Parodontologie


Parodontale Nachsorge – Risikostellen im Visier

Abb. 1: Entwicklung der mittelschweren Parodontitis bei 65- bis 74-jährigen Senioren von 1997 bis 2005 in Deutschland [1].
Abb. 1: Entwicklung der mittelschweren Parodontitis bei 65- bis 74-jährigen Senioren von 1997 bis 2005 in Deutschland [1].

Chlorhexidinhaltige Präparate können bei der parodontalen Nachsorge gute Dienste leisten. Ivoclar Vivadent bietet den Wirkstoff in unterschiedlichen Zubereitungen an, als Lack, Gel und Mundspülung, für die Praxis wie für die Mundpflege zu Hause. Im Folgenden wird dargestellt, weshalb und wie diese Mittel unterstützend in der Nachsorge eingesetzt werden sollten.

In Deutschland leiden 48 % der Senioren im Alter von 64 bis 75 Jahren unter einer mittelschweren Parodontitis (Abb. 1) [1]. Nach der erfolgreichen Initialbehandlung benötigen sie eine konsequente professionelle Nachsorge. Diese zielt darauf ab, die Aktivität des bakteriellen Biofilms zu reduzieren und entzündlichen Prozessen vorzubeugen. Der gezielte Einsatz chlorhexidinhaltiger Präparate gehört zum etablierten Repertoire der Behandlungsmaßnahmen.

Retentionsstellen für bakteriellen Biofilm

Zum Standard der Nachbehandlung von Paro-Patienten gehören die gründliche mechanische Reinigung der Zähne sowie die Keimkontrolle [2]. Kariöse Läsionen, insuffiziente Kronenränder oder Füllungsüberschüsse, die die Akkumulation des bakteriellen Biofilms fördern, sind zu beseitigen. Allerdings stehen viele Patienten vor der Aufgabe, weiterhin Stellen pflegen zu müssen, die kaum zu erreichen und schwer zu reinigen sind. Dazu gehören engstehende Zähne, komplexer Zahnersatz, Verblockungen, freiliegende Wurzeloberflächen oder offene Furkationen. Diese Bereiche bieten aufgrund ihrer Unzugänglichkeit ideale Voraussetzungen für das Wachstum des bakteriellen Biofilms. In der Folge kommt es häufig zu Entzündungen und kariösen Defekten.

Risiken, die zu vermeiden sind

  • Abb. 2: Wurzelkaries, häufig zu finden (Bild: Dr. L. Enggist).

  • Abb. 2: Wurzelkaries, häufig zu finden (Bild: Dr. L. Enggist).
Eine Gingivitis ist grundsätzlich zu vermeiden bzw. schnell zum Abklingen zu bringen. Nur so kann im Recall eine eindeutige Bewertung der Blutung auf Sondierung erfolgen. Bei einer Zahnfleischentzündung besteht häufig keine Chance, klar zu erkennen, woher die Blutung tatsächlich rührt – aus der Tasche oder vom Zahnfleisch. Außerdem kann eine Gingivitis unter bestimmten Voraussetzungen eine Parodontitis in Gang setzen oder beschleunigen. Plaquebakterien und ihre Stoffwechselprodukte bergen ein hohes Gefahrenpotenzial: Sie können Entzündungen als eine Reaktion der Immunabwehr auslösen, die das Immunsystem deutlich schwächen kann. Parodontalerkrankungen bringen noch weitere Risiken mit sich: Es treten vermehrt interdentale Retentionsnischen, freiliegende Zahnhälse und Wurzeloberflächen auf. Dentin und Wurzelzement begünstigen aufgrund ihrer porösen Strukturen die Akkumulation des bakteriellen Biofilms. Zur Gefahr der Gingivitis kommt das Risiko der Wurzelkaries (Abb. 2).

