Interview

Interview mit Dr. Andreas Meiss

Schnarchtherapie in der Zahnarztpraxis

04.06.2020
aktualisiert am: 16.06.2020

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Seit einiger Zeit ist das das Respire Schnarchschienen-System der Marke Whole YoTM auf dem deutschen Markt erhältlich. Die individuell gefertigten Protrusionsschienen sind für die Behandlung von Schnarchen und bei leichter bis mittlerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA) geeignet. Dr. Andreas Meiss, in eigener Praxis ZahnMEISSterei in Jülich-Weildorf niedergelassen, hat sein Behandlungsspektrum um die Schnarchtherapie erweitert. Im Folgenden gibt er Auskunft, wie sich die Schienentherapie in seiner Praxis bewährt.

Schnarchen ist mit einer Prävalenz zwischen 20 und 30% bei Erwachsenen ein weitverbreitetes Problem: Das Phänomen fällt nicht nur durch unangenehme Geräusche auf, Schnarchen kann auch ernsthafte gesundheitliche Schäden bei den Betroffenen verursachen. Während die Schlafenden selbst ihre Schnarchgeräusche nicht wahrnehmen, leiden v.a. die Schlafpartner unter der nachhaltigen nächtlichen Ruhestörung.

Das Phänomen Schnarchen entsteht durch eine Verengung des oberen Atemweges und die Vibration der Gaumen- und Rachen- Weichteile. Übergewicht mit Fetteinlagerungen im Halsbereich sowie eine verminderte Muskelspannung verstärken die Vibration.

Zur wirkungsvollen Behandlung sowohl des geräuschvollen, aber harmlosen als auch des obstruktiven Schnarchens (OSA) hat sich das Respire-System von Whole YouTM in Zahnarzt- und KFO-Praxen bereits fest etabliert. Permadental hat das Respire Schnarchschienen- System der Marke Whole You 2018 in den deutschen Markt eingeführt. Diese patentierten Schnarchschienen werden individuell im Permadental-Labor angefertigt.

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    © Permadental

ZMK: Herr Dr. Meiss, wie sind Sie auf das Respire Schnarchschienen-Programm von Whole YouTM aufmerksam geworden?

Dr. Meiss: Ein Zahntechnikermeister von Permadental hat das System in meiner Praxis vorgestellt. Anhand von Demo-Geräten und einem umfangreichen Produktkatalog hat er die Wirkungsweise der Schnarchschienen erläutert. Dabei wurde mir klar: Auf eine solche Therapie für meine Patienten habe ich schon lange gewartet.

  • Dr. Andreas Meiss.
  • Dr. Andreas Meiss.
    © privat

Redaktion ZMK: Wie sah der nächste Schritt aus?

Dr. Meiss: Zunächst habe ich die Protrusionsschiene bei mir selbst ausprobiert. Das geschah auch auf Wunsch meiner Frau, denn Schnarchen ist ein lästiges nächtliches Übel auch für den Partner. Wir stellten fest, dass die Behandlung tatsächlich wirkt. Nach einigen wenigen Anpassungen trat sofort eine erstaunliche Verbesserung ein. Mein Schnarchen ist fast nicht mehr wahrnehmbar und mein Schlaf erholsamer geworden.

Redaktion ZMK: Welche Einstellungen müssen an der Schnarchschiene vorgenommen werden?

Dr. Meiss: Ich hatte mich nach eingehender Lektüre des Produktkatalogs und auf Anraten des Respire-Fachmanns für das Modell Respire Blue+ entschieden. Bei diesem Modell kann über beidseitig integrierte Dehnschrauben die Protrusion, also der Vorschub des Unterkiefers, exakt eingestellt werden.

Das Schlafen mit der Schiene war zunächst ungewohnt und ich war froh, nicht die maximale Protrusion von 6 mm zu benötigen. Schon bei einer wesentlich geringeren Einstellung hat mein lästiges Schnarchen aufgehört. Meinen Patienten gebe ich allerdings den mitgelieferten Schlüssel nicht mit, denn der Behandler soll die Einstellung vornehmen.

Redaktion ZMK: Haben Sie sich schnell an die Schiene im Mund gewöhnen können?

