Endodontie


Direkte adhäsive Versorgungen wurzelkanalbehandelter Zähne

„Wurzelkanalbehandelte Zähne gehören überkront – und auf jeden Fall mit einem Metallstift zur Stabilisierung versorgt.“ Beide Paradigmen dieses Satzes können heute als überholt angesehen werden: Der Glasfaserstift löst langsam den Metallstift ab [10, 15] und nicht wirklich jeder wurzelkanalbehandelte Zahn muss komplett überkront werden [25]. Es kommt somit Bewegung in die etwas „starre“ Haltung zur Versorgung wurzelkanalbehandelter Zähne: Es wird nicht mehr stur einem Grundprinzip gefolgt, sondern Fall-individuell versucht unter Berücksichtigung der Menge verbliebener Zahnhartsubstanz und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu den unterschiedlichen Versorgungsvarianten die vernünftigste Versorgung für Zahn und Patient auszuwählen.

Sehr viel wurde in den letzten Jahren zu postendodontologischen Versorgungen publiziert; das meiste hierzu über Stiftvarianten und deren allgemeine Indikation: In einer sehr interessanten In-Vitro-Studie [23] konnten adhäsiv befestigte Glasfaserstifte mit 422 +/- 90 N die höchste Frakturfestigkeit eines restaurierten Zahnes bewirken. Die Stabiltiät eines intakten Zahnes mit 793 +/- 210 N konnte allerdings nicht erreicht werden. Kam es allerdings zu einer Fraktur, so verlief diese bei Verwendung von Stiften tendenziell eher ungünstig, was die Erhaltungswürdigkeit eines Zahnes in der klinischen Situation in Frage stellen würde. Im Endeffekt konnte in dieser Studie kein positiver Effekt eines zusätzlich inserierten Stiftes (egal aus welchem Material) im Vergleich zu überkronten Zähnen ohne Stift gefunden werden. Glasfaserstifte zeigen bislang auch in klinischen Studien keine Überlegenheit gegenüber Metallstiften [30]. In einer erst jüngst veröffentlichten prospektiven klinischen Langzeitstudie [22] ergaben die Glasfaserstifte mit einer jährlichen Verlustquote von 4,6 % sogar eher enttäuschende Ergebnisse. Die Anzahl der verbliebenden Wände sowie die Art des Zahnes selbst (Front vs. Seitenzahn) hatten als einziges einen signifikanten Einfluss auf die Versagensrate. Eine ältere Langzeitstudie [10] kam zu demselben Ergebnis: Die Versagensrate von 7 bis 11 % (in Abhängigkeit von dem verwendeten Stift) ergab sich im Beobachtungszeitraum von bis zu 11 Jahren primär aus dem Destruktionsgrad des Zahnes: Je weniger koronale Zahnhartsubstanz vorhanden war, desto schlechter war die Prognose. Wie uneinheitlich die Literatur zu dem Thema ist, zeigt eine interessante Studie aus dem Jahr 2014 [14], in der hingegen weder der Destruktionsgrad noch das Befestigungsmaterial einen signifikanten Einfluss auf das Versagensrisiko wurzelkanalbehandelter Zähne nach 4 Jahren hatte. Dies unterstützt die Auffassung vieler, auf Stifte tendenziell eher zu verzichten [29]. Das primär entscheidende für den Erfolg ist nach wie vor die komplette Fassung des präparierten Zahnes in Form des Ferrule-Designs [21], wenn der Zahn denn überkront werden soll.