Bei der Kontrolle der Keimentwicklung in schwer zugänglichen Retentionsnischen hat sich der Einsatz antibakterieller Präparate mit dem Inhaltsstoff Chlorhexidin bewährt. Langzeiterfahrungen in der Praxis sowie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen seine Effektivität hinsichtlich der Reduktion der bakteriellen Aktivität sowie der Hemmung der Plaqueentwicklung [3,4]. In engem Zusammenhang damit steht die erfolgreiche Prävention entzündlicher Prozesse oder deren Abklingen. Verschiedene Applikationsformen und Konzentrationen chlorhexidinhaltiger Präparate ermöglichen einen bedürfnisorientierten Einsatz.

Schutz an Ort und Stelle

Während des Recalls in der Praxis empfiehlt sich nach der professionellen Zahnreinigung die lokale Applikation eines Schutzlackes, zum Beispiel Cervitec Plus von Ivoclar Vivadent. Das Lacksystem enthält 1 % Chlorhexidin und 1 % Thymol und erlaubt die gezielte Versorgung freiliegender Zahnhälse, von Wurzeloberflächen sowie weiterer potenzieller Retentionsnischen für bakteriellen Biofilm (Abb. 3). Das ausgezeichnete Fließ- und Benetzungsverhalten lässt den Lack auch schwer zugängliche Areale erreichen. So dringt er in die porösen Oberflächen des Wurzelzementes und Dentins ein und dichtet sie gegen äußere Einflüsse ab [5]. Es bildet sich ein Depot, das die Inhaltsstoffe mit der Zeit abgibt. Wie verschiedene Untersuchungen belegen, kommt es zu einer deutlichen Reduktion kariogener Keime. Der Lack schützt gesunde Wurzeloberflächen und reduziert das Risiko der Wurzelkaries. Ein beginnender kariöser Prozess kann zum Stillstand kommen [6,7]. Darüber hinaus klingen die Symptome einer Gingivitis schneller ab [8]. In Kombination mit Scaling und Root Planing unterstützt die Lackapplikation den Behandlungserfolg im Vergleich zum Root Planing allein. Klinische Parameter wie Plaque-Index, Gingiva-Blutungsindex und Taschentiefe verbessern sich (Abb. 4) [9].

  • Abb. 3: Applikation des chlorhexidinhaltigen Schutzlackes entlang des Gingivalsaumes.
  • Abb. 4: Vergleich der proportionalen prozentualen Veränderung des Gingiva-Blutungsindexes zwischen Baseline und nach 3 Monaten in 3 Patientengruppen mit chronischer Parodontitis, die sich jeweils unterschiedlichen Behandlungsmaßnahmen unterzogen [9].
  • Abb. 3: Applikation des chlorhexidinhaltigen Schutzlackes entlang des Gingivalsaumes.
  • Abb. 4: Vergleich der proportionalen prozentualen Veränderung des Gingiva-Blutungsindexes zwischen Baseline und nach 3 Monaten in 3 Patientengruppen mit chronischer Parodontitis, die sich jeweils unterschiedlichen Behandlungsmaßnahmen unterzogen [9].

Da Cervitec Plus relativ feuchtigkeitstolerant ist, verläuft die Applikation sehr zügig. Der farblose, transparente Lack überzieht die Zahnoberfläche in einer feinen Schicht und trocknet innerhalb weniger Sekunden ab. Um die schützende Wirkung zu fördern, ist direkt nach der Applikation auf das Ausspülen zu verzichten.

Durch die regelmäßige Applikation des Schutzlackes während des Recalls lässt sich die von Retentionsnischen ausgehende Gefährdung reduzieren. Diese Behandlungsoption erweist sich als vorteilhaft, da manuelles Geschick und/oder Compliance der Patienten häufig nicht ausreichen, diese Bereiche mit der gebotenen Zielgenauigkeit zu pflegen.

Mundpflege zu Hause

Paro-Patienten stehen vor größeren Herausforderungen ihre Mundpflege betreffend, als mundgesunde Patienten. Die temporäre häusliche Anwendung eines chlorhexidinhaltigen Gels oder einer Mundspüllösung kann indiziert sein, um den professionellen Behandlungserfolg zu verstärken. In Abhängigkeit vom Stadium der Nachsorge und den individuellen Voraussetzungen kann die eine oder andere Applikationsform angebracht sein.

