Interview


EMF-Offensive bei 700°C und Goldfeeling

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Eine edelmetallfreie Legierung rückt aktuell in den Fokus des Goldherstellers C.HAFNER. Hinzu kommt, dass es sich dabei um kein neues Produkt handelt. Weshalb also? Wolfgang Petroll, Mitentwickler der Legierung, und Heiko Grusche (C.HAFNER) im Gespräch mit ZTM-Chefredakteur Prof. Dr. Peter Pospiech.

Herr Grusche, AuruLight ist kein neues Produkt und vor allen Dingen gegen den Trend: Gusstechnik wird von vielen mittlerweile als nicht mehr zeitgemäß angesehen. Hinzu kommt, dass das Vergießen von edelmetallfreien Legierungen (EMF, früher als NEM bezeichnet) schon immer komplizierter war als die Verarbeitung von hochgoldhaltigen Legierungen. Was treibt den Goldhersteller C.HAFNER an, jetzt in die EMF-Offensive zu gehen?

  • Heiko Grusche.

  • Heiko Grusche.
    © C. Hafner
Heiko Grusche: Herr Pospiech, die Gusstechnik ist beileibe nicht tot. Die verkauften Mengen an Gusslegierungen – Edelmetall und EMF-Legierungen – sowie an Einbettmassen sprechen hier eine deutliche Sprache. Schlägt man allerdings eine Fachzeitschrift auf oder besucht einen Kongress, könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen. Denn es wird einfach nicht mehr über die Gusstechnik gesprochen.

Der Alltag in den Laboren sieht allerdings anders aus. Was unsere EMF-Offensive anbelangt: Das hat primär mit der Deutschen Aurumed zu tun. Wie Sie wissen, ist diese eine C.HAFNER-Tochterfirma.

Sie hat die Legierung seit vielen Jahren im Programm und ist damit sehr erfolgreich am Markt. Da liegt es nahe, dass sich auch die Muttergesellschaft mit diesem Produkt beschäftigt. Im Zuge der Marktentwicklung bei den diversen Gerüstwerkstoffen muss man nach Alternativen schauen.

Am besten nach solchen, die nicht jeder anbietet, die also ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in sich tragen. Eine solche Alternative ist AuruLight. Und ein bisschen Edelmetall ist ja auch drin (lacht).

Herr Petroll, Sie sind Mitentwickler der Legierung AuruLight. Was unterscheidet diese Legierung von anderen EMF-Legierungen? Konkret: Was ist das Geheimnis von AuruLight?

  • Wolfgang Petroll.

  • Wolfgang Petroll.
    © C. Hafner
Wolfgang Petroll: Die spezielle Zusammensetzung der Legierung, sorgt für den großen Unterschied. Schauen Sie sich Gusskegel aus EMF-Legierungen und AuruLight an, dann stellen Sie schnell fest, dass es bei letzteren praktisch keine Oxidschicht auf dem Metall gibt. Grünliche, harte Oxidschichten können Sie da nicht finden (Abb. 1).

  • Abb. 1: Links Gusskegel aus EMF-Legierungen mit deutlich sichtbarer Oxidschicht auf dem Metall,
rechts Gusskegel aus AuruLight.

  • Abb. 1: Links Gusskegel aus EMF-Legierungen mit deutlich sichtbarer Oxidschicht auf dem Metall, rechts Gusskegel aus AuruLight.
    © C. Hafner
Die Zusammensetzung ermöglicht es, mit geringeren Vorwärmtemperaturen und Gießtemperaturen zu arbeiten, was ebenfalls einen positiven Effekt hat. Außerdem ist das Material problemlos wiedervergießbar.

Ist AuruLight also eine Goldalternative?

Heiko Grusche: Nein. Wir sehen es eher als eine Premium-EMF-Legierung – weil es im Vergleich zu den bekannten EMF-Legierungen viele Vorteile bietet. Das ist vor allem für die Betriebe interessant, welche klassisch ihre EMF-Arbeiten gusstechnisch herstellen.

Mit AuruLight kommt das Goldfeeling bei der Verarbeitung wieder zurück. Damit tun sich viele Anwender wesentlich leichter, insbesondere bei der Herstellung von teleskopierenden Arbeiten. Gleichzeitig ist die finanzielle Belastung der Patientinnen und Patienten moderat – AuruLight kann entweder als Einheit mit EMF-Zuschlag oder pro Gramm abgerechnet werden.

Herr Petroll, laut Herstellerangaben weist AuruLight ein ideales Reibungs- und Verschleißverhalten auf, sodass es auch gut für Teleskopkronen geeignet ist. Andererseits können federnde Elemente wie Modellgussklammern nicht damit hergestellt werden. Was ist der werkstoffkundliche Hintergrund dazu?

