Kontrolle die Nummer 4060 GOZ berechnungsfähig. Sie beinhaltet auch die Nachreinigung einschließlich Polieren je Zahn, Implantat oder Brückenglied.

6. Zu Nummer 2000 (Versiegelung von kariesfreien Zahnfissuren mit aushärtenden Kunststoffen, auch Glattflächenversiegelung, je Zahn)

Das verwendete Versiegelungsmaterial ist mit der Gebühr abgegolten. Auch bei mehreren Fissuren oder in Kombination Fissur/Grübchen ist die Berechnung nur einmal je Zahn möglich. Die Versiegelung bei Entfernen eines Bandes, eines Brackets oder eines Attachments ist Bestandteil der Nummer 6110 bzw. 6130 GOZ und kann in derselben Sitzung nicht gesondert berechnet werden.

7. Zu Nummer 2020 (Temporärer speicheldichter Verschluss einer Kavität)

Bei dem temporären Verschluss von kariösen Läsionen (z.B. als Notfallmaßnahme etwa bei Verlust einer Füllung) ist eine ggf. notwendige Erweiterung oder Anpassung der Kavität Leistungsbestandteil der Nummer 2020 GOZ.

8. Zu Nummer 2030 (Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten: z.B. Separieren, Beseitigen störenden Zahnfleisches, Stillung einer übermäßigen Papillenblutung, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich)

8.1 Die Leistung nach Nummer 2030 GOZ kann je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich je Sitzung höchstens zweimal berechnet werden, wenn mindestens eine besondere Maßnahme beim Präparieren und mindestens eine besondere Maßnahme beim Füllen von Kavitäten erbracht wird. Werden mehrere besondere Maßnahmen in derselben Kieferhälfte oder im Frontzahnbereich nur beim Präparieren erbracht, kann die Leistung nach Nummer 2030 GOZ nur einmal je Sitzung berechnet werden. Gleiches gilt, wenn mehrere besondere Maßnahmen nur beim Füllen von Kavitäten erbracht werden.

8.2 Laut Leistungsbeschreibung kann die Leistung nach Nummer 2030 GOZ nur im Zusammenhang mit einer Füllungstherapie oder einer Zahnpräparation berechnet werden. Die Maßnahme kann nicht gesondert zur Darstellung von Präparationsrändern bei einer prothetischen Therapie angesetzt werden, da sie Bestandteil der Leistungen nach den Nummern 2200 ff. und 5000 ff. ist; sie kann auch nicht im Rahmen einer KFO-Behandlung zum Tragen kommen.

9. Zu Nummer 2040 (Anlegen von Spanngummi, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich)

Die Materialkosten sind nicht gesondert berechenbar.

10. Zu Nummer 2160 und 2170 (Einlagefüllung zweiflächig,- dreiflächig)

Nach der Leistungsbeschreibung handelt es sich nicht um Aufbaufüllungen (Nummern 2180 ff.), sondern ausschließlich um Füllungsversorgungen. Es besteht daher kein Anspruch auf Erstattung der Gebührennummern 2160 und 2170 (analog) vor einer Überkronung von Zähnen, da es sich bei den vorbereitenden Tätigkeiten für eine prothetische Versorgung um Leistungen nach den Nummern 2180 ff. handelt (so auch Urteil des Amtsgerichts Köln vom 30.06.2003 – 116 C 110/02 ).

11. Zu Nummer 2197 (Adhäsive Befestigung: plastischer Aufbau, Stift, Inlay, Krone, Teilkrone, Veneer, etc.)

11.1 Die Leistung nach Nummer 2197 ist nicht im Zusammenhang mit Füllungen nach den Nummern 2060, 2080, 2100 und 2120 berechenbar.

11.2 Nummer 2197 ist als Leistungsposition für eine adhäsive Befestigung für Klebebrackets (Nummer 6100 GOZ) nicht berechnungsfähig, da deren Leistungsinhalt eine „Klebebefestigung“ umfasst. Nach § 4 Absatz 2 Satz 2 GOZ darf „für eine Leistung, die Bestandteil oder eine besondere Ausführung einer anderen Leistung nach dem Gebührenverzeichnis ist, kann der Zahnarzt eine Gebühr nicht berechnen, wenn er für die andere Leistung eine Gebühr berechnet.“ Die Nummer 6100 GOZ umfasst als Leistung die Eingliederung eines Klebebrackets. Der Begriff „Klebebracket“ setzt zwingend voraus, dass das Bracket „geklebt“ wird. Auch wenn in der GOZ von „Klebebrackets“ und nicht von „adhäsiv befestigten Brackets“ die Rede ist, muss aufgrund der Synonymie beider Begriffe davon ausgegangen werden, dass § 4 Absatz 2 Satz 2 GOZ für Klebebrackets in dem Sinn gilt, dass die Nummer 2197 für die adhäsive Befestigung nicht zusätzlich berechnet werden kann; das Kleben ist bereits Bestandteil der Leistung nach Nummer 6100 GOZ.

