Allgemeine Zahnheilkunde


Der digitalen Praxis gehört die Zukunft


Heute scheint es in der Zahnarztpraxis selbstverständlich, Computer und Abrechnungsprogamme, CAD/CAM-Technik wie CEREC, digitales Röntgen und Fotografie bis hin zu den verschiedenen Speichermedien zu nutzen. Der Arbeitsablauf hat sich durch den Einsatz digitaler Techniken verändert, neue Geräte und Materialien stehen für Diagnose und Therapie zur Verfügung. Der digitale Workflow bestimmt den Praxisalltag und beginnt oft lange, bevor wir den Patienten in der Praxis sehen. Ihren persönlichen digitalen Praxisworkflow beschreibt eine Kollegin.

Mein „digitaler“ Praxisalltag

Als ich 2003 meine Praxis plante, war es für mich selbstverständlich, die Praxis so gut es ging digital auszustatten. Während meiner Assistentenzeit lernte ich die klassische Karteikartenabrechnung kennen. Digitales Röntgen war mir zu diesem Zeitpunkt bekannt, ich hatte es aber nie im Einsatz gesehen. Ich stattete die Praxis mit Computern und der Zahnarztsoftware Dampsoft an der Rezeption, im Röntgen, im Abrechnungsbereich, im Arztbüro und in jedem Behandlungszimmer aus. Alle Rechner hatten die gleiche Konfiguration und wurden mit dem digitalen Röntgen (Heliodent und Orthophos XG, Sirona) verknüpft. In den Behandlungszimmern hatten wir zusätzlich eine intraorale digitale Kamera (Vistacam, Dürr).

  • Praxistypisches Behandlungszimmer mit dem Monitor am Behandlungsstuhl und der CEREC AC für Chairside-Behandlungen.

  • Praxistypisches Behandlungszimmer mit dem Monitor am Behandlungsstuhl und der CEREC AC für Chairside-Behandlungen.
Mit der Praxisgründung wollte ich weg von der traditionellen Zahnarztpraxis mit Abdrücken für prothetische Versorgungen, langen Wartezeiten, während das Labor die Restaurationen anfertigte, und dazugehörigen verlorenen Provisorien. In Heidelberg hatte ich bereits während meines Zahnmedizinstudiums CEREC (CEREC 2, Sirona) kennengelernt und auf neuen Wegen war die Investition in CEREC unabdingbar. Ich startete mit CEREC 3, meiner karteikartenfreien Praxis und dem digitalen Röntgen.

Die Kombination dieser Komponenten schuf sehr viel Transparenz. Transparenz mit klaren und verständlichen Strukturen für den Patienten und die Mitarbeiter meiner Praxis wurde ein wichtiger Kommunikationsgegenstand. Am deutlichsten wurde dies zum einen im Bereich des digitalen Röntgens und der Verknüpfung mit der Zahnarztabrechnungssoftware Dampsoft, zum anderen im Bereich der digitalen intraoralen Datenerfassung für die CAD/CAM-Technik.

Die digitale Röntgentechnik bietet uns in der Praxis das alltägliche Spektrum des zahnärztlichen Röntgens an: Zahnfilme, Bissflügelaufnahmen, Orthopantomogramme und Fernröntgenaufnahmen. Monitore zeigen die entsprechende Aufnahme am Behandlungsstuhl, gut sichtbar für den Patienten und auch den Behandler. Die Navigation über die entsprechende Software (Sidexis) ist einfach zu realisieren.

Die Arbeit mit CEREC ist das, was mich und meine Patienten wirklich begeistert. Daher haben CAD/CAM-gefertigte Restaurationen in meiner Praxis einen hohen Stellenwert. Für meine Patienten ist es normal, sofort mit fertigen Inlays, Onlays, Teilkronen, Veneers, Kronen und Langzeitprovisorien die Praxis zu verlassen. Die Vielfalt der Materialien ist beeindruckend und bietet ein großes Spektrum an Chairside-Versorgungen. Für viele der neuen Patienten ist die Behandlung in einer Sitzung immer noch ein völlig neues Zahnarzterlebnis. Es macht Spaß, in die ungläubigen Gesichter zu schauen, wenn ich nach dem intraoralen Scan der Präparation, des Gegenkiefers und der Bisssituation die Restauration im Beisein des Patienten in der CEREC AC mit der neuen Software 4.0 konstruiere, anschließend das gewählte zu schleifende Material in die CEREC MCXL einsetze und diese schon nach wenigen Minuten fertig geschliffen dem Patienten präsentieren kann.

Anforderungen an die digitale Technik

  • Zahntechnikermeister J. Kopping bei der Kontrolle der geschliffenen Restauration im InLab-Bereich.

