Implantologie


Mini-Implantate: Wenn klassische Implantate an ihre Grenzen stoßen


Mini-Implantate sind eine Behandlungsalternative für bestimmte Situationen, in denen man bewusst keine

klassischen Implantate einsetzen kann oder auch möchte. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die

generellen Chancen und die genauen Einsatzgebiete von Mini-Implantaten. Außerdem stellt er relevante Studien

und Erfahrungen aus der Praxis vor.

Die Entwicklung von Mini-Implantaten begann bereits in den 1970er Jahren, zunächst für den provisorischen Einsatz während der Einheilphase von konventionellen Implantaten.
Seither hat das Konzept seine Stärken in verschiedenen weiteren Indikationen gezeigt. So besteht heute die klassische Indikation in der Stabilisierung von Unterkieferprothesen. Allerdings zählt auch der Einsatz im Oberkiefer, als erweiterte Anwendung, zum gängigen Indikationsspektrum.
Was in den 1970er-Jahren begann, führte Ende der 90er Jahre zur Markteinführung des MDI-Systems und 2003 schließlich zur Zulassung für die Langzeitanwendung durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA.
Patienten schätzen diese Art der Versorgung, weil sie in aller Regel schneller, unkomplizierter und auch wesentlich preiswerter als klassische Implantate angeboten werden kann, ohne dass es sich dabei um eine zweitklassige Lösung handelt1.

Das Prinzip Miniimplantat

Der erfolgreiche Einsatz der Mini-Implantate bei der langfristigen Prothesenstabilisierung gründet unter anderem auf dem prothetischen Konzept: Dessen zentrales Element ist ein in der Matrize gelagerter elastischer Gummiring. Die Matrizen werden in die Prothese eingebaut, und der Gummiring schnappt über den Kugelköpfen der Implantate ein (Druckknopfprinzip). Die Prothese bleibt dabei weiterhin schleimhautgetragen. Somit werden die Kaukräfte zunächst durch den Gummiring gedämpft und anschließend über die Schleimhaut auf den Kieferknochen abgeleitet („soft loading“). Auf diese Weise wird unter anderem eine Überbeanspruchung der Implantate und des Knochenlagers direkt nach der Insertion vermieden und langfristig, über die gesamte Tragedauer, die Belastung gedämpft. Gleichzeitig bleibt das knöcherne Lager vor weiterer Resorption geschützt. Unter Verwendung dieses Konzepts ist im Falle der Stabilisierung einer Unterkieferprothese oft sogar eine Sofortbelastung der inserierten Mini-Implantate möglich. Die Voraussetzung dafür besteht im Erreichen einer Primärstabilität von mindestens 35 Ncm11.

Studienergebnisse zu Mini-Implantaten

Einen ausgezeichneten Überblick über die Einsatzmöglichkeiten durchmesserreduzierter Implantate gibt Lerner2. Die Autorin weist insbesondere auf Patienten mit atrophiertem Kiefer hin, die eine augmentative Knochenrekonstruktion aus welchen Gründen auch immer ablehnen und/oder bei denen sie medizinisch nicht indiziert ist. Außerdem erwähnt Lerner den Einsatz von Mini-Implantaten zur Pfeilervermehrung, etwa bei Teleskopbrücken, und die Möglichkeit zum Einzelzahnersatz bei schmalen Lücken.
Zum System gibt es auch diverse Langzeitstudien. So überblickt z. B. die Arbeit von Shatkin3 bereits 2007 bis zu 5 Jahre Nachbeobachtungszeit und 2.514 Implantate. Der Autor fand dabei Implantat-Erfolgsraten von rund 94 %, wie sie auch im Bereich der klassischen Implantologie beobachtet werden. Eine Metaanalyse von Bulard et al.4 zeigt, dass die Einhaltung des klinischen Protokolls ein entscheidendes Erfolgskriterium darstellt. Wird dieses beachtet, ergeben sich Erfolgsquoten von 94 %. Auch Demir5 kommt in seiner Masterarbeit nach einer umfangreichen Recherche zu dem Schluss, dass Implantate mit reduziertem Durchmesser zur Stabilisierung von Totalprothesen Überlebensraten erreichen, die denen von Implantaten mit größeren Durchmessern vergleichbar sind. Der Autor bescheinigt den MDIs, dass sie sich aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften und wegen ihrer besonderen Form speziell auch in komplizierten klinischen Situationen wie etwa zur Stabilisierung von Totalprothesen bei Risikopatienten mit starker Alveolarkammatrophie eignen, wenn nicht genügend Knochen für ein Standardimplantat vorhanden ist.
Zusammengenommen kommen die Studien zu dem Schluss, dass diese „neue“ Technik ihre Sicherheit und Effizienz unter Beweis gestellt hat. Damit stellen Mini-Implantate bei ungünstigen Knochenverhältnissen oder bei begrenztem Budget einen attraktiven Mittelweg zwischen schleimhautgetragener Prothese und konventioneller Implantation dar.

