Praxisführung


Wie Geld arbeitet und Rendite entsteht

© Andreas Hermsdorf, pixelio.de
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Quelle: © Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Anleger, die den Grundsatz „Investieren statt spekulieren“ befolgen, fahren mit ihrer Kapitalanlage sicherer und erfolgreicher. Außerdem können Anleger mit Indexfonds viel Geld sparen. Warum dies so ist, erläutert Davor Horvat, unabhängiger und staatlich zugelassener Honorar-Anlageberater in diesem 2. Teil seiner Artikelserie.

Investiert ein Zahnarzt als Unternehmer in seine eigene Praxis, dann unter anderem auch deshalb, um beispielsweise mit neuer Gerätetechnik seine Praxisrendite zu erhöhen. Auch bei einer Aktienanlage entsteht Rendite nur durch Arbeit und Wirtschaften der Aktiengesellschaften. Das Ergebnis sind Dividenden und Kurssteigerungen. Beides sind also nicht die Leistungen von Fondsmanagern und noch weniger von Bankberatern. Anleger, die dieses Prinzip verstanden haben, entwickeln sich zu erfolgreichen Investoren und erzielen mit ihrer Geldanlage langfristig Renditen. Zudem sparen sie viel Geld für Provisionen und Managementgebühren.

Zum Hintergrund: Um zu expandieren und Gewinne zu steigern, beschaffen sich Unternehmen von Investoren Geld am Kapitalmarkt, d. h. an Börsen. Ein Unternehmen hat dabei zwei Möglichkeiten: zum einem über die Ausgabe von Aktien; Investoren sprechen hier vom Markt für Beteiligungskapital. Zum anderen über die Vergabe von festverzinslichen Anleihen. Bei diesen Wertpapieren handelt es sich letztlich um Darlehen.

Rendite entsteht durch Wirtschaften und nicht durch Papiere

Mit diesem Finanzkapital und anderen Ressourcen produziert ein Unternehmen Waren und Dienstleistungen, die gewinnbringend verkauft werden. Das Geld arbeitet. Aus dem Gewinn zahlt das Unternehmen Zinsen für die Unternehmensanleihe oder die Dividende für die Aktionäre. Macht das Unternehmen anhaltend Gewinne und reinvestiert diese Mittel, steigt der Unternehmenswert und damit auch der Wert der Aktien.

Diese einfache Darstellung ist für das Grundverständnis privater Kapitalanleger sehr wichtig. Es wird klar, wo die Rendite von solchen Anlageklassen entsteht. Nämlich in den Unternehmen durch die Arbeit von Angestellten und Arbeitern, sowie durch ein kluges Management. Also nicht, weil Aktien und Anleihen eben Wertpapiere sind, wie uns Banken immer wieder suggerieren, oder weil deren Aktienfondsmanager und Anlageberater ihr Geschäft so gut verstehen. Ohne die Arbeit in den Unternehmen, finanziert durch Anleger, kann kein Aktienfonds der Welt Rendite machen. Und genau genommen brauchen Anleger die teuren Fondsmanager gar nicht: Eine deutliche Mehrheit von ihnen bleibt unter den Renditen der nicht gemanagten Fonds, die nur Märkte oder Branchen widerspiegeln: die sogenannten Indexfonds oder auch Exchange traded funds (ETF) genannt. Die beiden klassischen Anlageklassen – Aktien und Anleihen – stehen Anlegern weltweit in etwa 44 Ländern zur Verfügung. Der Aktienmarkt bietet dabei Anlegern weltweiten Zugang zu etwa 12.000 öffentlich gehandelten Unternehmen. Aktien sind grundsätzlich risikoreicher als Anleihen. Gewinne können ausbleiben und damit können auch die Dividenden oder der Unternehmenswert sinken – und damit auch die Kurse. Zur Abfederung von Risiken können Anleger beispielsweise über Indexfonds (ETFs) das Risiko auf viele verschiedene Papiere, Branchen oder Länder verteilen, ihr Portfolio diversifizieren.