12. Zu Nummer 2260 und 2270 (Provisorien)

Kosten für die labortechnische Herstellung provisorischer Kronen und Brücken sind nur dann beihilfefähig, wenn es sich um Langzeitprovisorien nach den Nummern 7080 und 7090 GOZ handelt, nicht jedoch in Verbindung mit den Nummern 2260, 2270 sowie 5120 und 5140 GOZ.

13. Zu Nummer 2390 (Trepanation eines Zahnes, als selbstständige Leistung)

Die Leistung nach Nummer 2390 GOZ ist nur als selbstständige Leistung berechnungsfähig (z.B. im Rahmen einer Notfallbehandlung) und nicht z.B. als Zugangsleistung zur Erbringung der Leistungen nach den Nummern 2360, 2410 und 2440 GOZ.

14. Zu Nummer 2420 (Zusätzliche Anwendung elektrophysikalisch- chemischer Methoden, je Kanal)

Die Nummer 2420 GOZ setzt ein spezielles elektrophysikalisch-chemisches Verfahren voraus (z.B. Iontophorese, Depotphorese, Elektrophorese). Diese Verfahren kommen heutzutage nur noch selten zur Anwendung. Die chemisch- physikalische Desinfektion des Wurzelkanals (auch mittels Ultraschall) berechtigt nicht zum Ansatz der Nummer 2420 GOZ.

15. Zu Nummer 3070 (Exzision von Schleimhaut oder Granulationsgewebe, als selbstständige Leistung)

Durch den Zusatz in der Leistungsbeschreibung „als selbstständige Leistung“ soll ausgeschlossen werden, dass diese Leistung als notwendiger Leistungsbestandteil einer anderen, umfassenderen Leistung zusätzlich berechnet wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn es sich um Zugangsleistungen handelt oder um eine, der eigentlichen Hauptleistung vorangehende oder nachgeschaltete Begleitverrichtung, die immer oder mit einer erkennbaren Regelmäßigkeit mit der Hauptleistung verknüpft ist.

16. Zu Nummer 3100 (Plastische Deckung im Rahmen einer Wundversorgung einschließlich einer Periostschlitzung, je Operationsgebiet; Raum einer zusammenhängenden Schnittführung)

Die Leistung bildet die im Rahmen einer Wundversorgung einschließlich einer erforderlichen Periostschlitzung auftretenden Eingriffe ab. Die Periostschlitzung ist dabei ein obligatorischer Leistungsteil. Ortsgleiche Eingriffe ohne Verlagerung von Weichgewebe sind jedoch mit den Gebühren für die operativen Leistungen abgegolten und nicht gesondert berechnungsfähig. Die Leistung nach Nummer 3100 GOZ kann jedoch grundsätzlich neben anderen operativen Leistungen berechnet werden.

17. Zu Nummer 3290 (Kontrolle nach chirurgischem Eingriff, als selbstständige Leistung, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich)

Die in der Leistungsbeschreibung enthaltene Formulierung „als selbstständige Leistung“ bedeutet nicht, dass die Kontrolle nur als einzige Leistung berechnet werden kann. Ausgeschlossen ist die gesonderte Berechnung dann, wenn die Kontrolle als unselbstständige Teilleistung einer in gleicher Sitzung anfallenden anderen, umfassenderen Leistung anzusehen ist.

18. Zu Nummer 4000 (Erstellen und Dokumentieren eines Parodontalstatus)

Der Ansatz eines erhöhten Steigerungsfaktors mit der Begründung „mehrerer Messstellen“ (z.B. 6) stellt in der Parodontaldiagnostik keine außergewöhnliche Leistung dar und ist daher nicht beihilfefähig. Die Bayerische Landeszahnärztekammer gibt in einer Mitteilung im Bayerischen Zahnärzteblatt aus dem Jahr 1997 (BZB 1997, Heft 11/97, S. 28, 31) beispielsweise an, dass sechs bis sogar zehn Messpunkte für eine Diagnostik in Frage kommen können.

