Praxisführung


Stressbewältigung und Resilienz in der Zahnarztpraxis

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Die Arbeitsbedingungen in Zahnarztpraxen werden zunehmend schwieriger. Kürzer getaktete Arbeitszeiten, anspruchsvollere Patienten/-innen, unvorhergesehene Ereignisse, erklärungsbedürftige neuartige Behandlungsoptionen und eine hohe Arbeitsbelastung können zu einem hohen Maß an Stress führen. Nachfolgend wird auf konkrete Stressoren in der Zahnarztpraxis eingegangen und aufgezeigt, wie man besser mit den Herausforderungen umgehen und wie die psychische Widerstandsfähigkeit gestärkt werden kann.

Der Zeitdruck in Zahnarztpraxen hat über die letzten Jahre kontinuierlich zugenommen. Termine müssen dichter getaktet werden, um alle Patienten/-innen hinreichend zu versorgen. Das erhöht den Zeitdruck und kann zu Stress und Hektik sowohl bei den Zahnärzten/-innen als auch beim Praxispersonal führen, insbesondere dann, wenn Patienten/-innen zu spät zum vereinbarten Termin kommen.

Zudem ist zu beobachten, dass die Anspruchshaltung der Patienten/-innen höher wird: Manche Patienten/-innen können ängstlich, fordernd/nachfragend und damit anspruchsvoll sein, was zu erhöhtem Druck und Konflikten führen kann, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Auch unvorhergesehene Ereignisse wie Notfälle (z.B. Schmerzpatienten/-innen) oder unerwartete Komplikationen während einer Behandlung können zu akutem Stress und emotionaler Belastung seitens der Behandelnden und der Assistenz führen. Und nicht zuletzt spielt auch die hohe Arbeitsbelastung eine Rolle – sowohl für Behandler/-in als auch für das Personal: Die ständige Anforderung, eine Vielzahl von Patienten/-innen gut zu versorgen und gleichzeitig die administrativen Aufgaben (Dokumentation, Abrechnung, Terminierungen) zu erledigen, kann zu Überlastung führen – und damit Stress auslösen.

Umgang mit Stressoren

Es ist demnach wichtig, den richtigen Umgang mit Stress und stressauslösenden Faktoren zu erlernen. Sinnvolle Ansatzpunkte können beispielsweise in einem effektiven und effizienten Zeitmanagement, in adäquater Kommunikation oder in der Delegation von Aufgaben liegen. Nachfolgend sind ein paar Vorschläge benannt, die sich relativ gezielt und einfach in den Praxisalltag integrieren lassen:

Zeitmanagement

Ein effektives Zeitmanagement ist entscheidend, um den Zeitdruck zu bewältigen. Es kann hilfreich sein, ausreichend Pufferzeiten zwischen den Terminen einzuplanen, um auf unvorhergesehene Ereignisse flexibel reagieren zu können.

Empfehlenswert ist hierbei manchmal das bewusste Einpflegen von „Phantompatienten“. Zudem können Recall-Schreiben oder sinnvoll terminierte Telefonanrufe dafür sorgen, dass Patienten/-innen pünktlich zu ihrer vorgesehenen Behandlung erscheinen.

Kommunikationstraining

Schulungen und Workshops für das Praxispersonal in effektiver Kommunikation können dazu beitragen, den Umgang mit anspruchsvollen Patienten/-innen zu verbessern und Konflikte zu vermeiden oder zu lösen.

Notfallvorsorge

Die regelmäßige Auffrischung von Notfallprotokollen (und die Aktualisierung des Erste-Hilfe-Scheins) sowie das Training für den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen können das Selbstvertrauen des Teams stärken und Stress in Notsituationen reduzieren, getreu dem Motto „practice makes perfect“.

Delegieren von Aufgaben

Das Verteilen der Aufgaben im Team kann die Arbeitsbelastung auf mehrere Schultern verteilen und Überlastung verhindern. So kann eine gute ausgebildete Assistenz die Dokumentation der durchgeführten Behandlung übernehmen und sich die Zahnärztin/der Zahnarzt bereits der nächsten Patientin bzw. dem nächsten Patienten widmen.

Förderung der Resilienz

Grundsätzlich gilt es, die eigene Widerstandskraft und die Fähigkeit, schwierige Arbeitssituation ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, damit also die Resilienz zu stärken. Dies gilt für Inhaber/-innen und für das Praxispersonal gleichermaßen. In der täglichen Arbeitspraxis haben sich dabei die folgenden Maßnahmen gut bewährt:

Selbstreflexion

Mitarbeiter/-innen und Inhaber/-innen sollten sich Zeit nehmen, um sich über ihre Gefühle und Reaktionen auf stressige Situationen und deren Auslöser klar zu werden. Das Antizipieren solch stressauslösender Situation befördert das Denken um sinnvolle und geeignete Lösungsmöglichkeiten: Die bewusste Reflexion trägt demnach dazu bei, persönliche Stärken zu erkennen – und diese dann in derartigen tatsächlichen Konfliktsituationen zur Klärung einzubringen.

Unterstützung im Team

Eine offene und unterstützende Teamkultur, in der Mitarbeiter/-innen ihre Erfahrungen teilen können, schafft ein Gefühl der Verbundenheit und reduziert das Gefühl der Isolation. Zudem können sich die Praxisteam-Mitglieder austauschen und unterschiedliche Lösungsideen einbringen, um stressige oder konfliktäre Situationen zu entschärfen (beispielsweise: „Als ich solch eine stressige Situation mit einem cholerischen Patienten hatte, hat das Folgende gut geholfen …“).

Weiterbildung und Fortbildung

Die Investition in die fachliche und persönliche Weiterbildung der Mitarbeiter/-innen kann ihnen das Gefühl vermitteln, besser vorbereitet zu sein und ihre Fähigkeiten zu erweitern. Hierzu geeignet sind dezidierte Resilienz- oder Kommunikationstrainings, die individuell auf die Bedürfnisse des Praxisteams zugeschnitten sind.

Achtsamkeit und Entspannung

Das Erlernen von Entspannungstechniken wie Meditation und Atemübungen kann dazu beitragen, den Stress zu reduzieren und die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Fazit

Die Zahnarztpraxis ist ein herausforderndes Arbeitsumfeld, das hohe Anforderungen an Mitarbeiter/-innen und Inhaber/-innen stellt. Der Umgang mit den spezifischen Stressoren erfordert ein bewusstes Stressmanagement und den Einsatz geeigneter Bewältigungsstrategien. 

Darüber hinaus kann die Entwicklung von Resilienz die mentale Widerstandsfähigkeit stärken und dazu beitragen, Stress langfristig besser zu bewältigen. Durch die Kombination dieser Ansätze können Zahnärzte/-innen und Praxispersonal eine gesunde und produktive Arbeitsumgebung schaffen, in der sie ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können.

Dr. Marc Elstner bietet Praxis-Trainings und -Coachings zur Stressbewältigung und zur Resilienz an. Darüber hinaus dienen die hier vorgeschlagenen Methoden lediglich zu Informationszwecken. Bei anhaltenden und ausgeprägten Stresssymptomen oder psychischen Belastungen kann es sinnvoll sein, psychologisch ausgebildete Fachexperten/-innen zu konsultieren.
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Marc Elstner


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