Gesellschaften/Verbände

OP-Checkliste und Anamnesebogen für Mitglieder erstellt

Zentrales Thema „Schmerz“ bei der 26. DGAZ-Jahrestagung in Nauen

05.11.2016

Das wissenschaftliche Programm stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse.
Das wissenschaftliche Programm stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse.

Neben interessanten Hintergrundinformationen zum Thema Alter und Zahnmedizin bot die 26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) Ende September auf dem Landgut Stober, früher Borsig, bei Nauen in der Nähe Berlins ebenfalls praktische Tipps in der Betreuung pflegebedürftiger und alter Patienten. Dabei nahm das Thema Schmerz eine zentrale Rolle ein. "Diese Tagung an historisch sehr interessantem Ort fand unter den 65 Teilnehmern eine positive Resonanz und bestätigt die vitale Entwicklung der DGAZ in den vergangenen Jahren. Rein fachlich gab sie wertvolle Anstöße und Tipps für die tägliche Arbeit an einer stetig wachsenden Patientengruppe", fasste die Präsidentin, Prof. Dr. Ina Nitschke (Uni Leipzig), die Ergebnisse zusammen. Als konkrete Ergebnisse der Tagung sind eine OP-Checkliste sowie ein Anamnesebogen entstanden, die inzwischen im Mitgliederbereich der DGAZ-Homepage eingestellt wurden.

16 neue Spezialisten für Seniorenzahn-Medizin

  • Dr. Klaus-Peter Wefers (li.) überreicht die Urkunde zum Spezialisten für Seniorenzahn-Medizin an Prof. Enkling. Wefers wurde im Verlauf der Mitgliederversammlung zum neuen DGAZ-Generalsekretär gewählt.

  • Dr. Klaus-Peter Wefers (li.) überreicht die Urkunde zum Spezialisten für Seniorenzahn-Medizin an Prof. Enkling. Wefers wurde im Verlauf der Mitgliederversammlung zum neuen DGAZ-Generalsekretär gewählt.
Erfreuliches gab es schon einen Tag vor Beginn der eigentlichen Jahrestagung zu vermelden. Insgesamt 16 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die zuvor die Zulassungskriterien erfüllt hatten, nahmen an der Prüfung "Spezialist für Seniorenzahn-Medizin" teil und absolvierten sie erfolgreich. Vorsitzender der Prüfungskommission war der langjährige DGAZ-Präsident Dr. Klaus-Peter Wefers, der im Verlauf der Tagung zum neuen Generalsekretär der DGAZ gewählt wurde.

Die Eröffnungsvorträge zur Tagung hielten Prof. Dr. Hartmut Schröder ("Schmerz aus transkultureller Sicht") und Prof. Dr. Andreas Kruse ("Älter werden - älter sein"). Dabei stellte Schröder u.a. heraus, dass Schmerz kein rein medizinisches Thema, sondern etwas Ganzheitliches sei. Er drücke sich aus in der Subjektivität, in der Natur und in der Kultur. In seinem Schlusswort stellte er fest: Über den Schmerz könne man sprechen, aber er bleibe ein Mysterium und hoffentlich trage erlittener Schmerz den Charakter eines flüchtigen und nicht eines chronischen Schmerzes.

Für den Umgang mit dem Patienten empfahl Prof. Kruse die Alterung nicht nur aus pathologischer Sicht zu sehen, sondern immer auch das geistige Potenzial des Individuums zu berücksichtigen. Denn der Mensch spüre emotional intuitiv, ob man ihm als Mensch in Würde oder nur im "Degradieren" begegne. Der Zahnarzt solle auf Zeichen der Gebrechlichkeit ("Frailty") besonders achten und diesen mit Würde begegnen. Er endete seinen Vortrag mit Zitieren des Hesse-Gedichts "Stufen".

Neue digitale Wege zur Arbeitserleichterung

Mit der Vorstellung einer App zur aufsuchenden Betreuung begann dann das eigentliche Tagungsprogramm. Dabei stellen Dr. Helmut Kesler und ZA Martin Paetz Einzelheiten vor, die auf digitalem Weg die künftige Arbeit erleichtern sollen. Dazu zählen die Erstellung einer digitalen Akte mit Patientenstammblättern, Befunderhebung, Kommunikation mit Angehörigen, Planung der Behandlung (bis hin zu Materiallisten/Packlisten) und Kommunikation mit anderen behandelnden Ärzten.

