Interview

Interview zur Behandlung von Schlafapnoe-Patienten

Komplett digitaler Workflow zur Herstellung von Protrusionsschienen

19.10.2021

Panthera UK-Protrusionsschiene.
Panthera UK-Protrusionsschiene.

Dr. Otmar Rauscher, niedergelassener Zahnarzt aus München, ist seit über 20 Jahren in der Behandlung von Schlafapnoe-Syndromen tätig. Nachfolgend berichtet er in einem Interview über seine Erfahrungen und über einen neuen, komplett digitalen Workflow (mit Primescan) für individuell hergestellte Unterkiefer-Protrusionsschienen. Diese fertigt er mit dem Intraoralscanner Primescan von Dentsply Sirona und einem 3D-Druck-Verfahren der Firma Panthera.

  • Dr. Otmar Rauscher, München

  • Dr. Otmar Rauscher, München
    © Rauscher
Weltweit leiden über 1 Milliarde Menschen unter schlafbezogenen Atemregulationsstörungen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie betrifft dies rund 14% aller Männer und etwa 7% der Frauen*. Diese Störungen mindern die Schlafqualität und können zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Da längst auch allseits der enge Zusammenhang zwischen kraniomandibulärem und muskuloskelettalem System anerkannt ist, nehmen immer mehr Zahnärzte die Behandlung von Schlafapnoe-Syndromen per Schienentherapie in ihr Behandlungsspektrum auf. Inzwischen hat auch das deutsche Gesundheitswesen reagiert. So wird die Therapie der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) mithilfe von Unterkiefer-Protrusionsschienen in Deutschland künftig Kassenleistung.

Herr Dr. Rauscher, die Behandlung von Patienten mit Atemregulationsstörungen wie obstruktiver Schlafapnoe mithilfe Unterkiefer-Protrusionsschienen wird künftig von den gesetzlichen Kassen übernommen. Nach welchen Kriterien wählt man als Zahnarzt die richtige Versorgung aus?

Dr. Otmar Rauscher: Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom lassen sich auf verschiedene Weise behandeln. Neben chirurgischen, nicht reversiblen Verfahren werden vor allem CPAP-Masken (Continous Positive Airway Pressure) eingesetzt. Diese markieren heute den Goldstandard. Doch nicht jeder Patient toleriert solch eine Maske beim Schlafen.

Viele empfinden das Gerät als störend, leiden unter trockenen Schleimhäuten oder dem Pump-Geräusch, das es verursacht. Für Patienten mit leichteren Formen des Schnarchens, bis hin zu leichten und mittleren Formen der obstruktiven Schlafapnoe, ist auch eine Unterkiefer-Protrusionsschiene eine gute Option. Seit Kurzem arbeite ich mit den D-SADSchienen (Digital-Sleep Apnea Device) von Panthera und bin sehr zufrieden.

Wie kamen Sie zu dem D-SAD-System von Panthera Dental?

Dr. Otmar Rauscher: Meine Praxis ist komplett digitalisiert, und als Erprober für Dentsply Sirona hatte ich die Möglichkeit, das System frühzeitig zu testen, da die Behandlung von Schlafapnoe-Syndromen schon sehr lange zu meinem Behandlungsspektrum zählt. Für mich persönlich entscheidend, auf D-SAD umzusteigen, war der unkomplizierte digitale Workflow, für den ich meine bestehende Infrastruktur mit Primescan und der Connect Software nutzen konnte.

Welche Vorteile bringt dieser Workflow?

Dr. Otmar Rauscher: Primescan ist extrem genau und liefert dadurch exzellente digitale Abformungen. Gleichzeitig ist durch diese Kombination der Workflow denkbar einfach.

Dass Panthera etwas von dem Thema Schlaftherapie versteht, wird deutlich, wenn man das erste Mal auf die Panthera-Webseite geht. Die Daten, die abgefragt werden, scheinen sofort sehr umfangreich.

Es muss die genaue Spezifikation der Schlaftherapieschiene im Internetportal von Panthera bestimmt werden. Diese Komplexität ist nach einer kurzen Einarbeitung aber leicht zu meistern. Im Grunde sind nur wenige Klicks notwendig, da in den meisten Fällen die von Panthera vorgeschlagene Vorgehensweise übernommen werden kann.

