Interview

Online-Befragung

Mundhygiene weltweit in Pandemiezeiten

29.04.2021

Dr. Ece Kizilkaya
Dr. Ece Kizilkaya

Wie hat COVID-19 die Mundhygiene-Gewohnheiten von Menschen auf der ganzen Welt verändert? Eine aktuelle Untersuchung, die von GSK Consumer Healthcare veranlasst wurde, setzt sich mit dieser Fragestellung auseinander. Aber auch allgemeine Kenntnisse und Einstellungen der Menschen zur Mundgesundheit waren Thema. Zu den Studienergebnissen äußert sich Dr. Ece Kizilkaya, Zahnärztin und Mitglied im Medical-Affairs-Team bei GSK Consumer Healthcare, im schriftlich geführten Interview.

ZMK: Frau Dr. Ece Kizilkaya, Sie haben im Rahmen einer Online-Befragung untersucht, wie COVID-19 die Mundhygiene-Gewohnheiten in Europa und Südostasien verändert. Uns interessieren zunächst Ihre Ergebnisse für Deutschland. Wie stark ist der Einfluss von COVID-19 auf das Verhalten der Deutschen?

Dr. Ece Kizilkaya: Relativ gering, auch im internationalen Vergleich. Nur 7% der Deutschen putzen sich die Zähne häufiger als vor der Pandemie, weltweit sind es über 20%. 9 von 10 Deutschen haben nichts an ihren Zahnputzgewohnheiten geändert.

Das kann aber auch daran liegen, dass die Deutschen ohnehin recht gründliche Mundhygiene-Gewohnheiten haben, eine Änderung also deshalb nicht in Betracht gezogen wird. So zeigten Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung aus dem Jahr 2014 bereits, dass die Deutschen die Empfehlungen von Experten zur Zahnputzhäufigkeit von 2 x pro Tag im Wesentlichen umsetzen.

In welchen Bereichen der Mundgesundheit lagen noch die deutlichsten Veränderungen hierzulande?

Immerhin 18% der Befragten in Deutschland tauschen ihre Handzahnbürste häufiger als vor der Pandemie. Im Vergleich mit anderen Ländern ist aber auch diese Veränderung recht gering, denn über alle Länder hinweg geben 31% an, ihre Handzahnbürste öfter auszutauschen. Hauptsächlich tun sie das, um eine Ansammlung von Bakterien oder Keimen zu verhindern.

Aus welchen Gründen putzen Menschen derzeit häufiger ihre Zähne?

Für ganz Europa gilt: Das Bewusstsein für den eigenen Atem und das Tragen einer Maske sind die wichtigsten Ursachen für häufigeres Zähneputzen. Diese Gewichtung trifft auch auf Deutschland zu. Aufgrund des geringen Anteils derjenigen Deutschen, die sich im Vergleich zu vor der Pandemie heute häufiger die Zähne putzen, müssen wir bei der Interpretation dieser Daten allerdings vorsichtig sein.

Etwas besorgniserregend ist, dass ein erhöhter Tabakkonsum von jedem vierten und ein vermehrter Alkoholkonsum von jedem fünften deutschen Mehrputzer als Verhaltensweisen angegeben werden, die sein Verhalten erklären. In keinem anderen Land ist der Anteil so hoch.

Hilft Zähneputzen tatsächlich gegen die Eigenwahrnehmung von Mundgeruch?

Auf jeden Fall. Mundgeruch wird meist von einer unzureichenden Mundhygiene und ihren vielfältigen Folgen verursacht. Dazu gehören etwa Essensrückstände zwischen den Zähnen, Zahnbelag, Zungenbelag, Karies, Zahnfleischentzündung und Parodontitis.

Regelmäßiges Zähneputzen beseitigt eben jene Beläge und Bakterien, die für Mundgeruch verantwortlich sind. Außerdem tragen die in den Zahnpasten und Mundspüllösungen enthaltenen Inhaltsstoffe, wie z.B. Zink und Aromen, zur Geruchsneutralisierung oder -maskierung bei.