Erfahrungen aus der Praxis

  • Tab. 1: Erfolgsquote bei Beachtung des klinischen Protokolls für MDI (gemäß Bulard et al.4).

  • Tab. 1: Erfolgsquote bei Beachtung des klinischen Protokolls für MDI (gemäß Bulard et al.4).
Aus der Praxis stammen Anwenderberichte, in denen die Behandler anhand von Patientenfällen ihre Erfahrungen mit dieser Ergänzung des Behandlungsspektrums vorstellen. So berichtet Haller6 über eine Vielzahl von Patienten, denen er in nur jeweils einer Sitzung den Wunsch nach einer stabilisierten Prothese erfüllen konnte. Keilinger7 präsentiert eine überzeugende gleichzeitige Versorgung von Unter- und Oberkiefer, wobei er aus Gründen der besseren Belastbarkeit und besseren Kraftverteilung fünf statt vier Implantate im Unterkiefer (hier die Mindestzahl!) einsetzt. Walzer8 betont den Aspekt, dass es Patienten sehr schätzen, wenn sie ihre vorhandene Prothese weiterbenutzen können und diese fortan dank der MDIs sicher und fest im Mund verankert ist. Einige Autoren berichten auch von erweiterten Indikationen. So verwenden zum Beispiel Siddiqui et al.9 Mini-Implantate bei bestimmten Indikationen zum Einzelzahnersatz, und Schmidt10 setzt Mini-Implantate auch zur Pfeilervermehrung für eine Teleskopprothese ein.

Fazit

Die klassische Anwendung von Mini-Implantaten besteht in der sicheren Stabilisierung einer Unterkieferprothese. Hierzu liegen reichhaltig Erfahrungsberichte vor. Dieses Einsatzgebiet eignet sich für den Allgemeinzahnarzt und den Implantologen gleichermaßen zur Ergänzung des persönlichen Behandlungsspektrums um den Bereich der minimalinvasiven Implantologie. Im erweiterten Einsatz ist mit Mini-Implantaten auch die Stabilisierung einer Oberkieferprothese möglich. Dabei müssen mindestens sechs Mini-Implantate gesetzt werden – im Vergleich zu (mindestens) vier Implantaten im Unterkiefer. Zudem muss in der Regel eine Einheilzeit von vier bis sechs Monaten abgewartet werden. Somit stellt sich der Einsatz im Oberkiefer etwas komplexer dar, auch weil die Knochenverhältnisse oft schwieriger sind. Insgesamt reichen die Indikationen von der Stabilisierung von Total- und Teilprothesen bis hin zur Einzelzahnversorgung bei schmaler Zahnlücke und der temporären Unterstützung von provisorischen Brücken. So ergänzen Mini-Implantate auch die klassische Implantattherapie: Wird der Patient üblicherweise während der Einheilphase mit einer Klammerprothese versorgt, so bietet sich alternativ ein festsitzender provisorischer Zahnersatz an, der durch Mini-Implantate gestützt wird.

Informationen zum Weiterbildungsangebot für Einsteiger und gestandene Implantologen (dem 3M ESPE MDI-Weiterbildungsprogramm und dem von der DGOI anerkannten Curriculum Minimalinvasive Implantologie) finden Interessierte bei
3M ESPE – Implantologie, Tel.: 0800 4683200

Über das Internet: www.3MESPE.de/implantologie
(auf „Veranstaltungen zu MDI“ klicken und oline buchen).

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger


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