Interview


Factoring lohnt sich?!

25.01.2019

© Racle Fotodesign/fotolia
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Der Factoringmarkt ist auch in der Dentalbranche sowohl im Umsatzvolumen als auch in der Kundenzahl gewachsen. Eigentlich sollte man meinen, dass bei den derzeit niedrigen Zinsen die Unternehmer auf den klassischen Bankkredit setzen. Aber weit gefehlt. Was macht also das Factoring attraktiv und wo liegen die Unterschiede von Anbieter zu Anbieter? Wir haben Thomas Schiffer, Geschäftsführer des Deutschen Zahnärztlichen Rechenzentrums (DZR), hierzu befragt.

ZMK: Was macht Factoring für die Zahnarztpraxis interessant?

  • Thomas Schiffer, Geschäftsführer DZR

  • Thomas Schiffer, Geschäftsführer DZR
    © Thomas Schiffer
Thomas Schiffer: Das klassische Factoring bietet den Praxisinhabern eine echte Liquiditätssicherheit, den 100%igen Schutz vor Zahlungsausfällen nach Forderungsankauf und erhebliche administrative Entlastung entlang des Patientenprozesses, z. B. durch die Übernahme des gesamten Mahnwesens und der Korrespondenz mit den Kostenträgern. Factoring ist jedoch nicht nur ein etabliertes Instrument zur Liquiditäts- und Investitionssicherung ohne Kreditverpflichtungen, sondern viel wichtiger für Zahnarztpraxen sind die wirklich relevanten Zusatzleistungen eines Abrechnungszentrums bzw. Factoringunternehmens.

ZMK: Es gibt verschiedene Varianten des Factorings. Was wird am stärksten nachgefragt?

Thomas Schiffer: Man unterscheidet hauptsächlich das echte und das unechte Factoring. Beim unechten Factoring erhält die Praxis keinen Ausfallschutz. Wenn der Patient die Rechnung nicht bezahlen kann, wird der angekaufte Rechnungsbetrag der Zahnarztpraxis zurückbelastet. Diese Variante wird selten genutzt. Beim echten Factoring hingegen übernimmt das ankaufende Abrechnungszentrum das komplette Ausfallrisiko. Die Zahnarztpraxis ist somit aus dem Risiko. Diese Variante wird am stärksten nachgefragt. Das DZR ist hier Marktführer in der zahnärztlichen Privatliquidation.

Da die Gebühren bei Abrechnungszentren meist ähnlich sind, liegt der Fokus beim echten Factoring auf den Mehrwerten, um als Praxis für das „gleiche Geld“ mehr Sonder- und Zusatzleistungen zu erhalten. Hierzu gehören insbesondere Teilzahlungsmöglichkeiten für die Patienten. Eine Teilzahlung ist beim DZR automatisch mit unserem Rechnungsankauf garantiert und für mindestens 6 Monate für den Patienten kostenfrei – hier genügt lediglich ein Anruf des Patienten nach Rechnungserhalt. Somit ist es sowohl für den behandelnden Zahnarzt als auch für den Patienten sehr viel einfacher, eine höherwertige Behandlungstherapie zu realisieren.

Weitere und ganz spezielle Zusatzleistungen richten sich nach der aktuellen „Lebensphase einer Praxis“. Für Existenzgründer oder Praxen, die bisher in Eigenregie abrechnen, haben wir beispielsweise individuelle Dienstleistungs- und Coachingpakete sowie besondere Gutscheinhefte entwickelt. Darüber hinaus gibt es unsere DZR-Leistungsmodule, die Ein- und Mehrbehandlerpraxen individuell während des Patientenprozesses oder auch sofort bei Personalengpässen in der Abrechnung helfen. Und damit die Zahnarztpraxis keinen Umsatz verschenkt, bieten wir Abrechnungscoaching inklusive Optimierung an. Besondere Bedeutung liegt hierbei auf den Leistungsketten als auch den regionalen Steigerungsfaktoren. Abgerundet wird unser Leistungsportfolio durch hocheffiziente Online-Programme wie den DZR-Argumentationsprofi zur schnellen Begründung von HKPs bzw. privaten Therapieplänen uvm. Wie bereits gesagt, die Konditionen sind ähnlich – es kommt auf den echten „Mehrwert fürs Geld“ an.

