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Interview mit VDDI-Geschäftsführer Dr. Markus Heibach und Oliver Frese, COO der Koelnmesse

Wie geht IDS 2021? Wir haben nachgefragt.

30.11.2020

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Die 39. Internationale Dental-Schau (IDS) soll vom 10.03. bis 13.03.2021 in Köln stattfinden. Wie dies in Pandemiezeiten möglich sein soll, haben sich die Verantwortlichen der Koelnmesse und des Verbands der Deutschen Dental-Industrie e.V (VDDI) inzwischen überlegt. Fragen zum Sicherheitskonzept, zu den hybriden und digitalen Möglichkeiten der IDS 2021, die sich für uns daraus ergaben, beantworten nun VDDI-Geschäftsführer Dr. Markus Heibach und Oliver Frese, COO der Koelnmesse.

ZMK: Die IDS 2021 soll in einem hybriden Messeformat abgehalten werden. Weshalb wurde sie nicht abgesagt oder verschoben?

  • Dr. Markus Heibach

  • Dr. Markus Heibach
    ©Marie Heibach

Dr. Markus Heibach: Die IDS als weltweite Leitmesse spielt hier eine entscheidende Rolle, um die neuen Prozesse in der Dentalbranche in einer Post-Corona-Zeit maßgeblich zu beeinflussen und Innovationen zu zeigen. Die Dentalbranche braucht, wie alle Branchen nach den zurückliegenden Monaten, nachhaltige Impulse, um das globale Business weiter in Schwung zu halten. Daher haben sich die Partner der 39. IDS 2021, die GFDI mbH, das Wirtschaftsunternehmen des VDDI, der Verband und seine Gremien sowie die Koelnmesse in dieser Zeit intensiv mit den Sicherheitskriterien beschäftigt, die eine internationale Messe IDS mit physischer Präsenz möglich macht – trotz der aktuellen Rahmenbedingungen für internationale Messen.

Entsprechend haben alle Beteiligten gemeinsam verschiedene Lösungsmöglichkeiten erörtert und ein innovatives Alternativkonzept für das Messeformat IDS 2021 entwickelt. Dazu gehören u.a. ein neues Sicherheitskonzept, eine digitale Plattform sowie die Umsetzung im B-SAVE4business-Village-Format: www.youtube.com/watch?v=GhbFnccjTzY&feature=youtu.be

 

Welche der in #B-SAFE4busines-Village gezeigten Möglichkeiten einer hybriden Messegestaltung werden bei der IDS 2021 voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen? Zu sehen waren u.a. ein hybrider Veranstaltungsraum mit Verbindung  zu einem externen Studio, Streaming-Studio und Chat-Funktionen auf dem Stand.

  • Oliver Freese

  • Oliver Freese
    ©Koelnmesse/Hanne Engwald

Oliver Frese: Wir haben einen kompletten Customer Journey abgebildet, vom papierlosen Ticketing über die neu entwickelte eGuard-App zur Lenkung der Besucherströme bis hin zu verschiedensten Standbaukonzepten, die die Abstandsregeln auch bei geringer Fläche berücksichtigen. Neue Eventformate und digitale Technologien zeigen, wie Aussteller mit hybriden Messeständen ihre Reichweite erhöhen können. Für den Servicebereich werden unter anderem ein Gastronomie- und das Hygienekonzept der Koelnmesse präsentiert. Alle gezeigten Tools werden wir natürlich zur IDS 2021 anbieten.

 

Wie von einem Mitarbeiter der Koelnmesse während des Presserundgangs im #B-SAFE4business-Village erklärt wurde, kann auch mit Minimalbesetzung und per Chat zugeschalteten Firmenmitarbeitern die Standpräsenz bestritten werden. Wird diese Möglichkeit auch für IDS-Aussteller angeboten?

Oliver Frese: Ja, auch dieses Tool wird zur IDS 2021 angeboten. Es eröffnet den Unternehmen oder Mitarbeitern, die z.B. aufgrund von Reisebeschränkungen nicht nach Köln kommen können, trotzdem eine virtuelle Teilnahme und einen virtuellen, aber persönlichen Kundenkontakt. Der Kunde kann sich über das Produkt physisch auf dem Stand informieren und mit „seinem“ Kundenberater, der via Chat zugeschaltet ist, in einen Dialog treten.