Zwar ist nach wie vor die Überkronung die sinnvollste und sicherste Versorgung und macht bei großflächigen Defekten absolut Sinn, bei geringgradigerem Destruktionsgrad des Zahnes kann aber die Teilkrone eine ebenso effiziente Alternative darstellen [2,6] wie auch jede weitere adhäsive indirekte Versorgungsform. Wenn in diesem Zusammenhang sogar das Keramikinlay diskutiert wird, ist der Gedankensprung zur direkten Kompositversorgung nicht weit: Steht sie doch gerade bei Inlayindikationen in direkter Konkurrenz zur Keramik. Die direkte Komposit-Versorgungsvariante schneidet dabei gar nicht schlecht ab [11] und ist auch bei wurzelkanalbehandelten Zähnen gleichwertig [25]. Glasfaserstifte haben hingegen kaum einen Einfluss auf die Frakturresistenz [18,28]. Somit stellt sich die Frage, warum nicht auch wurzelkanalbehandelte Zähne in direkter adhäsiver Technik versorgt werden können. Eine Studie von Damaschke [2] attestiert wurzelkanalbehandelten direkten Kompositrestaurationen von bis zu 3 Flächen eine durchaus gute Prognose: Die mittlere Überlebensrate von direkten Kompositrestaurationen lag bei 13,4 ± 0,5 Jahre, die von Kronen- bzw. Brückenversorgung bei 14,0 ± 0,3 Jahre. Gegossene Metallstifte reduzierten im übrigen die mittlere Überlebensrate auf 13,0 ± 0,2 Jahre. Die Autoren sehen somit die direkte Versorgungsform als eine vollwertige Alternative – wenn entsprechend Zahnhartsubstanz noch vorhanden ist. Dies ist im Einklang mit einer älteren Studie zum selben Thema [20], die eine deutlich reduzierte Lebenserwartung für nicht überkronte wurzelkanalbehandelte Zähne ergab: Die 5-Jahres-Überlebensrate lag hier bei lediglich 36 %. Betrachtete man allerdings die 5-JahresÜberlebensrate von Molaren, bei denen auf maximalen Erhalt von Zahnhartsubstanz Wert gelegt worden war, so erhöhte sich die Erfolgsquote auf 78 %. In einer älteren klinischen Studie aus dem Jahre 2002 [17] konnte in dem dreijährigen Beobachtungszeitraum kein Unterschied zwischen der Versorgungsform Krone und der direkten Kompositrestauration bei wurzelkanalbehandelten Zähnen festgestellt werden.

Allerdings waren in allen Fällen zusätzlich adhäsive Glasfaserstifte zum Einsatz gekommen. Es existiert somit genügend wissenschaftliche Evidenz, die zeigt, dass es durchaus Sinn macht, sich mit der direkten adhäsiven Versorgung wurzelkanalbehandelter Zähne zu beschäftigen und diese als eine Alternative für bestimmte Indikationen, wie z.B. dem Vorhandensein ausreichender und gesunder Zahnhartsubstanz zu sehen. Dies zeigen auch die zahlreichen Publikationen in endodontologischen Fachzeitschriften zu alternativen direkten Versorgungsformen [4,8,31].

Ergänzend zeigen veröffentlichte Case-Reports [3] zu Einzelfällen wie der Versorgung eine „hoffnungslosen Zahnes“ [29] mit einem beeindruckendem 7-Jahres-Ergebnis, was mit moderner Adhäsivtechnik alles möglich ist – wenn man sie beherrscht.

Augenmerk sollte aber auf eine eventuelle Notwendigkeit der Einfassung einzelner oder aller Höcker – gerade bei geringen Restwandstärken [28] – gerichtet sein: Zwei In-vitro- Studien hierzu [4,31] ergaben eine deutlich höhere Frakturresistenz bei Klasse II-Restaurationen, wenn die Höcker entsprechend in die Restauration integriert worden sind. Warum frakturieren eigentlich wurzelkanalbehandelte Zähne häufiger [19] als vitale? Es ist nicht die Jahrzehnte postulierte „Versprödung“ durch Austrocknen, es ist schlichtweg deswegen, weil diesen Zähnen das die Wände verbindende Pulpadach fehlt. Bei einer Transversalbelastung entsteht somit aufgrund der „längeren“ internen Kavitätenwände eine deutlich höhere Hebelkraft auf den Ansatzpunkt an der horizontalen Zahnhartsubstanz. Ein katastrophales Versagen ist dementsprechend häufiger zu beobachten.

Wann sollte man an die Alternative der direkten Versorgung denken?

