Steuer


Es ist oft sinnvoll, Investitionen aus 2011 in 2010 vorzuverlegen

22.06.2010

Quelle: © Rainer Sturm/pixelio.de
Quelle: © Rainer Sturm/pixelio.de

Aufgrund geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen wird vielfach empfohlen, Investitionen aus dem Jahr 2011 in das Jahr 2010 vorzuverlegen, um so zu mehr Steuervorteilen durch den Kauf in 2010 zu kommen. Unser Autor hat geprüft, in welchen Fällen dies richtig ist und in welchen Fällen sich die Vorverlegung nicht auszahlt und erläutert Ihnen dies nachfolgend.

 

Tätigen Sie größere Anschaffungen für Ihre Praxis, wirken sich diese erst nach und nach im Rahmen der jährlichen Abschreibung steuermindernd aus.
Für Anschaffungen in den Jahren 2009 und 2010 hat der Gesetzgeber aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise die zuvor abgeschaffte degressive Abschreibung wieder eingeführt. Außerdem hat er die Rahmenbedingungen gelockert, die zur Inanspruchnahme eines 40%igen Investitionsabzugsbetrages (IAB) beziehungsweise einer 20%igen Sonderabschreibung berechtigen. Ende dieses Jahres läuft die degressive Abschreibung aus und die Rahmenbedingungen für IAB und Sonderabschreibung werden wieder verschärft. Vielfach wird daher empfohlen, Investitionen aus dem Jahr 2011 in das Jahr 2010 vorzuverlegen.

Ist das richtig? Die Antwort lautet in der Regel „Ja“. Durch das Zusammenspiel von Sonderabschreibung und degressiver Abschreibung können in den ersten drei Jahren Abschreibungen von 60% und mehr erreicht werden. Beachten Sie aber: Der Fiskus schenkt Ihnen keine Steuern, sondern Sie müssen sie nur später zahlen. Abgeschrieben wird immer der Kaufpreis. Die Vergünstigungen ermöglichen Ihnen, schneller an die Steuerersparnis zu kommen.

Investitionsvorverlegung in der Regel sinnvoll

Den IAB erhalten Sie vor dem Anschaffungsjahr, die Sonderabschreibung dagegen frühestens in dem Jahr, in dem Sie investieren. Sie können den IAB in 2010 also nur für eine Investition bilden, die Sie frühestens 2011 vornehmen. Möchten Sie die Investition wie empfohlen von 2011 nach 2010 vorziehen, ist Ihnen der 40%ige IAB verwehrt. Sie können in 2010 dann ggf. nur die 20%ige Sonderabschreibung geltend machen. Das Zünglein an der Waage ist die degressive Abschreibung. Die bekommen Sie nur noch auf Investitionen in 2010. Da die degressive Abschreibung bis zu 25% betragen kann, übersteigen Sonderabschreibung (20%) und degressive Abschreibung (25%) mit zusammen 45% ggf. den 40%igen IAB.
Zu berücksichtigen ist auch die (Wieder-)Verschärfung der Rahmenbedingungen für den IAB und die Sonderabschreibung. Die Sonderabschreibung erhalten Sie in 2010, wenn der Gewinn des Vorjahres (2009) höchstens 200.000 Euro beträgt. In 2011 erhalten Sie sie hingegen nur noch, wenn der Gewinn des Vorjahres (2010) höchstens 100.000 Euro beträgt.
Erwirtschaften Sie mit Ihrer Praxis pro Jahr zwischen 100.000 und 200.000 Euro, erhalten Sie die Sonderabschreibung nur für in 2010 durchgeführte Investitionen, nicht aber für in 2011 getätigte Anschaffungen. Empfehlung: Es ist daher fast immer sinnvoll, Investitionen von 2011 nach 2010 vorzuziehen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Das gilt ausnahmsweise nicht, wenn Ihr Gewinn in 2009 mehr als 200.000 Euro betrug und in 2010 unter 200.000 Euro fallen wird. In diesem Fall ist die Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrages in 2010 günstiger (Kauf erst 2011). Würden Sie schon 2010 kaufen, können Sie zwar die degressive Abschreibung ansetzen, aber keine Sonderabschreibung geltend machen (Grenze 2009 nicht erfüllt).
Eine weitere Ausnahme von der Kaufempfehlung gilt, wenn Ihr Praxisgewinn in 2010 voraussichtlich unter 100.000 Euro liegt und die geplante Anschaffung eine Nutzungsdauer von mehr als 10 Jahren hat. Auch in diesen Fällen ist der IAB günstiger als das Zusammenspiel von Sonderabschreibung und degressiver Abschreibung. Wie hoch Ihr Gewinn 2010 voraussichtlich sein wird, erfahren Sie aus Ihrer betriebswirtschaftlichen Auswertung bzw. Ihrer Einkommensteuerhochrechnung per 30.09.2010. Sollte für Ihre Praxis ausnahmsweise eine Bilanz erstellt werden, wird für die Prüfung der Grenzen nicht auf den Gewinn, sondern auf das bilanzielle Eigenkapital abgestellt. Die Grenze liegt hier in den Jahren 2009 und 2010 bei 335.000 Euro, statt der ab 2011 wieder geltenden 235.000 Euro. Beide Beträge werden von Ärzten und Zahnärzten in der Regel unterschritten. Es ist dennoch nicht empfehlenswert, freiwillig von der Einnahmenüberschussrechnung zur Bilanz zu wechseln, um den IAB bzw. die Sonderabschreibung geltend machen zu können. Der Wechsel hat mehr Nachteile als Vorteile.

Fazit

Wenn Sie nun Investitionen für 2010 planen, denken Sie daran, dass diese natürlich wirtschaftlich sinnvoll sein müssen. Die Steuerersparnis ist nur ein Nebenzweck der Investition. Diese muss vorrangig Umsatz bringen, Kosten minimieren oder zwingend notwendig sein. Entscheidend für die Anschaffung ist der Nutzungsbeginn. Bestellen Sie größere Wirtschaftsgüter ggf. rechtzeitig vor Jahresende, um noch in den Genuss der Steuervorteile zu kommen.

Weitere Informationen bei:

Kanzlei Fuchs + Partner
Steuerberater
In den Böden 1
97332 Volkach
Tel.: 09381 8080-10
Fax: 09381 8080-80
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