Abrechnung


Bilaterale Knochenaugmentation im UK mit anschließender Insertion von 6 Implantaten zur Aufnahme von Einzelkronen

Basierend auf dem Beitrag „Von herausnehmbar zu festsitzend – ein implantologischer Fallbericht“, der die erfolgreiche Rekonstruktion eines stark atrophierten UK´s beschreibt, gibt unsere

Autorin einen Abrechnungsvorschlag zu dieser gesamten Behandlung.

Der operativen Phase gingen zunächst umfangreiche Beratungs- und Aufklärungsgepräche voraus, die Situation wurde röntgenologisch erfasst und bewertet und nach dem daraus hervorgehenden Befund wurden die einzelnen operativen und prothetischen Behandlungsschritte festgelegt.
Bei einer umfangreichen Beratung über implantologische und knochenaugmentative Maßnahmen ist die Grundlage für die Berechnung die GOZ bzw. die GOÄ. Für eine ausführliche Beratung dieses Umfangs bietet sich neben den „üblichen“ Gebührenziffern (GOÄ 1, GOÄ 3) auch die Berechnung der GOÄ 34 an, die da lautet:
„Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung – ggf. einschließlich Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken – einschließlich Beratung, ggf. unter Einbeziehung von Bezugspersonen“.
Bei Vorliegen einer Kieferkammatrophie im reduziert bezahnten Unterkiefer und den damit in Konsequenz stehenden Folgen (Unzureichender Halt der Prothese, Probleme bei der Nahrungsaufnahme, Unsicherheit des Patienten bei sozialen Kontakten mit Mitmenschen) kann man durchaus von einer nachhaltig lebensverändernden Erkrankung sprechen. Alle weiteren Anforderungen laut Gebührentext (Planung eines operativen Eingriffes, Abwägung der Konsequenzen und Risiken, Beratung etc.) wurden ebenfalls erbracht.
Die anschließende Behandlung wurde in mehreren operativen Einzelschritten durchgeführt, zunächst erfolgte der Knochenaufbau, nach sechs Wochen die Entfernung der Zähne 44 und 45 mit gleichzeitiger Socketpreservation und drei Monate nach Augmentation dann die Implantatinsertion. Weitere sechs Wochen später erfolgten Schleimhauttransplantationen aufgrund stark reduzierter, keratinisierter Gingiva. Anschließend wurden die Implantate freigelegt und mit Einzelkronen versorgt.

Operative Phase:

1. Knochenblocktransplantation im linken und rechten Unterkiefer mit Befestigung der Knochenblöcke durch Osteosyntheseschrauben am ortsständigen Knochen in Intubationsnarkose (siehe Abbildung)
















2. Entfernung der Zähne 44 und 45 in Verbindung mit Socketpreservation

Nach den Zahnentfernungen war nur noch eine dünne Knochenlamelle vorhanden, welche voraussichtlich in kurzer Zeit atrophieren würde. Um dieses zu vermeiden, wird zum Erhalt des bukkalen Gewebevolumens die Extraktionsalveole mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Um ein Einwuchern von Weichgewebe zu verhindern, kann die Alveole ggf. auch noch mit einer Membran abgedeckt werden. Dieses war im vorliegenden Fallbeispiel allerdings nicht notwendig.













3. Insertion von Implantaten regio 34, 35, 36 ,44, 45 und 46




 

 







4. Schleimhauttransplantationen regio 35–37 und 45–47 in Verbindung mit Split-Flap




 









5. Freilegung der Implantate

















6. Prothetische Versorgung der Implantate mit Einzelkronen

Abdrucknahme eine Woche nach Freilegung der Implantate













Abutmenteinprobe















Eingliederung der implantatgetragenen Kronen regio 34,35,36,45,46,47















Eingliederung der Krone regio 48 (die während der gesamten Behandlungszeit noch als Pfeilerzahn für die Teleskopprothese diente)















Die Höhe des Steigerungsfaktors sollte bei allen Gebührenziffern nach § 5 Abs. 2 GOZ/GOÄ angemessen bestimmt werden. Für die Überschreitung des 3,5-fachen Satzes ist vor Behandlungsbeginn nach § 2 Abs. 1 und 2 GOZ sowohl mit dem privat versicherten als auch dem gesetzlich versicherten Patienten eine vorherige abweichende Vereinbarung über die Höhe der Vergütung zu treffen.

Ein Beispiel hierzu:














Besonderheiten bei der Abrechnung dieses Behandlungsfalls beim GKV-Patienten

Wird bei einem gesetzlich versicherten Patienten die o.g. Behandlung durchgeführt, sind die Erstberatung und die erste Röntgenaufnahme (1. Behandlungssitzung) ggf. zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung berechenbar. Alle weiteren Behandlungen werden dann nach vorheriger Vereinbarung komplett nach der privaten Gebührenordnung berechnet.















Für die Suprakonstruktion wird der Patient einen Festzuschuss erhalten, der sich nach der vorliegenden Befundsituation richtet. Es handelt sich um andersartigen Zahnersatz, der direkt mit dem Patienten abgerechnet wird.

Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Ggf. können noch weitere Leistungen hinzukommen. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Schnug-Schröder


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