Interview


Die Vorteile einer neuen Sealer-Generation

23.11.2023

Der AH Plus® Bioceramic Sealer von Dentsply Sirona steht als angemischten Spritze zur Verfügung.
Der AH Plus® Bioceramic Sealer von Dentsply Sirona steht als angemischten Spritze zur Verfügung.

Nach der Instrumentierung und Spülung des Wurzelkanals hilft er dabei, den Erfolg dieser Maßnahmen zu sichern: der Sealer. Doch über welche Eigenschaften sollte ein Sealer verfügen und was gilt es bei der Anwendung zu beachten? Im Interview erläutert Endodontie-Spezialist Dr. Jens Versümer, Rostock, worauf es ankommt.

Herr Dr. Versümer, geben Sie uns zum Einstieg doch bitte einen kurzen Überblick über Ihre Praxis. Wie sind Sie aufgestellt und womit haben Sie im Alltag am häufigsten zu tun?

  • Endodontie-Spezialist Dr. Jens Versümer, Rostock.

  • Endodontie-Spezialist Dr. Jens Versümer, Rostock.
    © Dentsply Sirona
Dr. Jens Versümer: Im Anschluss an meine Tätigkeit als Oberarzt an der Universität Göttingen habe ich mich vor 23 Jahren in eigener Praxis, ebenfalls in Göttingen, niedergelassen. 2004 fokussierte ich mich dann auf den Bereich der Endodontie – verbunden mit der entsprechenden Spezialisten-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung. Seither beschäftige ich mich ausschließlich mit endodontischen Fragestellungen, mittlerweile in meiner Heimat Rostock. 

Da wir komplett auf Überweisungsbasis arbeiten, habe ich in der Regel mit schwierigeren Fällen zu tun. So kann es sein, dass der überweisende Allgemeinzahnarzt an bestimmte Grenzen gestoßen ist, etwa weil er über kein OP-Mikroskop verfügt oder bei einem ersten Versuch nicht alle Kanäle lokalisieren konnte. An einem solchen Punkt übernehmen wir dann die endodontische Behandlung und geben je nach Fall auch eine konkrete Empfehlung für die postendodontische Versorgung.

Welche Neuerung auf dem Gebiet der Endodontie hat Ihre Arbeit in der letzten Zeit am nachhaltigsten verändert?

Dr. Jens Versümer: Ganz klar: die maschinelle Aufbereitung mit reziprok arbeitenden Instrumenten. Diese Entwicklung hat meinen Workflow erheblich beeinflusst.

Mit dieser Technologie benötige ich für einen Fall weniger Instrumente als früher, zum Teil sogar nur eine einzige Feile. Zwar kam man auch vorher zu einem zufriedenstellenden Behandlungsergebnis, doch heute ist es deutlich einfacher möglich. Oder anders gesagt: Man ist nicht effektiver, aber effizienter!

Verglichen damit, welche Bedeutung nimmt für Sie der Sealer ein? Worauf kommt es im Besonderen an?

Dr. Jens Versümer: Man sollte den Sealer keinesfalls unterschätzen, schließlich trägt er maßgeblich zur Sicherung des Behandlungserfolgs bei. Denn im Anschluss an die Aufbereitung geht es ja darum, den Wurzelkanal möglichst vollständig mit Guttapercha zu füllen.

Wir arbeiten zu diesem Zweck mit warm-vertikalen Fülltechniken. Doch selbst im erwärmten Zustand hat die Guttapercha noch eine hohe Viskosität – kleine Seitenkanälchen und feine Unebenheiten kann man daher nicht auf diese Weise versiegeln. In diese wortwörtliche Lücke stößt der Sealer vor und sorgt für den gewünschten Verschluss des Kanalsystems.

Worauf es beim Sealer ankommt, ist klar. Denn die Kriterien hierfür hat glücklicherweise bereits der legendäre Dr. Louis Irwin Grossman postuliert, der übrigens vor fast 100 Jahren extra für seinen zweiten Doktortitel aus Philadelphia nach Rostock kam. Entscheidend sind ihm zufolge sowohl die Dichtigkeit als auch die Unlöslichkeit des Sealers.

Inwiefern spielt die Beschaffenheit des Sealers eine Rolle – also ob es sich um einen Epoxidharzsealer oder einen biokeramischen Sealer handelt?

Dr. Jens Versümer: Fragen Sie sich einmal, was sonst noch aus Epoxidharz gemacht wird: Surfbretter! Letztendlich ist das pure Chemie.

Das ändert aber nichts daran, dass Sealer auf Epoxidharzbasis als der Goldstandard anzusehen sind. Als formstabile und unlösliche Materialien erfüllen sie zweifelsohne die Kriterien von Grossman. Außerdem konnte man sie über Jahrzehnte hinweg erforschen und man weiß, dass sie funktionieren. 