In einem Sondervortrag außerhalb des eigentlichen Tagungsprogramms stellten Dr. Dirk Bleiel und Dr. Elmar Ludwig für Spezialisten und Curriculums-Teilnehmer "Aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen" vor. Dr. Ludwig wies dabei darauf hin, dass Zahnärzte jetzt in bestimmten Ausnahmefällen Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnen können. Diese Gleichstellung mit den Ärzten hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit einem entsprechenden Beschluss geschaffen. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass Vertragszahnärzte Krankenbeförderungsleistungen nur im Zusammenhang mit vertragszahnärztlicher Behandlungsbedürftigkeit verordnen könnten. Weiterhin passt der G-BA mit diesem Beschluss einen besonderen Ausnahmefall für Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung, namentlich „onkologische Chemotherapie“, begrifflich an. Die Formulierung lautet nun „parenterale antineoplastische Arzneimitteltherapie/parenterale onkologische Chemotherapie“.

Der erste Veranstaltungstag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Beisammensein, das Möglichkeiten des kollegial-freundschaftlichen Austausches bot.

Schmerz und Schmerzmanagement im Alter

Mit einem kurzen Überblick zum Thema SeniorenZahnmedizin aus Sicht der BZÄK eröffnete BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oestrreich den zweiten Tag. Daran schloss sich Dr. Jörg Peter mit seinem Vortrag "Schmerz und Schmerzmanagment im Alter" an. Dabei lieferte er eine Übersicht über die medikamentöse Schmerztherapie aus klinischer Sicht. Sein Fazit: "Auch im Alter ist eine sichere und adäquate Schmerztherapie möglich!" Darauf hätten die Patienten auch einen Rechtsanspruch. Dabei seien allerdings Besonderheiten im hohen Alter zu berücksichtigen, darunter eine veränderte Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung, eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit, Veränderung im AM-Stoffwechsel, Polypharmazie und Compliencestörungen.

Bei Dr. Guido Elsäßer stand „Der Schmerzpatient mit eingeschränkter Kommunikations-, und/oder Kooperationsfähigkeit in der Zahnarztpraxis“ im Mittelpunkt. Dabei stellte er u.a. fest, dass Schmerzen oftmals übersehen oder fehlinterpretiert und nicht behandelt werden. Menschen mit Entwicklungsstörungen verhielten sich bei akuten und chronischen Schmerzen oft nicht wie Menschen ohne Entwicklungsstörungen. Dabei gab er konkrete Handlungsanleitungen für die Umsetzung in der Zahnarzt-Praxis. Dabei legte er wert auf die Feststellung, dass Kompromisse begründet und ethisch vertretbar sein müssten. So reiche eine "Behinderung" als Begründung nicht aus, um einem Patienten eine angezeigte Behandlung vorzuenthalten oder erhaltungsfähige Zähne zu entfernen.

Der Nachmittag des zweiten Tages war vier Workshops und der Mitgliederversammlung mit Ehrung der Spezialisten vorbehalten. Die Ergebnisse der Workshops wurden dann am dritten Tag präsentiert.

Die Gruppenarbeit "Anamnesebogen" hatte unter Leitung von Dr. Elmar Ludwig zu einer Dreiteilung des Papiers geführt. Im ersten Teil der Befragung stehen allgemeine Erkrankungen im Mittelpunkt. Neben Organerkrankungen, Diabetes, neurologischen Leiden sowie Unverträglichkeiten und Allergien sind auch Osteoporose, Rheuma, Krebs sowie Fragen nach künstlichen Gelenken und Schrittmachern von Interesse. Der zweite Teil hat die Mundgesundheit, Mundpflege-Gewohnheiten und die zahnärztliche Behandlung im Fokus. Im dritten Teil werden besondere Aspekte bei Pflegebedürftigkeit abgefragt. Der Fragenkatalog wurde als offene Liste zur Übertragung einzelner Aspekte in die Anamnese-Instrumente der eigenen Praxis abgefasst. Darüber hinaus ist auch eine fertige DGAZ-Version erstellt worden.

Die Ergebnisse der Workshops "Qualitätsmanagement in der (mobilen) Alterzahnmedizin" (Leitung Dr. Volkmar Göbel) sowie "Balintgruppe" (Leitung Dr. Kerstin Finger und Dr. Ramona Stattnisch) gaben ebenfalls wertvolle Tipps und Hinweise für die tägliche Praxisarbeit. Unter Leitung von Dr. Sonja und Prof. Christoph Benz sowie ZA Hansmartin Spatzier erarbeitete der vierte Workshop eine Bewertungs-/Dokumentationsmöglichkeit für die Behandlung von Patienten in Allgemeinanästhesie, sowie die (gesetzlich notwendige) OP-Checkliste für die DGAZ-Mitglieder.

Die nächste DGAZ-Jahrestagung findet gemeinsam mit dem Bergischen Zahnärztetag zum Thema "Zahnmedizin für Senioren" am 19./20. Mai 2017 in der Historischen Stadthalle in Wuppertal statt.


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