Implantologie

Der Einsatz von Knochenersatzmaterial bewährt sich

Kieferkammerhalt beginnt vor der Extraktion

27.11.2017

Kieferkammerhalt nach Extraktion regio 34, 35 mit Bio-Oss Collagen und 36,37 ohne Socket-Preservation.
Kieferkammerhalt nach Extraktion regio 34, 35 mit Bio-Oss Collagen und 36,37 ohne Socket-Preservation.


Die Frage des Erhalts der Kieferkammkontur mittels Augmentation der Extraktionsalveole sollte vor dem Eingriff entschieden werden. Dies gilt besonders im ästhetisch anspruchsvollen Frontzahnbereich. Für den Erfolg einer Implantat- oder einer Brückenversorgung ist der Erhalt des Kieferkammes von entscheidender Bedeutung. Aus der Literatur ist bekannt, dass der Verlust eines Zahnes mehrheitlich mit einem Verlust an Hart- und Weichgewebe einher geht. Hierüber sollte der Patient vor der Extraktion aufgeklärt werden.

In diesem Zusammenhang hat sich der Einsatz von Knochenersatzmaterial bei der Socket- und Ridge-Preservation bewährt. Das Bio-Oss Collagen (Fa. Geistlich) ist ein bovines Knochenersatzmaterial mit einem 10% Kollagenanteil. Es wird ohne Druck in die Alveole eingebracht. Ein plastischer Verschluss der Alveole mit einem Mucoperiostlappen ist bei diesem Therapiekonzept nicht indiziert. Das Material heilt offen ein. Postoperativ kommt es im Laufe der nächsten Wochen über die freie Granulation zu einem epithelialen Verschluss der Extraktionsalveole.

Infektionsprophylaxe

Die Augmentation einer Alveole mit Knochenersatzmaterial verlangt eine weitgehende Entzündungsfreiheit. Diese kann durch die Anwendung der antimikrobiellen photodynamischen Therapie (aPDT) unterstützt werden. Die Effizienz des Verfahrens ist in der Literatur für die Bereiche Parodontologie, Periimplantitis-Therapie und Endodontie bereits umfassend beschrieben. Durch das aPDT-Verfahren kann zudem eine deutliche Reduktion des Auftretens der alveolären Ostitis und weiterer Wundheilungsstörungen erreicht werden.

Nach der Extraktion wird die Alveole mit einem scharfen Löffel auskürettiert und photodynamisch behandelt. Durch Einsatz eines lichtaktiven Farbstoffs (Helbo Blue Photosensitizer) und Licht einer auf den Farbstoff abgestimmten Wellenlänge und Energie (Helbo TheraLite Laser), kommt es hierbei zur Bildung einer aggressiven Sauerstoffform (Singulett-Sauerstoff), welche Bakterien durch Lipidoxidation zerstört. Im Anschluss an die Desinfektion erfolgt die Augmentation der Alveole.

Nach der Extraktion wird der Farbstoff (Photosensibilisator) in die Alveole eingebracht und verbleibt dort nach Anwendungsprotokoll für 2 bis 3 Minuten. In dieser Zeit empfiehlt es sich, die Alveole mit einem Tupfer abzudecken. Im Anschluss wird die Alveole mit Kochsalzlösung ausgespült und mit dem Laser für 60 Sekunden bestahlt. 

Socket-Preservation

Die knöcherne Alveole ist intakt, es kommt zu einer knöchernen Regeneration.

  • Die intakte Alveole 12-22 mit apikaler Infektion.
  • Augmentation nach aPDT der intakten Alveole mit Bio-Oss Collagen.
  • Die intakte Alveole 12-22 mit apikaler Infektion.
  • Augmentation nach aPDT der intakten Alveole mit Bio-Oss Collagen.

  • Kontrolle 10 Monate post OP.
  • Kontrolle 10 Monate post OP.

Ridge-Preservation

Liegt ein Defekt im Bereich der knöchernen Begrenzung der Alveole vor, spricht man von einer Ridge-Preservation. Für das weitere Procedere sind zwei Behandlungsziele zu definieren:

  1.      Eine bindegewebige Ausheilung der defekten Extraktionsalveole.
  2.      Die knöcherne Ausheilung der defekten Extraktionsalveole. 

Ridge-Preservation mit bindegewebiger Ausheilung

Ziel dieser Therapie ist der Erhalt der Kontur des Alveolarfortsatzes ohne knöcherne Regeneration durch Weichteilunterfütterung mit Knochenersatzmaterial. Der Behandlungsablauf ist in diesem Fall identisch mit dem der Socket-Preservation, nur kommt es nicht zu einer knöchernen Regeneration.

  • Defekte Alveole 34 mit komplettem Verlust der bukkalen Lamelle.
  • Augmentation zur Erhaltung der Kieferkammkontur ohne knöcherne Regeneration.
  • Defekte Alveole 34 mit komplettem Verlust der bukkalen Lamelle.
  • Augmentation zur Erhaltung der Kieferkammkontur ohne knöcherne Regeneration.

Auch in diesem Fall wird das Augmentat in die defekte Alveole, ohne weitere Mobilisation der umgebenden Weichgewebe, eingebracht.

  • Kontrolle 5 Jahre post OP.
  • Kontrolle 5 Jahre post OP.

Ridge-Preservation mit knöcherner Ausheilung

Ziel dieser Therapie ist die knöcherne Wiederherstellung (Aufbau) des Alveolarfortsatzes mit Knochenersatzmaterial mittels Guided Bone Regeneration (GBR) unter Zuhilfenahme physiologischer oder synthetischer Barriere durch Veränderung der Defektgeometrie.  

  • Defekte Alveole regio 24; Rezession und Verlust der gesamten bukkalen Lamelle.
  • Defekte Alveole regio 24; Rezession und Verlust der gesamten bukkalen Lamelle.

Die Augmentation der Alveole erfolgt nun im Sinne einer GBR aber ohne Aufklappung. Es erfolgt die subperiostale Präparation einer bukkalen Tasche.

  • Taschenpräparation nach aPDT.
  • Taschenpräparation nach aPDT.

In diese wird die Kollagenmembran (Bio-Gide®, Fa. Geistlich) zur Abdeckung des knöchern Defektes eingebracht. Die Membran verhindert die Einsprossung von Bindegewebe in den Defektbereich. Im Anschluss wird das Augmentat (Bio-Oss® Collagen, Fa. Geistlich) eingebracht.

 

 

  • Membran und Augmentat.
  • Membran und Augmentat.

 

Die Membran (Bio-Gide) wird nach palatinal eingeschlagen und zur Fixation ca. 1-2 mm unter die palatinale Mucosa geschoben. Bei Bedarf erfolgt eine zusätzliche Fixierung mit einer X-Naht.

  • Membran palatinal eingeschlagen.
  • Kontrolle 4 Monate post OP.
  • Membran palatinal eingeschlagen.
  • Kontrolle 4 Monate post OP.

Bei Fragen zur Abrechnung zum Alveolenmanagement können Sie sich im Internet auf der DGI-Webseite www.dgi-ev.de  Abrechnungsbeispiele und Informationen downloaden.

 

Der Autor:
Dr. Torsten S. Conrad
Dr.-Gebauer-Str. 31
55411 Bingen
E-Mail: Torsten.Conrad@dr-conrad.de

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