Ein Problem stellt allerdings die Abbindephase dar – und das liegt salopp gesagt an der Verwandtschaft zum Surfbrett. Die chemische Zusammensetzung dieser Sealer kann dafür sorgen, dass es zu einer milden entzündlichen Reaktion kommt. Das ist nicht weiter schlimm, aber die Patienten spüren es in einer relevanten Anzahl von Fällen in Form von Aufbissbeschwerden in den ersten Tagen nach der Behandlung.

Das bringt den Behandler selbstverständlich in Erklärungsnot, insbesondere wenn der Patient vor dem Eingriff schmerzfrei war. Speziell an diesem Punkt stellen Produkte wie der AH Plus Biokeramischer Sealer von Dentsply Sirona für mich einen echten Game Changer dar.

Was genau ist hier anders?

Dr. Jens Versümer: Hier handelt es sich um einen Kalziumsilikat-basierten Sealer, bei dem es im Gegensatz zu Epoxidharz nicht zu einer entzündlichen Reaktion kommt. Außerdem ist die Abbindephase deutlich kürzer. Während das Abbinden mit epoxidbasierten Sealern wie AH Plus Jet früher durchaus eine Woche dauern konnte, ist dieser Prozess bei Produkten wie dem AH Plus Biokeramischen Sealer nach wenigen Stunden erledigt.

Seit wir in unserer Praxis nur noch den biokeramischen Sealer verwenden, haben wir keinen einzigen Fall der erwähnten Aufbissbeschwerden nach einem Eingriff mehr erlebt. Vom biologischen Aspekt her ist diese Art Sealer für mich unschlagbar. Früher habe ich alle Patienten über die Möglichkeit informiert, dass es zu diesen Beschwerden kommen kann.

Mittlerweile kann ich auf diesen Hinweis verzichten, weil es schlicht und ergreifend nicht mehr vorkommt. Über die Biokompatibilität hinaus ist der Sealer aber sogar noch bioaktiv, indem er zur Bildung von Hydroxylapatit beiträgt – und das ist schließlich der Hauptbestandteil des natürlichen Zahns.

Welche Vorteile bringt der biokeramische Sealer darüber hinaus mit sich?

Dr. Jens Versümer: Insbesondere das Handling und die Wirtschaftlichkeit sind hier zu nennen. Früher mussten wir die epoxidbasierten Sealer im Paste-Paste-System manuell anmischen, was natürlich zusätzliches Fehlerpotenzial mit sich brachte. Zudem verblieb immer relativ viel Material in der Anmischkanüle und wurde letztendlich verworfen.

Der biokeramische Sealer hingegen steht in einer bereits angemischten Spritze zur Verfügung. Das Material hat genau die richtige Konsistenz und lässt sich darüber hinaus extrem sparsam dosieren. Man muss ehrlicherweise sagen: Der biokeramische Sealer ist nicht billig, aber er lohnt sich – auch weil ich damit eine große Anzahl von Kanälen versiegeln kann.

Es ist zwar nur eine anekdotische Evidenz aus meiner Praxis, aber ich habe hierzu einmal eine Strichliste geführt: Am Ende hatte ich mit einer Spritze insgesamt 156 Kanäle geschafft. Ebenfalls von Vorteil ist die gute Röntgenopazität des Sealers.

Sie erleichtert die Erfolgskontrolle und ist auch bei einer eventuell anfallenden Revision hilfreich. Letzteres kam bei uns aber noch nicht vor – toi, toi, toi –, seit wir mit dem neuen Sealer arbeiten.

Welche Aspekte gilt es bei verschiedenen Indikationen oder Obturationstechniken zu berücksichtigen? Gibt es hier Einschränkungen?

Dr. Jens Versümer: Nein, Einschränkungen gibt es hier nicht. Der AH Plus Biokeramische Sealer ist nahezu universell einsetzbar. Auch bei eher einfachen Techniken wie der Einstifttechnik kann man ihn definitiv verwenden.

Für den komplexeren Bereich der warm-vertikalen Fülltechniken ist er sogar explizit zugelassen, hier ist man also ebenfalls auf der sicheren Seite. Letztendlich wird hier ja auch kein mechanisches, sondern ein biologisches Problem gelöst, weshalb die Bioverträglichkeit einfach überzeugt. Für mich ist das ein schlüssiges Konzept.

Welche Tipps würden Sie interessierten Kollegen mit auf den Weg geben?

Dr. Jens Versümer: Wie ich es auch schon bei befreundeten Behandlern getan habe, würde ich eine uneingeschränkte Empfehlung in Richtung des AH Plus Biokeramischen Sealers aussprechen. Im Sinne des Qualitätsmanagements sind solche Sealer einfach unschlagbar.

Ich muss nichts mehr anmischen und kann dabei auch keine Fehler mehr machen – raus aus der Tube und sofort verwenden. Effizienter geht es meiner Meinung nach nicht mehr.

Herr Dr. Versümer, vielen Dank für das Gespräch!


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