Allgemeine Zahnheilkunde

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Parodontaltherapie: Was bringen systemische Antibiotika?

Eine multizentrische Studie an acht deutschen Universitätskliniken untersuchte, ob eine systemische Antibiotikagabe den Verlauf einer Parodontitis relevant beeinflusst.

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) hat die Arbeit der Forschergruppe im vergangenen Jahr mit dem Eugen-Fröhlich-Preis bedacht.

An der prospektiven, randomisierten, doppelt verblindeten und placebokontrollierten Studie nahmen 506 Probanden mit unbehandelter mittlerer bis schwerer und aggressiver Parodontitis teil, 406 Probanden konnten in die Auswertung einbezogen werden. Bei der Test- wie bei der Kontrollgruppe wurde eine standardisierte Parodontaltherapie durchgeführt mit anschließender Erhaltungstherapie in dreimonatigen Intervallen. Die Testgruppe erhielt nach dem Débridement der Initialphase 3 × täglich über 7 Tage 500 mg Amoxicillin und 400 mg Metronidazol, während die Kontrollgruppe Placebos erhielt. Nach 27,5 Monaten zeigte die Testgruppe im Mittel einen etwas geringeren weiteren Attachmentverlust als die Placebogruppe. Der mittlere PSAL-Wert (percentage of sites showing further attachment loss ≥ 1,3 mm) in der Testgruppe betrug 7,8 % im Vergleich zur Antibiotikagruppe mit 5,3 %.

Die Autoren stellten fest, dass beide Vorgehensweisen, mit und ohne systemischem Antibiotikaeinsatz, die Progression der Parodontitis hemmen konnten. Eine zusätzliche Antibiotikagabe reduziere das Risiko für weiteren Attachmentverlust ein wenig und vermindere die Taschentiefe deutlich. Probanden der Testgruppe hatten in der Recallphase eine geringere Anzahl tiefer Taschen ≥ 5 mm. Die Autoren schlussfolgerten, dass es schwierig sei, eine Grenze festzulegen, bei deren Überschreiten eine Antibiotikagabe angebracht erscheint. Über bekannte Vorteile von Antibiotika für Patienten mit schwerer bzw. aggressiver Paro oder für jene, die nicht auf mechanische Therapie ansprechen, hinaus müsse vor allem das individuelle Risikoprofil des Patienten bei der Entscheidung für oder gegen eine Antibiotikagabe berücksichtigt werden.

Quelle: Harks I, Koch R, Eickholz P, Hoffmann T, Kim T-S, Kocher T, Meyle J, Kaner D, Schlagenhauf U, Doering S, Holtfreter B, Gravemeyer M, Harmsen D, Ehmke B: Is progression of periodontitits relevantly influenced by systemic antibiotics? A clinical randomized trial. J Clin Periodontol 2015; 42: 832–842. DOI: 10.1111/jcpe.12441.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch


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