Steuer


Mitarbeiterextras zusätzlich zum Gehalt

Dem Zahnarzt stehen zur Mitarbeitergewinnung bzw. Mitarbeiterbindung oder auch zur Steigerung der Mitarbeitermotivation außerhalb einer Gehaltserhöhung mehrere Vergütungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich in der Regel weder auf das Gehalt noch auf die Steuer- oder Sozialabgabenbelastung der Mitarbeiter auswirken. Solche steuer- und sozialversicherungsfreien bzw. weitaus weniger stark belasteten Vergütungsmöglichkeiten sind sowohl für den Zahnarzt günstiger als auch für die Mitarbeiter. Den Mitarbeitern bleibt letztlich effektiv mehr Netto vom Brutto. Im nachfolgenden Beitrag erläutert Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Christian Guizetti verschiedene Vergütungsmaßnahmen, die den strengen Vorgaben des Gesetzgebers entsprechen.

Grundsätzlich erfolgt die Besteuerung von Arbeitgeberleistungen nach den individuellen Merkmalen des Arbeitnehmers. Bei einigen Arbeitgeberleistungen besteht die Möglichkeit, den Lohnsteuerabzug pauschal vorzunehmen. Interessant für den Arbeitgeber ist die Möglichkeit, diese Pauschalsteuern im Innenverhältnis auf die Arbeitnehmer abzuwälzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Leistungen, die pauschal besteuert werden, in der Regel nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass der Arbeitgeber die vom Gesetzgeber geforderten Voraussetzungen im Einzelnen nachweist. Hierfür sind vielfältige Originalunterlagen zu den Gehaltskonten beizubringen.

Für alle nachgenannten Leistungen gilt, dass diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zugewendet werden. Das schließt Gehaltsumwandlungen mit dem Ziel, Steuern und Sozialabgaben zu sparen, aus. Empfänger dieser Leistungen können alle Arbeitnehmer sein, sowohl Vollzeitals auch Teilzeitarbeitskräfte, insbesondere auch Mitarbeiter mit sogenannten Minijobs (450-EUR-Jobs). Bei Letzteren ist Vorsicht geboten. Wenn die Nachweise für die Steuerfreiheit nicht korrekt erbracht werden, entfällt insgesamt – auch nachträglich – der 450-EUR-Job und es wird zu einem normal zu versteuernden Arbeitsverhältnis.

Aufmerksamkeiten

Sogenannte Aufmerksamkeiten sind Zuwendungen von geringem Wert. Diese Sachgeschenke (kein Geld) können den Arbeitnehmern zu besonderen persönlichen Ereignissen gegeben werden. Als Ereignis kann es sich um den Geburtstag, Hochzeitstag, Namenstag etc. handeln. An den Beispielen ist erkennbar, dass Aufmerksamkeiten mehrfach im Jahr gewährt werden können. Denkbar sind z. B. Buchgeschenke, CDs, Blumen oder eine Flasche Wein. Der Wert darf 40 € brutto (inkl. Mehrwertsteuer) nicht übersteigen. Dann ist die Zuwendung lohnsteuer- und sozialabgabenfrei. Der Betrag von 40 € ist eine sogenannte Freigrenze. Wird er auch nur geringfügig überschritten, unterliegt die Zuwendung in voller Höhe der Steuer und Sozialversicherung.

Beihilfen und Unterstützungen

Im Fall von persönlichen Notlagen wie Krankheiten oder Unfällen können bis zu 600 € im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei gezahlt werden. So wäre z.B. eine Zahlung von 500 € an eine Helferin, die in ihrer Wohnung einen Hochwasserschaden hat, eine solche Unterstützungsleistung. Entscheidend ist der Nachweis, dass die Zahlung anlassbezogen erfolgte. Die Zahlungen sind jedoch nur für Arbeitgeber mit weniger als fünf Arbeitnehmern praktikabel; darüber hinaus sind die vom Gesetzgeber geforderten Voraussetzungen (selbstständige Hilfskasse, Betriebsrat etc.) für eine normale Praxis nicht umsetzbar.

Betriebsveranstaltungen

Es handelt sich um Veranstaltungen auf betrieblicher Ebene, deren Teilnahme allen Mitarbeitern offensteht und die einen gesellschaftlichen Charakter haben. In erster Linie seien hier gemeinsame Essen, Betriebsausflüge oder Weihnachtsfeiern genannt. In der Regel werden zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr seitens des Finanzamtes akzeptiert. Pro Person und Veranstaltung sind die Kosten auf 110 € begrenzt. Seit dem letzten Jahr gibt es infolge von aktueller BFH-Rechtsprechung zwei gravierende und für die Arbeitgeber positive Veränderungen:

