Praxisführung


Tägliche Praxis: Methoden der dentalen Lokalanästhesie

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Schmerzausschaltung vor zahnmedizinischen Behandlungen ist die Basis der Patientenakzeptanz. Um eine Entscheidung über die anzuwendende Methode treffen zu können, ist eine verständliche Patientenaufklärung über die in Betracht kommenden Risiken sowie mögliche Alternativen unerlässlich. Neben den konventionellen und weltweit praktizierten Infiltrations- und Leitungsanästhesien rückt die intraligamentäre Anästhesie als medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methode der örtlichen Betäubung immer mehr in den Fokus.

Die Schmerzausschaltung gilt im Rahmen der dentalen Lokalanästhesie als Voraussetzung für eine patientenfreundliche Behandlung. Beachtet man die Invasivität und die bekannten Risiken der Nervstammblockade, so sollte die Leitungs- und auch die Infiltrationsanästhesie als „immerwährender Goldstandard“ überdacht werden [8].

Die intraligamentäre Anästhesie könnte eine minimalinvasive Alternative sein. Die erfolgreiche Anwendung dieser Lokalanästhesiemethode erfordert allerdings eine konsequente Umstellung der bis dato täglich praktizierten konventionellen Injektionen von Lokalanästhetika.

Die intraligamentäre Anästhesie in der täglichen Praxis 

Der Anästhesieerfolg der intraligamentären Anästhesie ist eine Triade aus Beherrschung der Methode, der Applikation bewährter Anästhetika mit Adrenalin und die Anwendung sensibler Injektionsinstrumentarien. Zur Basis des Anästhesieerfolgs der intraligamentären Anästhesie (IL-A) gehört primär die Beherrschung der in der Literatur immer wieder erwähnten ungewünschten Effekte.

Sie hängen ursächlich mit der Injektion des Anästhetikums unter Druck via Sulcus gingivalis ins Desmodont (Ligamentum circulare) zusammen. Als wesentliche negative Effekte sind Vorkontakt, Druckschmerz, Elongationsgefühl nach Abklingen der Analgesie und reversible Drucknekrosen zu betrachten [4,5,9-13,15].

Die medizin-technische Entwicklung neuer Instrumentarien, zu denen die Dosierrad-Spritze SoftJect (Abb. 1a und b) und das elektronisch gesteuerte STA-System mit dem „Zauberstab Wand“ (Abb. 2a und b) gehören, ermöglicht es heute, intraligamentale Injektionen gezielt und minimalinvasiv durchzuführen und definierte Mengen des Anästhetikums trotz des anatomisch bedingten interstitiellen Gegendrucks (back-pressure) kontrolliert in das Desmodont des zu behandelnden Zahnes diffundieren zu lassen. Die zur intraligamentären Anästhesie einer Wurzel benötigte Menge von 0,2 ml sollte in mindestens 20 Sek. injiziert werden, der latenzfreie Wirkungseintritt erfolgt unverzüglich. Die erreichte tiefe Kurzzeit-Analgesie eines einzelnen Zahnes macht es möglich, die meisten zahnerhaltenden Maßnahmen und begrenzte chirurgische Therapien, z.B. Einzelzahnextraktionen oder minimale parodontalchirurgische Eingriffe, ohne länger anhaltende Beeinträchtigungen des Patienten durchzuführen.

  • Abb. 1a: Dosierrad-Spritze Zeichnung.
  • Abb. 1b: DIN-genormte Dosierrad-Spritze SoftJect – DIN 13989.
  • Abb. 1a: Dosierrad-Spritze Zeichnung.
    © Lothar Taubenheim
  • Abb. 1b: DIN-genormte Dosierrad-Spritze SoftJect – DIN 13989.
    © Lothar Taubenheim

  • Abb. 2a: Elektronisch gesteuertes STA-System.
  • Abb. 2b: Injektion mit dem Zauberstab Wand.
  • Abb. 2a: Elektronisch gesteuertes STA-System.
    © Milestone
  • Abb. 2b: Injektion mit dem Zauberstab Wand.
    © Milestone

Für größere dento-alveoläre Eingriffe reicht die intraligamentäre Anästhesie allerdings nicht aus. Die in der Literatur angesprochenen negativen Effekte der IL-A sind nicht methodenimmanent. Aktuelle klinische Studien [1,3,14,16,17] zeigen, dass bei Verwendung adäquater Instrumentarien, der Applikation bewährter Anästhetika und der sicheren Beherrschung der intraligamentalen Injektion diese Effekte nicht auftreten.

