Prothetik


Welche Werkstoffe sind im CAD/CAM-Zeitalter wann indiziert?

Abb. 1: Hochwertige zahntechnische Verarbeitung von Zirkonoxid: das Gerüst im kreidig-weichen Zustand bearbeitet, danach erst gesintert und schließlich ästhetisch verblendet (Foto: DeguDent ).
Abb. 1: Hochwertige zahntechnische Verarbeitung von Zirkonoxid: das Gerüst im kreidig-weichen Zustand bearbeitet, danach erst gesintert und schließlich ästhetisch verblendet (Foto: DeguDent ).

Mit den seit dem Jahrtausendbeginn in die Zahnheilkunde eingeführten CAD/CAM-Verfahren sind neue Werkstoffe für dentale Restaurationen erst wirklich interessant und einige bekannte Materialien attraktiver geworden. Die dahinter stehende Technik kann begeistern, doch in der Praxis kommt es nach wie vor auf die Frage an: Welcher Werkstoff ist im konkreten Patientenfall indiziert? Wie sich dabei die Gewichte in den vergangenen zehn Jahren verschoben haben und auf welchem Stand wir uns heute befinden, wird in den folgenden Ausführungen anhand der Produktpalette eines Herstellers skizziert. Damit fließen auch einige seiner werkstoff- und verarbeitungstechnischen Spezifikationen in den Bericht ein.

Mit CAD/CAM-Verfahren lässt sich eine ganze Reihe von Werkstoffen buchstäblich in Form bringen. Für die Zahnheilkunde ist diese Möglichkeit untrennbar mit Zirkonoxid verknüpft. Neue Chancen haben sich insbesondere für die Implantatprothetik ergeben.

Vollkeramik erobert den Seitenzahnbereich

Es geschah vor knapp zehn Jahren, dass sich Zirkonoxid für Restaurationen im gesamten Gebiss zu etablieren begann. Am Anfang stand die Idee, das Material im kreidig- weichen Zustand zu bearbeiten und erst danach zu sintern. So mancher hat damals nicht glauben wollen, dass die Schrumpfung linear und exakt genug für die „dentale Passung“ erfolgen würde. Nach zahlreichen Studien gilt der klinische Erfolg heute als erwiesen1-10.

Die Maßgaben seriöser Hersteller vom Millenniumsbeginn treffen nach wie vor zu. Dabei handelt es sich insbesondere um die „erlaubte“ Anzahl der Zwischenglieder und den Querschnitt der Verbinder (am Beispiel Cercon smart

  • Abb. 2: Gefräste Qualität aus der Netzwerkfertigung: bis zu sechsgliedrige Titangerüste (Foto: DeguDent ).

  • Abb. 2: Gefräste Qualität aus der Netzwerkfertigung: bis zu sechsgliedrige Titangerüste (Foto: DeguDent ).
ceramics, DeguDent, Hanau: zwei Zwischenglieder bzw. 9 mm2 Verbinderquerschnittsfläche). Die Voraussetzungen für die hohe Ergebnissicherheit hat nicht zuletzt eine aufwendige Dokumentation jeder einzelnen Indikation durch klinische Studien geschaffen. Auch ist die gesamte Herstellung der Zirkonoxidrohlinge – ob weiß oder eingefärbt – ganz auf die spätere Passgenauigkeit und Langlebigkeit der Gerüste ausgerichtet. Im Vordergrund stehen dabei die sorgfältige Auswahl der Rohstoffe, ihre Reinheit sowie ihre Zusammensetzung ebenso wie die werkstoffgerechte Verarbeitung dieser Gerüstkeramik.

Durch grundlegende Studien13- 17 konnten Einflüsse auf die Verblendsicherheit aufgezeigt werden. Hierzu gehören die Modellation bzw. Konstruktion des Gerüstes in verkleinerter anatomischer Zahnform ebenso wie eine Gerüstwerkstoff-adäquate Brandführung, insbesondere hinsichtlich des Abkühlprozesses. Die Farbsicherheit der Zirkonoxid- Verblendkeramiken wurde über die Jahre weiter verbessert (Bsp.: neuartige Systematik bei der Verblendkeramik „love“ [DeguDent]). Die Nachfrage nach transluzenten Zirkonoxidgerüsten, für eine noch bessere Ästhetik der Restauration, nimmt stetig zu. Die Unternehmen reagieren; beim genannten Hersteller ist dies beispielsweise bei Cercon-base-Rohlingen jetzt durch eine leicht höhere Sintertemperatur (1.450 °C statt 1.350 °C) unter Beibehaltung der Stabilität zu erzielen. Damit verbessern sich für den Zahntechniker die Bedingungen der Gerüstverblendung insbesondere in den Randbereichen der Gerüste.

  • Abb. 3: Direkt auf Implantaten verschraubbare Stege und Brücken: industriell gefräst; im Labor werden sie verblendet bzw. fertiggestellt (Foto: DeguDent ).

  • Abb. 3: Direkt auf Implantaten verschraubbare Stege und Brücken: industriell gefräst; im Labor werden sie verblendet bzw. fertiggestellt (Foto: DeguDent ).
Zu den aktuellen Erweiterungen des Systems Cercon zählen in der klinischen Anwendung Brückenspannen bis zu 16 Gliedern und einteilige individuelle Abutments. Bei Letzteren ist nun die individuelle Ausformung von Emergenzprofilen möglich, wodurch die in natürlicher Weise stattfindende Gewebeanlagerung11 an den Zirkonoxid-Oberflächen optimal unterstützt wird. Somit sind auch zahntechnisch gestaltete, individuelle Abutments in industrieller Fertigungsqualität herstellbar: ideale Bedingungen also auch für die fallbezogene Kombination von konfektionierten und individuellen Abutments, je nach medizinischer und/oder ästhetischer Indikation.