Langfristig orientierte Anleger werden an den Kapitalmärkten immer mit einer positiven Rendite belohnt. Investoren, die von Januar 1988 bis Oktober 2016 in die 30 größten Unternehmen in Deutschland konstant investiert haben, freuen sich heute über eine durchschnittliche Rendite pro Jahr von 8,56 % Ihr Vermögen hat sich in dieser Zeit um das 10,5-Fache vermehrt. Allerdings verpassten diese Anleger die weltweiten Kapitalmarktrenditen. Denn in der gleichen Zeit erzielten Investoren mit den 500 größten Unternehmen Amerikas eine Rendite von 10,63 % pro Jahr, was eine Steigerung um das 18-Fache des Vermögens bedeutet.

Aktiv spekulieren oder passiv investieren?

Ob Anleger diese Renditen realisieren können, hängt von der Balance zwischen Renditeerwartung und der Fähigkeit ab, als Anleger langzeitlich diszipliniert zu bleiben. Sie haben die Wahl zwischen zwei Ansätzen. Der erste Ansatz beinhaltet den Versuch, die zukünftige Entwicklung des Aktienmarktes oder einzelner Aktien vorherzusagen und aktiv Wertpapiere auszuwählen, die sich zukünftig voraussichtlich positiv entwickeln werden, sowie Verlierer zu vermeiden. Im Klartext heißt das: spekulieren. So gehen die Fondsmanager und Wertpapierberater der Banken vor. Innerhalb dieses Ansatzes betrachten sie Diversifikation als Hindernis für eine hohe Rendite – obwohl die breit diversifizierten Märkte meist eine bessere Performance abliefern als sie selbst. Und diese angebliche „Investmentexpertise“ müssen Anleger auch noch bezahlen.

Der zweite Ansatz basiert auf dem Grundsatz, dass Investitionen keine Vorhersagen über die Zukunft beinhalten. Anleger verbessern ihre Erfolgschancen dadurch, dass sie Marktpreise als fair akzeptieren. Bei diesem Ansatz werden spekulative Transaktionen durch Käufe und Verkäufe (weil es hohe Kosten verursacht und dadurch die Nettorendite beeinflusst) vermieden. Und Diversifikation wird als Möglichkeit angesehen, das Risiko eines Portfolios zu reduzieren. Anleger, die diesem Investmentansatz aus der Welt der ETFs folgen, bemühen sich, Kosten auf einem vernünftigen Niveau zu halten und die tatsächliche Marktrendite von Aktien- und Anleihenmärkten zu erzielen.

Den Privatanlegern ist zu empfehlen, sich zu einem Investor zu entwickeln und nicht zu spekulieren. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegen, dass ein Verhalten als wahrer Investor die besten Chancen auf eine erfolgreiche Investmenterfahrung gibt. Man möge mit Spekulieren zwar mal großen Erfolg haben, aber die Wahrscheinlichkeit, ein Desaster zu erleben, ist genauso hoch.

Renditeerwartung als Abbild des eigenen Menschenbildes

Der Erfolg eines Investments hängt maßgeblich von der Disziplin des Anlegers ab. Wer sich durch kurzfristigen Lärm der Presse, Medien und Nachrichten in den Finanzmärkten beunruhigen lässt oder das Gefühl hat, durch eine Neupositionierung des Portfolios aufgrund von „aktuellen Ereignissen“ die Rendite erhöhen zu können, handelt als Spekulant und nicht als Investor. Rendite entsteht durch die Schaffung von Mehrwerten in den Unternehmen. Solange Menschen überall auf der Welt durch ihrer Hände Arbeit Mehrwerte schaffen, wächst die Wirtschaft. Volkswirtschaften oder einzelne Branchen mögen zeitweise schrumpfen. Dass aber die Weltwirtschaft langfristig schrumpft, glauben bestenfalls Verschwörungstheoretiker. Wer Rendite erwartet, glaubt an die Schaffenskraft des Menschen.

Im nächsten Teil der Artikelserie informiert der Autor über den Verbund von Ertrag und Risiko.

 

 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat



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