Dies macht vorrangig bei wurzelkanalbehandelten Zähnen Sinn, die noch eine Menge gesunder Zahnhartsubstanz aufweisen; gerade bei jüngeren Patienten und bei Prämolaren findet man dies nicht so selten: Die isolierte distale Karies führte zur Wurzelkanalbehandlung. Der Defekt ist aber lediglich eine gut umschriebene od-Läsion. Oftmals sind es aber auch Kostengründe, die den Patienten nach einer aufwendigen und teuren endodontologischen Behandlung nach einer weniger kostenintensiven Restauration zu fragen. Sieht der Behandler die Möglichkeit einer direkten Restauration müssen trotzdem alle Alternativversorgungen mit dem Patienten diskutiert werden; schließlich steht man in der medizinischen und wirtschaftlichen Aufklärungspflicht gegenüber allen in Frage kommenden Versorgungsformen. Hierbei ist auch anzumerken, dass der Evidenzgrad für den Erfolg direkter Versorgung bei wurzelkanalbehandelten Zähnen nicht so hoch ist wie bei der landläufig als sicherer angesehenen Kronenversorgung. Die Frage, ob der beschriebene Alternativweg wert ist, in die nähere Betrachtung einbezogen zu werden, muss somit Patienten- und Zahnindividuell diskutiert und entschieden werden.

Bei jeglicher Versorgungsform sollte immer im Vordergrund stehen, dass ein Versagen der Restauration – adhäsiv oder kohäsiv – nicht zu einem katastrophalen Ergebnis für den Zahn führen darf. D.h. der Zahn sollte – bestenfalls in identischer Art und Weise – noch einmal neu versorgbar sein und nicht der Zange anheim fallen müssen. Um ein adhäsives Versagen zu vermeiden, steht vorrangig die korrekte Adhäsivtechnik [5] und die Vermeidung des Bestehenlassens dünner Kavitätenwände im Vordergrund. Aufgrund eines adhäsiven Versagen scheiternde Restaurationen lassen sich aufgrund der häufig nach schräg-zervikal verlaufenden Frakturlinie selbst nur schwer mit einer Krone fassen und stellen somit ein erhebliches Risiko für die Integrität des Zahnes dar. Dem Risiko eines kohäsiven Versagens der Restauration – was im ungünstigsten Fall ursächlich für eine unmittelbare Fraktur des darunter befindlichen Zahnes sein kann, kann durch die Auswahl eines Komposites mit einer hohen Biegebruchfestigkeit [26] und geringen Schrumpfungskräften [8,27] sowie durch die suffiziente Lichtpolymerisation des Restaurationsmaterials [9] begegnet werden.

Der vorliegende Beitrag will beispielhaft einige Fälle beschreiben, in denen der direkten Versorgungsform der Vorrang gegenüber der indirekten gegeben wurde.


Fallbeispiel 1

Direkte Versorgung im Oberkiefer, Zahn 24

Der Fall der 42-jährigen Patientin entspricht genau den resultierenden Empfehlungen aus der retrospektiven Studie von Damaschke et al [2]. Ein kleinerer, bis zu dreiflächiger Defekt an einem Prämolaren (Abb. 1) nach erfolgter endodontologischer Behandlung und alio loco vorgenommener provisorischer Interimsversorgung“ mit Glasionomerzement. Es besteht Konsens darüber, dass Glasionomerzement das am wenigsten geeignete Material für die Versorgung wurzelkanalbehandelte Zähne ist; dennoch findet man es recht häufig, gerade in den Fällen, in denen die überholte „3-Monatsfrist“ bis zur definitiven Versorgung überbrückt werden muss. Die Abbildung 2 zeigt die adhäsive Präparation und die bereits adhäsiv versiegelte Kavität. Die Kavität wurde nach mesial diskret erweitert, da dort bereits ein Schmelzriss beobachtet wurde. Es erfolgte keine weitere Abdeckung der bis in den Wurzelkanal entfernten Guttapercha-Wurzelfüllung. Zwei mit Kunststoff- Keilchen (G-Wedge, Garrison) abgedichtete Teilmatrizen (Contact Matrix Ultra thin flex, Danville) stellen den Aufbau der korrekten anatomischen Form sicher. Die Abbildung 3 zeigt aus einem etwas anderen Winkel die noch massiv im palatinalen Höcker vorhandene Restzahnhartsubstanz. Aufgrund des kleinen Defektes, der optimalen Darstellbarkeit der Kavitätenränder und der einfachen absoluten Trockenlegung konnte im Einklang mit den evidenzbasierten Literaturempfehlungen die direkte Kompositversorgung als eine sinnvolle substanz- und kostensparende Alternative zu einer indirekten Teilkronenversorgung erwogen werden.