Dr. Meiss: Ja – nach einer erstaunlich kurzen Zeit. Diese Geräte sind sehr grazil gearbeitet und gleichzeitig stabil und funktional. Gleichwohl muss schon ein gewisser Leidensdruck durch das Schnarchen beim Patienten vorhanden sein, damit er die Schiene akzeptiert. Sie ist allerdings eine wirklich gute Lösung: keine langwierigen Behandlungen, keine externen Geräte mit Schläuchen und – sehr wichtig für die Patienten – die Kosten sind überschaubar.

Redaktion ZMK: Sie sprachen von einem Schienen-Programm. Können Sie für jeden Patienten eine spezielle, individuell geeignete Schnarchschiene auswählen?

Dr. Meiss: Aktuell bietet Permadental mit dem Respire-System von Whole You eine Auswahl von 6 verschiedenen Protrusionsschienen und für die meisten Geräte sind optional Modifikationen möglich. Nahezu das gesamte Indikationsspektrum wird somit abgedeckt. Außerdem kann man auf verschiedene Mundsituationen und Patientenwünsche eingehen: So gibt es Geräte für einen besonders kleinen Mundraum, für Personen mit einem engen Zahnbogen oder für Bruxer. Modelle, die partiell aus Metall gefertigt sind, bieten mehr Raum für die Zunge.

Für die meisten Schnarcher ist das preisgünstige Basisgerät, der Respire Blue+, die beste Wahl. Egal ob in harter oder in weicher Ausführung, für 299 € netto finden Sie meiner Einschätzung nach nichts Vergleichbares in dieser hervorragenden Qualität.

Redaktion ZMK: Welchen Stellenwert hat der Biss bei einer Schnarchtherapie?

Dr. Meiss: Im Gegensatz zur Versorgung mit Zahnersatz arbeiten wir hier nicht mit der habituellen Interkuspidation, sondern wir benötigen eine Art Konstruktionsbiss. Die beiden Zahnreihen müssen für die später gewünschte Protrusion zwingend getrennt sein. Für eine exakte Schienenanfertigung ist es auch unbedingt erforderlich, die vom Patienten noch gut akzeptierte größte Protrusion und eine ausreichende Sperrung des Bisses in vertikaler Dimension zu ermitteln und beide Parameter im Konstruktionsbiss zu vereinen.

Redaktion ZMK: Das hört sich kompliziert an. Ist die Bestimmung der Bisslage schwierig?

Dr. Meiss: Nein, dafür ist nur ein wenig Übung erforderlich. Es gibt Hilfsmittel, mit denen man die benötigte Relation der Kiefer zueinander ermitteln und dem Labor sicher zur Verfügung stellen kann. Besonders einfach und schnell funktioniert das z.B. mit dem Airway Metrics-System von Kettenbach. Damit kann ich dem Patienten schon beim ersten Termin die Wirkungsweise der Protrusion anschaulich demonstrieren. Viele Patienten sind danach überzeugt und geben direkt das „Okay“ für den Start der Schnarchtherapie. Anschließend wird das ausgewählte Gerät im Labor mit dem individuellen Konstruktionsbiss hergestellt.

Redaktion ZMK: Besitzt die fertige Schiene noch eine gewisse Flexibilität, falls eine weitere Anpassung nötig wird?

Dr. Meiss: Von der Basis-Stellung ausgehend, kann man bis zu 6 mm weiter protrudieren. Manchmal entscheidet 1 mm mehr oder weniger über das Schnarchen oder Nichtschnarchen. Ist man sich anfangs noch etwas unsicher, besteht die Möglichkeit, das neue Gerät in mittlerer Stellung der lateralen Dehnschrauben herstellen zu lassen. Dann haben Sie natürlich nur 3 mm sagittalen Spielraum in jede Richtung.

Ich denke, mit den Respire Protrusionsschienen habe ich als Zahnarzt das genau richtige System für meine Patienten gefunden.

Herr Dr. Meiss, herzlichen Dank für Ihre Informationen.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen über die WholeYou™-Schlafgeräte finden Interessierte hier sowie auch in einer Webinar-Aufzeichnung. Informationen über die Abrechnung von Scharchtherapiegeräten finden Sie hier.


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