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KaVo Transfer-System (KTS) – Die bessere Alternative zum arbiträren Gesichtsbogen?

31.10.2022

Der Schädel des Patienten wird durch mathematische Algorithmen an die Position des Oberkiefermodells im Artikulator angepasst.
Der Schädel des Patienten wird durch mathematische Algorithmen an die Position des Oberkiefermodells im Artikulator angepasst.

Zur Herstellung eines funktionellen festsitzenden Zahnersatzes ist es notwendig, die korrekte Zuordnung der Kiefer zueinander zu erzielen und die Bewegungen des Unterkiefers so präzise wie möglich wiederzugeben. Hierzu benötigt der Zahntechniker die bestmöglichen Informationen über die neuromuskuläre zentrische Position von Oberkiefer zu Unterkiefer sowie zusätzliche dynamische Parameter. Nachfolgend wird die Anwendung des Gesichtsbogens der Nutzung des KaVo Transfer-Systems gegenübergestellt.

Für eine exakte Bewegungssimulation ist die Übertragung des Oberkiefermodells in den mechanischen Artikulator mithilfe eines arbiträren Gesichtsbogens theoretisch Stand der Technik. In der praktischen Umsetzung wird festsitzender Zahnersatz oftmals so hergestellt, indem Ober- und Unterkieferzahnmodelle lediglich mit der Gummibandmethode mittelwertig einartikuliert werden. Auf diese Art und Weise hergestellter Zahnersatz funktioniert im Großen und Ganzen, Korrekturen direkt im Patientenmund bei der Eingliederung sind dabei jedoch so gut wie immer unvermeidbar.

Die etablierte Methode der arbiträren Gesichtsbogenübertragung Eine Verbesserung der Hand- oder Mittelwertartikulation wird in der Zahnmedizin seit über 150 Jahren ersucht. Als gängiges Verfahren hat sich im Laufe der Zeit die arbiträre Gesichtsbogenübertragung des Oberkiefers in den Artikulator etabliert. Es wird angestrebt, die Position des Unterkiefermodells bezogen zu den Gelenken des Artikulators möglichst entsprechend der des Unterkiefers zu den Kiefergelenken zu erreichen, indem die Referenzierung über den Oberkiefer erfolgt.

Damit kann die Bewegungssimulation des Artikulators, soweit die mechanischen Gegebenheiten des jeweiligen Gerätes es zulassen, die Bewegungen des Patienten nachahmen. Der Schlüssel für diese Positionierung ist die arbiträre Positionierung des Oberkiefers in den Artikulator.

Der Begriff „arbiträr“ kommt vom lateinischen Wort „arbitrarius“ und bedeutet sinngemäß übersetzt so viel wie „eigenmächtig“ „willkürlich“ oder „beliebig“. Aufgrund dieser Begrifflichkeiten könnte angenommen werden; dass es keine eindeutige Definition für eine arbiträre Achse und arbiträre Referenzpunkte gibt.

In der Praxis stellt sich die Situation nicht ganz so dar, es werden jeweils Referenzpunkte abgegriffen, die aufgrund von unterschiedlichen Definierungen begründet durch zahlreiche Studien uneinheitlich sind. Weitestgehend allen Verfahren gemeinsam ist die Ermittlung der Oberkieferposition mithilfe eines Gesichtsbogens.

Zur Vereinfachung der Handhabung werden jeweils Ohroliven in die Gehörgänge appliziert und die Zahnreihen des Oberkiefers als zusätzliche Referenz genutzt. Ein weiterer Bezugspunkt wird mittels einer Glabellastütze je nach Artikulator entweder nach der Frankfurter Horizontalen, Camperschen Ebene oder Patientenhorizontalen referenziert.

Die Erläuterung des Begriffs „arbiträr“ lässt bereits mögliche Ungenauigkeiten erahnen. Die menschlichen Kopfmerkmale sind häufig zu unterschiedlich, um durch eine arbiträre Methode eine zufriedenstellende Präzision zu erzielen. Dies wurde durch mehrere Studien hinlänglich untersucht und dokumentiert.

In der Praxis treten ergänzend unterschiedlichste Probleme auf. Manchmal muss das Oberkiefermodell zu hoch oder zu tief in den Artikulator platziert werden oder das Modell ist in dorsaler Richtung stark gekippt (Abb. 1). Dies ist häufig darin begründet, dass die Position der Glabellastütze nicht mit den tatsächlichen Referenzpunkten des Patienten übereinstimmt (Abb. 2).

