Gesellschaften/Verbände


Patientenschutz hat Vorrang

02.04.2019

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Die Freie Zahnärzteschaft (FZ) stellt sich gegen die fragwürdige Telematikinfrastruktur (TI) im deutschen Gesundheitswesen. Der Anschluss eines sogenannten „Konnektors“ bedeute das Ende der Datensicherheit, meint FZ-Vorsitzender Roman Bernreiter, M.Sc, M.Sc.

„Wir haben Verständnis, dass Kollegen unter dem Damoklesschwert des Honorarabzuges sich nun an die TI anbinden lassen. Aber der Konnektor ist eine „Black Box“, niemand kann genau sagen, welche Schnittstellen für wen geöffnet sind. Als Zahnärzte haften wir für Datenlecks“, meint der FZ-Vorsitzende.

Bernreiter hat mit der FZ eine Kampagne gegen die Anbindung der Praxen an ein undurchschaubares Netz gestartet. Das Motto lautet: „Patientenschutz hat Vorrang“. Damit wollen die FZ-Mitglieder auf die ihrer Meinung nach unsichere Technik hinweisen. Der Zwieseler Zahnarzt erläutert, dass der „Anschluss“ die Vorstufe zu einer elektronischen Patientenakte ist. Diese soll auf zentralen Servern, vielleicht sogar in einer außereuropäischen Cloud, gespeichert werden.

Kein Mensch könne glauben, dass eine im Prinzip 20 Jahre alte Technik, die künftig jedem den Zugriff per Handy ermöglichen soll, wirklich sicher ist, meint Bernreiter. Berechnungen von IT-Experten haben ergeben, dass die Gesundheitsdaten innerhalb von 50 Lebensjahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 92% gehackt werden. In Norwegen, Dänemark und Singapur wurden schon zigtausende Gesundheitsakten öffentlich.

Der FZ-Vorsitzende weiter: „Jeder Kollege, der anschließt, muss wissen, dass Probleme mit dem Datenschutz bestehen. Der Gesundheitsminister wird vermutlich alles tun, um nach dem Verursacherprinzip ein auftretendes Datenleck am zentralen Server auf den abzuwälzen, der die Daten eingestellt hat, also die Praxis. Alles andere würde für ein solches Ministerium ja den Supergau bedeuten. Als Praxisbetreiber steht man dann sehr schnell alleine da und ist in der Umkehrbeweispflicht.“ Der Gesundheitsminister hat sich mit einem Gesetz selbst zum Mehrheitsgesellschafter der maßgeblich für die TI verantwortlichen „gematik“ ermächtigt.

„Wir hoffen auf Einsicht bei den Verantwortlichen, dass hier ein Moratorium nötig ist“, so Bernreiter. „Wenn, wie Anfang 2019 geschehen, die Handydaten einiger Politiker, Popsänger und anderer C-Promis von einem Hacker öffentlich gemacht werden, herrscht in den politischen Parteien großes Entsetzen und die Bundesregierung spricht von einem ‚ernsten Angriff‘. Wenn es aber um die intimsten Gesundheitsdaten der Bürger und Steuerzahler geht, sind unsere Politiker weit weniger zimperlich. Das ist maximal scheinheilig“, kritisiert Bernreiter.


Quelle:
Freie Zahnärzteschaft e.V.


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.