 

Wie wird der digitale Teil der IDS im Netz präsentiert? Wird es eine neue digitale IDS-Plattform geben? Gibt es dazu Planungen?

Oliver Frese: Die von der Koelnmesse entwickelte Online-Plattform, auf der die digitale Messekomponente der IDS realisiert wird, ist „State of the Art“ und war bereits erfolgreich im Einsatz.

So können IDS-Aussteller ihre Produkte eben auch digital als Bild- und Textinformation innerhalb des Aussteller-Showrooms präsentieren und durch das Einbetten von Video-Content die Aufmerksamkeit für ihr Unternehmen zusätzlich steigern.

Contents zu Produkten und Unternehmen können in Online-Panels oder -Konferenzen einem Interessentenkreis präsentiert und natürlich über spezielle Networkingfunktionen in Chats oder digitalen Meetings vertieft werden. Alle Präsenzaussteller der IDS 2021 erhalten kostenfrei ein digitales Paket, um neben der physischen Begegnung in Köln auch mit internationalen Branchenteilnehmern weltweit zu kommunizieren.

 

Existiert ein Plan B, falls die Messe aufgrund von Corona-Beschränkungen doch nicht vor Ort stattfinden kann? Wäre eine rein digitale Version unter diesen Umständen denkbar?

Dr. Markus Heibach: Wir gehen fest davon aus, dass die IDS 2021 in geplanter Form als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden kann.

 

 

Können Firmen, die bereits storniert haben, sich nun digital präsentieren?

Dr. Markus Heibach: Nein, die digitale Plattform steht ausschließlich Ausstellern der IDS 2021 zur Verfügung, die auch mit einem Stand auf der Messe vertreten sind.

 

Wie viele Besucher pro Quadratmeter sind in den Hallen erlaubt?

Oliver Frese: Wie die Situation im März sein wird, können wir natürlich nicht sagen – wir richten uns in der Planung nach der dann gültigen Corona-Grundverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen bzw. den Vorgaben der Bundesregierung.

Gemeinsam haben wir als Koelnmesse zusammen mit unserem Partner Samsung ein Indoor-Positioning-System (IPS) entwickelt, das die Personenzahlen und das Besucherverhalten in den Hallen identifiziert und die Erkenntnisse den Messeteilnehmern in Echtzeit zur Verfügung stellt. Diese neue App „eGuard“ ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, um professionelle Sicherheit auf höchstem Niveau zu gewährleisten und eine Umgebung zu schaffen, in der Begegnung und Business wieder wachsen können – individuell auf die Anforderungen der Koelnmesse angepasst.

Zum Einsatz kommt eine Kombination aus geomagnetischem Feld und Beacons. Es werden selbstverständlich keine persönlichen Daten erfasst. Damit die App genaue Informationen über die Besucherdichte am Veranstaltungsort liefern kann, ist ihre Nutzung für alle Personen während des gesamten Aufenthalts im Messegelände verpflichtend und muss aktiv im Hintergrund des Smartphones gehalten werden.

 

Welche Standevents bleiben möglich? Demonstrationen, Testen etc.?

Oliver Frese: Es kann selbstverständlich Demonstrationen, Vorführen oder Vorträge zu einzelnen Produkten oder Produktgruppen geben. Ein Ausprobieren, d.h. die haptische Begutachtung der Produkte, ist unter Einhaltung der Hygienebedingungen ebenfalls möglich.

Jedoch sind Standpartys, Verteilaktionen oder auch Live-Behandlungen unter Berücksichtigung aller aktuellen Hygiene-Vorschriften nicht möglich. So dürfen Broschüren und Informationsmaterial beispielsweise nur persönlich ausgehändigt und nicht über Prospektständer verteilt werden.

 

Wer wird die Einhaltung der Regularien, z.B. an den Ständen, überwachen? Sind Hygieneguards Pflicht?