Und wie sieht der Panthera-Workflow genau aus?

Dr. Otmar Rauscher: Vor der Abformung wird auf der Primescan Aufnahmeeinheit die Connect Software geöffnet. Mit einem Klick auf das Symbol für das Connect Case Center öffnet sich das Connect Portal. Dort wird das Labor Panthera ausgewählt.

Im nächsten Schritt folgt dann die Eingabe der Patientendaten in der Connect Software. Hier wird die Option „Kieferaufnahme und Abdruck“ ausgewählt, und beide Kiefer können nun mit Primescan abgeformt werden.

Worauf ist dabei zu achten?

Dr. Otmar Rauscher: Beim Scannen ist eine große Sorgfalt nötig. Wobei Primescan dies durch ihre leichte Handhabbarkeit und hervorragende Aufnahmequalität optimal unterstützt. Die Aufnahme muss vollständig und genau sein.

Das heißt, sowohl die Interdentalräume, die distalen Flächen als auch mindestens 3 mm der Gingiva müssen komplett abgeformt werden, da sonst die Schiene später nicht passen wird (Abb. 1 und 2). Die Patienten sind an dieser Stelle übrigens meist hocherfreut, dass die Abformung digital und damit so angenehm erfolgt, also schnell, sauber und ohne lästige Abdruckmasse im Mund.

  • Abb. 1: Mundsituation.
  • Abb. 1: Mundsituation.
    © Rauscher

  • Abb. 2a: Vollständiger Scan des Oberkiefers (a) und Unterkiefers (b) mit der CEREC Primescan.
  • Abb. 2b: Vollständiger Scan des Oberkiefers (a) und Unterkiefers (b) mit der CEREC Primescan.
  • Abb. 2a: Vollständiger Scan des Oberkiefers (a) und Unterkiefers (b) mit der CEREC Primescan.
    © Rauscher
  • Abb. 2b: Vollständiger Scan des Oberkiefers (a) und Unterkiefers (b) mit der CEREC Primescan.
    © Rauscher

Wie geht es anschließend weiter?

Dr. Otmar Rauscher: Nach dem Scan werden die Daten über das Connect Portal hochgeladen. Dort erfolgt die Datenübertragung an Panthera. Über einen PC ist dann die Website von Panthera anzusteuern.

Zunächst ist eine Registrierung notwendig, um anschließend die Anwendung „D-SAD“ auszuwählen. Danach wird der Anwender sukzessive durch das Bestellmenü geführt. Das meiste kann einfach übernommen und akzeptiert werden.

Als Zahnarzt muss ich jedoch eine gut überlegte Entscheidung zur Position der Bissstellung treffen und Panthera mitteilen. Ich wähle grundsätzlich aus, dass die von mir gewählte Bissstellung von Panthera übernommen werden soll.

Für die Bissregistrierung gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann die bequeme Protrusionslage des Patienten am Stuhl genau festgelegt und fixiert werden.

Ich selbst bevorzuge aber die Nutzung der George Bissgabel, da sie schnelle, sichere und präzise Angaben für die Konstruktionsbissnahme ermöglicht. Mit diesem Gerät misst man die maximale Protrusion und Retrusion des Unterkiefers. Aus den beiden Werten berechne ich den Mittelwert.

Mithilfe der mm-Skala an der George Bissgabel erhalte ich genau ablesbare und reproduzierbare Werte zur individuellen Protrusion des Patienten. Diese ist erfahrungsgemäß identisch mit der bequemen Protrusionslage. Auf dieser Grundlage kann ich die für die jeweilige Indikation optimale Protrusion für den Konstruktionsbiss einstellen und habe so bei der Protrusionsschiene genügend Spielraum zur Feinjustierung in beide Richtungen (Abb. 3 und 4).

  • Abb. 3: Bissnahme mit einer Gauge, Bissregistrat zurückgeschnitten.
  • Abb. 4: Bukkaler Biss in der Connect Software.
  • Abb. 3: Bissnahme mit einer Gauge, Bissregistrat zurückgeschnitten.
    © Rauscher
  • Abb. 4: Bukkaler Biss in der Connect Software.
    © Rauscher

Was gehört noch zur Bestellung?

