Gesellschaften/Verbände


Start der 61. Sylter Woche

05.06.2019

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Die Volkskrankheit Parodontitis steht 2019 im Zentrum der Sylter Woche, die das Motto „Immer locker bleiben? Die moderne Parodontaltherapie“ trägt. Der Fortbildungskongress der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein findet noch bis zum 7. Juni in Westerland statt. Mit 1.300 Teilnehmern, die aus ganz Deutschland und zahlreichen europäischen Ländern anreisen, ist die Veranstaltung die größte deutsche zahnmedizinische Fortbildungswoche. Der diesjährige Kooperationspartner ist die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO).

Für Dr. Michael Brandt, Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, war es bei der Tagungseröffnung eine besondere Freude, im Auditorium gleich eine ganze Reihe hochrangiger Gäste namentlich zu begrüßen – darunter der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Christoph Benz, Harald Schrader als Bundesvorsitzender des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte, Repräsentanten anderer Landeszahnärztekammern und Verbände sowie in seiner Funktion als Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Mit besonderem Applaus begrüßten Brandt und die Versammlung zudem Dennys Bornhöft, Gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag.

In seinem Eröffnungsvortrag thematisierte Brandt „das TSVG-Omnibusgesetz, mit dem wir zwar einiges erreicht haben, doch das wird noch nicht genügen. Wir lassen nicht locker – auch nicht bei der Approbationsordnung!“ Einmal mehr im Fokus: die Bürokratielast. „Was wir dafür tagtäglich in unseren Praxen leisten müssen, ist schlichtweg abstrus. Wenn Gesetzgeber und Krankenkassen hier noch mehr fordern, muss sich dies auch in den Honoraren widerspiegeln“, betonte Brandt unter dem Applaus des Auditoriums. Nicht tragbar sei es außerdem, dass sich der GOZ-Punktwert seit nunmehr 30 Jahren nicht verändert habe. „Ich kann Ihnen zu diesem Punkt ankündigen, dass die Bundeszahnärztekammer hier eine Initiative gestartet hat, die diese Ungerechtigkeit in die Öffentlichkeit trägt. Denn nur dann reagiert der Gesundheitsminister. Sie merken: Wir lassen in jeder Hinsicht nicht locker!“

Auch Benz widmete sich in seinem Grußwort dem bürokratischen Ballast: „Richtlinien, Prüfungen, Aufbewahrungsfristen und anderes mehr sorgen dafür, dass wir leider nicht locker bleiben“, konstatierte der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer und unterstrich die Forderung nach dem Prinzip „One in, two out“ – für jede neue Regelung sollten 2 alte gestrichen werden. Mit Blick auf die Digitalisierung merkte Benz an, dass „diese keine Allheilmittel ist und gut durchdacht sein muss“. Diesen Aspekt griff auch der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader auf: „Wir wollen im Rahmen des Digitalen Versorgungsgesetzes keine Erfüllungsgehilfen für die Krankenkassen sein. Und wir wollen genau wissen, was mit den Patientendaten geschieht, wenn wir diese übermitteln müssen“, erklärte Schrader in seiner Ansprache.

Datenschutz ist ein wichtiges Gut. Sie müssen die Souveränität behalten“, stimmte Dennys Bornhöft zu. Gleichwohl betrachte er die Digitalisierung mehr als Chance denn als Risiko, insbesondere für die Versorgung im ländlichen Raum. Der Landtagsabgeordnete sprach sich für das Dualsystem der Gesetzlichen und der Privaten Krankenversicherung aus und bewertete es zudem als positiv, dass „über die Gesundheitspolitik inzwischen gesellschaftlich deutlich mehr diskutiert wird“.

Bürgermeister Häckel berichtete über Neuigkeiten auf Sylt und vom Fonds „Sylter Familien in Not“, mit dem 2018 in 20 Fällen unbürokratische Hilfe geleistet wurde. Zum Ende der Sylter Woche darf sich der Fonds wieder über eine großzügige Spende der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein freuen.

Traditionell rundete ein fachfremder Vortrag den Eröffnungstag der Fortbildungstag ab: Diesmal gewährte Privat-Dozent Dr. Cornelius Courts von der Universität Kiel spannende Einblicke in sein Arbeitsfeld der Forensischen Molekularbiologie, die sowohl bei der Spurenanalyse bei Tatorten als auch etwa bei Abstammungsuntersuchungen oder Identitätsfeststellungen zum Tragen kommt.

Schwerpunktthema Parodontitis

Deutschland wird zwar immer mundgesünder, doch die Parodontitis gehört seit Jahren zu den großen Volkskrankheiten. Laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) sind 51,6% der 35- bis 44-Jährigen und 64,6% der 65- bis 74-Jährigen von einer moderaten oder schweren Parodontitis betroffen. Und es gibt Korrelationen zwischen Parodontal- und Allgemeinerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes und Herzerkrankungen. Daher steht die Parodontitis aktuell ganz besonders im Fokus der zahnmedizinischen Aufmerksamkeit und ist Schwerpunktthema der 61. Sylter Woche. Auf dem Fortbildungskongress erwartet die Teilnehmer ein umfassender Überblick über die Parodontologie und ihre Schnittstellen zu anderen zahnmedizinischen Fachgebieten und der Allgemeinmedizin – mit Vorträgen und Seminaren von insgesamt 24 namhaften in- und ausländische Referenten, darunter Prof. Dr. Christof Dörfer (Präsident der DG PARO) und Prof. Dr. Henrik Dommisch (Präsident der Berliner Gesellschaft für Parodontologie). Die Bandbreite der praxisrelevanten Themen reicht von wichtigen Grundlagen und Therapieempfehlungen über Prophylaxemaßnahmen bis hin zu Zukunftsperspektiven.

Ein weiteres Thema auf dem Kongress werden die neuen S3-Leitlinien für die systematische Parodontitistherapie sein. Über den Zusammenhang von Diabetes und Parodontitis referiert Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn). Donnerstagvormittag kommt es zu einer Premiere, einem neuen Format auf der Sylter Woche: einem Diskussions-Battle zwischen einem Parodontologen und einem Prothetiker, Prof. Dr. Stefan Fickl (Würzburg und Fürth) und Prof. Dr. Torsten Mundt (Greifswald). Die beiden Zahnmediziner ringen um die besten Argumente für oder wider den Zahnerhalt oder das Entfernen eines Zahns. Moderiert wird der Wettstreit von Priv.-Doz. Dr. Christian Graetz (Kiel).


Weitere Informationen:
www.sylterwoche.de


Quelle:
Zahnärztekammer Schleswig-Holstein

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