Oliver Frese: Auf den Ständen haben unsere Aussteller „Hausrecht“ und sind daher auch für die Einhaltung aller Regeln verantwortlich. Auf den Verkehrsflächen – sprich Eingangsbereich, Gänge, Ruhe- und Gastronomieflächen oder auch sanitären Anlagen – trägt die Koelnmesse die Verantwortung. Die Koelnmesse sorgt durch Personal und die eGuard-App dafür, dass es weder auf den Messeständen noch in den Gastro- oder Freiraumbereichen zu Gruppenansammlungen kommt. Es gibt klare Vorgaben, wie viele Personen sich gleichzeitig dort aufhalten dürfen unter Einhaltung aller Vorschriften. Die Hygieneguards sind ein Angebot für Aussteller, die sich Entlastung bei geschultem Personal holen möchten.

 

Dr. Markus Heibach: Ich darf in diesem Zusammenhang betonen, dass unsere Fachbesucher schon aus ihrem Berufsalltag in Praxis und Labor ein sehr hohes Maß an Sicherheitsbewusstsein und Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Gesprächspartner mitbringen. Die Hygiene- und Sicherheitsstandards aus dem Arbeitsalltag der Zahnärzteschaft und des Zahntechnikerhandwerks haben unsere Fachbesucher im Blut, diese Standards finden ihre Fortsetzung auf der IDS.

 

Wird es für die Dentalfirmen eigentlich teurer, an der IDS 2021 teilzunehmen, als an den Vorgängermessen? Man denke an den Zusatzaufwand für Stände und Hygiene?

Dr. Markus Heibach: Nein, nicht unbedingt. Wir haben beispielsweise die Quadratmeterpreise gesenkt, um den aktuellen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Die Dauer der IDS 2021 haben wir um einen Tag verkürzt, um unseren Ausstellern zu ermöglichen, Personal- und Hotelkosten einzusparen. Einzelne Aussteller treten mit reduzierten Standflächen auf. Sie wissen, dass die IDS 2021 nicht mit der Vorgängerveranstaltung zu vergleichen sein wird. Was unseren Ausstellern aber wichtig ist, sie werden mitwirken, den „Spirit“ der IDS als Schaufenster und Kommunikationsforum der Dentalbranche mitzutragen. Die IDS war und ist gerade in Zeiten der Corona-Krise bedeutsam, weil die Dentalbranche den unmittelbaren Kontakt mit den Branchenpartnern sucht, um Lösungswege und Möglichkeiten für die Zukunft zu erörtern. Die Kommunikationsfunktion wird daher sehr bedeutsam für alle Teilnehmer werden, die sich strategisch orientieren möchten. Die Investitionen von Ressourcen in die IDS dürften sich deshalb lohnen, weil sie sich in Zukunft in doppelter Hinsicht bezahlt machen werden.

 

Bleibt die Messe für die Aussteller und die Koelnmesse überhaupt rentabel?

Oliver Frese: Wir wollen helfen, das globale Business unserer Kunden weiter anzuschieben und natürlich auch als Koelnmesse wieder in den Messeflow zu kommen. Perspektivisch rechnet sich dies für alle Beteiligten.

 

Dr. Markus Heibach: Gleichwohl ist und bleibt es die individuelle und autonome Entscheidung eines jeden Unternehmens, seine Marketingmaßnahmen zu planen, zu bewerten und darüber zu entscheiden. Dazu gehören auch die Teilnahme oder Nicht-Teilnahme an einer IDS, die Größe der Stände oder der Einsatz von Standpersonal.

 

 

Mit wie vielen Besuchern auf der IDS 2021 rechnen Sie vor Ort? Und mit wie vielen digitalen Besuchern zusätzlich im Netz?

 

Dr. Markus Heibach: Dazu können wir keine Aussage treffen, die nicht spekulativ wäre.

 

ZMK: Vielen Dank für das Interview!

 

 

Zur weiteren Info:

Die Fachpresse konnte das Konzept in einem Messe-Prototypen in einer Kölner Messehalle in Augenschein nehmen. Den Bericht dazu finden Sie unter www.zmk-aktuell.de/konzept-ids

 

 


Titelbild
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