Parodontologie

Studien-News

Keine Vorteile durch Full-Mouth-Behandlung bei Parodontitis

Man könnte annehmen, dass Full-Mouth-Scaling (FMS) und Full-Mouth- Desinfection (FMD) bei chronischer Parodontitis effektiver sind als das konventionelle Vorgehen. Bei FMS wird der gesamte Biofilm innerhalb von 24 Stunden mechanisch zerstört und bei FMD werden Bakterien zusätzlich durch ein Antiseptikum – meist Chlorhexidin – beseitigt.

Die zeitliche Eingrenzung der Therapie soll eine Reinfektion der bereits behandelten Quadranten durch unbehandelte Regionen verhindern. Tatsächlich sind auf Basis der derzeitigen Daten keine Therapievorteile für diese Methode erkennbar. Dies stellte eine renommierte Expertengruppe in einem aktuellen Cochrane Update* fest.

Insgesamt basiert der neue Review auf 12 Untersuchungen mit 389 Patienten. Ziel des Reviews war es, die klinischen Effekte von FMS und FMD bei chronischer Parodontitis mit dem üblichen therapeutischen Vorgehen zu vergleichen. Die konventionelle Therapie, also Scaling und Root Planning, erstreckte sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die Autoren stellten fest, dass es keine Evidenz für die Überlegenheit von FMS und FMD gegenüber der konventionellen Methode gebe. Schädliche Nebenwirkungen werden in acht Studien genannt, dabei war Fieber die gravierendste. Das Ergebnis ist allerdings als vorläufig zu werten, da die Evidenz der Datenbasis von der Expertengruppe als niedrig beurteilt wurde.

Daher das vorläufige Fazit der Autoren: Der Zahnarzt solle sich gemeinsam mit seinem Patienten für eine der therapeutischen Herangehensweisen entscheiden. Eine Empfehlung kann derzeit weder für die eine noch für die andere Therapievariante ausgesprochen werden.

Quelle: Cochrane Library/Joerg Eberhard, Sören Jepsen, Pia-Merete Jervøe-Storm, Ian Needleman, Helen V Worthington: Full-mouth treatment modalities (within 24 hours) for chronic periodontitis in adults; veröffentlicht: 17.04.2015

*Cochrane Reviews sind systematische Übersichtsarbeiten, die alle zu einer therapeutischen Fragestellung relevanten Studien und andere Forschungsergebnisse zusammenfassen. Die Autoren eines Cochrane Reviews können aus ganz unterschiedlichen Ländern und Fachrichtungen kommen. In der Regel tun sich multidisziplinäre Teams zusammen, sodass z. B. klinische Experten, Methodiker, Epidemiologen, Recherche-Spezialisten und ggf. Statistiker gemeinsam an einer Übersichtsarbeit arbeiten. Siehe http://www.cochrane.de/systematische-uebersichtsarbeiten

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch


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