ZMK: Der Factoringmarkt in Deutschland ist in den letzten Jahren stets gewachsen. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Thomas Schiffer: Das Wachstum begründet sich einerseits darin, dass immer mehr Praxen die Leistungen eines Abrechnungszentrums nutzen. Einmal probiert, erkennen die Praxen sehr schnell den Nutzen und wie smart und einfach es ist, mit einem Abrechnungszentrum bzw. Factoringunternehmen zusammenzuarbeiten. Bisher nutzen ca. 50% aller Zahnarztpraxen ein Abrechnungsunternehmen zur Liquiditätssicherung – Tendenz ist steigend. Andererseits liegt der Grund auch in den nach wie vor steigenden privaten Eigenleistungen der Patienten. Dies betrifft Privat- wie auch gesetzlich Versicherte gleichermaßen, die zumindest teilweise durch Zahnzusatzversicherungen finanziell abgesichert sind. Auch die Verfügbarkeit von höherwertigen Behandlungsmöglichkeiten stützt das Wachstum. Der grundsätzliche Wachstumstrend scheint also in Ordnung. Gehen wir aber bei Behandlungsgruppen oder Praxisgrößen ins Detail, so sehen wir stark unterschiedliche Entwicklungen.

Das DZR Deutschlandradar zeigt beispielsweise, dass das höchste Wachstum vorwiegend in Mehrbehandlerpraxen realisiert wird. Einbehandlerpraxen partizipieren leider nur unterproportional von dem allgemeinen Wachstumstrend. Das könnte zukünftig die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung in Deutschland beeinflussen. Wir versuchen daher, mit speziellen Programmen explizit Einbehandlerpraxen aktiv zu unterstützen. Übrigens zeigt das sehr flexible DZR Deutschlandradar detailliert Trends für jede zahnmedizinische Abrechnungsziffer (GOZ, GÖÄ etc.), sei es auf Bundes-, Landes- oder PLZ-Ebene.

ZMK: Nun ist Geld derzeit billig zu bekommen, beeinflusst dies das Factoringgeschäft?

Thomas Schiffer: Günstige Konditionen bei Krediten tangieren das Factoringgeschäft in Richtung Kunde nur sekundär. Sie sind aber momentan interessant für Existenzgründer oder in der Entscheidungsfindung hinsichtlich Investitionen in die Praxisausstattung oder Expansion der Praxis. Einem Abrechnungszentrum helfen niedrige Zinsen zwar bei der Refinanzierung, diese temporären Vorteile werden aber schnell durch steigende Kosten und einen intensiven Preiswettbewerb aufgezehrt.

ZMK: Verstärkt treten sogenannte FinTech-Unternehmen am Markt auf. Wird dies auch in Ihrem Segment eine Rolle spielen?

Thomas Schiffer: Wir beobachten den Markt sehr genau. FinTech- Unternehmen könnten einige Finanzdienstleistungsbereiche durcheinanderwirbeln, indem sie disruptive Geschäftsmodelle einführen und dadurch etablierte Märkte aufbrechen. In den letzten Jahren haben immer wieder Unternehmen versucht, in den zahnärztlichen Factoringmarkt einzutreten. Nur sehr wenigen ist dies nachhaltig und erfolgreich gelungen. Sicherlich ist das Factoringgeschäft kein Buch mit sieben Siegeln. Die Praxen benötigen aber durchaus mehr als nur die klassische Factoringleistung – Stichwort Abrechnung zahnmedizinischer Leistungen. Die meisten neuen Akteure unterschätzen diese Komplexität und den Unterstützungsanspruch einer Praxis an ein Abrechnungszentrum im Beziehungsgefüge Zahnarzt-Patient-Abrechnung-Kostenträger. Zahnarztfactoring ist nun mal mehr als nur Rechnungsankauf. Aus diesem Grunde sehe ich FinTechs mittelfristig entspannt. Aber auch deshalb, da wir selbst kontinuierlich an neuen, smarten und innovativen DZR-Finanzdienstleistungen und Modulen arbeiten.

Besten Dank für Ihre Antworten. 

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