Die Mundhöhle als Gesundheitszentrum

Gesundheit ist ein Megatrend: nie zuvor hatte sie einen so hohen Stellenwert wie heute. Ob jung oder alt – Gesundheit gilt mehr denn je als wichtiger Wert. Allein auf Instagram gibt es zu den Hashtags #gesundheit, #gesund, #gesundleben mehr als 4 Millionen Beiträge. Auf dem deutschen Werte-Index [a] 2020 (veröffentlicht im Februar) steht „Gesundheit“ sogar auf Platz 1. Dann veränderte Covid-19 das Leben und ein zentraler Aspekt von Gesundheit ist noch mehr in das Bewusstsein gerückt: Gesundheit bedeutet in erster Linie, nicht krank zu sein. Gesundheit lässt sich durch Prävention schützen, indem Krankheiten vorgebeugt werden. Die Mundhöhle als orales Ökosystem nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein; die Mundgesundheit ist nachhaltiger Protagonist für ganzkörperliches Wohlbefinden.
Präventionsorientierte Zahnmedizin – Stärkung der Gesundheitsressourcen
Karius und Baktus – vielen Menschen sind die norwegischen Zahn-Trolle von einst noch bekannt. Die beiden Puppenfiguren haben gute Aufklärungsarbeit für Zahngesundheit geleistet. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass gesunde Zähne und eine ausbalancierte Mundflora wichtige Bausteine für ein starkes Immunsystem sind. Mund- und Allgemeingesundheit stehen in enger Wechselwirkung. Belegt ist u. a. der Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Herzinfarkt- sowie Schlaganfallrisiko [1,2]. Umgekehrt kann durch chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus eine Parodontitis ausgelöst werden. Diese Wechselbeziehung macht die präventionsorientierte Zahnmedizin zum Bestandteil der medizinischen Grundversorgung.
Orales Ökosystem: Natürliches Kraftpaket im Mund
Ähnlich wie der Darm weist die Mundhöhle eine Vielfalt an Mikroorganismen auf; ein ausbalanciertes Ökosystem, das im gesunden Zustand die Widerstandsfähigkeit des Körpers stärkt und Abwehrkräfte unterstützt. Schlüsselfaktor ist der Erhalt des bakteriellen Gleichgewichts. Während das gesunde orale Ökosystem als Lebensraum für eine Vielzahl nützlicher Bakterien, Viren und Pilze einen wirksamen Schutzmechanismus gegen Infektionen oder andere Erkrankungen bildet, können pathogene Mikroorganismen das orale Milieu empfindlich stören.
Anzeichen für ein Ungleichgewicht sind Karies oder parodontale Erkrankungen. Neben hormonellen Veränderungen und Alterungsprozessen können u. a. eine zucker- und säurehaltige Ernährung sowie eine mangelnde Mundhygiene das sensible System aus dem Gleichgewicht bringen. Dann gewinnen krankheitsfördernde Bakterien die Oberhand und verursachen beispielsweise orale Entzündungen; schnell wird aus der Gingivitis eine Parodontitis.
Ganzheitlich orientiertes Prophylaxe-Konzept
„Gesund beginnt im Mund“ ist also keine Floskel, sondern Tatsache. Für Zahnärzte und Praxisteam bedeutet das: Aufklärungsarbeit aufbauend auf einer evidenzbasierten Studienlage. Ziel der Prophylaxe-Arbeit ist ein orales Ökosystem im gesunden Gleichgewicht als effektive Barriere gegenüber exogenen Krankheitserregern [5]. Ein ganzheitlich orientiertes Prophylaxe-Konzept steht auf vier Säulen: Häusliche Mundhygiene, zahngesunde Ernährung, Fluoridierung und Professionelle Zahnreinigung (PZR). Jede Säule hat eine hohe Wertigkeit; eine Priorisierung scheint fast unmöglich. Grundsätzlich gelten die häusliche Mundhygiene und die zahngesunde Ernährung als Basis für gesunde mikroökologische Verhältnisse [6] und einen ausbalancierten Biofilm.
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Quellen:
[a] Trendforschungsinstitut Kantar, Hamburg
[1] Mattila KJ, et al: Association between dental health and acute myocardial infarction. Brit Med J 298:779–782, 1989.
[2] Syrjanen J. et al: Dental infection in association with cerebral infarction in young and middle-aged men. J Intern Med 225:179–184, 1989.
[3] Sbordone, L. & Bortolaia, Oral microbial biofilms and plaque-related diseases: microbial communities and their role in the shift from oral health to disease: C. Clin Oral Invest (2003) 7: 181. doi.org/10.1007/s00784-003-0236-1
[4] Goyal CR, Lyle DM, Qaqish JG, Schuller R. The addition of a water flosser to power tooth brushing: Effect on bleeding, gingivitis, and plaque. J Clin Dent. 2012;23:57–63. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22779218
[5] Marsh, P. D., Moter, A. and Devine, D. A. (2011), Dental plaque biofilms: communities, conflict and control. Periodontology 2000, 55: 16-35. doi:10.1111/j.1600-0757.2009.00339.
[6] Flemmig, T.F., Beikler, T.: Control of oral biofilms. Periodontology 2000, 55, 9–15 (201Flemmig, T.F., Beikler, T.: Control of oral biofilms. Periodontology 2000, 55, 9–15 (2011).