  • Zahntechnikermeister J. Kopping bei der Kontrolle der geschliffenen Restauration im InLab-Bereich.
Neben der geschaffenen Transparenz erwarte ich Präsenz und Zuverlässigkeit in allen Bereichen, in denen wir die digitale Technik nutzen, einfache Bedienung der Komponenten und eine Vereinfachung von Arbeits- und Behandlungsprozessen. Die Nutzungsdauer der Geräte sollte nicht mit dem Zeitpunkt der steuerlichen Abschreibung oder weit vorher enden. Eine Aufrüstung mit anderen Komponenten, z. B. im Bereich des digitalen Röntgens, sollte in Verbindung mit der zugehörigen Software für eine lange Nutzungsdauer stehen. Ein hoher Ausstattungsgrad der digitalen Technik im Bereich des Datenschutzes und der Datensicherheit nach innen und außen sollte ohne Zweifel eine Grundvoraussetzung sein. Mit der rasanten Entwicklung der digitalen Technik in der Zahnmedizin sind schonendere, kürzere und schnellere Behandlungen mit besseren und mannigfaltigen Möglichkeiten Standard.

Ablauf des digitalen Workflows

Das digitale Arbeiten startet in meiner Praxis bereits bei der Terminvereinbarung. Die Patienten werden im digitalen Terminbuch der Zahnarztsoftware Dampsoft als Neupatient vorgemerkt, schon hier dem behandelnden Zahnarzt zugeordnet, das Anliegen notiert und weitere wichtige Bemerkungen (z. B. telefonische Erreichbarkeit) gespeichert. Bei der Ankunft des neuen Patienten wird der definitive Patientenkarteieintrag angelegt, mitgebrachte Unterlagen eingescannt bzw. Daten, wie Röntgenbilder, importiert.

Die digitale Patientenakte bietet ein großes Spektrum an Möglichkeiten, die sich auf die eigentliche Behandlung und Untersuchung des Patienten beziehen oder verschiedenste Verwaltungstätigkeiten erleichtern.

Wir geben Untersuchungsbefunde sofort ein, fertigen ggf. intraorale Bilder an und können auf die eingescannten Daten im Patientenzimmer zurückgreifen. Bei Eintreffen des Patienten wird die Zeitstatistik individuell aktiviert und ermöglicht uns jederzeit den Zugriff auf beispielsweise Warte- und Behandlungszeiten.

Die digitale Röntgentechnik deckt das gesamte Spektrum des zahnärztlichen Röntgens ab. Die zu der Hardware gehörende Röntgensoftware Sidexis bietet neben der Darstellung der Röntgenbefunde eine Vielzahl an radiovisiographischen Darstellungen und Analysen. Alle notwendigen Daten können sofort bei der Leistungseingabe mit dem dazugehörigen Befund eingegeben werden und sind im Röntgenkontrollbuch dokumentiert. Seit kurzem nutzen wir ein Speicherfoliengerät (Vistascan, Dürr Dental). Mit nur geringem Zeitverlust durch das Ein- bzw. Auslesen der Speicherfolie erfolgt die Auswertung am Befundungsmonitor. Zurück im Behandlungszimmer folgt das erneute Gespräch mit dem Patienten und die Auswertung aller erhobenen, eingescannten oder importierten Daten. Wir haben an jedem Behandlungsstuhl einen zweiten Monitor und sind dadurch in der Lage, alle Unterlagen, Befunde und Röntgenbilder dem Patienten darzustellen und diese direkt, ohne Zeitverlust, zu besprechen. Dieses Vorgehen erzeugt ein hohes Maß an Transparenz und Verständnis. Auch die Dokumentation kommt dabei nicht zu kurz, denn parallel zum Patientengespräch schreibt die Assistenz im Behandlungszimmer das Gespräch stichpunktartig mit, direkt in die digitale Patientenakte.

Falls notwendig, erhält der Patient direkt am ende der Sitzung Heil- und Kostenpläne, eine Kopie der digitalen Röntgenunterlagen wird auf einem digitalen Speichermedium mitgegeben. Das Erstellen dieser Unterlagen kann direkt im Behandlungszimmer erfolgen. Die erneute Terminvereinbarung kann durch die identische Ausstattung der Computer in der Praxis an jeder Station erfolgen. Das virtuelle Auschecken des Patienten rundet das Zeitmanagement ab. Mit diesem Tool haben wir direkten Zugriff auf beispielsweise die Dauer der Behandlung oder die im Wartezimmer verbrachte Zeit.

Probleme der digitalen Praxis

Ein wichtiger Aspekt der digitalen Technologie ist die Datensicherheit und Datenspeicherung. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen hörte ich hier eine gewisse Zurückhaltung gegenüber digitalen Technologien in der Zahnarztpraxis heraus – eine in meinen Augen auch berechtigte Sorge. Datensicherung sollte einfach, günstig und vor allem zuverlässig sein. Am Anfang kostet es Zeit und erfordert einen gut ausgebildeten IT-Techniker, bis alles durchdacht, installiert, verknüpft, auf die Praxisbedürfnisse angepasst, geprüft und jeder Nutzer eingewiesen ist. Für uns ist die Datensicherung nach nun 8 Jahren und vielen Erfahrungen ein morgendliches Ritual geworden, welches nicht mehr als 2 Minuten in Anspruch nimmt.