19. Zu Nummer 4005 (Erhebung mindestens eines Gingivalindex und/oder eines Parodontalindex (z.B. des Parodontalen Screening-Index PSI)

Die Leistungsbeschreibung umfasst die Erhebung mindestens eines Gingivalindex und/oder eines Parodontalindex. Die Durchführung eines weiteren diagnostischen Index ist durch die Leistung als solche bereits abgedeckt und kann nicht gesondert über einen erhöhten Steigerungssatz berücksichtigt werden.

20. Zu Nummer 4025 (Subgingivale medikamentöse antibakterielle Lokalapplikation, je Zahn)

Die Leistung kann je Zahn und Sitzung nur 1x berücksichtigt werden.

21. Zu Nummer 4110 (Auffüllen von parodontalen Knochendefekten mit Aufbaumaterial)

Die Leistung ist mit der Leistung nach Nummer 4138 GOZ kombinierbar, die die zusätzliche Verwendung einer Membran bezogen auf die Behandlung eines Zahnes oder Implantates – zur Behandlung eines Knochendefektes abbildet. Die Leistungen nach den Nummern 4110 und 4138 GOZ können auch im Rahmen von chirurgischen Behandlungen indiziert sein.

22. Zu Nummer 5170 (Abformung mit individuellem Löffel)

Die Berechnung einer Gebühr nach Nummer 5170 GOZ kann regelmäßig nur im Zusammenhang mit prothetischen Leistungen (Abschnitt F des Gebührenverzeichnisses) in Betracht kommen, wenn die in der Leistungsbeschreibung genannten qualifizierten Voraussetzungen vorliegen. Die Abformungen im Zusammenhang mit der Versorgung der Zähne mit Einlagefüllungen und Einzelkronen sind mit den Leistungen nach den Nummern 2150 bis 2170 und 2000 bis 2220 GOZ abgegolten (2. Abrechnungsbestimmung nach Nummer 2220 GOZ).

23. Zu Abschnitt G Kieferorthopädische Leistungen

Aufwendungen für Materialien, die aufgrund einer gesonderten Vereinbarung mit dem Beihilfeberechtigten nach den Allgemeinen Bestimmungen zu Abschnitt G berechnet werden, sind nicht beihilfefähig. Die üblichen Materialien sind nach den Allgemeinen Bestimmungen zu Abschnitt G mit den Gebühren abgegolten.

24. Nummern 6030 bis 6080 (Maßnahmen zur Umformung eines Kiefers einschließlich Retention)

Die Leistungen nach den Nummern 6030 bis 6080 GOZ umfassen alle im Behandlungsplan festgelegten Maßnahmen innerhalb eines Zeitraumes von bis zu vier Jahren. Für einen Verlängerungszeitraum der ursprünglichen Kieferumformung kann regelmäßig pro Jahr der Weiterbehandlung ein Viertel der jeweils vollen Gebühr unter Berücksichtigung der Kriterien des § 5 Abs. 2 GOZ als angemessen angesehen werden (Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 24.03.1997 – 3 B 95.1895).

25. Zu Nummern 6100 und 6140 (Bracket und Teilbogen)

Maßnahmen zur Retention (dazu werden Lingualretainer eingesetzt) sind bereits in den Nummern 6030 bis 6080 GOZ berücksichtigt.

26. Zu Nummer 6130 (Entfernung eines Bandes einschließlich Polieren und ggf. Versiegelung des Zahnes)

Die Entfernung eines Bogens oder Teilbogens ist analog nach der Nummer 6130 GOZ berechenbar; der Ansatz der Ziffer 2702 GOÄ analog ist dagegen nicht angemessen.

27. Zu Nummern 6190 (Beratendes und belehrendes Gespräch mit Anweisungen zur Beseitigung von schädlichen Gewohnheiten und Dysfunktionen)

Die Berechnung der Nummer 6190 GOZ kommt grundsätzlich nur bei einer kieferorthopädischen Behandlung in Betracht. Für notwendige Beratungen und Gespräche im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung stehen dem Zahnarzt gem. § 6 Abs. 1 GOZ die entsprechenden Gebühren nach der GOÄ zur Verfügung.

28. Zu Nummer 7000 (Eingliederung eines Aufbissbehelfs ohne adjustierte Oberfläche)

Leistungen aus Abschnitt H GOZ betreffen die Eingliederung von Aufbissbehelfen und Schienen. Sie werden als Behandlungsgeräte zur Beseitigung von Funktionsstörungen oder bei Parodontalerkrankungen eingesetzt. Im Zusammenhang mit der kieferorthopädischen Therapie ist der Ansatz dieser Position nicht nachvollziehbar und kann daher nicht berücksichtigt werden.

