Interview


Mehr Sicherheit bei der Lichtpolymerisation durch mitdenkende Lichtgeräte

07.02.2020
aktualisiert am: 10.02.2020

© C.-P. Ernst
© C.-P. Ernst

Die Qualität und die Langlebigkeit einer Kompositrestauration steht und fällt mit der Lichtpolymerisation. Voraussetzung ist, dass das Polymerisationsgerät leistungsstark genug ist, um eine ausreichende Aushärtung zu gewährleisten und der Anwender diese auch korrekt einsetzt. Zur letztjährigen IDS hat Ivoclar Vivadent die Lichtgeräte Bluephase G4 und Bluephase Power Cure vorgestellt, die mit einem neuen intelligenten Belichtungsassistenten ausgestattet sind, der das Behandlerteam bei der zuverlässigen Aushärtung unterstützt. ZA Wolfgang M. Boer hat diese Geräte in seiner Praxis getestet und Fragen zur Lichtpolymerisation sowie dem Testverlauf in einem Interview beantwortet. 

  • Wolfgang M. Boer.

  • Wolfgang M. Boer.
    © Wolfgang M. Boer.
Seit mehr als 25 Jahren ist Wolfgang M. Boer als Allgemeinzahnmediziner in Einzelpraxis in Euskirchen niedergelassen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Endodontie und die Zahnerhaltung bzw. die direkte Füllungstechnik. Er favorisiert Komposit- Restaurationen, da er hierbei selbst die Ästhetik ohne zahntechnische Unterstützung bestimmen und kreieren kann. Keine andere Therapieform sieht er als so substanzschonend und minimalinvasiv für den Patienten an. Als besonderen Vorteil sieht Boer, dass alle Wege immer noch offen stehen, um bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt laborgefertigte Varianten eingliedern zu können.

Bei der direkten Füllungstherapie ist die Lichtpolymerisation ein Arbeitsschritt, der die Qualität und Lebensdauer einer Kompositfüllung entscheidend beeinflusst. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Restaurationen adäquat ausgehärtet werden?

Ich verwende in der Praxis Polymerisationslampen unterschiedlicher Hersteller. Wichtig ist mir dabei, dass kein Gerät weniger als 900 mW/cm2 Leistung aufweist. Dies wird auch regelmäßig überprüft: Immer jeden ersten Montag im Monat werden alle Polymerisationslampen mit dem Bluephase Meter II (Ivoclar Vivadent) gemessen und die Ergebnisse dokumentiert. Dies zählt zu unserem Qualitätsmangement, das für meine Patienten wichtig ist und mir als Praxisinhaber gleichzeitig ermöglicht, Leistungsverluste festzustellen und ggf. notwendige Maßnahmen zu ergreifen.

Polymerisieren Sie selbst oder übernimmt dies Ihre Assistenz?

Beim Polymerisieren hält meist meine Helferin die Polymerisationslampe, jedoch führe ich fast ausschließlich den Lichtleiter, halte ihn am Zahn und vor allem im richtigen Winkel, da ja nur ich selbst weiß, wo und wie ich ein Inkrement in der Kavität appliziert habe.

Welche Polymerisationszeit wenden Sie üblicherweise an?

Die Polymerisationszeiten liegen bei Polymerisationslampen mit einer Leistung von rund 1.000 mW/cm2 bei mindestens 20 Sekunden. Bei den ersten Schichten ganz unten in der Kavität oder bei opaken, dunklen Dentinmassen wird die Belichtungszeit auf 30 oder sogar 40 Sekunden gesteigert, um dem höheren Energiebedarf in diesen Fällen Rechnung zu tragen. Im Zweifelsfall empfehle ich, lieber länger zu polymerisieren, denn zu viel Licht kann es ja nicht geben.

In verschiedenen Fällen muss man Vorsicht walten lassen?

Insbesondere bei Klasse-V-Zahnhalsdefekten kommt es sehr leicht zu Überhitzungen – nicht der Pulpa, sondern der Gingiva. Durch die rötliche Färbung absorbiert das Zahnfleisch die Hitzestrahlung viel stärker und schneller als der Zahn. Dies kann bei Behandlungen ohne Anästhesie für den Patienten extrem schmerzhaft werden. Deshalb sollte man sich bei Klasse-V-Füllungen auf jeden Fall angewöhnen, während der Aushärtung mit dem Luftbläser seitlich die Gingiva zu kühlen.

Sie haben das Hochleistungsgerät Bluephase Power Cure in Ihrer Praxis getestet. Wie empfanden Sie das Handling und was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Meine Mitarbeiterinnen, aber auch ich selbst, kamen mit der neuen Bluephase Power Cure sehr gut zurecht. Das Gerät ist leicht und durch die Form des Lichtleiters auch bei geringer Mundöffnung des Patienten noch gut einsetzbar. Die angebotenen Zeit- und Leistungsprofile sind praxisgerecht. Besonders das 5-Sekunden- bzw. 2.000 mW-Programm zur finalen Nachhärtung habe ich zusätzlich genutzt. Ein angenehmes und nützliches Detail ist das integrierte Radiometer zur Leistungsüberprüfung. Es ist deutlich aussagekräftiger als vergleichbare Prüfdioden anderer Geräte, die lediglich eine Ja-Nein-Antwort liefern. Es zeigt für die gemessene Leistung nachvollziehbare Werte an.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie durch die Polyvision noch sicherer polymerisieren?

