Endodontie


Depotphorese®: Alternativbehandlung zur WSR

22.11.2011


Bei der konventionellen Endodontie versucht man, auf mechanischem Weg Infektionen im Wurzelkanal zu erreichen und zu behandeln. Bei einer alternativen Behandlung der Depotphorese® mit Cupral® werden die Wirkstoffe von Cupral® mithilfe eines schwachen elektrischen Feldes in alle Verzweigungen des apikalen Deltas getrieben und sollen dort zu einer permanenten Sterilität führen. Nachfolgend stellt der Autor die Vorgehensweise anhand eines klinischen Falles dar und erläutert das Instrumentarium unter Einbeziehung der Herstellerangaben.

Die praktische Durchführung wird im Folgenden anhand eines klinischen Falls aus meiner Praxis geschildert, der mit dem Depotphorese®-Gerät Komfort II durchgeführt wurde.

Patientenfall

Die 52-jährige Patientin erschien Mitte März mit Schmerzen in der Region 15 in meiner Praxis (Abb. 1).

  • Abb. 1: Ausgangssituation.

  • Abb. 1: Ausgangssituation.
Der Zahn war druckempfindlich und zeigte eine leichte apikale Schwellung. Der Zahn wurde zunächst trepaniert und der Kanal dargestellt. Als medikamentöse Zwischeneinlage wurde ein Gemisch aus 40 % Cupral® und 60 % Calciumhydroxid verwendet. Nachdem der akute Prozess so beruhigt werden konnte, wurde nach 3 Wochen die Depotphorese® lege artis durchgeführt. Die Durchführung der Depotphorese®-Behandlung kann wahlweise auf zwei oder drei Sitzungen aufgeteilt werden. In dem hier beschriebenen Fall erfolgte die Aufteilung auf zwei Sitzungen, die im Abstand von einer Woche durchgeführt wurden. Der Zahn wurde bis ISO 30 zu zwei Drittel seiner Kanallänge aufbereitet. Lediglich am Kanaleingang wurde zur Aufnahme des Cupral®-Depots stärker mit einem Gates-Bohrer Größe 4 erweitert. Nach der Aufbereitung wurden die Kanäle zunächst mit einer Cupral®-Spüllösung aus 100 ml Aqua dest. und 1 Spatelspitze Cupral® gespült. Eventuelle Blutungen im Wurzelkanal sind zuvor z. B. mit dem Hämostatikum Al-Cu zu stillen. Die Kanäle wurden nach dem Spülen kurz trockengelegt und dann sahniges Cupral® mit dem Lentulo einrotiert. Anschließend wurden die Elektroden platziert. Als Minuspol dient die sog. Nadelelektrode. Diese wird in das Handstück eingespannt und in den zu behandelnden Wurzelkanal eingetaucht. Als Pluspol wurde in diesem Fall die Wangenklemmelektrode an der Wange platziert. Wahlweise kann auch eine Hakenelektrode verwendet werden. Während der Behandlung muss sichergestellt werden, dass keinerlei Feuchtigkeit zu Querströmen führt. Daher empfiehlt sich die Arbeitsweise mit Kofferdam und Luftbläser (Abb. 2).
  • Abb. 2: Position der Elektroden.
  • Abb. 3: Vorbereitung eines mehrkanaligen Zahnes. Die Zähne sind durch einen dentinadhäsiven Komposit-Aufbau separiert und können nacheinander behandelt werden.
  • Abb. 2: Position der Elektroden.
  • Abb. 3: Vorbereitung eines mehrkanaligen Zahnes. Die Zähne sind durch einen dentinadhäsiven Komposit-Aufbau separiert und können nacheinander behandelt werden.

Die Stromstärke wird am Gerät solange erhöht, bis der Patient ein Kribbeln oder Wärmeempfinden verspürt. Je nach Patient wird so eine Stromstärke von 0,2 bis 1,4 mA erreicht; im hier beschriebenen Fall jeweils 1,0 mA. Das Depotphorese®-Gerät Komfort II zeigt den Behandlungsfortschritt in Prozentwerten an und schaltet am Ende der jeweiligen Behandlung unterstützt von einem akustischen Signal ab. Bei mehrkanäligen Zähnen wären die einzelnen Kanäle direkt nacheinander behandelt worden. Damit der Strom nur in dem jeweils zu behandelndem Kanal fließt, ist die sorgfältige Separation der einzelnen Wurzelkanäle sicher zu stellen. Hierfür kann ein provisorischer Aufbau, wie in Abbildung 3 dargestellt, hilfreich sein.

  • Abb. 4: Darstellung der transportierten Substanzen: links: Kolloid, rechts: Hydroxocuprat-Anion.

  • Abb. 4: Darstellung der transportierten Substanzen: links: Kolloid, rechts: Hydroxocuprat-Anion.
Durch den Stromfluss werden u. a. Kupferhydroxidkolloide (Atomverbände, die zu großen Partikeln mit einer Oberflächenladung vereint sind) und die hochwirksamen Hydroxocuprat- Anionen in alle Seitenkanäle des Zahnes transportiert und wirken dort sterilisierend (Abb. 4). Das Cupral® ist vor jeder Sitzung, nach der Hälfte der jeweiligen Sitzung und am Ende der Sitzung durch frisches zu ersetzen, um den gewünschten Behandlungserfolg zu erreichen. Zwischen den Sitzungen wird der Zahn drucklos mit Phosphatzement verschlossen. Nach der letzten – in diesem Fall zweiten – Sitzung erfolgt die Abfüllung mit dem Atacamit-Wurzelfüllzement. Der Atacamit-Wurzelfüllzement erfüllt durch sein alkalisches Calciumhydroxid- Milieu und die auch nach dem Abbinden dauerhafte Desinfektionskraft der Kupferionen ebenfalls die besonderen Anforderungen für eine permanente Sterilität.

Der Behandlungserfolg wurde anhand der Spätkontrolle nach 8 Wochen Anfang Mai und einer weiteren nach einem Jahr und 2 Monaten Ende Juli (Abb. 5 u. 6) kontrolliert. Die Patientin ist bis heute beschwerdefrei.

  • Abb. 5: Situation Anfang Mai nach erfolgter Depotphorese®-Behandlung.
  • Abb. 6: Spätkontrolle nach 14 Monaten Ende Juli.
  • Abb. 5: Situation Anfang Mai nach erfolgter Depotphorese®-Behandlung.
  • Abb. 6: Spätkontrolle nach 14 Monaten Ende Juli.

Anmerkung: Das im Patientenfall eingesetzte Gerät ist inzwischen zu der neuen Gerätegeneration – MAGIS® – vom Hersteller weiterentwickelt worden. Dieses arbeitet nach dem gleichen Prinzip, hat aber einige zusätzliche Funktionen, wie Sie in der Rubrik Produktinformationen auf S. 769 nachlesen können.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Olaf Riedel

Bilder soweit nicht anders deklariert: Olaf Riedel


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