Abrechnung


Abrechnungsmöglichkeiten bei periimplantärer Mukositis und Periimplantitis

© Paul Georg Meister/pixelio.de
© Paul Georg Meister/pixelio.de

Am periimplantären Weichgewebe oder gar am Stützknochen können entzündliche Prozesse entstehen, die unbehandelt zum Verlust des Implantates führen können. Dieses geschieht durch unterschiedliche Einflüsse, wie z. B. Allgemeinerkrankungen, fehlendes Recall, unsaniertes parodontal erkranktes Gebiss etc. Zahlreiche Behandlungsansätze sind aus experimentellen und aus klinischen Studien hervorgegangen. Für die Abrechnung ist die Tatsache von Bedeutung, dass, wie die Implantation selbst auch – diese Behandlung bei gesetzlich versicherten Patienten im Rahmen der GOZ privat abgerechnet werden muss. Die Abrechnungsmöglichkeiten der verschiedenen Therapiealternativen werden im folgenden Beitrag vorgestellt.

Periimplantäre Mukositis

Im Gegensatz zur Periimplantitis handelt es sich hierbei um Entzündungsprozesse ausschließlich am periimplantären Weichgewebe. Oberstes Behandlungsziel ist die Behandlung und Beseitigung dieser Entzündung, um eine Abwanderung in Richtung Stützknochen zu stoppen. Eine Möglichkeit besteht nach ausführlicher supra- und subgingivaler Reinigung der Implantatoberfläche z. B. durch Applizieren eines lokalen entzündungshemmenden Medikamentes direkt in die das Implantat umgebende Tasche. Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftlich anerkannte Methode, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Gebührenordnung für Zahnärzte noch nicht existierte. Somit besteht die Möglichkeit der analogen Berechnung der Leistung. Hier bietet sich beispielsweise die Ziffer GOZ 411 analog je Stelle an. Das verwendete Medikament ist zusätzlich berechenbar.

§ 6 (2) GOZ

„Selbstständige zahnärztliche Leistungen, die erst nach Inkrafttreten dieser Gebührenordnung aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt werden, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses für zahnärztliche Leistungen berechnet werden.“ 

Bei der Analogabrechnung zieht man eine nach Art, Kosten und Zeitaufwand gleichwertig zu erachtende Leistung aus der Gebührenordnung für Zahnärzte heran, welche praxisindividuell ermittelt werden sollte. Diese muss laut § 10 (4) GOZ in der Behandlungsrechnung entsprechend gekennzeichnet werden.

 

 § 10 (4) GOZ

„Wird eine Leistung nach § 6 Abs. 2 berechnet, ist die entsprechend bewertete Leistung für den Zahlungspflichtigen verständlich zu beschreiben und mit dem Hinweis ‚entsprechend’ sowie der Nummer und der Bezeichnung der als gleichwertig erachteten Leistung zu versehen.“ 

Die Entfernung der supragingivalen harten und weichen Beläge wird nach der Ziffer GOZ 405 je Implantat berechnet. Hierbei sollte der Aufwand der Leistung bei der Festlegung des Steigerungsfaktors unbedingt Berücksichtigung finden. Auch der Einsatz technischer Hilfsmittel (z. B. Pulverstrahlgerät) kann nicht zusätzlich berechnet werden, sondern nur über einen erhöhten Steigerungssatz abgegolten werden.

Die Berechnung der Entfernung von subgingivalen Belägen erfolgt nach GOZ 407. Die GOZ 407 beinhaltet neben der subgingivalen Konkremententfernung auch die Wurzelglättung und Gingivakürettage.

Der Einsatz eines Soft-Diodenlasers (antimikrobielle photodynamische Therapie) bietet die Chance, durch photochemische Prozesse eine sichere Keimreduktion an der Implantatoberfläche und dem periimplantären Weichgewebe und damit eine weitergehende Verbesserung der Entzündungssituation zu erzielen. Auch hierbei handelt es sich um eine analoge selbstständige Leistung, die gemäß § 6 (2) GOZ, z. B. nach der GOZ 330, berechnet werden kann.

Periimplantitis

Sind die entzündlichen Prozesse bereits weiter fortgeschritten und betreffen mittlerweile auch den Stützknochen, der das Implantat umgibt, ist eine Aufklappung des Zahnfleischs in Form einer Lappenoperation meist unumgänglich. Hierbei können folgende Abrechnungspositionen zum Einsatz kommen:

  • GOZ 409      
    Lappenoperation, offene Kürettage, einschließlich Osteoplastik, je Frontzahn
  • GOZ 410        
    Lappenoperation, offene Kürettage, einschließlich Osteoplastik, je Seitenzahn
  • GOZ 411        
    Auffüllen parodontaler Knochendefekte mit autologem oder alloplastischem Material, je Zahn
  • GOÄ 2442     
    Implantation alloplastischen Materials zur Weichteilunterfütterung als selbstständige Leistung
  • GOZ 413a     
    Membrantechnik analog, gemäß § 6 (2) GOZ 413
  •  GOÄ 2255     
    Freie Verpflanzung eines Knochens oder von Knochenteilen (Knochenspäne).

Evtl. erforderliche Materialien (Knochenersatzmaterialien, Membranen) können gemäß § 4 (3) GOZ zusätzlich berechnet werden. Meist geht all diesen Maßnahmen eine professionelle Zahnreinigung voraus. Auch die Entfernung der Suprakonstruktion und das spätere Wiedereingliedern sollte in einer Kostenvorausberechnung Berücksichtigung finden, da sie ebenfalls Honorar auslösen:

  • GOZ 229        
    (Entfernen der Krone/Suprakonstruktion)
  • GOZ 231        
    (Wiedereingliederung der Suprakonstruktion, je Anker)
  • GOZ 511       
    (Wiedereingliederung einer Brücke)
  • ggf. GOZ 905 
    (Auswechseln Sekundärteil bei zusammengesetztem Implantat).

Evtl. erforderliche Materialien/Sekundärteile können gemäß § 4 (3) GOZ zusätzlich berechnet werden, ebenso zahntechnische Leistungen nach § 9 GOZ.

Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr werden jedoch ausgeschlossen.

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Schnug-Schröder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Schnug-Schröder


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