Fortbildung

„Ich kann den Nachwuchs für meinen Job begeistern“

Vom Stipendiaten zum Förderer

18.05.2017

Mit dem Deutschlandstipendium ermöglichen Staat und Gesellschaft seit 2011 Bildungs- und Aufstiegschancen für talentierte Studierende. Das Ziel: ihre Leistungen anerkennen und die zukünftigen Fach- und Führungskräfte fördern. Dr. med. dent. Kai Dannenberg, Partner in der Düsseldorfer Praxis „Die Pluszahnärzte“, kennt das Stipendienprogramm von beiden Seiten. Während seines Studiums war er selbst Deutschlandstipendiat. Heute fördert er den Zahnmedizinstudenten Joel Rockhoff.

Das Deutschlandstipendium ist das bis heute größte öffentlich- private Stipendienprogramm. Es fördert Talente aller Fachrichtungen an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen mit monatlich 300 Euro. Das Besondere: 150 Euro stiften private Förderer wie Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen. Weitere 150 Euro gibt der Bund dazu. Deutschlandstipendiaten sind junge Talente, die zu den Besten ihres Fachs zählen, engagierte Studierende, die sich neben dem Studium für das Gemeinwesen einsetzen und beeindruckende junge Menschen, die sich ihren Weg an die Hochschule oft erkämpft haben. Allein im Jahr 2015 wurden rund 24.300 Studierende bundesweit mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Von den rund 7.000 privaten Förderern sind viele bereits seit Beginn des Programms dabei.

Eben noch Stipendiat, jetzt schon Förderer

  • Dr. K. Dannenberg

  • Dr. K. Dannenberg
Dr. Dannenberg fördert das Deutschlandstipendium an seiner Alma Mater, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll das Stipendium ist. Denn der 29-Jährige war während seines Studiums selbst Deutschlandstipendiat. „Das Studium hat sehr viel Selbstständigkeit erfordert. Man musste selbst sehr, sehr viel anpacken. Durch das Deutschlandstipendium konnte ich unabhängiger sein – zeitlich und finanziell“, erinnert er sich.

Kai Dannenberg profitierte aber nicht nur von der finanziellen Unterstützung. Er nutzte das Stipendium auch, um Einblicke in die Arbeit seines Förderers zu gewinnen und sich zu vernetzen. Mit nachhaltigem Erfolg: Heute ist er Partner in der Praxis seines ehemaligen Förderers. „Gemeinsam haben wir uns dann entschlossen, auch weiterhin mit dem Deutschlandstipendium den direkten Kontakt zu Zahnmedizinern zu suchen und die Studenten zu fördern“, berichtet er.

Fachlicher und freundschaftlicher Austausch

  • J. Rockhoff

  • J. Rockhoff
Eines dieser jungen Talente ist Joel Rockhoff, den erst seine Ehefrau dazu ermuntern musste, eine Bewerbung einzureichen. „Das war kurz nach meinem Vorphysikum, das relativ erfolgreich lief. Mein Gedanke war: „Verlieren kann ich dabei ja nichts, ich probiere es einfach mal aus“, berichtet der 22-Jährige. Seit Oktober 2016 wird er nun von Kai Dannenberg gefördert. Auch er weiß die Möglichkeiten, die ihm das Deutschlandstipendium bietet, zu schätzen. „Dank der finanziellen Unterstützung kann ich mich vollkommen auf das Studium konzentrieren“, so Joel Rockhoff. Genauso wichtig ist ihm aber auch der persönliche Kontakt zu seinem Förderer. Erstmals kennengerlernt haben sich die beiden auf der jährlichen Stipendienvergabefeier der Heinrich-Heine- Universität im Dezember. „Wir haben Joel danach direkt zur Weihnachtsfeier unserer Praxis eingeladen. Das war quasi selbstverständlich“, so Kai Dannenberg. Seitdem verbindet die beiden ein fachlicher und freundschaftlicher Austausch.