29. Zu Nummern 8000 ff. (Funktionsanalytische-, funktionstherapeutische Leistungen)

29.1 Eine Notwendigkeit für funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen kann bei einer prothetischen Versorgung nur bei umfangreichen Gebisssanierungen anerkannt werden, d. h. wenn in jedem Kiefer mindestens die Hälfte der Zähne eines natürlichen Gebisses sanierungsbedürftig ist und die regelrechte Schlussbisslage durch Einbruch der vertikalen Stützzonen und/oder die Führung der seitlichen Unterkieferbewegungen nicht mehr sicher feststellbar sind. Im Interesse einer fachgerechten Befunderhebung des stomatognathen Systems ist in diesem Fall regelmäßig die Leistung nach Nummer 8000 GOZ erforderlich.

29.2 Die Leistungen für die Versorgung mit Einlagefüllungen (Nrn. 2150 bis 2170 GOZ), mit Kronen (Nrn. 2200 bis 2220 GOZ), mit Brücken (Nrn. 5000 bis 5040 GOZ) und mit Prothesen (Nrn. 5200 bis 5230 GOZ) umfassen nach den Abrechnungsbestimmungen hinter den Nummern 2220, 5040 und 5230 GOZ auch die Bestimmung der Kieferrelation. Hierfür können daher grundsätzlich keine Gebühren aus Abschnitt J des Gebührenverzeichnisses berechnet werden.

29.3 Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen nach den Nummern 8000 ff. GOZ gehören zum Leistungsumfang der kieferorthopädischen Behandlung; sie sind nicht gesondert berechenbar (Urteil Verwaltungsgericht Gelsenkirchen – 3 K 2335/05 – vom 10.11.2006).

30. Zu 9020 (Insertion eines Implantates zum temporären Verbleib, auch orthodontisches Implantat)

Die Leistung nach Nummer 9020 GOZ bildet die Einbringung von Implantaten zum temporären Verbleib ab. Zu diesen – in der Regel transgingival eingebrachten – Implantaten gehören auch die orthodontischen, im Rahmen kieferorthopädischer Maßnahmen genutzten Implantate. Im Rahmen einer implantatprothetischen Versorgung dürfte eine medizinische Notwendigkeit allerdings kaum zu begründen sein.

31. Zu Nummer 9040 (Freilegen eines Implantats und Einfügen eines oder mehrerer Aufbauelemente (z. B. eines Gingivaformers) bei einem zweiphasigen Implantatsystem

Im Rahmen der Freilegung von Implantaten nach Nummer 9040 GOZ dürfte eine medizinische Notwendigkeit für Maßnahmen nach Nummer 2381 und/oder 2383 GOÄ nicht zu begründen sein.

32. Zu Nummer 9140 (Intraorale Entnahme von Knochen außerhalb des Aufbaugebietes ggf. einschließlich Aufbereitung des Knochenmaterials und/oder der Aufnahmeregion einschließlich der notwendigen Versorgung der Entnahmestelle, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich)

Die extraorale Entnahme von Knochen, z.B. aus dem Beckenkamm oder Schädelkalotte, unterliegt wie bisher entsprechenden Gebührenpositionen der GOÄ. Die intraorale Einbringung von Knochenmaterial wird durch die Leistung nach Nummer 9100 und ggf. 9150 GOZ abgebildet.

3. Sonstige Hinweise

1. Der Ansatz der Nummern 15, 30, 31 und 34 GOÄ ist in Zusammenhang mit zahnärztlichen Maßnahmen grundsätzlich nicht gerechtfertigt.

In medizinisch besonderen Ausnahmefällen können die Ausführungen in Nummer 5.3 meines Runderlasses vom 10. Dezember 1997 B 3100 – 3.1.6 – IV A 4 (Hinweise zum ärztlichen Gebührenrecht) herangezogen werden.

2. Die Durchführung einer Digitalen Volumentomografie (DVT) ist nur als erweiterte Diagnostik zur Abklärung einer ggf. zweifelhaften Basisdiagnostik im Einzelfall notwendig.

Es bedarf einer gesonderten Begründung des behandelnden Zahnarztes. Bei entsprechender Indikation kann für die DVT die Ziffer 5370 GOÄ als beihilfefähig anerkannt werden; die Zuschlagsposition 5377 GOÄ ist grundsätzlich nicht beihilfefähig.

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Schnug-Schröder


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