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Anstellung oder Niederlassung? Gedanken zur Entscheidungsfindung

Gedanken zur Entscheidungsfindung
Gedanken zur Entscheidungsfindung

Der zahnärztliche Beruf unterliegt einem ständigen Wandel. Großartige Innovationen, neue Therapieansätze und außergewöhnliche Behandlungsoptionen haben die zahnärztliche Tätigkeit in den vergangenen Jahren revolutioniert. Durch moderne, faszinierende Möglichkeiten – insbesondere der Digitalisierung, des 3D-Druckes und moderner Materialien – steht die Zahnmedizin erneut wiederum vor einem Paradigmenwechsel. Neben diesen fachlichen Aspekten betrifft dies auch die Art der Berufsausübung.

Für alle jungen Kolleginnen und Kollegen stellt sich im Laufe des Berufslebens die entscheidende Frage nach der beruflichen Zukunft. Noch vor einigen Jahren war der Weg in die Niederlassung bis auf wenige Ausnahmen nahezu selbstverständlich. Demgegenüber stehen Zahnmedizinern heute vielversprechende, auch alternative Wege offen [4].

Faktoren, die den Berufsweg beeinflussen

Prozesse und Erfahrungen der Vergangenheit erlauben Prognosen auf zukünftige Entwicklungen der Art der zahnmedizinischen Berufsausübung. Die Niederlassung in einer Einzelpraxis ist aktuell weiterhin die beliebteste Form der Berufsausübung. Hier zeigt sich seit mehreren Jahren jedoch eine abnehmende Tendenz zugunsten anderer Gestaltungen. Dazu gehören u.a. die Tätigkeit in größeren Einrichtungen wie die Berufsausübungsgemeinschaft, die Praxisgemeinschaft, das MVZ oder die Filialpraxis [4]. Auch die Tätigkeit als angestellter Zahnarzt, als Vertretung oder zur kurzfristigen Entlastung sind gefragt. Die Beschäftigung ohne direkten therapeutischen Patientenkontakt ist gegenwärtig noch selten, erfreut sich jedoch auch kontinuierlich zunehmender Beliebtheit. Beispiele hierfür sind Beschäftigung in Forschung, Lehre, für dentale bzw. medizinische Firmen oder Kostenträgern wie Krankenkassen [5,10]. Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielschichtige und komplexe Summationen von äußeren Einflüssen und persönlichen Präferenzen der betreffenden Kolleginnen und Kollegen.

Exemplarisch für externe, allgemeine, an die Zahnmedizin herangetragene Faktoren können unter anderem die anhaltenden Bevölkerungswanderungen aus strukturschwachen Regionen hin zu Metropolregionen sein, ein steigender Kostendruck im Gesundheitswesen, ein weiterhin zunehmendes Gesundheitsbewusstsein der Patienten und Ähnliches [5,10]. Weitere Kriterien stellen neben der stetigen Zunahme administrativer Tätigkeiten veränderte Chancen in Bezug auf das Einkommen dar [10].

Das durchschnittlich zu erzielende Real-Einkommen niedergelassener Zahnärzte stieg zwar in den vergangenen Jahren leicht an, konnte jedoch die massiven Rückgänge seit den 1970er-Jahren nicht ausgleichen [10]. Insbesondere im Vergleich zu den fachärztlichen Kollegen anderer Fachrichtungen ist das Real-Einkommen deutlich rückläufig; die Investitionen stiegen im selben Zeitraum im zahnmedizinischen Bereich weiter an [10]. Gleichzeitig ist das durchschnittliche Einkommen der angestellten Zahnärzte in den letzten Jahren angestiegen, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem der niedergelassenen Kollegen [7,14].

Ebenfalls ein wichtiger Faktor stellt die fortschreitende Tendenz zur fachlichen Spezialisierung dar. Mit zunehmender Spezialisierung steigt die Tendenz zu Kooperationsformen; bei der allgemeinzahnärztlichen Einzelpraxis sind dabei kapazitätsbedingt Grenzen gesetzt [1].

