Praxisführung


Dentalhygiene als Profession

10.09.2020

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Zahnärzte, die ihr Praxispersonal in ihrer Fort- und Weiterbildung unterstützen, steigern nicht nur die Behandlungsqualität, sondern auch die Motivation und den Teamgeist jedes einzelnen Praxismitarbeiters. Eine Weiterbildung der Praxismitarbeiter lohnt sich für den Praxisinhaber auch deshalb, da heutzutage Patienten ein hohes Gesundheitsbewusstsein haben und daher vermehrt auch professionelle Präventionsmaßnahmen in Anspruch nehmen.

Eine Spezialisierung gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen der Zahnmedizin. Was die Zahnärzteschaft schon lange vorlebt, zeichnet sich auch bei den Möglichkeiten von delegierbaren Leistungen ab. Abgesehen von Verwaltungstätigkeiten, kommt der Prophylaxe ein besonders hoher Stellenwert zu. Denn die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben, sodass deutsche Zahnarztpraxen gerne qualifiziertes Personal wie die Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin (ZMP), die Zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF) oder die Dentalhygienikerin (DH) einstellen. Bei derzeit ca. 1.600 praktizierenden DHs in Deutschland weist diese Berufsgruppe den noch geringsten Anteil auf, obwohl die Praxisinhaber einen nicht unerheblichen Praxisnutzen haben.

„Darf ich vorstellen: unsere Dentalhygienikerin …“

… so oder so ähnlich wird die DH vom Zahnarzt den Patienten vorgestellt. Der Grund hierfür liegt sicher nicht an der „Mangelware der DH“ – sie spiegelt vielmehr die Vielseitigkeit im Einsatz des täglichen Praxisalltags und der Entlastung der eigenen Person wider. Häufig werden die Präventionsmaßnahmen wie z.B. die PZR von Behandler(inne)n mit sehr unterschiedlichem Qualifikationsniveau, Zeit- und instrumentellem Aufwand ausgeführt. Diese Unterscheidungen finden sich nicht nur von Praxis zu Praxis, sondern eben auch oft in der eigenen Praxis wieder. Aufgrund der intensiven Aus- und Fortbildung besitzen die Dentalhygienikerinnen ein sehr fundiertes Fachwissen und meist auch eine langjährige Berufserfahrung, sodass der Umgang mit dem Patienten und im Team souverän, professionell und kompetent ist.

Nutzwert für den Praxisinhaber

Eine Dentalhygienikerin etabliert ein in sich schlüssiges Prophylaxekonzept in der präventionsorientierten und qualitätsbewussten Zahnarztpraxis, welches nicht nur die Praxisphilosophie, sondern auch aktuelle Behandlungskonzepte nach wissenschaftlichen Leitlinien integriert und umsetzt. Nicht selten übernimmt die DH die Führungsposition in der Prophylaxeabteilung. Sie ist Weiterbildungen gewohnt, lernt gerne dazu und gibt das Wissen an ihr Team, z.B. durch interne Schulungen oder Teambesprechungen, weiter.

Verantwortungsbewusst delegiert sie nicht nur mögliche Behandlungsleistungen (diese Aufgaben sind im Zahnheilkundegesetzt beschrieben), sondern kontrolliert und überwacht diese im Rahmen eines Qualitätsmanagements. Die Dentalhygienikerin ist, wie auch die Kolleginnen in ihrer Abteilung, für die Vor- und Nachbereitung ihres Behandlungsplatzes verantwortlich und für die organisatorischen und administrativen Abläufe in ihrem Fachbereich. Überdies unterstützt sie gern bei der Planung und Bewirtschaftung der für die einzelnen durchgeführten Behandlungssitzungen benötigten Materialien und Geräte. Kurzum – mit einer Dentalhygienikerin wird sich der Praxisinhaber nicht mehr um die Prophylaxeabteilung kümmern müssen.

Mit einer Dentalhygienikerin hat die Zahnarztpraxis eine hochqualifizierte Mitarbeiterin, die den Praxisinhaber in erheblichem Maß in fast allen Bereichen unterstützt und entlastet, einschließlich der Praxisorganisation und dem Praxis-/Prophylaxemanagement. Diese Mitarbeiterin ist nicht nur gewohnt, sich weiterzuentwickeln, sie hat auch eine hohe Bereitschaft, sich permanent weiterzubilden. Sie setzt sich außerdem kritisch mit den neuen Erkenntnissen auseinander und prüft die Tauglichkeit für die eigenen vier Wände. So können im Gespräch mit der Geschäftsleitung Behandlungsstrategien weiterentwickelt werden.

Nutzwert für die Patienten

Die DH wird mit dem Patienten die geplante Therapie ausführlich besprechen, ihn in der Behandlungsphase begleiten, Rücksprache mit dem Zahnarzt nehmen und während der ganzen Betreuungsphase eine kompetente Ansprechpartnerin sein. Selbst bei schwierigen oder kritischen Situationen kann sie bei Lösungsansätzen als Vertrauensperson unterstützend wirken. Der Patient erfährt, was er zur Optimierung der Mund- und Allgemeingesundheit selbst dazu beitragen kann, und wird in jeder Sitzung motiviert und instruiert.

Der Tätigkeitsbereich der Dentalhygiene umfasst im Wesentlichen die Prävention und nichtinvasive Therapiemaßnahmen der oralen Biofilm-induzierten Erkrankungen. Im Detail sind es u.a. die Kariesprävention, ggf. die nichtinvasive Therapie von initialen kariösen Läsionen, die Prävention und Therapie der Parodontitis, soweit es sich um nichtinvasive, nichtchirurgische Maßnahmen in der antiinfektiösen Therapie und besonders auch in der Erhaltungsphase der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) handelt.


Anmerkung der Redaktion

Zugangsvoraussetzung

Zugangsvoraussetzung für die berufliche Fortbildung zum/zur Dentalhygieniker/in (DH) ist eine abgeschlossene Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte/r (ZFA), zunächst eine Fortbildung zum Zahnmedizinischen Prophylaxeassistenten (ZMP) und einige Jahre Berufstätigkeit. In einigen Ländern besteht auch die Möglichkeit, Dentalhygiene an Hochschulen zu studieren (Bachelor-Studiengang Dentalhygiene und Präventionsmanagement).

Art der Fortbildung

Die Fortbildung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Ob Sie sich bei einer (nebenberuflichen) Weiterbildung oder im Rahmen eines Bachelor-Studiums (berufsbegleitend oder in Vollzeit) zur DH ausbilden lassen möchten, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist vor allem eine Frage der persönlichen Vorlieben und zeitlichen Möglichkeiten.

Anbieter

Die Ausbildung wird unter anderem von zahnmedizinischen Fortbildungszentren, Akademien für zahnärztliche Fort- und Weiterbildung, Zahnärztekammern, verschiedenen Fortbildungsinstituten und auch als Studiengang an Universitäten angeboten.

Weitere Informationen

Interessierte finden Details hierzu auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/Innen e.V.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: DH Vesna Braun


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