Dr. Otmar Rauscher: Der Bestellprozess wird dann auf der letzten Seite mit dem Menüpunkt „Intraoral scanner inbox“ abgeschlossen. Wer die Modelldaten nicht über das Connect Portal versenden möchte, kann an dieser Stelle auch STL-Daten hochladen. Die Bestätigung der Bestellung erfolgt per E-Mail. Nach kurzer Zeit erhält man dann die Protrusionsschiene (Abb. 5).

  • Abb. 5: Panthera UK-Protrusionsschiene.
  • Abb. 5: Panthera UK-Protrusionsschiene.
    © Rauscher

Nach meinen Erfahrungen passt die Schiene immer perfekt und schnappt gut ein (Abb. 6). Sollten doch Druckstellen entstehen, hat man die Möglichkeit, die Schiene entsprechend zu beschleifen; bisher war dies noch nie der Fall. Die Schienen sind im Gegensatz zu Geräten mit metallischen Schubstangen sehr grazil und für Patienten angenehm zu tragen.

  • Abb. 6: Anprobe der Schiene.
  • Abb. 6: Anprobe der Schiene.
    © Rauscher

In der Lieferung sind Austauschstangen in 0,5-mm-Schritten enthalten (Abb. 7). Das Gerät kann also später noch bei Bedarf in beide Richtungen titriert werden.

  • Abb. 7: Ersatz-Schubstangen.
  • Abb. 7: Ersatz-Schubstangen.
    © Rauscher

Die Schienen werden im 3DDruckverfahren aus Typ-12-Polyamid hergestellt; ein gedrucktes Kiefermodell zur Kontrolle gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Die Protrusionsschiene ist sterilisierbar, und für den Patienten gibt es eine Reinigungsbox.

Wie zufrieden sind die Patienten mit der D-SAD – welche Rückmeldungen erhielten Sie?

Dr. Otmar Rauscher: Extrem positiv. Viele rufen gleich am nächsten Tag an oder erzählen in der ersten Kontrollsitzung, dass sie nicht mehr schnarchen, dass sie sehr glücklich über die Veränderung sind und nachts nicht mehr ins Nachbarzimmer verbannt werden.

Und in späteren Behandlungen erfahre ich, dass sie sich auch fitter und ausgeschlafener fühlen. Schlafapnoe hat ja auch gesundheitliche Auswirklungen.

Einzige Ausnahme war die erste Patientin, die ich versorgt habe. Bei ihr traten nach 4 Tagen leichte Kiefergelenksbeschwerden und -verspannungen auf. Dies löste sich, indem ich 1 mm längere Stangen eingesetzt habe, um die Protrusion zu verringern.

In so einem Fall rate ich dem Patienten, das Gerät ein paar Tage lang nicht zu tragen, um den Kiefer zu entspannen. Dies tat ich auch in diesem Fall. Die Beschwerden verschwanden, und das Schnarchen trat trotz geringerer Protrusion nicht mehr auf.

Wo sehen Sie die größten Vorteile von Panthera und D-SAD als System?

Dr. Otmar Rauscher: Mit diesem Set-up habe ich die Möglichkeit, auf rein digitalem Weg eine hochwertige und gut passende Protrusionsschiene zu fertigen, die kein Modell erfordert.

Besten Dank Dr. Rauscher für das Gespräch.


Sie wollen Ihre Praxis für die Zukunft aufstellen?
csm naw 220822 FDSW 22 Text zmk 290x193px DU 24 08 cb1d7b7018

Dann ist die FACHDENTAL Südwest für Sie unverzichtbar. Dieses Jahr erweitert die regionale Fachmesse für Zahnmedizin und Zahntechnik ihr Angebot erstmals um den neuen Sonderbereich Nachhaltigkeit.

Erfahren Sie im kostenlosen Live-Webinar „Suprakonstruktion als Regelversorgung bzw. gleichartige Versorgung“ von Permadental am 19.10.2022 von 14:00–15:00 Uhr unter anderem alles über Planung und Abrechnung der Leistungen für die Zahnarztpraxis.

Jetzt kostenlos anmelden