  • Abb. 1: Defekte Glasionomerzementfüllung an dem wurzelkanalbehandeltem Zahn 24.
  • Abb. 2: Die adhäsive Präparation und die bereits adhäsiv versiegelte Kavität.
  • Abb. 1: Defekte Glasionomerzementfüllung an dem wurzelkanalbehandeltem Zahn 24.
  • Abb. 2: Die adhäsive Präparation und die bereits adhäsiv versiegelte Kavität.

  • Abb. 3: Die Kavität aus einem etwas anderen Blickwinkel: Die noch massiv im palatinalen Höcker vorhandene Restzahnhartsubstanz ist gut erkennbar.
  • Abb. 4: Auf die Wurzelfüllung und den distalen approximalen Kasten wurde ein weiß-opakes Flow-Komposit appliziert.
  • Abb. 3: Die Kavität aus einem etwas anderen Blickwinkel: Die noch massiv im palatinalen Höcker vorhandene Restzahnhartsubstanz ist gut erkennbar.
  • Abb. 4: Auf die Wurzelfüllung und den distalen approximalen Kasten wurde ein weiß-opakes Flow-Komposit appliziert.

  • Abb. 5: Fertig gestellte direkte Kompositrestauration.
  • Abb. 6: Der versorgte Zahn 24 nach zwei Jahren. Die Restauration und der Zahn zeigen sich intakt.
  • Abb. 5: Fertig gestellte direkte Kompositrestauration.
  • Abb. 6: Der versorgte Zahn 24 nach zwei Jahren. Die Restauration und der Zahn zeigen sich intakt.

Direkt auf die Wurzelfüllung und den distalen approximalen Kasten wurde ein weiß-opakes Flow-Komposit (Abb. 4, Venus Diamond Flow Baseliner, Heraeus Kulzer) appliziert [7]. Dieses kann eine eventuelle Reintervention in Form einer Revision der Wurzelfüllung aufgrund der leichteren Identifizierung des Zugangs und somit der Vermeidung iatrogener Perforationen erleichtern. Der weitere Aufbau erfolgte in diagonaler Mehrschichttechnik mit dem Nanohybrid-Komposit Venus Pearl (Heraeus Kulzer) ausschließlich in der universellen Seitenzahnfarbe A2,5 (Abb. 5). Die Wahl des Materials erfolgte aufgrund seiner hohen Biegebruchfestigkeit [26] und der sehr geringen Schrumpfkraftwerte [8]. Die Abbildung 6 zeigt den Zahn bei einer weiteren Kontrolluntersuchung nach zwei Jahren.


Fallbeispiel 2

Direkte Versorgung im Oberkiefer, Zahn 25

Der alio loco wurzelkanalbehandelte Zahn 25 (Abb. 7) des 30-jährigen Patienten sollte ursprünglich mit einer Krone versorgt werden. Da bei dem Patienten noch mehrere weitere kariöse Defekte zu finden waren, fragte er nach einer kostengünstigeren Alternative zur Krone. Die Versorgung der kariösen Läsion distal an Zahn 24 wollte er entgegen dem Rat, diese aufgrund der einfacheren Zugänglichkeit und der somit geringer zu dimensionierenden Kavitätengeometrie in derselben Sitzung mit zu versorgen, auf einen späteren Termin verschoben haben.

Da alle Kavitätenränder kontaminationsfrei, gut einseh- und kontrollierbar und mit einer anatomisch geformten zirkulären Tofflemire-Matrize (Contoured Tofflemire, KerrHawe) erfassbar waren (Abb. 8), waren die Grundvoraussetzungen für eine Adhäsivtechnik – im vorliegenden Fall ohne Kofferdam – und damit für eine direkte Kompositrestauration gegeben. Der bukkale Höcker musste aufgrund seiner starken Unterminierung mit in die Versorgung einbezogen werden. Die Abbildung 9 zeigt die versiegelte Kavität – approximal bereits mit dem weiß-opakem Flow-Komposit (Venus Diamond Flow Baseliner) versorgt. In schräg-diagonaler Schichttechnik wurden erst die approximalen Kästen mit Venus Pearl, erneut in der Farbe A2,5, aufgebaut. Es erfolgte ein Einbau eines opakeren Dentinkerns aus der chromatischen Dentinfarbe OMC des Venus Pearl Komposit-Systems.