Spüllösung

Eine gebrauchsfertige Spüllösung wie Cervitec Liquid von Ivoclar Vivadent kann die Inhaltsstoffe im gesamten Mundraum verteilen. Das alkoholfreie Präparat enthält 0,1 % Chlorhexidin in Kombination mit Xylit und einem ätherischen Öl [10,11]. Nur wenn die Spüllösung durch Bewegen der Wangen und Zunge hin- und her gepresst wird, gelangt sie auch in Approximalbereiche und Nischen. Darauf sind Patienten unbedingt hinzuweisen. Sehr positiv auf die Anwendungsbereitschaft und damit den Behandlungserfolg wirkt sich der für eine chlorhexidinhaltige Mundspüllösung vergleichsweise milde Geschmack aus.

Mundpflege-Gel

  • Abb. 5: Einfaches Verteilen des geschmeidigen Cervitec-Gels im Interdentalraum (Bild: Dr. F. Zimmerling).

  • Abb. 5: Einfaches Verteilen des geschmeidigen Cervitec-Gels im Interdentalraum (Bild: Dr. F. Zimmerling).
Sehr einfach lässt sich ein Mundpflege-Gel, z. B. Cervitec Gel mit 0,2 % Chlorhexidin und 900 ppm Fluorid, in die tägliche Routine integrieren [12,13]. Eine regelmäßige Kuranwendung über mindestens zwei Wochen pflegt Gingiva und Zähne. Das Gel kann direkt auf die Gingiva, Mukosa oder die Innenseite des herausnehmbaren Zahnersatzes aufgetragen werden. Das spezielle Tubendesign mit einer schmalen Tülle erlaubt das präzise Aufbringen auf Interdentalbürste oder Floss. Die geschmeidige Konsistenz des Gels erleichtert die Applikation im Approximalbereich (Abb. 5), auf freiliegenden Wurzeloberflächen oder bei offenen Furkationen.

Das Mundpflege-Gel eignet sich auch zum Zähneputzen: Einfach abends anstatt der Zahnpasta benutzen und morgens die Zähne wie immer mit der gewohnten Zahnpasta reinigen. An dieser Stelle ist zu bemerken, dass zinnfluoridhaltige Produkte gemeinsam mit Chlorhexidin zu Verfärbungen führen können. Daher sollte während der Chlorhexidinkur gegebenenfalls eine andere Zahnpasta ohne Zinnfluorid empfohlen werden. Bei dieser Vorgehensweise sind weder Verfärbungen noch Geschmacksirritationen zu erwarten.

Da die Furchen der Zunge ein Reservoir für Bakterien bilden, sollten Patienten das Gel mit der Zahnbürste auch auf der Zunge verteilen. Die Erfahrung zeigt, dass Anwender den Geschmack von Cervitec Gel im Vergleich zu dem anderer chlorhexidinhaltiger Gele als wesentlich angenehmer empfinden. Ein wichtiger Aspekt, der die für den Behandlungserfolg notwendige Compliance der Paro-Patienten fördert.

Interdentalpflege

Im Rahmen des individuellen Recalls nehmen die Auswahl und Demonstration geeigneter Hilfsmittel für die Reinigung und Applikation der empfohlenen Präparate einen wichtigen Raum ein. So sind passende Interdentalbürsten auszuwählen, wobei sich die Größen für ein und denselben Interdentalraum im Verlauf des Heilungsprozesses verändern und auch von einem Zahnzwischenraum zum anderen variieren können. Im Mittelpunkt steht die konsequente und systematische Mundpflege. Zahnmedizinischen Laien ist häufig nicht klar, wo Risikostellen liegen, die besondere Pflege benötigen, und wie diese genau zu praktizieren ist. Nur fachliche Beratung und Betreuung können die richtige Anwendung der für die langfristige Genesung erforderlichen Hilfsmittel sowie die bedürfnisorientierte Auswahl therapieunterstützender Präparate sicherstellen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gabriele David

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Gabriele David


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