Vermehrtes Zähneputzen und das Nutzen einer Mundspüllösung ist der Mundgesundheit sicherlich zuträglich. Aber gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass eine gute Mundhygiene das Covid-19-Risiko vermindern kann? In welcher Weise?

Vor allem für Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem kann eine gute Mundgesundheit auch einen besseren Allgemeinzustand bedeuten. Eine aktuelle Studie* zeigt, dass Betroffene mit Parodontitis auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben. Zudem wurde festgestellt, dass Covid-19-Patienten stärker Gefahr laufen, an bakteriellen Koinfektionen zu erkranken.

Auslöser können z.B. orale Bakterien sein, die sich in der Mundhöhle ansammeln. Insgesamt kann eine gute Mundhygiene die Infektion mit Covid-19 nicht verhindern, aber eventuell kann sie dazu beitragen, einen schweren Krankheitsverlauf zu vermeiden.

Welches Verhalten wäre aus Ihrer zahnärztlichen Perspektive gesehen eigentlich wünschenswert in Pandemiezeiten?

In Pandemiezeiten gilt genauso wie zu jeder anderen Zeit: zweimal täglich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Mundspülungen sind eine ergänzende Maßnahme, sie können das Zähneputzen nicht ersetzen. Außerdem sollte jeder die Zahnzwischenräume täglich mit einer speziellen Bürste oder mit Zahnseide reinigen. Auf zu viele süße oder saure Zwischenmahlzeiten sollte man verzichten und natürlich: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt.

„Die Prävention, die durch die Einhaltung der Zahnarzttermine sichergestellt werden kann, ist für eine umfassende, dauerhafte Mundgesundheit unerlässlich. Jeder Rückgang der Anzahl der Zahnarztbesuche, egal wie niedrig er erscheint, ist deshalb negativ zu werten.“

Weniger Zahnarztbesuche, weniger Prävention

Sie haben festgestellt, dass 17% der Befragten in Deutschland weniger häufig zum Zahnarzt gehen als früher. 73% besuchen gleich häufig wie zuvor ihre Zahnarztpraxis; andere Europäer haben ihre Zahnarztbesuche stärker reduziert. Sind diese 17% positiv zu werten oder finden Sie die Zahl – wenn auch geringer als der Studiendurchschnitt – noch bedenklich?

Die Bundeszahnärztekammer betont, dass die Sorge vor einer Infektion in der Zahnarztpraxis wegen der sehr hohen Hygienestandards unbegründet ist. Eine echte Gefahr besteht eher dadurch, dass Patienten wichtige zahnärztliche Behandlungen versäumen.

Denn die Prävention, die durch die Einhaltung der Zahnarzttermine sichergestellt werden kann, ist für eine umfassende, dauerhafte Mundgesundheit unerlässlich. Jeder Rückgang der Anzahl der Zahnarztbesuche, egal wie niedrig er erscheint, ist deshalb negativ zu werten.

In der Auswertung der Studie ist zu lesen, dass in Deutschland gesundheitliche Bedenken im Vordergrund stehen: die Sorge um eine mögliche Ansteckung durch eine zu hohe Besucherfrequenz (38%), unzureichend gereinigte Geräte (33%) oder die mangelnde Reinigung und Desinfektion der Räume (30%). Merkwürdig, dass Befragte offenbar an der Hygiene in der Praxis zweifeln, obwohl diese doch i.d.R. sehr umfassend betrieben wird. Sollte der Zahnarzt hier noch besser informieren?

In der Tat herrschen in den Zahnarztpraxen seit jeher strengste Hygienevorschriften – nicht erst seit COVID-19. Deren Einhaltung wird von den Gesundheitsbehörden regelmäßig kontrolliert. Flächen- und Händedesinfektion, Handschuhe, Visier und Mund-Nasen-Schutz gehören in Praxen zum Alltag.

Nach Ausbruch der Pandemie wurden die hohen Hygiene- und Infektionsschutzstandards sogar nochmals verschärft. So werden eine flüssigkeitsdichte Abtrennung des Rezeptionsbereiches und die Einhaltung von Mindestabständen empfohlen – auch unter den Mitarbeitern.