  • Abb. 7: Defekte, alio loco vorgenommene, postendodontologische Kompositversorgung des Zahnes 25.
  • Abb. 8: Die mit einer anatomisch geformten zirkulären Tofflemire-Matrize dargestellte Kavität. Der bukkale Höcker musste aufgrund seiner starken Unterminierung mit in die Versorgung einbezogen werden.
  • Abb. 7: Defekte, alio loco vorgenommene, postendodontologische Kompositversorgung des Zahnes 25.
  • Abb. 8: Die mit einer anatomisch geformten zirkulären Tofflemire-Matrize dargestellte Kavität. Der bukkale Höcker musste aufgrund seiner starken Unterminierung mit in die Versorgung einbezogen werden.

  • Abb. 9: Die versiegelte Kavität – approximal mit einem weiß-opakem Flow-Komposit versorgt.
  • Abb. 10: Der mit einer „direkten Teilkrone“ versorgte Zahn 25 nach 6 Monaten bei dem Termin zur Versorgung der verbliebenen Karies an Zahn 24.
  • Abb. 9: Die versiegelte Kavität – approximal mit einem weiß-opakem Flow-Komposit versorgt.
  • Abb. 10: Der mit einer „direkten Teilkrone“ versorgte Zahn 25 nach 6 Monaten bei dem Termin zur Versorgung der verbliebenen Karies an Zahn 24.

  • Abb. 11: Die Situation unmittelbar nach Versorgung des Zahnes 24.
  • Abb. 12: Bukkalansicht der Zähne 24 und 25 unmittelbar nach Versorgung des Zahnes 24.
  • Abb. 11: Die Situation unmittelbar nach Versorgung des Zahnes 24.
  • Abb. 12: Bukkalansicht der Zähne 24 und 25 unmittelbar nach Versorgung des Zahnes 24.

  • Abb. 13: Kontrollaufnahme der Zähne 24 und 25 nach weiteren 18 Monaten in Ansicht von okklusal.
  • Abb. 13: Kontrollaufnahme der Zähne 24 und 25 nach weiteren 18 Monaten in Ansicht von okklusal.

Sechs Monate nach Versorgung des Zahnes 25 (Abb. 10) konnte nun die verbliebene Karies an Zahn 24 behandelt werden. Die Abbildung 11 zeigt die Situation unmittelbar nach Versorgung des Zahnes 24 (ebenfalls Venus Pearl, A2,5) in Okklusalansicht, die Abbildung 12 in Bukkalansicht. Die Abbildung 13 zeigt die entsprechende Situation nach weiteren 18 Monaten.


Fallbeispiel 3

Direkte Versorgung im Unterkiefer, Zahn 45

Bei der 23-jährigen Patientin kam es bei der Excavation der distalen Karies zu einer Pulpaeröffnung, die nicht direkt überkappt werden konnte. Es erfolgte in derselben Sitzung der präendodontologische Kompositaufbau aus einem lichthärtenden Komposit in Kontrastfarbe (Rebilda LC, VOCO), sowie die Trepanation und Vitalexstirpation gefolgt von einer Spülung (NaOCl, 5 %) und einer medikamentösen Einlage (Ledermix, Lederle) mit dem obligatem speicheldichten provisorischen Verschluss (Cavit, 3M ESPE). Unmittelbar nach erfolgter endodontologischer Behandlung stellte sich die Patientin zur definitiven Weiterversorgung des Zahnes vor. Die endodontologische Zugangskavität wurde inzwischen mit einem dualhärtenden Stumpfaufbaukomposit (CoreXflow, DENTSPLY) adhäsiv verschlossen (Abb. 14). Nach der Entfernung der präendodontologischen Aufbaufüllung und der postendodontologischen Verschlussfüllung zeigte sich die linguale Wand des Zahnes stark unterminiert. Distal konnte sogar noch eine Schmelzbegrenzung erhalten werden. Deshalb musste aus Gründen der Frakturprävention der linguale Höcker eingefasst werden. Dieser wurde hierzu um ca. 2 mm eingekürzt und mit einer nach lingual abfallenden Anschrägung versehen (Abb. 15). Die Abbildung 16 zeigt die versiegelte und mit dem Flow-Komposit wie in den vorhergehenden Fällen versorgte Kavität, die Abbildung 17 den in mehreren Schichten aus der Farbe A2 des Venus Diamond Nanohybrid-Komposites aufgebauten Zahn.

