Abrechnung


Das korrekte Vorgehen bei der Berechnung eines angemessenen Steigerungsfaktors

Da unsere derzeitige Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) seit 1988 keine Punktwertanpassung erfahren hat, ist die Erhöhung des Steigerungsfaktors oft die einzige Möglichkeit, ein adäquates Honorar für die erbrachte Leistung zu erzielen. Die Gebührenordnung für Zahnärzte sieht im § 5 vor, dass ein Überschreiten des 2,3-fachen Satzes nur dann zulässig ist, wenn die erbrachte Leistung einen erhöhten Schwierigkeitsgrad, einen erhöhten Zeitaufwand oder besondere Umstände bei der Ausführung aufweist. Diese Besonderheiten dürfen nicht bereits in der Leistungsbeschreibung enthalten sein.

 

 

 

 

GOZ § 5
Die Höhe der einzelnen Gebühr bemisst sich nach dem Einfachen bis Dreieinhalbfachen des Gebührensatzes. Gebührensatz ist der Betrag, der sich ergibt, wenn die Punktzahl der einzelnen Leistung des Gebührenverzeichnisses mit dem Punktwert vervielfacht wird. Der Punktwert beträgt ab 01.01.2002 5,62421 Cent. Bei der Bemessung von Gebühren sind Bruchteile von Cent auf volle Centbeträge abzurunden.

Innerhalb des Gebührenrahmens sind die Gebühren unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistungen sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen zu bestimmen. Die Schwierigkeit der einzelnen Leistung kann auch durch die Schwierigkeit des Krankheitsfalles begründet sein. Bemessungskriterien, die bereits in der Leistungsbeschreibung berücksichtigt worden sind, haben hierbei außer Betracht zu bleiben. In der Regel darf eine Gebühr nur zwischen dem Einfachen und dem 2,3-Fachen des Gebührensatzes bemessen werden; ein Überschreiten des 2,3-Fachen des Gebührensatzes ist nur zulässig, wenn Besonderheiten der in Satz 1 genannten Bemessungskriterien dies rechtfertigen. 
In der Praxis sieht das folgendermaßen aus:  Bei einem Patienten soll ein Implantat in Regio 14 inseriert werden. Der Knochen in der Implantatregion ist extrem hart und kompakt. Sowohl das Vorbereiten des Implantatbettes (GOZ 901) als auch das Inserieren des Implantates (GOZ 903) ist aus diesem Grund deutlich erschwert. Diese Besonderheit ist nicht bereits in der Leistungsbeschreibung der entsprechenden Gebührenziffern enthalten. Hier kann nun der Behandler einen Faktor bis zum 3,5-fachen Satz mit Angabe der entsprechenden Begründung wählen, um dem Aufwand gerecht zu werden.
 Unter Umständen reicht in bestimmten Fällen auch der 3,5-fache Satz nicht aus. Der § 5 der GOZ nennt, wie oben beschrieben, unter Punkt 1 Satz 1 die Möglichkeit der Faktorerhöhung bei Angabe einer entsprechenden Begründung bis zum 3,5-fachen Satz. Wenn die Schwierigkeit nun aber so hoch anzusetzen ist, dass auch der 3,5-fache Satz ein unzureichendes Honorar darstellen würde, besteht die Möglichkeit, über den 3,5-fachen Satz hinaus eine freie Vereinbarung mit dem Patienten zu treffen. Dieses ist in § 2(1) GOZ geregelt:
 

 § 2(1) GOZ
„1. Durch Vereinbarung kann eine von dieser Verordnung abweichende Höhe der Vergütung festgelegt werden.“ „2. Eine Vereinbarung nach Absatz 1 zwischen Zahnarzt und Zahlungspflichtigem ist vor Erbringung der Leistung des Zahnarztes in einem Schriftstück zu treffen. Dieses muss die Feststellung enthalten, dass eine Erstattung der Vergütung durch Erstattungsstellen möglicherweise nicht in vollem Umfang gewährleistet ist. Weitere Erklärungen darf die Vereinbarung nicht enthalten. Der Zahnarzt hat dem Zahlungspflichtigen einen Abdruck der Vereinbarung auszuhändigen.“

In diesem Fall wird also vor Behandlungsbeginn eine schriftliche Vereinbarung mit dem Patienten getroffen, die den entsprechenden Steigerungssatz enthält sowie die Erklärung, dass eine Übernahme dieser Kosten durch die Erstattungsstelle möglicherweise nicht in vollem Umfang gewährleistet ist. Die Angabe einer Begründung ist nicht erforderlich. Weitere Erklärungen darf diese Vereinbarung nicht enthalten. Dieses Dokument muss sowohl vom behandelnden Zahnarzt als auch von dem Patienten bzw. dessen gesetzlichem Vertreter unterschrieben werden. Erst dann ist eine rechts- gültige Vereinbarung zustande gekommen.
Ein Beispiel (siehe unten stehende Abbildung bzw. PDF zum Download ): In Regio 16 soll ein Implantat mittels navigierter Implantologie inseriert werden. Hierzu wird präoperativ am Computer das Implantat virtuell platziert. Eine spezielle Software errechnet aus einer Computertomographie- Aufnahme oder dem Röntgenbild die in dieser Region vorliegende Knochenform bzw. -struktur. Da es sich um besondere Umstände bei der Ausführung einer Leistung handelt, verbunden mit einem deutlich erhöhten zeitlichen und technischen Aufwand, kann ein adäquates Honorar hier über die Erhöhung des Steigerungsfaktors erzielt werden. Im folgenden Beispiel vereinbart der Behandler mit dem Patienten den 5,0-fachen Steigerungssatz.

 

 

 

 

 

 

 


Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen.   

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Schnug-Schröder



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