  1. Das Berechnungsverfahren wurde für die Teilnehmer aktualisiert. Früher wurden die Gesamtaufwendungen durch die Anzahl der teilnehmenden Personen dividiert und im Fall der Teilnahme von Angehörigen ausschließlich auf die Arbeitnehmer berechnet. Neuerdings werden die Gesamtkosten durch alle Teilnehmer, also auch Partner der Arbeitnehmer, geteilt. Jedoch wird nur der sich pro Person ergebende Teil auf den Arbeitnehmer berechnet.
  2. Für die Berechnung der 110-€-Grenze wurde entschieden, dass nur solche Leistungen einbezogen werden können, die der Arbeitnehmer unmittelbar konsumieren kann. Kosten wie Raummiete oder Transport wären somit herauszurechnen. Anders verhält es sich mit Konzertkarten für Veranstaltungen, die einen Wert an sich haben und zu einer Bereicherung – auch der Angehörigen – führen können.

Diese Änderungen sind jedoch von der Finanzverwaltung noch nicht für allgemeingültig erklärt worden.

Betriebssport

Die Nutzung von Sportanlagen des Arbeitgebers ist frei. Aber welche Praxis verfügt schon über eigene Sportanlagen. Sofern Zuschüsse zum Besuch z.B. eines Fitnessstudios gezahlt werden, ist die Sachbezugsfreigrenze von 44 € zu beachten. Wenn z.B. die Zahnärztin einen Rahmenvertrag mit einem Fitnessstudio abschließt, der monatliche Beitrag 60 € beträgt und die Helferinnen sich mit 20 € an den Kosten beteiligen, so ist der von der Zahnärztin übernommene Anteil an den Beiträge steuer- und sozialversicherungsfrei. Zu beachten ist, dass verschiedene Sachbezüge auf die 44-€-Freigrenze angerechnet werden.

Arbeitgeberdarlehen

Die Vorteile eines zinsfreien oder zinsbegünstigten Darlehens an Arbeitnehmer dürften angesichts der aktuellen Niedrigzinspolitik der EZB keine wesentliche Rolle spielen. Dennoch sei kurz darauf hingewiesen, dass der Vorteil des Arbeitnehmers in reduzierten Zinszahlungen liegt. Dieser geldwerte Vorteil ist unter besonderen Bedingungen steuer- und sozialversicherungsfrei bzw. kann auf die Sachbezugsfreigrenze von 44 € angerechnet werden. Kleindarlehen bis 2.600 € bleiben bei der Betrachtung außen vor. Entscheidend ist, dass der Darlehensbetrag am Ende des Lohnzahlungszeitraums diesen Kleindarlehensbetrag nicht mehr übersteigt.

Überlassung betrieblicher Datenverarbeitungsgeräte

Hinter dem Wortungetüm verbergen sich alle elektronischen Geräte, angefangen von Computern über Tablets bis hin zu Mobiltelefonen sowie dem entsprechenden Zubehör. Solange diese Geräte im Eigentum des Arbeitgebers sind, können sie den Mitarbeitern steuer- und sozialversicherungsfrei zur Nutzung überlassen werden.

Das bedeutet konkret, dass eine Zahnärztin ihren Mitarbeitern Mobiltelefone zur Verfügung stellt und auch die Mobilfunkgebühren trägt. Das ist für alle Beteiligten günstiger, als wenn dieser Vorteil über eine reguläre Gehaltserhöhung zugewendet worden wäre. Ebenso ist es möglich, einer Helferin einen Computer zu Hause mit Drucker zur Nutzung zu überlassen, unabhängig davon, ob darauf auch Arbeiten für die Praxis erledigt werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass nur die Nutzung ermöglicht wird, das Eigentum jedoch beim Arbeitgeber verbleibt.

Fahrtkostenzuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Zuschüsse des Arbeitgebers für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (alter Begriff: regelmäßige Arbeitsstätte) in Höhe der Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer sind Arbeitslohn. Sofern der Arbeitgeber diese Zahlungen der Pauschalbesteuerung von 15 % unterwirft, sind sie darüber hinaus auch sozialversicherungsfrei.

Ebenso möglich ist ein sogenanntes Jobticket. Hierbei trägt der Arbeitgeber die Kosten für eine Monatskarte. Auch dies kann pauschal mit 15 % besteuert werden. Eine andere Variante ist die Anwendung der 44-€-Sachbezugsfreigrenze. Wenn Monatskarten, gegebenenfalls durch Zuzahlungen seitens des Arbeitnehmers, unterhalb der Schwelle von 44 € pro Monat bleiben, sind sie steuer- und sozialversicherungsfrei. Es kommt hierbei auf die Zuwendung pro Monat an. Ein durchaus günstigeres Jahresticket, dessen Zugang von der Finanzverwaltung allerdings im Monat des Erhalts erfasst wird, kann nicht genutzt werden. Ein typisches Beispiel für den Widerspruch steuerlicher Regeln und betriebswirtschaftlich sinnvollen Handelns.

Gesundheitsförderung

Leistungen zur Gesundheitsförderung sind bis zu 500 € pro Jahr steuerfrei. Bei der Auswahl der Leistungen wird auf die gesundheitsfachlichen Bewertungen der Krankenkassen verwiesen. Zahlungen für Fitnessstudios fallen nicht darunter. Förderungsfähig sind jedoch Maßnahmen wie gesundheitsgerechte Gemeinschaftsverpflegung, alles, was zur Behandlung und Vorbeugung von Belastungen am Bewegungsapparat dient, und Suchtmittelmaßnahmen, wie z. B. Nikotinentwöhnung. Sinnvolle Maßnahmen im Umfeld einer Zahnarztpraxis könnten unentgeltliche Massagen während der Arbeitszeit, Rückengymnastik oder aber auch Schutzimpfungen sein.

Getränke zum Verzehr im Betrieb

Nur der Vollständigkeit halber seien Erfrischungsgetränke in der Praxis erwähnt, die als Aufmerksamkeiten steuerfrei sind.

Kindergartenzuschüsse

Bar- oder Sachleistungen zur Unterbringung nicht schulpflichtiger Kinder in Kindergärten gehören nicht zum lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn. Diese Leistungen umfassen Unterkunft, Verpflegung und Betreuung. Das gilt nicht, sofern Zahlungen zur Betreuung der Kinder im Haushalt des Arbeitnehmers geleistet werden. Auch hier wie bei allen Leistungen trägt der Arbeitgeber die Beweislast. Daher sollten die Originale als Nachweis zu den jeweiligen Lohnkontounterlagen genommen werden.

Die Gewährung von Kindergartenzuschüssen bietet sich insbesondere an, um Helferinnen nach Ende der Elternzeit den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Hier zeichnen sich Änderungen ab. Im Bundesrat wurde am 14. März diesen Jahres ein Gesetzentwurf vorgeschlagen, nach dem die Steuerfreiheit der Arbeitgeberzuschüsse begrenzt werden soll auf den Betrag, der als Höchstabzug bei den Sonderausgaben möglich ist. Das sind zwei Drittel der Ausgaben, höchstens 4.000 € pro Jahr. Diese Regelung dürfte im hier beschriebenen Umfeld nicht relevant sein.

Warengutscheine

Warengutscheine werden im Rahmen der Sachbezugsfreigrenze von derzeit 44 € je Monat gewährt. Der Arbeitnehmer muß den Gutschein zum Erwerb eines Sachbezugs einsetzen. Denkbar sind hier Tankgutscheine, Gutscheine zum Erwerb von Büchern oder Kosmetika. Auch ein Geldbetrag kann darunter fallen, wenn der Arbeitgeber konkrete Vorgaben zur Verwendung des Geldes gibt. Wegen des Nachweises sollten hier schriftliche Vereinbarungen vorgehalten werden. So z.B. dass der Arbeitnehmer berechtigt ist, jeden Monat bis zu einem Betrag von 44 € bei einer beliebigen Tankstelle zu tanken.

Auch hier können Änderungen kommen. Im o.g. Gesetzentwurf des Bundesrates wurde vorgeschlagen, die Freigrenze für Sachbezüge auf 20 € zu senken. Das heißt noch nicht, dass dies so kommen wird. Jedoch sei auf das Unruhepotenzial hingewiesen, wenn Mitarbeiterinnen sich an 44 € gewöhnt haben und diese Zuwendung durch eine gesetzliche Änderung in der Form nicht mehr möglich sein wird. Um den gleichen Nettovorteil für die Helferinnen zu haben, müsste die Zahnärztin mehr aufwenden.

Weitere Leistungen

Neben den bisher beschriebenen Maßnahmen sind, wenn auch für Zahnarztpraxen nicht so einschlägig, weitere Leistungen denkbar:

  • Essensmarken bzw. Restaurantschecks: Gutscheine pro Arbeitstag sind bis 6,10 € begünstigt, wenn pro Tag dafür 3 € vom Nettolohn einbehalten werden.
  • Umzugskosten: Wenn eine Helferin wegen der Aufnahme der Arbeit in einer Praxis auf dem Land umzieht (beruflich veranlasster Wohnungswechsel), können die Umzugskosten steuerfrei erstattet werden.
  • Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit: Durch die Zahlung steuerfreier Zuschläge kann die Motivation für die Arbeit zu außergewöhnlichen Zeiten oder für Notdienste an Sonn- oder Feiertagen erhöht werden.

Fazit

Der Arbeitsmarkt hat sich für die Praxismitarbeiter positiv entwickelt. Diese können sich mittlerweile aussuchen, in welcher Praxis sie arbeiten wollen. Um gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, spielt neben dem Gehalt auch derartige Vergünstigungen eine Rolle. Diese müssen grundsätzlich freiwillig und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Gehalt gewährt werden. Erarbeiten Sie generell im Einzelfall mit einem guten Steuerberater, welche Leistungen für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen am sinnvollsten sind.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Christian Guizetti


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