  • Abb. 14: Post-endodontologische Versorgung des Zahnes 45.
  • Abb. 15: Nach der Entfernung aller existierenden Restaurationen zeigte sich die linguale Wand des Zahnes stark unterminiert. Aus diesem Grunde musste aus Gründen der Frakturprävention der linguale Höcker eingefasst werden.
  • Abb. 14: Post-endodontologische Versorgung des Zahnes 45.
  • Abb. 15: Nach der Entfernung aller existierenden Restaurationen zeigte sich die linguale Wand des Zahnes stark unterminiert. Aus diesem Grunde musste aus Gründen der Frakturprävention der linguale Höcker eingefasst werden.

  • Abb. 16: Die versiegelte und mit dem Flow-Komposit wie in den vorhergehenden Fällen versorgte Kavität.
  • Abb. 17: Der in mehreren Schichten aufgebaute Zahn 45.
  • Abb. 16: Die versiegelte und mit dem Flow-Komposit wie in den vorhergehenden Fällen versorgte Kavität.
  • Abb. 17: Der in mehreren Schichten aufgebaute Zahn 45.

  • Abb. 18: Der Zahn 45 bei einer Kontrolle nach 3 Jahren.
  • Abb. 19: Kontrollaufnahme des Zahnes 45 nach insgesamt 5 Jahren. Es sind keine nennenswerte Abrasionsanzeichen erkennbar; der linguale Höcker zeigt sich stabil.
  • Abb. 18: Der Zahn 45 bei einer Kontrolle nach 3 Jahren.
  • Abb. 19: Kontrollaufnahme des Zahnes 45 nach insgesamt 5 Jahren. Es sind keine nennenswerte Abrasionsanzeichen erkennbar; der linguale Höcker zeigt sich stabil.

Auf eine Charakterisierung der Kaufläche wurde bewusst verzichtet – der Aufbau war im normalen Sprechabstand nicht als Restauration erkennbar. Die Abbildung 18 zeigt den Zahn bei einer Kontrolle nach drei Jahren, die Abbildung 19 nach fünf Jahren. Es sind keine klinisch relevanten Abrasionsanzeichen erkennbar; der linguale Höcker zeigt sich stabil.


Fallbeispiel 4

Direkte Versorgung im Oberkiefer, Zahn 15

Bei der 40-jährigen Patientin wurde vor Jahren eine insuffiziente Wurzelfüllung in Zahn 15 mit einem zweiflächigen Goldinlay versorgt (Abb. 20), dass nun Randspaltbedingt als insuffizient eingestuft werden musste. Bei der klinischen Inspektion konnte es mit einem Heidemannspatel leicht aus seiner Position gedrückt werden. Eine Neuversorgung der Kavität war somit unumgänglich, da das Inlay aufgrund seiner Randdefekte nicht wiederbefestigt werden konnte. Der Zahn war zwar klinisch symptomfrei und zeigte auch radiologisch keine periapikale Aufhellung. Trotzdem müsste für eine indirekte Neuversorgung, was im vorliegenden Fall eine Teilkrone gewesen wäre, die Wurzelfüllung revidiert werden. Trotz eingehender Beratung und Aufklärung entschied sich die Patientin dafür, die Wurzelfüllung so zu belassen. Als Ausweg blieb noch die direkte Restauration mit Komposit, die im vorliegenden Fall die Alternative „B“ war. Palatinal musste aufgrund seiner Unterminierung der Höcker komplett gefasst werden, um einer Fraktur vorzubeugen. Mesial zeigte sich der Kavitätenrand sogar noch schmelzbegrenzt. Die ganze Kavität konnte mit einem anatomisch konfigurierten Tofflemire-Band (KerrHawe) abgedichtet werden. Die neuen Garrison ComposiTight 3D Fusion-Kunststoffkeilchen erlaubten eine einfache Abdichtung approximal und zudem genügend Separationsdruck zur Etablierung eines ausreichenden Approximalkontaktes (Abb. 21). Nach adhäsiver Versiegelung mit einem klassischen Mehrflaschenadhäsiv nach Phosphorsäurekonditionierung wurde auch hier im Bereich des Wurzelkanaleingangs und approximal distal eine Schicht des weiß-opaken Venus Diamond Flow Baseliner aufgebracht (Abb. 22), um bei einer eventuell späteren Reintervention wie einer Revision der Wurzelfüllung den Kanaleingangsbereich leichter wieder auffinden zu können und somit eine via falsa zu verhindern.