Während der Behandlung wird allgemein noch mehr Wert auf eine optimierte Absaugung gelegt, um Aerosole an der Ausbreitung zu hindern. In den Praxen weisen Beschilderungen auf die Masken- und Abstandspflicht hin und im Eingangs- und Ausgangsbereich wird eine Händesprühdesinfektion bereitgestellt.

All das zeigt Wirkung: Nach derzeitigen Erkenntnissen trugen Behandlungen beim Zahnarzt weder beim Behandlungsteam noch bei Patientinnen und Patienten zu einem erhöhten Covid-19-Infektionsgeschehen bei. Vielleicht könnten Zahnarztpraxen aber in der Tat alle Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Patienten noch besser und umfassender über die sehr gründlichen Hygienemaßnahmen hinzuweisen, also etwa durch Mailings, entsprechende Hinweise auf der Website und in der Praxis vor Ort. Das würde die Sorgen der Patienten sicherlich zumindest teilweise zerstreuen.

Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen Zahngesundheit und systemischen Krankheiten ist gering

Im Rahmen der Studie haben Sie auch festgestellt, dass sich zwar 85% aller weltweit Befragten darüber im Klaren sind, dass eine gute Mundgesundheit der allgemeinen Gesundheit zuträglich ist. Wenig bekannt sind hingegen die Zusammenhänge von Mundgesundheit und systemischen Krankheiten. Aufklärung wäre hier sinnvoll. Wie könnte man diese Zusammenhänge stärker bewusst machen?

Erkrankungen des Mundraums und der Zähne haben oft verschiedene Gründe. Orale Symptome können durchaus auch durch systemische Erkrankungen hervorgerufen werden. Auf der anderen Seite können Entzündungen der Mundhöhle auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben.

Deswegen sollten Zahn-, aber auch Allgemeinmediziner insbesondere Risikopatienten präventionsorientiert betreuen und sie über die bekannten Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeinerkrankungen regelmäßig umfassend aufklären.

Vorstellbar, dass GSK hier Initiative ergreift?

Wir bei GSK Consumer Healthcare unterstützen Menschen bereits dabei, ihre Mundgesundheit erfolgreich selbst in die Hand zu nehmen. Zum einen tun wir das durch sorgfältige Forschung und daraus resultierende optimal formulierte Produkte, aber auch durch umfassende Gesundheitsaufklärung und durch unsere enge Zusammenarbeit mit medizinischen Fachleuten wie Zahnärzten und Apothekern. Dieses Engagement weiten wir systematisch aus.

Vielen Dank für das Interview!

 


*Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse lesen Sie auf www.zmk-aktuell.de/gsk-studie
Weitere Informationen zu GSK Consumer Healthcare finden Sie im Internet auf: https://de.gsk.com/dede/produkte/consumer-healthcare/ 


IPSOS-Studie im Auftrag von GSK

Im Rahmen dieser Studie befragte das Marktforschungsunternehmen Ipsos online 4.500 Menschen aus 5 europäischen (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Russland) und 4 südostasiatischen Ländern (Indonesien, Philippinen, Singapur und Thailand). In jedem Land wurden 500 Personen im Alter von über 18 Jahren befragt. Die Umfrage erfolgte zwischen dem 22. und 28. Februar 2021. Die Befragungsteilnehmer wurden darin nach ihrer Zustimmung in Bezug auf verschiedene Aussagen sowie zu Verhaltensänderungen vor und nach dem Ausbruch von COVID-19 gefragt. Die Daten wurden proportional zu den Metadaten – Alter, Geschlecht, Region – in der Gesamtbevölkerung abgebildet.


Titelbild
Premiere am 8. Mai 2021: Das Align Zahnärzte Symposium

Align Technology lädt am Samstag, den 8. Mai 2021 erstmals zu einem neuen Veranstaltungsformat für Zahnärzte der DACH-Region: präsentiert werden hochinformative Beiträge zu den aktuellsten digitalen Innovationen in der Zahnmedizin.

In diesem kostenlosen Webinar von Permadental wird am 26.05.2021 von 14:00–15:00 Uhr „EVO+: 100 % digital full arch – Die Versorgung ganzer Kiefer mit hochpräzisen Implantatprothesen“ vorgestellt.

Jetzt kostenlos anmelden