Anfangs haben wir uns mit dem Belichtungsassistenten Polyvision schwer getan, da er gnadenlos verdeutlicht, wie oft man während der Polymerisation ungewollt die Position der Lampe verändert. Gerade bei den starken Programmen mit 2.000 oder sogar 3.000 mW/cm2 mit gleichzeitig extrem kurzen Belichtungszeiten von 3 oder 5 Sekunden ist eine genaue Platzierung der Lampe natürlich besonders wichtig. Ein Verschieben würde sofort zu einem viel größeren Leistungsverlust führen als bei einem 20-Sekunden-Intervall. Nun gibt es aber auch Situationen, bei denen man während der Aushärtung bewusst den Winkel noch verändern möchte, um alle Teile der Kavität zu erreichen. Dann sollte man vorher daran denken, den Belichtungsassistenten abzuschalten.

Viele Zahnärzte verwenden BulkFill-Komposite, weil sie Fehlerquellen (z.B. Einbringen von Luftblasen) reduzieren und mehr Sicherheit bei der Aushärtung haben wollen. In welchen Situationen setzen Sie BulkFill-Komposite ein und welche Erfahrungen haben Sie mit diesen gewonnen?

Ich habe meine ganz persönliche Indikationen, bei denen ich bevorzugt mit BulkFill-Flows arbeite. An erster Stelle stehen Situationen mit sehr ungünstigem C-Faktor, also enge, tiefe Kavitäten, wie sie z.B. typischerweise bei Prämolaren in den approximalen Kästen entstehen, bei der Anwendung der „Schalen-Technik“ oder dem Verschluss von Trepanationsbohrungen nach einer Endo. Hierbei mache ich mir das gute Anfließverhalten des Flows zunutze und vor allem die Füllertechnologie der BulkFills, die ja besonders auf die Schrumpfungsreduzierung abzielt.

Da BulkFills neben einer geringen Schrumpfung auch für große Durchhärtungstiefen stehen, setze ich sie bevorzugt in schwer zugänglichen, unterminierenden Kavitätenbereichen ein, in der Hoffnung, dort noch eine ausreichende Polymerisation realisieren zu können, auch wenn der Lichteinfall in diese Regionen erschwert ist. Damit keine Missverständnisse aufkommen: In diesen Fällen verwende ich das BulkFill nur in dünnen Schichten, keinesfalls aber mehr als 2 mm dick. Der oft erwähnte Zeitgewinn bei der Verwendung von BulkFill-Materialien ist für mich eher zweitrangig.

Zusammen mit der neuen Bluephase Power Cure hatten Sie auch Gelegenheit, die neuen weiterentwickelten BulkFill- Materialien Tetric Power Fill und Tetric Power Flow zu testen. Die Komposits zeichnen sich damit aus, dass diese mit der Bluephase Power Cure in nur 3 Sekunden polymerisiert werden können. Welchen Eindruck haben Sie von den Materialien gewonnen?

Die sehr kurze Aushärtungszeit die durch die Kombination Tetric Power Fill mit der neuen Bluephase Power Cure erreicht wird, war anfangs sehr irritierend. Man wundert sich wirklich, dass nach 3 Sekunden schon alles fertig sein soll. Hat man diesen „Überraschungsmoment“ erst einmal überwunden, ist man von der messbare Zeitersparnis begeistert.

Erwarten Sie, dass die Polymerisation dank kürzerer Zeiten und die dadurch einfachere Konzentration auf diesen Arbeitsschritt sicherer wird?

Diese extrem kurze Polymerisationszeit, wird erst durch eine ganz besondere Chemie möglich. Um das Problem der zu starken Stressentwicklung bei sehr hoher Lichtintensität zu umgehen, besitzt Tetric Power Cure ein Molekül namens AFCT zur Regelung des Polymerkettenwachstums. Dieser sogenannte Kettenregler sorgt dafür, dass die Polymerketten in Tetric Power Fill bei der sehr schnellen Polymerisation langsamer und gleichmäßiger aufgebaut werden. Es entsteht ein gleichmäßigeres Polymernetzwerk mit mehr kürzeren vernetzten Ketten. Dadurch kann das System länger reagieren und der Schrumpfungsstress ist geringer.

In Untersuchungen wurde laut Hersteller gezeigt, dass die physikalischen Werte sowie die Konversionsrate durch diese Technik nicht negativ beeinflusst werden. Inwieweit diese Technologie Einfluss auf die Langzeitstabilität hat, muss sich natürlich noch zeigen. Im Fazit weisen die Tetric Power Fill Massen und Flows eine gute Stopfbarkeit und Verarbeitung bei gleichzeitig extrem schneller Aushärtung auf.

Vielen Dank für das Gespräch  


Anmerkung:

Wer die sehr schnelle Polymerisation von Tetric Power Fill & Tetric Power Flow noch nicht nutzen möchte, kann diese mit seinem praxisüblichen Lichtgerät polymerisieren. Die erforderliche Polymerisationszeit richtet sich nach der Leistung des Gerätes. Ab 1.000 mW/cm2 empfiehlt der Hersteller 10 Sekunden pro 4 mm Schicht.


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