  • Abb. 20: Mit einem inzwischen insuffizient gewordenem Goldinlay versorgter, wurzelkanalbehandelter Zahn 15.
  • Abb. 21: Die mit einem anatomisch konfigurierten Tofflemire-Band dargestellte Kavität.
  • Abb. 20: Mit einem inzwischen insuffizient gewordenem Goldinlay versorgter, wurzelkanalbehandelter Zahn 15.
  • Abb. 21: Die mit einem anatomisch konfigurierten Tofflemire-Band dargestellte Kavität.

  • Abb. 22: Situation nach adhäsiver Versiegelung und Aufbringen einer weiß-opaken Flow-Schicht im Bereich des Wurzelkanaleingangs und der distalen approximalen Stufe.
  • Abb. 23: Die fertig gestellte direkte Komposit-Versorgung des wurzelgefüllten Zahnes 15.
  • Abb. 22: Situation nach adhäsiver Versiegelung und Aufbringen einer weiß-opaken Flow-Schicht im Bereich des Wurzelkanaleingangs und der distalen approximalen Stufe.
  • Abb. 23: Die fertig gestellte direkte Komposit-Versorgung des wurzelgefüllten Zahnes 15.

Die gesamte Kavität wurde im Anschluss in klassischer Schichttechnik ausschließlich aus der HKA2,5 des Venus Pearl- Komposites (Heraeus Kulzer) aufgebaut. Die Politur erfolgte mit Venus Supra-Polieren. Die Abbildung 23 zeigt die fertig gestellte direkte Komposit-Versorgung des wurzelgefüllten Zahnes 15.

Fazit

Die vorgestellten Fälle dienen als Beispiele direkter Kompositversorgungen wurzelkanalbehandelter Zähne mit ausreichend vorhandener Restzahnhartsubstanz. Zwar stehen hier die Endergebnisse nach 10 und 15 Jahren noch aus, es bleibt aber ernsthaft zu bezweifeln, warum diese Resultate wesentlich von den guten Ergebnissen publizierter Langzeitstudien [1,16,24] an vitalen Zähnen differieren sollten. Eine abwägende Indikationsbetrachtung und sorgfältige Umsetzung – inklusive suffizienter Lichtpolymerisation [9] vorausgesetzt, sollten die vorgestellten Versorgungsvarianten eine adäquate, aber deutlich substanzschonendere und kostengünstigere Alternative zu indirekten Restauration darstellen. Skeptikern bleibt es überlassen, diese lediglich als Interimsversorgung zu sehen.

Dass die vier vorgestellten Versorgungen ausschließlich an Prämolaren vorgenommen wurden, ist kein Zufall: Prämolaren- Defekte sind in der Regel kleiner als Defekte an Molaren und somit eher mit direkten Kompositversorgungen aufzubauen als an Molaren. Da die verbleibende Restzahnhartsubstanz-Menge entscheidend für die Prognose ist [20], findet man häufiger die Indikation für direkte Versorgungsalternativen an Prämolaren als an Molaren.

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst , Dr. Andreas Sebus , Prof. Dr. Benjamín Briseño Marroquín


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