Von Zahnarzt zu Zahnarzt von morgen

Die gemeinsame Leidenschaft für die Zahnmedizin bietet viel Stoff. Und manchmal auch handfestes Material. „Wenn Joel zum Beispiel Zähne für einen Chirurgiekurs braucht, sammeln wir ein paar gezogene Exemplare, die er dann im Studentenkurs bearbeiten kann“, erläutert Kai Dannenberg. Für Joel Rockhoff ist das eine enorme Erleichterung. „Es ist großartig, dass ich nicht fremde Zahnärzte ansprechen muss, sondern Dr. Dannenberg direkt fragen kann“, berichtet er. Gleichzeitig hilft ihm der gute Draht zu seinem Förderer auch, sich schon während des Studiums ein konkretes Bild von der Arbeit eines praktizierenden Zahnarztes zu machen. „Das Studium ist manchmal sehr theoretisch. Der Austausch mit ihm holt mich auf den Teppich zurück und ermöglicht mir Einblicke in die verschiedenen Fachrichtungen“, so Joel Rockhoff. Diese Erfahrung hat ihm auch schon den einen oder anderen Aha-Moment sowie wertvolle Erkenntnisse für seine zukünftige Arbeit als Zahnmediziner beschert, die im Hörsaal nicht vermittelt werden können. „Man hat in der Zahnmedizin oft das Gefühl, dass alles wie am Fließband läuft. Dass also der Patient generell nur von den Helferinnen betreut wird, der Zahnarzt dann einmal reinguckt und durch die nächste Tür wieder rausgeht. Das ist in der Praxis ganz anders. Da geht es wirklich darum, den Patienten zu betreuen“, berichtet Joel Rockhoff.

„Nimm das nicht so ernst mit den Klausuren!“

Wie wichtig solche Praxiserfahrungen sind, weiß Dr. Dannenberg. „Im Studium sieht man im Grunde nur Klausuren, aber nicht wirklich das, was einen später in der Zahnmedizin erwartet. So kann man sich nur schwer vorstellen, wie man im Job arbeiten wird“. Dabei muss es nicht immer um Fachfragen oder den konkreten Arbeitsalltag gehen. Manchmal reichen auch ein paar beruhigende Worte für den Nachwuchs. „Nimm das nicht so ernst mit den Klausuren, oder: Später wird alles besser – das macht schon viel aus“, berichtet Dannenberg. Auf der anderen Seite profitiert auch der erfahrene Zahnarzt von dem Kontakt mit seinem Deutschlandstipendiaten. Vor allem ist es ihm wichtig, seine Arbeitsweise mit dem aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft abzugleichen. „Man kann noch so viele Fachbücher und Fachzeitschriften lesen, die wissenschaftlichen Entwicklungen kriegt man nur hautnah mit, wenn man Leute kennt, die noch studieren“, so Dannenberg. Er tauscht sich mit Joel Rockhoff zum Beispiel über neue minimalinvasive Behandlungsmethoden und innovative Techniken zur besseren Haftung von Keramikelementen aus.

Aus Verbundenheit zur Region

Neben der Förderung des zahnmedizinischen Nachwuchses gibt es aber noch einen anderen Aspekt, der Dannenberg dazu motiviert hat, Förderer des Deutschlandstipendiums zu werden: die Verbundenheit zu seinem Studienort und heutigen Arbeits- und Lebensmittelpunkt. „Düsseldorf ist seit zwölf Jahren meine Wahlheimat. Für mich ist es einfach selbstverständlich, dass man auch ein bisschen Lokalpatriot ist“, erklärt er. Dannenberg nutzt das Stipendienprogramm, um wieder Kontakt zu seiner Hochschule zu haben. Dort jemanden zu fördern und etwas von dem zurückzugeben, was er erhalten hat, ist ihm ein großes Anliegen. Nicht zuletzt ist er vom Ansatz des Deutschlandstipendiums überzeugt. „Es geht primär um Leistung.

Letztendlich kann jeder belohnt werden, egal welchen sozialen Hintergrund die Person hat“, so Dannenberg. Deshalb ist er auch vom Stipendiaten zum Förderer geworden. „Nur, wenn sich auch der Nachwuchs dafür interessiert, kann so ein Stipendienprogramm auch weiterhin bestehen.“

Warum Dannenberg anderen Zahnärzten empfiehlt, das Deutschlandstipendium zu fördern? „Zum einen ist es der gute Zweck. Zum anderen ist es die Möglichkeit, die eigene Praxis am Leben zu halten“, erklärt er. Der direkte Kontakt zu Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern von morgen ermöglicht ihm, seine Arbeitsweise zu ändern. „Noch viel wichtiger ist aber: Ich kann den Nachwuchs weiterhin für diesen Job begeistern.“

So funktioniert die Stipendienvergabe

  • Quelle: BMBF 2016

  • Quelle: BMBF 2016
Studierende bewerben sich direkt bei der gewünschten Hochschule. Förderer können ihr Interesse bei jeder staatlichen und staatlich anerkannten Hochschule anmelden, die das Deutschlandstipendium anbietet. Bei ihrer Entscheidung zur Vergabe eines Deutschlandstipendiums haben Förderer die Möglichkeit, eine bevorzugte Fachrichtung anzugeben und den Kommissionen zur Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten beratend zur Seite zu stehen.

Alle teilnehmenden Hochschulen und Ansprechpartner sowie weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Deutschlandstipendiums unter: www.deutschlandstipendium.de.

weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren: