Praxisführung


Finanzplanung für den Ruhestand

Zahnmediziner haben vieles – nur nicht Zeit für ihre eigenen Finanzen. Dabei wäre eine solide Finanzplanung so wichtig für die Ruhestandsplanung oder den Vermögensaufbau. Ein Wegweiser durch ein Dickicht von Steuern, Renditen und Ausgabepositionen.

Zahnarzt Frank Hofmann (45) ist Eigentümer einer überdurchschnittlich gut laufenden Praxis, in die er sehr viel Zeit, Arbeit und Engagement investiert. Mit seinem zu versteuernden Einkommen von durchschnittlich 250.000 Euro jährlich hat er einen guten Lebensstandard für sich und seine Familie aufgebaut. Er lebt in einem Einfamilienhaus, hat zwei Kinder, die wahrscheinlich in etwa neun Jahren studieren werden, seine Frau kümmert sich um die Familie und arbeitet auf der Basis eines Minijobs in der Praxis organisatorisch mit.

Diese beschriebene Situation ist konstruiert, beschreibt aber ein weitverbreitetes Phänomen. Der Praxis und dem Familienleben ist alle Aufmerksamkeit gewidmet. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin haben generell immer zu wenig Zeit für Privates, das über diese beiden Verpflichtungen hinausgeht. Eine Finanz- oder Vermögensplanung empfinden sie meist als Belastung und schieben sie weit vor sich her. Sie fühlen sich in Finanzfragen oft nicht souverän und delegieren sie an ihren Steuerberater und Bankberater. Diese schlagen hierfür mit Kosten zu Buche.

Einmal jährlich verlangt die Bank von Herrn Hofmann eine Vermögensaufstellung. Die Verbindlichkeiten für sein Haus betragen noch über 500.000 Euro, welche er unter anderem mit einem Bausparvertrag finanziert. Beim Praxisdarlehen liegt der Schuldenstand konstant bei 340.000 Euro, da er dieses Darlehen endfällig über eine Lebensversicherung anspart. Herr Hofmann geht davon aus, dass alle Darlehen zum 60. Lebensjahr zurückbezahlt sind.

Parallel will er mehr in seine Altersvorsorge investieren, als nur Beiträge an das Versorgungswerk und in diverse Lebensversicherungen abzuführen. Er plant, nicht bis zum offiziellen Rentenalter auf dem aktuellen Belastungsniveau weiterzuarbeiten. Aktuell beschäftigt ihn der Gedanke, zusätzlich noch in eine Immobilie als Kapitalanlage zu investieren. Sein Wunsch ist, noch vor dem regulären Ruhestand von den Früchten seiner Arbeit zu profitieren und sich seinen gewohnten Lebensstandard zu erhalten, um eben später auf nichts verzichten zu müssen. Wenn er jährlich die Nachweise und Finanzstände seiner Policen bekommt, erscheinen ihm diese wenig rentabel und sinnvoll. Er ist verunsichert – reagiert aber in einem solchen Moment wie viele: Er legt die Papiere ab und spart fleißig weiter wie gehabt.

Hofmanns gesamtes Engagement – das Versorgungswerk, Lebensversicherungen, Fondsparpläne und nun eventuell die Immobilie zur Vermietung – sind nur finanzierbar, wenn seine Praxiszahlen auf dem bisherigen Niveau bleiben. Was aber, wenn die Planzahlen nicht aufgehen, wenn eine Krankheit ihn zwingt, die Praxisleistung zu reduzieren, und die Finanzverträge ihre Prognosen am Ende nicht erfüllen? Was, wenn eine Zinswende die Darlehen am Ende der Zinsfestschreibung teurer machen? Um diese Fragen beantworten zu können, ist eine Finanzplanung, die das gesamte finanzielle Engagement von Hofmann abbildet und in die Zukunft simuliert, unumgänglich. Diese zu erstellen, erfordert einen unabhängigen Finanzanalysten, der keine Produkte verkauft, sondern Beratung anbietet. Dieser geht wie folgt vor:

Einnahmen und Ausgaben

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
Ziel ist es, die gesamte Einnahmen- und Ausgabensituation zu erfassen. Die Basis bildet auf der Einnahmenseite das letzte zu versteuernde Jahreseinkommen. Zu ermitteln ist der tatsächliche Cash-Flow einschließlich der Abschreibungen. Aus konstanten Praxisgewinnen kann der durchschnittliche Gewinn als Basis für die langfristige Liquiditätsentwicklung herangezogen und daraus auch die steuerliche Durchschnittsbelastung ermittelt werden.