Wolfgang Petroll: Die Härte von 245 HV5 und der E-Modul gewährleisten ein optimales Reibungsverhalten. Vor allem eine Dehnung ist nicht so leicht möglich.

Das sorgt für dauerhaft gute Laufeigenschaften von teleskopierenden Arbeiten ohne Friktionsverlust oder Klemmeffekte, wie sie sonst häufig zu beobachten sind. Allerdings besitzt die Legierung tatsächlich keine Federkraft. Klammern lassen sich also nicht herstellen.

Dafür aber alles andere (lacht). Die Legierung ist übrigens auch mit normalexpandierenden Keramiken verblendbar – ein echtes Multitalent also.

Neue Werkstoffe bedeuten ja auch oft neue Ausstattung. So wissen wir, dass rotierende Instrumente bei EMF-Legierungen deutlich mehr beansprucht werden als bei hochgoldhaltigen Legierungen. Geben Sie Empfehlungen, Herr Grusche, oder arbeiten Sie auch mit Herstellern rotierender Instrumente zusammen?

Heiko Grusche: Die Antwort auf diese Frage ist ein klarer Vorteil gegenüber den bekannten EMF-Legierungen. Als ich eben von Goldfeeling sprach, ist genau auch die Bearbeitung mit rotierenden Instrumenten gemeint. Der Spanabtrag ähnelt dem hochgoldhaltiger Legierungen und der Werkzeugverschleiß ist deutlich geringer als bei den EMF-Legierungen.

Somit sind keine neuen Werkzeuge nötig und das Material kann mit dem vorhandenen Equipment gut bearbeitet werden. Untersuchungen bei einem namhaften Hersteller von rotierenden Instrumenten haben gezeigt, dass sich die Standzeiten der Werkzeuge im Vergleich zu EMF-Legierungen um bis zum 17-Fachen verlängern.

Das ist auch für die Zahnärzteschaft interessant, wenn Arbeiten aus AuruLight entfernt werden müssen. Für die Gusstechnik gibt es keine besonderen Voraussetzungen.

Wie sieht es mit der Verarbeitung aus? Braucht es spezielle Einbettmassen? Wie ist das Volumenverhalten?

Wolfgang Petroll: Das ist eine besonders spannende Frage. Zunächst einmal ist jede phosphatgebundene Einbettmasse geeignet. Mit der Silavest Evolution von Siladent ist sogar eine Vorwärmtemperatur von 700 °C ausreichend.

Hier ist auch ein großer Unterschied zu den EMF-Legierungen zu finden. Bei diesen sorgt eine hohe Vorwärmtemperatur in Verbindung mit hohen Gießtemperaturen immer wieder für das „durchgeschlagene Korn“, bei dem Quarzkörner in Lösung gehen und zum Bestandteil der Schmelze werden. Dies erzeugt dann sehr harte Schichten auf dem Gussobjekt, die schwer entfernbar sind.

In der Regel befindet sich die Oxidschicht bei AuruLight in der Einbettmasse und nicht auf dem Gussobjekt. Die Volumenkontraktion liegt bei AuruLight bei nur 1,6%, EMF-Legierungen schrumpfen in der Regel um ca. 2,3%.

Ein großer Vorteil, insbesondere wenn es um die Passung bei Teleskopen geht. Auch hier wäre die Einbettmasse Silavest Evolution eine gute Empfehlung, da sie ein reproduzierbares Expansionsverhalten hat.

Herr Grusche, ein letztes Wort: Wie steht es mit der Biokompatibilität? Korrosion ist ja gerade bei EMF-Legierungen ein Thema. Wie sind die Legierungsbestandteile? Was ist drin und was kommt raus?

Heiko Grusche: Auch hier ist AuruLight klar im Vorteil. Mit einer Korrosionsrate von 1,91 μg/cm²*30d unterbietet es EMF-Legierungen deutlich und auch so manche Goldlegierung.

Die Hauptbestandteile sind natürlich Kobalt und Chrom. Die geringen Beimengungen von Platin und Gold aber machen den entscheidenden Unterschied.

Meine Herren, ich bedanke mich sehr herzlich für die aufschlussreichen Informationen. Haben Sie noch ein Abschluss-Statement, das keine Werbung ist?

Ja. Im Sinne des Anspruchs, das Bestmögliche für die Patientinnen und Patienten zu tun, ist AuruLight im finanziell sensiblen Bereich die richtige Lösung … innerhalb der EMF-Legierungen (lacht)?.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Peter Pospiech


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