Abrechnung


Adhäsive Befestigung – Erste Entscheidung zur Streitfrage um die GOZ 2197

Ist die GOZ 2197 neben der GOZ 2060, 2080, 2100 und 2120 berechenbar? Im KZV/Kammerbereich Nordrhein wurde vor Gericht ein Sieg errungen in der Streitfrage, ob die Ziffer GOZ 2197 (adhäsive Befestigung) zusätzlich zur dentinadhäsiven Füllung berechnet werden kann.

In einer aktuellen Gerichtsentscheidung hat das Amtsgericht Bonn (Az. 116 C 148/13) der Argumentation der Zahnärzteschaft in Nordrhein zu folgender Fragestellung stattgegeben: Die Ziffer GOZ 2197 kann nach Ansicht des Richters zusätzlich zu den dentinadhäsiven Füllungen nach GOZ 2060, GOZ 2080, GOZ 2100 und GOZ 2120 als Mehraufwand in Ansatz gebracht werden.

Unter Federführung der ZA AG (Zahnärztliche Abrechnungsgesellschaft Düsseldorf) war ein Musterprozess zu der o.g. Fragestellung angestrebt worden.

Der KZV/Kammerbereich Nordrhein empfahl bereits seit Inkrafttreten der GOZ 2012 diese Berechnungsweise, während andere Kammerbereiche bisher eher die Auffassung vertraten, dass die adhäsive Befestigung bereits im Leistungsinhalt der Ziffern 2060 ff. enthalten sei.

Auch die Bundeszahnärztekammer sah bisher keine Möglichkeit der Nebeneinanderberechung:

„Maßnahmen zur Konditionierung und adhäsiven Verankerung der Restauration sind mit der Gebühr abgegolten.“ (BZÄK , GOZ Kommentar, Stand 25.04.2014)

Die Urteilsbegründung des o.g. Urteils wurde u.a. folgendermaßen formuliert (Auszug):

„Die Leistung nach GOZ 2197 ist weder in der Position 2120 enthalten noch ein bereits notwendiger Bestandteil der Leistung gemäß Position 2120 GOZ.“ „Die adhäsive Befestigung nach Position 2197 GOZ stellt einen Mehraufwand, also einen Zuschlag dar, und ist bei tatsächlicher Erbringung neben jeder adhäsiv befestigungsfähigen Grundleistung gesondert abrechenbar und nicht in der Grundleistung bereits enthalten. Die adhäsive Befestigung ist also eine Mehraufwandvergütung zu jeder tatsächlich vom Zahnarzt adhäsiv befestigten Grundleistung.“

Weiter finden sich folgende fachliche Ausführungen zur Untermauerung dieser Auffassung, die erwartungsgemäß bei zukünftigen Gerichtsentscheidungen herangezogen werden:

„Insbesondere hat der Sachverständige ausgeführt, dass zu der von ihm im Einzelnen beschriebenen mechanisch physikalischen Technik zusätzlich eine chemisch adhäsive Verbindung des Füllwerkstoffes mit dem Zahn möglich ist. Diese zusätzlich chemisch adhäsive Befestigung kann selektiv im Zahnschmelz oder auch zusätzlich im Dentin und damit über die gesamte freigelegte Zahnoberfläche erfolgen. ... Bei einer chemisch adhäsiven Verbindung mit dem Dentin ist bei einer vorher erfolgten Konditionierung eine Wiederbefeuchtung des Dentins erforderlich, um ein Zusammenfallen der Kollagengrundstruktur des Dentins zu verhindern. In die eröffnete Dentinstruktur kann dann ein Primer eingebracht werden, der die Oberfläche des Dentins so verändert, dass eine Anlagerung von Füllmassen möglich ist. Der Primer wandelte dabei die hydrophile Oberfläche des Dentins in eine hydrophobe Oberfläche um. Auf den Primer kann dann zusätzlich ein Haftvermittler aufgetragen werden. Auf die so veränderte Schmelz- und Dentinstruktur kann am Ende eine Füllmasse aufgebracht werden, die im Ergebnis über die aufgetragenen Substanzen zusätzlich chemisch adhäsiv mit dem Zahn befestigt wird.“

„Auch stellt das Konditionieren nicht bereits die adhäsive Befestigung dar. Die adhäsive Befestigung fängt technisch erst nach der Konditionierung an und ist mit einem Rehydrieren, Silanisieren im Sinne eines Primen, Bonden und separaten Lichthärten nicht in der Leistungsbeschreibung nach Position 2120 GOZ enthalten.“

„Die adhäsive Befestigung ist schließlich auch kein Teilschritt der Restauration mit Kompositmaterialien in Adhäsivtechnik (Konditionieren). Sie ist als zusätzlicher Arbeitsschritt zu betrachten und im Sinne eines Mehraufwandes selbstständig zusätzlich abrechenbar.“

Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr werden jedoch ausgeschlossen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Schnug-Schröder


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