Praxisführung


Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Optimierung von Zahnarztpraxen durch spezialisierte Beratung

Quelle: © Gerd Altmann/pixelio.de
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Die Zeiten haben sich im Vergleich zu früher für den Zahnarzt deutlich geändert. Harter Wettbewerbsdruck, hohe Kosten, fallende Gewinne und der Kampf um Patienten nehmen immer mehr zu. Nur Praxen, die sich erfolgreich positioniert haben und bereit sind, weiter an sich zu arbeiten und sich zu verbessern, gewinnen den Kampf gegen den immer weiter voranschreitenden Wettbewerb. Der Zahnarzt selbst ist immer noch Mediziner und die betriebswirtschaftliche Führung der Praxis läuft oft parallel – ohne professionelle Hilfe geht es in der Regel nicht. Neben der Priorität und der Zeit, die jeder Praxisinhaber hierfür einräumen muss, sind Beratungen immer auch mit zusätzlichem finanziellem Aufwand verbunden. Um kleineren und mittleren Unternehmen (sogenannten KMUs) den Zugang zur Unternehmensberatung zu erleichtern, gibt es vielfältige Fördermöglichkeiten des Bundes und der Länder. Im Interview erläutert Davor Horvat, Geschäftsführer der conventus GmbH, wie Zahnarztpraxen diese nutzen können.

Neben Zuschüssen zu Beratungsleistungen gibt es auch Investitionsförderungen für den Erwerb, die Erweiterung oder die Modernisierung der Praxis in Form von Zuschüssen oder geförderten Darlehen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie die Wirtschaftsministerien der Länder geben einen Überblick über Fördermöglichkeiten. So lassen sich im Einzelfall überregionale Förderungen mit regionalen kombinieren. Da die Zugangsbedingungen ebenso variieren, bietet sich eine meist kostenlose Beratung über die Fördermöglichkeiten durch Berater an, die auf Zahnarztpraxen spezialisiert sind.

ZMK: Herr Horvat, dass es Fördermittel gibt, ist allgemein bekannt. Doch welche Möglichkeiten es für wen gibt, spätestens hierbei hört das Wissen der meisten auf. Aber gerade für kleinere Unternehmen gibt es eine Reihe von Förderangeboten. Können auch Zahnärzte diese Angebote in Anspruch nehmen oder gibt es sogar Fördermöglichkeiten speziell für Zahnärzte?

D. Horvat: Da Zahnarztpraxen jeglicher Art in die Kategorie freie Berufe bzw. kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fallen, sind sie, wie alle anderen Unternehmen dieser Kategorie, förderberechtigt. Speziell für Zahnarztpraxen gibt es keine Fördermittel.

ZMK: Welche Förderung ist für Zahnarztpraxen besonders interessant?

D. Horvat: Die meiste Nachfrage zielt auf die Fördermittel für bereits niedergelassene Zahnarztpraxen, um die Beratung durch spezialisierte Unternehmensberater gefördert zu bekommen. Ziel ist hierbei, sich gegen den immer weiter wachsenden Wettbewerb zu rüsten und zu positionieren. Aber auch Existenzgründer nutzen vor Beginn ihrer Niederlassung diverse Fördermittel von Bund und Ländern, um den Praxisstart erfolgreich zu gestalten.

ZMK: Wie sieht so ein konkreter Fall z. B. bei einer niedergelassenen Praxis aus?

D. Horvat: Eine bereits erfolgreiche Praxis möchte z. B. weiter expandieren und den Umsatz und den Gewinn deutlich steigern. Der Praxisinhaber hat den Schwerpunkt in der implantologischen Versorgung. Sein Problem: Er hat immer noch zu wenig Implantatpatienten und weiß nicht, wie er hier eine deutliche Steigerung bzw. einen Zulauf an Patienten erreicht. Wir arbeiten daraufhin mit ihm ein gezieltes Patientenmarketing aus, d. h., er bekommt z. B. Kontakte zu gesetzlichen Krankenkassen, in denen er sich als Spezialist ausweisen kann. Es werden regelmäßig Patientenveranstaltungen organisiert, durch die er neue Patienten gewinnen wird. Seine Internetpräsenz wird analysiert und optimiert, damit er durch diese neuen Patientenzulauf generiert. Parallel dazu wird seine Praxisstruktur optimiert und auf Wachstumskurs gebracht. Das strategische Patientenmarketing ist z. B. eine der Spezialisierungen der conventus, welche wir in der Praxis erfolgreich umsetzen.

ZMK: Was wird denn im Einzelnen gefördert?

D. Horvat: Förderungen beginnen vor der Praxis- bzw. Unternehmensgründung in Form von Zuschüssen für die Beratung oder aber direkten finanziellen Zuwendungen oder Zuschüssen, wie dem Gründungszuschuss oder dem Einstellungszuschuss für Personal. Bei den Beratungsförderungen werden die Beratungskosten für einen spezialisierten Berater bezuschusst. Ziel dabei ist es, die Praxis bzw. das Unternehmen durch gezielte Beratung zu optimieren bzw. wettbewerbsfähig zu machen, um dadurch effizienter am Markt zu agieren.

ZMK: Wie hoch ist die Beratungsförderung maximal?

D. Horvat: Bei der Existenzgründungsberatung schwanken die Zuschüsse je nach Bundesland zwischen 1.200 und 9.100 Euro. Praxen, die nicht länger als 5 Jahre nach Gründung bestehen, werden Fördermittel bis zu 6.000 Euro gewährt. Den bereits niedergelassenen Praxen bzw. Unternehmen, die länger als 5 Jahre am Markt bestehen, werden bis zur Praxisabgabe insgesamt 3.000 Euro gewährt.