Es ist unerlässlich, einen Server mit entsprechender Kapazität zu haben und eine zuverlässige Datensicherung durchzuführen. Unsere Daten werden täglich zu einem definierten Zeitpunkt vollständig auf eine externe USB-Festplatte gesichert. Der Austausch benötigt nicht viel Aufwand. Wir nutzen 5 USB-Festplatten; somit ist es möglich, eine Datenrücksicherung bis zu 5 Tagen in die Vergangenheit zurückzuspielen.

Der Server selbst hat einen RAID-Controller mit 2 Festplatten und speichert auf allen Festplatten die gleichen Daten (Spiegelung) in Echtzeit. Durch das mehrfache Vorhandensein derselben Information bietet das System eine hohe Ausfallsicherheit, da für den Totalverlust aller Daten beide Festplatten ausfallen müssten. Bei dem Ausfall einer Festplatte bietet die andere interne Festplatte die Daten an. Damit der Server bei einem Stromausfall nicht beschädigt wird, ist eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) an das Servernetzteil angeschlossen. Die USV übernimmt bei einem Stromausfall die Stromversorgung, schließt alle offenen Anwendungen und fährt anschließend das Betriebssystem kontrolliert herunter. Damit wird ein Datenverlust verhindert, der bei einem Server-Crash entstehen würde. Ein wichtiger Aspekt der digitalen Praxis sind Mitarbeiteranweisungen. Den Mitarbeitern muss der Umgang mit den digitalen Patientendaten und der Abrechnungssoftware vertraut sein. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauert durch das Navigieren im Programm etwas länger als in einer nichtdigitalen Praxis, allerdings sind die meisten Mitarbeiter in der häuslichen Umgebung ohnehin mit Computern ausgerüstet und können sehr gut mit digitalen Medien umgehen. Wichtig während des Zahnmedizinstudiums und der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten wäre die Einführung in die digitale Praxis mit entsprechender Abrechnungssoftware und Verknüpfungsmöglichkeiten der Komponenten.

Ausblick in die Zukunft, Wünsche

In meinen Augen gehört der digitalen Praxis die Zukunft. Dennoch sind es sehr viele Dinge, die geändert werden müssen. Offene Systeme im Bereich der CAD/CAM-Technologie wären beispielsweise ein großer Gewinn, ebenso flexiblere Abrechnungssoftwares, die sowohl auf einem Windows- als auch auf einem Macintosh-Rechner funktionieren. Erworbene Lizenzen sollten den telefonischen Support beinhalten – und das nicht erst bei der Nutzung von Premiumprodukten. Die digitale Spracherkennung wird sich wohl in Zukunft vermehrt durchsetzen, verbunden mit der Hoffnung, dass die Handhabung einfach bleibt und nicht nur in bestimmten Bereichen funktioniert.

Was hat uns die digitale Technik in der Zahnarztpraxis gebracht?

Nicht selten sprechen wir in meiner Praxis vom „Erlebnis Zahnarztpraxis“. Die Kommunikation mit dem Patienten wurde um ein Vielfaches einfacher und besser. Es ist selbstverständlich geworden, die Röntgenbilder sofort mit dem Patienten zu besprechen, die Daten an den Kollegen zu übermitteln, sie dem Schmerzpatienten zur Sicherheit mitzugeben oder Datensätze aus anderen Praxen zu importieren. Trotz all dieser Bemühungen bleiben die Daten im Original in der Praxis und müssen nicht mehr aufwendig abgelegt, sortiert, beschriftet oder hin und her geschickt werden.

Im praxiseigenen Labor kam es nach der Einführung der neuen CEREC Software 4.0 dazu, dass mein Zahntechnikermeister komplett auf einen unserer Keramiköfen verzichtet hat. Wir nutzen hier, genau wie bei der Chairside-Behandlung, noch den Scanner der CEREC AC (Sirona) und sind viel schneller in der Lage, komplexe hochpräzise Restaurationen anzufertigen. Die vielen CEREC-Materialien – wie Feldspat- und Glaskeramiken, Lithiumdisilikat oder Zirkonoxid, Kunststoffe oder Hybridmaterialien – bieten ein unglaublich großes Indikationsspektrum. Ich freue mich auf die neue InLab 4.0 InEOS Blue Software (Sirona) und hier auf die Versorgung mit vollanatomischen Zirkonoxidbrücken innerhalb weniger Stunden oder die Konstruktion von Primärteleskopen aus Lithiumdisilikat innerhalb kürzester Zeit.

Fazit

Der Einstieg in die digitale Zahnmedizin war teilweise nicht einfach, allerdings habe ich die Vorzüge relativ schnell schätzen gelernt und kann es mir heute nicht mehr anders vorstellen. Ich hätte mir manchmal etwas mehr Support durch die entsprechende Dentalindustrie gewünscht – und das als Inklusivleistung. Ich freue mich über jede Veranstaltung mit Kollegen in meiner Praxis und muss schmunzeln, wenn Präzision, Schönheit und Geschwindigkeit der CEREC-Restaurationen begutachtet werden. Jede einzelne Komponente meiner digitalen Praxis ist wichtig für unseren Behandlungserfolg und die Zufriedenheit unserer Patienten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Bernhild-Elke Stamnitz

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Bernhild-Elke Stamnitz


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