Parodontologie


Parodontitis: Wechselwirkung von Chlorhexidin und Schaumbildner in Zahnpasten beachten

Erst kürzlich wurde die Frage nach dem Stellenwert von Zahncremes im Umfeld von Allgemeinerkrankungen und Entzündungsreaktionen erneut ausführlich behandelt3. In den folgenden Ausführungen soll daher auf die besondere Bedeutung der Wechselwirkungen von Chlorhexidin, dem Goldstandard zur antibakteriellen Plaquekontrolle sowie auf Natriumlaurylsulfat, einem häufig verwendeten Schaumbildner in Zahncremes, eingegangen werden. Der weitere Aspekt, der beleuchtet werden soll, ist der Einfluss von Natriumbicarbonat in Zahncremes auf den pH-Wert des Speichels. Dies spielt unter anderem z. B. während der Schwangerschaft eine besondere Rolle, da aufgrund von morgendlicher Übelkeit oft saure pH-Werte im Speichel gemessen werden können,

Inhibition von Chlorhexidin durch Schaumbildner in Zahnpasten

Ein Übersichtsartikel von Kolahi et al.1diskutiert die Problematik der Inhibition von Chlorhexidin durch gleichzeitige oder zeitnahe Verwendung von Zahnpasten, die Natriumlaurylsulfat (engl. „Sodium Lauryl Sulfate“, SLS) enthalten.

Der Grund für diese inhibitorische Wirkung liegt in der Chemie: Das zweifach positiv geladene (kationische) Chlorhexidin kann mit negativ geladenen (anionischen) Substanzen wie SLS in Wechselwirkung treten und die Wirksamkeit des Chlorhexidins negativ beeinflussen. Dabei erscheinen zwei Mechanismen plausibel:
Negativ geladene Stoffe können mit CHX in Wechselwirkung treten, bevor dieses an orale Oberflächen binden konnte und so die Bindung und „Depotbildung“ verhindern.
Negativ geladene Stoffe können mit schon gebundenem CHX in Wechselwirkung treten und es so inaktivieren. Als Konsequenz wird empfohlen, die Verwendung einer CHX-haltigen Mundspüllösung mit einem zeitlichen Abstand von 30 Minuten bis zu 2 Stunden zum Putzen mit einer SLS-haltigen Zahncreme durchzuführen. Das ist im Alltag kaum praktikabel.

Zahnpasta ohne SLS direkt mit Chlorhexidin kombinierbar

Daher ist es sinnvoll, nach Alternativen unter den im Markt verfügbaren Zahnpasten zu suchen, die kein SLS enthalten und daher direkt in Verbindung mit Chlorhexidin-haltigen Mundspül-Lösungen verwendet werden können. Eine solche Alternative ist parodontax® mit Fluorid Zahncreme, deren anti-entzündlichen Eigenschaften bereits in einem früheren Artikel besprochen wurden4. parodontax® enthält kein SLS oder andere anionische Tenside und ist daher geeignet, unmittelbar mit dem Einsatz einer Chlorhexidin Mundspüllösung, wie Chlorhexamed, verwendet zu werden. 

Natriumbicarbonat beeinflusst pH-Wert des Speichels

Die Pufferkapazität des Speichels wird im Wesentlichen durch den Gehalt an Natriumbicarbonat in diesem determiniert. Liegt jedoch ein physiologischer Mangel an Natriumbicarbonat im Speichel oder ein Überschuss an Säure vor, kann die Verwendung einer Natriumbicarbonat-haltigen Zahncreme den pH-Wert im Speichel beeinflussen: Studien von Imfeld2 zur Beeinflussung des oralen pH-Wertes haben gezeigt, dass unmittelbar nach dem Spülen mit einer parodontax®-Aufschlämmung eine neutralisierende Wirkung eintritt und die pH-Werte in den Zahnbelägen auf über pH 7 angehoben werden. Auch in den 30-minütigen Kontrollperioden nach der Anwendung von parodontax® konnten keine Werte unter dem für den Zahnschmelz kritischen pH-Wert von 5,7 gemessen werden. Daneben konnte auch ein hemmender Einfluss von parodontax® auf die Säurebildung in Plaquebelägen gezeigt werden.

Fazit für die Praxis

Ist der Einsatz von Chlorhexidin als unterstützende Maßnahme zur mechanischen Zahnreinigung angezeigt, empfiehlt es sich, dem Patienten gleichzeitig eine SLS-freie Zahncreme anzuraten. Besteht zudem die Gefahr eines sauren Mundmilieus sollte eine Natriumbicarbonat-haltige Zahncreme verwendet werden, um dieses zu kompensieren

 

Bitte lesen Sie auch den Artikel Parodontitis und Allgmeinmedizin - welche Rolle kann eine Zahnpasta spielen?
http://www.zp-aktuell.de/industrie-report/prophylaxe/story/parodontitis-und-allgemeingesundheit-welche-rolle-kann-eine-zahnpasta-spielen.html

 

 



 

Dr. Volker Scholz ist Mitglied des Scientific Board der IHCF-Stiftung zur Förderung der Gesundheit. Die als Non-Profit-Organisation unabhängige Stiftung bildet sich aus Zahnärzten, die sich der umfassenden Prävention zur Erhaltung der oralen und allgemeinen Gesundheit verschrieben haben.

 

 

Dr. Volker Scholz,
Europaplatz 1, 88131 Lindau,
E-Mail: vscholz@sanfte-zahnheilkunde.de

 

 

 

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Volker Scholz

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Volker Scholz


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
csm Bild 1 gingivawucherung.jpg 06f39e04d9a5f361cbe0cb540b51d060 43c9730af5

Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.