Zur Einnahmenseite zählen überdies Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden, das Kindergeld sowie Einnahmen des Partners. Die Ausgabenseite ist im Gegenzug viel komplexer: Zins- und Tilgungsleistungen für das Immobilien- und Praxisdarlehen bilden mit den höchsten Liquiditätsabfluss, gefolgt von den Beiträgen für diverse Altersvorsorge- und Sparverträge. Der Beitrag für das Versorgungswerk, die private Krankenversicherung und diverse Risikoabsicherungen für das Haus und die Familie sind weitere Ausgabenpositionen. Bei den Lebenshaltungskosten sollten neben den Ausgaben rund um das Haus, Lebensmittel und Kleidung nicht die Ausgaben für den jährlichen Urlaub, Hobby und Freizeitgestaltung vergessen werden.

Diese Einnahmen- und Ausgabenbilanz kann ein kompetenter Finanzplaner auf die gesamte Zeitachse bis zur Rente und darüber hinaus simulieren. Er errechnet, welche freie Liquidität nach allen Ausgaben langfristig zur Verfügung steht. Auch künftige Sonderausgaben wie Studienkosten der Kinder fließen mit in die Planung ein. Anhand dieser Planung kann der Finanzplaner zudem erkennen, ob sich sein Kunde zusätzlich eine Immobilie als Kapitalanlage überhaupt leisten kann. Und so bekommen der Zahnarzt oder die Zahnärztin die notwendige Sicherheit für zukünftige Entscheidungen und können diese bewusst treffen.

Vermögen und Verbindlichkeiten

  • Vermögensbilanz.

  • Vermögensbilanz.
Diese Bilanz gibt am Ende Auskunft über die Vermögenssituation. Die Vermögenswerte setzen sich zum einen aus den Verkehrswerten von Immobilien zusammen. Ein unabhängiger Analyst bleibt in der Bewertung realistischer als der Eigentümer, der vielleicht doch der Versuchung erliegt, seine Vermögenssituation schönzurechnen. Auch eine Wertsteigerung einer eigengenutzten Immobilie anzunehmen, sollte der Anleger eher vermeiden. Im nächsten Schritt gilt es, alle Rückkaufswerte von privaten Lebens- und Rentenversicherungen zu erfassen, die entweder zur Finanzierung oder Altersvorsorge dienen. Diese lassen sich direkt bei den Gesellschaften erfragen. Bankguthaben, Wertpapierdepots, Bausparverträge und sonstige Kapitalwerte, die über eine Verzinsung und Renditeentwicklung verfügen, sollten unter dem Bereich Kapitalvermögen erfasst werden. Der geschätzte Praxiswert setzt sich aus den materiellen und immateriellen Werten zusammen. Auch hier rechnet der Finanzanalyst eher mit moderaten und realistischen Zahlen. Ein grober Maßstab ist der durchschnittliche Gewinn, der mit 70 bis 80 % für den immateriellen Wert als Bemessung dient. Den materiellen Wert liefert das Inventarverzeichnis.

Die Verbindlichkeiten teilen sich in drei Kategorien auf: in Immobiliendarlehen von eigengenutzten und fremdvermieteten Objekten sowie in Betriebs- bzw. Praxisdarlehen. Sonstige Darlehen sind in der Regel private Verbindlichkeiten. Wichtig ist es, zu unterscheiden, welche Darlehen steuerlich verwertbar sind und bei welchen die Zinsen absetzbar sind. Entscheidend ist hier, dass man die Entwicklung der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten auf die gesamte Zeitachse simuliert und somit erkennt, wann der Zahnarzt z. B. frühestens entschuldet ist und welche Vermögenswerte zum Rentenbeginn realistisch sind. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Inflation, die Einfluss auf die Entwicklung der Vermögenswerte nimmt. Denn am Ende ist das Realvermögen unter Berücksichtigung der Inflation für die Planung entscheidend.

Basis für finanzielle Entscheidungen

Die vorliegenden Werte müssen nun auf den gesamten Planungszeitraum hochgerechnet werden. Erst dann lassen sich die Auswirkungen aller zusammenhängenden Zahlungsströme erkennen und analysieren. Entscheidend ist einerseits, die tatsächliche Liquidität, die nach Abzug aller Ausgaben zur Verfügung steht, und andererseits, wann die Schuldenfreiheit und finanzielle Unabhängigkeit eintreten.

Festzuhalten ist hierbei, dass eine Investition in eine fremdvermietete Immobilie die Liquidität deutlich strapaziert – und ein möglicher Umsatzrückgang zu einem großen Risiko werden kann. Nur mit einer strategischen Finanzplanung sind solche Erkenntnisse und Entscheidungen möglich. Ruhestandsplanung verlangt nach Sicherheit.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat


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