  • Abb. 1: Artikulator-Oberteil lässt sich nicht schließen, das Oberkiefermodell ist
dorsal zu steil platziert.
  • Abb. 2: Artikulator-Oberteil lässt sich nicht schließen: Bezugspunkte – hier für
Frankfurter Horizontale – zu steil für diese Kombination aus Gesichtsbogen und
Artikulator gewählt. Campersche Ebene wäre in diesem Fall die bessere
Alternative.
  • Abb. 1: Artikulator-Oberteil lässt sich nicht schließen, das Oberkiefermodell ist dorsal zu steil platziert.
    © KaVo
  • Abb. 2: Artikulator-Oberteil lässt sich nicht schließen: Bezugspunkte – hier für Frankfurter Horizontale – zu steil für diese Kombination aus Gesichtsbogen und Artikulator gewählt. Campersche Ebene wäre in diesem Fall die bessere Alternative.
    © KaVo

Die KaVo Gesichtsbögen sind deshalb zusätzlich mit einem Zeiger ausgestattet, um die korrekte Position unabhängig von der Glabellastütze anzupeilen. Werden mithilfe von Wachsregistraten noch andere Einstellwerte für Bewegungen ermittelt, so kommen mögliche weitere Ungenauigkeiten hinzu. Das Ergebnis ist daher in der Regel nur so gut wie der schlechteste Einstellwert.

Einfache Datenübertragung ohne Gesichtsbogen

KaVo hat hierzu bereits vor mehreren Jahren die Überlegung angestellt, was wäre, wenn nicht die Bezugspunkte am menschlichen Schädel abgegriffen und arbiträr in den Artikulator übertragen, sondern umgekehrt, die Platzierung des Oberkiefers und die gemessenen Bewegungsparameter auf eine definierte Position im Artikulator adaptiert werden würden. Genau diese Gedanken wurden mit dem KaVo Transfer System, kurz „KTS“, realisiert. Mit diesem Verfahren können dynamische Parameter, bezogen auf eine nahezu immer gleiche Positionierung des Oberkiefermodells im KaVo PROTARevo Artikulator, ermittelt werden.

Für den Anwender bedeutet dies, dass die Ermittlung von arbiträren Bezugspunkten überflüssig wird. Es wird lediglich der Kopfbogen des elektronischen ARCUSdigma 3 Systems angelegt, ohne dabei definierte Bezugspunkte beachten zu müssen (Abb. 3 und 4).

  • Abb. 3: Kopfbogen ohne Ohroliven und arbiträre Bezugspunkte.
  • Abb. 4: KTS: Die Position des Oberkiefers im Artikulator ist mittig.
  • Abb. 3: Kopfbogen ohne Ohroliven und arbiträre Bezugspunkte.
    © KaVo
  • Abb. 4: KTS: Die Position des Oberkiefers im Artikulator ist mittig.
    © KaVo

Auf das Anlegen eines arbiträren Gesichtsbogens kann somit verzichtet werden. Die Bestimmung der Position erfolgt über einen Sensor, der an einer Oberkieferbissgabel befestigt wird. Diese Bissgabel wird mit Silikon benetzt und an die Oberkieferzahnreihen appliziert.

Das Verfahren ähnelt an sich der klassischen Anwendung eines Gesichtsbogens, nur dass an die Bissgabel kein Gelenk befestigt wird und eine mechanische Verbindung zum Kopfbogen obsolet ist. Die Positionierung wird über die Lage des Sensors zum Kopfbogen digital bestimmt. Nach der Messung wird die Oberkieferbissgabel mithilfe eines Transferstandes immer in der gleichen Position über 3 Befestigungspunkte im Artikulator platziert.

  • Abb. 5: Der Schädel des Patienten wird durch mathematische Algorithmen an
die Position des Oberkiefermodells im Artikulator angepasst.

  • Abb. 5: Der Schädel des Patienten wird durch mathematische Algorithmen an die Position des Oberkiefermodells im Artikulator angepasst.
    © KaVo
Die ermittelten Parameter für die Einstellung der Gelenkboxen des KaVo PROTARevo Artikulators werden durch die zugehörige Software exakt für diese Position des Oberkiefers im Artikulator berechnet. Im Grunde genommen wird der Schädel des Patienten durch mathematische Algorithmen an diese Position des Modells im Artikulator angepasst, bis die Kondylen mit denen des PROTARevo Artikulators übereinstimmen. Ergänzend zu den Kondylen wird der Inzisalpunkt für die Platzierung genutzt, um eine stabile 3-Punkt-Referenzierung zu gewährleisten (Abb. 5).