Konventionelle Methoden vs. IL-A im Vergleich 

Lege artis angewandt, ist die intraligamentäre Anästhesie mit den konventionellen Methoden der Lokalanästhesie – mit Blick auf Anästhesieerfolg und -verträglichkeit – bei fast allen zahnmedizinischen Indikationen und Patientengruppen mindestens vergleichbar [2]. Sie ist als sichere Methode der zahnärztlichen Lokalanästhesie einzustufen und führt auch bei zahnerhaltenden Therapien zu Ergebnissen, die denen der konventionellen Methoden der zahnärztlichen Lokalanästhesie, d.h. der Leitungs- und der Infiltrationsanästhesie, vergleichbar sind.

Voraussetzung ist die Beherrschung der Methode durch die behandelnde Zahnärztin/den behandelnden Zahnarzt, sowie die Anwendung adäquater Injektionssysteme. Mit den Injektionssystemen können die anatomischen Gegebenheiten des Patienten sicher gespürt werden, z.B. mit den Dosierrad-Spritzen vom Typ SoftJect, oder der interstitielle Gegendruck gemessen und der Injektionsdruck angepasst werden, z.B. mit dem STA-System.

Die bewährten Anästhetika vom Articain-Typ mit Vasokonstringenzien, z.B. Septanest 1/200.000 (Septodont) oder Ultracain D-S (Sanofi-Aventis) werden hierfür verwendet. Dies sind die Garanten einer weitgehend erfolgreichen und den Patienten schonenden Schmerzausschaltung vor zahnärztlichen Behandlungen ohne ungewünschte Nebenwirkungen.

Den Nutzen der Methodenumstellung hat vor allem der Behandler: Die im Patientenrechtegesetz – BGB § 630 e (1) – gesetzlich vorgegebene Aufklärung des Patienten über die Risiken (Beeinträchtigungen) der geplanten Lokalanästhesiemethode und die möglichen Alternativen kann bei der IL-A minimiert werden. Das Risiko eines Nervkontakts und nach Abschluss der Behandlung noch andauernder Anästhesieeffekt besteht bei der intraligamentären Anästhesie nicht.

Da die intraligamentäre Anästhesie praktisch ohne Latenz eintritt, kann der Anästhesieeffekt unverzüglich überprüft werden und die Behandlung sofort beginnen. Die Versagerrate ist bei der IL-A signifikant niedriger als bei den konventionellen Lokalanästhesiemethoden [3,14,16], entsprechend geringer ist der Aufwand für ggf. erforderliche Komplettierungen.

Da kein Risiko eines Gefäß- oder Nervkontakts besteht, kann die IL-A auch bei Patienten mit hämorrhagischer Diathese und Antikoagulantientherapie angewandt werden. Nicht unterschätzt werden sollte der Marketingeffekt: Da die Dispositionsfähigkeit des Patienten bei der IL-A nach Abschluss der Behandlung nicht eingeschränkt ist, wird er darüber auch seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen berichten.

Neben den modernen mechanischen ILA-Spritzensystemen, z.B. den Dosierradspritzen SoftJect, sind heute auch sehr sensible elektronisch gesteuerte Injektionssysteme verfügbar (Abb. 2a und b). Das STA-System mit dem „Zauberstab Wand“ misst den interstitiellen Gegendruck und passt den Injektionsdruck sensibel an die individuellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten an [6,7].

Die intraligamentäre Anästhesie ist nach BEMA Nr. 40 abrechnungsfähig. Werden im Ausnahmefall 2 nebeneinanderstehende Zähne intraligamentär anästhesiert, so kann die Nr. 40 je Zahn 1-mal berechnet werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Lothar Taubenheim


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