Nichtedelmetall für das preisorientierte Segment

Während die vorstehenden Ausführungen das Segment der hochwertigen und damit auch preislich anspruchsvolleren Restaurationen betreffen, empfiehlt sich bei Patienten mit begrenztem Budget eine Lösung mit dem Werkstoff Kobalt-Chrom.

Mit SLM („selective laser melting“), einem nur von wenigen Anbietern beherrschten neuen Herstellungsverfahren, hat sich eine Fertigungsmöglichkeit etabliert, die dem klassischen Nichtedelmetall-Guss weit überlegen ist. Genauer: Das Gefüge einer gegossenen Kobalt-Chrom-Restauration ist typischerweise grobkörnig und dendritisch, verbunden mit einer unerwünscht höheren Korrosion. Im Test nach einer dentalspezifischen DIN-Norm wird typischerweise ein zirka zehnfacher Wert im Vergleich zu Edelmetall-Dentallegierungen festgestellt18. Durch das SLM-Verfahren, gepaart mit einer speziell dazu entwickelten Legierung, erreicht DeguDent mit seinem Angebot ein Gefüge, das Kobalt-Chrom zu einem modernen Dentalwerkstoff mit sehr guter Korrosionsbeständigkeit macht12. Bis zu 16-gliedrige Brücken kann das Labor designen und über die industrielle Netzwerkfertigung Compartis integrated systems bestellen.

Titan als NEM-Alternative

Als interessante NEM-Alternative erweist sich Titan. Durch die heute mögliche spanabhebende Gerüstfertigung „aus einem Block“ werden die Nachteile des Gießprozesses ausgeschaltet. Der Werkstofftypus etwa, den DeguDent mit dem Titan der Qualität „Grade 4“ anbietet, gewährleistet eine Festigkeit, welche derjenigen einer Typ-4-Edelmetall-Dentallegierung entspricht. Selbst wenn damit die grundsätzliche Problematik der Bildung einer oberflächlichen Alpha-Case-Schicht nicht völlig eliminiert ist, konnte die Verblendsicherheit durch eine Stärkung des Verbunds zwischen dem Gerüst und einer speziellen Keramik (Duceratin Kiss, DeguDent) sowie einem neu entwickelten Haftvermittler (Ti Bond, DeguDent) verbessert werden, sodass zurzeit 6-gliedrige Brücken über die Compartis-Fertigung hergestellt werden können.

Die beiden vorstehend genannten Werkstoffe zeigen auch in der Implantatprothetik neue Chancen auf. Bei diesen handelt es sich um Abutment-getragene oder direkt Implantat-verschraubte Stege und Brückengerüste. Für Patienten, die eine festsitzende Versorgung bei spärlichem Restzahnbestand möchten, eignen sich erfahrungsgemäß konfektionierte Stege, individuell gefräste Stege und okklusal verschraubte festsitzende Versorgungen. Dabei stellen Stege auch eine ökonomische Alternative zu Teleskopen dar. In funktioneller Hinsicht bieten sie einen besseren Ausgleich von Angulationen.

Diese prothetischen Halbfertigteile lassen sich heute beispielsweise als Implantat-Suprastrukturen (ISUS) über Compartis in einer Passgenauigkeit erstellen, die mit den klassischen Gussverfahren nicht erreicht werden kann. Bei dieser industriell gefrästen Qualität treten keine Lunker auf, gibt es kein Verzugsrisiko, sind keine angussfähigen oder lötbaren Stegteile nötig. Das betrifft sowohl Kobalt- Chrom-Legierungen als auch Titan, bei Brückenkonstruktionen in Kombination mit einer Verblendung aus Kunststoff oder Keramik.

Reminiszenz: Klassische EM-Legierungen

Neben allen vorstehend genannten Werkstoffen sollen die klassischen Edelmetall-Dentallegierungen nicht unerwähnt bleiben, sind diese doch in vielen Fällen nach wie vor eine hervorragende Wahl. Und an den jahrzehntelangen, überwiegend positiven Erfahrungen, welche mit diesen Werkstoffen gemacht wurden, sowie an deren „Gold-Standard“ müssen sich die heutigen Werkstoff-Alternativen messen lassen. Die Preisentwicklung der Edelmetalle wird jedoch zunehmend deren Auswahl beeinflussen.

Stärkere Abstimmung ZA-ZT erforderlich

Die moderne CAD/- CAM-Technologie hat Auswirkungen auf die Werkstoffauswahl, hat sie vielfältiger und auch komplexer gemacht. Einem Patienten lassen sich – je nach Zahnstatus und persönlichen Wünschen, oft mindestens zwei Alternativen empfehlen. Zu den Entwicklungen der jüngeren Zeit zählen, speziell im Bereich der Implantatprothetik, verschraubte Stege und Brückengerüste in „gefräster Qualität“ und (einteilige) individuelle Abutments. Das zahntechnische Labor verfügt über den Überblick, welche Versorgung heute mit welchem Werkstoff am besten realisierbar ist. So kommt mit jeder neuen Option im CAD/CAM-Bereich der vorbereitenden Abstimmung im zahnärztlichzahntechnischen Team eine immer höhere Bedeutung zu.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger


Bislang deuten die vorliegenden Daten auf ein geringes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus in der zahnärztlichen Praxis hin. Um eine realistische Einschätzung zu erhalten, wie stark Zahnärzte und ihre Mitarbeiter betroffen sind, bittet die BZÄK betroffene Praxen um Meldung.

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