ZMK: Gibt es bestimmte Kriterien, die erfüllt werden müssen?

D. Horvat: Bei der Beratungsförderung muss der Berater als akkreditierter Berater der KfW-Mittelstandsbank ausgewiesen sein. Voraussetzung dafür sind eine Mindestjahresanzahl von Erfahrung in der Beratung und eine nachgewiesene Mindestreferenzanzahl an zufriedenen Kunden. In der KfW-Beraterbörse sind bundesweit alle Berater nach Erfahrungen bei der Beratung von Ärzten/Zahnärzten und Arzt- bzw. Zahnarztpraxen sortiert.

ZMK: Im Umkehrschluss: Gibt es auch Ausschlusskriterien?

D. Horvat: Je nach Förderprogramm gibt es bestimmte Kriterien, die erfüllt sein müssen. Nicht gefördert werden Rechts-, Versicherungs- und Steuerberatungen, die Ausarbeitung von Verträgen, Beratung zu Buchführungsfragen, zur Erstellung von EDV-Software oder zur Aufstellung von Jahresabschlüssen. Auch Krisenberatungen werden nicht unterstützt.

ZMK: Ist die Rechtsform der Praxis für eine Förderung bedeutsam?

D. Horvat: Da Praxen in der Regel als Personengesellschaft geführt werden, gibt es hier keine Einschränkungen. Aber auch Kapitalgesellschaften werden gefördert, wenn sie weniger als 250 Personen beschäftigen.

ZMK: Habe ich einen Rechtsanspruch auf die Beratung?

D. Horvat: Wie bei Förderinstrumenten üblich, besteht kein Rechtsanspruch auf die Gewährung des Zuschusses. Die Förderung erfolgt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Jeder Zuschussantrag wird vom zuständigen Amt oder der zuständigen Behörde individuell auf seine Förderfähigkeit, d. h. hinsichtlich der formellen und inhaltlichen Anforderungen der Richtlinien, geprüft.

ZMK: Was muss ich als Zahnarzt tun, um Fördermittel zu beantragen?

D. Horvat: Im ersten Schritt muss man unter www.kfwberaterboerse. de einen akkreditierten Berater der KfW-Mittelstandsbank für sich auswählen. Es ist sinnvoll, einen Berater zu kontaktieren, der sich in der Nähe der Praxis befindet. Im zweiten Schritt beantragt man unter www.beratungsfoerderung.net das jeweilige Förderprogramm. Der Ablauf wird aber letztendlich in einem persönlichen Gespräch abgestimmt.

ZMK: Welche Unterlagen benötige ich?

D. Horvat: Dem Antragsformular sind der Beratungsbericht, die Beraterrechnung, der Kontoauszug als Zahlungsnachweis und die bereits erhaltenen „De-minimis“-Bescheinigungen des Antragstellers beizufügen.

ZMK: Gibt es Fristen zu beachten?

D. Horvat: Die Zuschussanträge sind nur bei einer der zugelassenen Leitstellen einzureichen. Die vollständigen Antragsunterlagen müssen der Leitstelle spätestens 3 Monate nach Abschluss der Beratung und Zahlung der Beratungskosten vorliegen.

ZMK: Wie ist dann der Ablauf?

D. Horvat: Man definiert mit dem ausgewählten Berater den Auftrag, den Zeitrahmen und die Honorarkosten. Alles Weitere wird dann in der Regel vom Berater eingeleitet.

ZMK: Kann ich die Förderung mehrfach in Anspruch nehmen?

D. Horvat: Bei einer sogenannten „allgemeinen Beratung“ – hier liegt der Schritt in die Selbstständigkeit (die Praxis- oder Existenzgründung) schon länger als 5 Jahre zurück – werden bis zu 75 % (neue Bundesländer) oder 50 % (alte Bundesländer) der Beratungskosten erstattet. Maximal beträgt der Zuschuss 1.500 Euro je Beratung. Auch allgemeine Beratungen können wiederholt (bis zu zweimal) gefördert werden. Damit steht hier insgesamt nochmals bis zu 3.000 Euro Beratungskostenzuschuss zur Verfügung, der einem den Zugang zu professioneller Beratung gegen Entgelt erleichtern soll.

ZMK: Kann ich für die Beratung meiner Praxis das Unternehmen frei wählen oder gibt es hier spezielle Berater?

D. Horvat: Nur Berater, die als akkreditierte Berater der KfW-Mittelstandsbank ausgewiesen sind, können gebucht werden. Der Berater darf keine Produkte verkaufen oder für steuerliche und rechtliche Beratung Honorare einfordern. Es hat natürlich Sinn, sich als Zahnarzt an einen auf Zahnarztpraxen spezialisierten Berater zu wenden, denn das spezialisierte Fachwissen entscheidet am Ende über den Erfolg.

ZMK: An wen kann ich mich wenden, wenn ich mich individuell zu Fördermitteln beraten lassen möchte? Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

D. Horvat: Erste Anlaufstelle ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Unter www.beratungsfoerderung.net kann man vorab schon sehr viele Informationen erhalten. Unternehmen wie die conventus GmbH informieren grundsätzlich erst einmal kostenfrei über die möglichen Fördermittel für Zahnarztpraxen. Die Beratungskosten sind individuell je nach Auftrag und werden vor Beginn der Tätigkeit mit dem Antragssteller klar definiert.

Herr Horvat, herzlichen Dank für das Gespräch.

 


Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat

Bilder soweit nicht anders deklariert: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat


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