Win-win-win-Situation für Zahnärzteschaft und Patienten

Aus diesem Verfahren ergeben sich mehrere Vorteile: Der Vorgang einer Messung wird für den Zahnarzt vereinfacht, auf das für den Patienten unangenehme Anlegen der Ohroliven in die Gehörgänge kann verzichtet werden, und die Beachtung von Referenzebenen ist nicht notwendig. Dadurch werden die Messungen genauer, bei gleichzeitiger Zeitersparnis und einer Minimierung der Fehlerquellen. Der Algorithmus der Software berücksichtigt bei der Berechnung der Einstellwerte auch den wichtigen Parameter des Interkondylarabstands und passt die Messwerte des Abstands der Kiefergelenke vom Patienten an den fixen Abstand des Artikulators, der beim KaVo PROTAR 110 mm beträgt, an.

Bei der klassischen Vorgehensweise ohne einen Kompensationsmechanismus kann dieser Abstand in der Regel nicht an den Artikulator angepasst werden. Dadurch können Projektionsfehler auftreten, die sich erst bei der Eingliederung des Zahnersatzes im Patientenmund bemerkbar und dann spätere Korrekturmaßnahmen erforderlich machen.

Der Patient muss nicht die Platzierung von ungewohnten Fremdkörpern in seine Ohren über sich ergehen lassen. Zusätzlich hört er die Anweisungen des Behandlers präziser. Die Position des Kopfbogens ist über der Bipupillarlinie angeordnet, wodurch die Augen des Patienten nicht verdeckt sind, wie es bei einem Gesichtsbogen häufig vorkommt.

Visuelle Signale des Behandlers, wie beispielsweise das Unterstützen der gewünschten Bewegungsrichtung durch ein Handsignal, können somit besser erkannt werden. Der Zahntechniker wiederum kann die Parameter für den Artikulator einfach mit einem durch die Software erstellten Datenblatts einstellen und so die möglichen Ungenauigkeiten oder Fehlerquellen verringern – verglichen mit der Vorgehensweise einer arbiträren Artikulation und Ermittlung der Einstellwerte mithilfe von Wachsregistraten. Die Einstellung des Artikulators erfolgt einmalig und muss nicht für jede Bewegungsrichtung erneut angepasst werden, wie es gewöhnlich bei Wachsregistraten notwendig ist.

Der Zahntechniker bekommt das Oberkiefermodell in der optimalen Position einartikuliert. Dadurch ist eine gekippte Platzierung ausgeschlossen und die Ausrichtung der Kauebene verläuft parallel zur Tischebene. Bei der Konstruktion der Oberkieferbissgabel wurde die Integration in digitale Workflows berücksichtigt.

Die Bissgabel wurde außen mit Markerpunkten versehen, die eine Positionierung in ein digitales Koordinatensystem ermöglichen. Es wurde Wert daraufgelegt, dass dies sowohl mit den gängigen Intraoralscannern als auch Laborscannern möglich ist. Die Schnittstelle wird aktuell von der Software der Firma „Exocad“ unterstützt.

Fazit

Das KaVo Transfer-System „KTS“ kann insgesamt als die bessere Alternative zum arbiträren Gesichtsbogen bezeichnet werden, da es eine erheblich einfachere Anwendung mit einer verbesserten Präzision kombiniert. Die Nutzung setzt immer die Datenerhebung mit dem elektronischen Gerät „ARCUSdigma 3“ voraus, in Verbindung mit einem KaVo PROTARevo Artikulator. Allerdings muss an dieser Stelle auch klar herausgestellt werden, dass die Verwendung eines arbiträren Gesichtsbogens sowohl für diagnostische als auch für restaurative Zwecke durchaus Sinn macht und in der Regel zu signifikant besseren Ergebnissen führt, verglichen mit der einleitenden Beschreibung der Modelle, die mithilfe eines Gummibandes und mittelwertiger Einstellparameter von Hand in den Artikulator eigesetzt werden.


Quelle:
KaVo Dental GmbH


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.