Auch der deutliche Trend zur Feminisierung des zahnärztlichen Berufes zeigt enormen Einfluss [3]. Schon 2011 wurde für 2017 der sogenannte „gender switch“ prognostiziert – der Wechsel des überwiegenden Geschlechtes innerhalb des Berufsstandes [8]. Auch wenn dieser nach aktuellem Stand noch nicht eingetreten ist, hat der Anteil der zahnärztlich tätigen Kolleginnen stark zugenommen [6]. Die sich daraus ergebenden Entwicklungen wie abnehmende Tendenz zur Niederlassung, flexible Arbeitszeitgestaltung, veränderte Spezialisierungstendenzen und Ähnliches zeichnen sich schon jetzt ab [8].

Mehr denn je wichtig – die Work-Life-Balance

Weiterhin ist der allgemeine Trend bei vielen Berufstätigen zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance zu erkennen [2,13]. Auch bei großer Begeisterung für den eigenen Beruf stehen private und familiäre Interessen zunehmend im Mittelpunkt. Dies führt häufig zu dem Wunsch nach einem reduzierten und individuell gestalteten Arbeitspensum – auch unter Akzeptanz entsprechender finanzieller Einbußen [11]. Insbesondere ist dies ein wichtiger Aspekt für Kollegen, die der Generation Y angehören [9]. Gerade jene stehen jetzt vor der Frage nach der eigenen beruflichen Zukunft.

Unabhängig von allen äußeren Einflüssen und Kriterien müssen junge Kolleginnen und Kollegen zwei entscheidende Fragen beantworten:

1. Die geografische Frage: Wo sieht man den eigenen, persönlichen Lebensmittelpunkt? Bei der Beantwortung dieser Frage gilt es viele individuelle Faktoren zu berücksichtigen. Beispielhaft seien hier genannt: - persönliche Präferenzen, wie städtisches oder ländliches Umfeld - individuelle Flexibilität - persönliche Bereitschaft zur Mobilität - familiäre Situation

2. Die persönliche Frage der individuell präferierten Art der Berufsausübung: Niederlassung oder Anstellung?

Folgende grundsätzliche Gedanken sind bei der Beantwortung dieser Frage essenziell:

  • Ist mir Flexibilität wichtig? Oder möchte ich mich langfristig festlegen?
  • Möchte ich die (wirtschaftliche) Verantwortung für das Unternehmen Zahnarztpraxis tragen?
  • Möchte ich Teil eines Teams sein? Oder möchte ich ein Team führen?
  • Möchte ich in einem vorgegebenen Rahmen arbeiten? Oder möchte ich diesen Rahmen selbst festlegen?
  • Sind mir feste Arbeitszeiten wichtig? Oder bevorzuge ich variable Arbeitszeiten?
  • Möchte ich mich vorrangig/ausschließlich auf die zahnmedizinischen Aspekte konzentrieren? Oder möchte ich einen großen Teil meiner Energie in organisatorische und Verwaltungstätigkeiten investieren?
  • Ist für mich ein sicheres, jedoch geringeres Einkommen wichtig? Oder bevorzuge ich die Chance auf ein höheres Einkommen mit wirtschaftlichen Risiken?
  • Möchte ich nicht auf Freizeit verzichten? Oder bin ich – insbesondere in der Anfangsphase – bereit, auch hohes persönliches Engagement und zeitlichen Einsatz zu erbringen?
  • Bin ich ein Unternehmertyp?

Diese Fragen müssen individuell beantwortet werden. Bewährt hat sich hierbei ein Bewertungssystem. Dabei wird zu jeder Frage eine Einschätzung von 0 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) abgegeben. Dies ermöglicht schließlich eine gute Übersicht über die individuellen Wünsche und Prioritäten [12].

Ist die grundsätzliche Entscheidung zur Niederlassung gefallen, steht der Umsetzung nichts mehr im Wege!

Im folgenden Schritt sollte man für sich Klarheit gewinnen über die eigenen fachlichen und unternehmerischen Stärken und Schwächen. Hierdurch kann man über gezielte Seminare, Kurse, Literatur, Weiterbildungsveranstaltungen und Ähnliches eventuelle Wissenslücken schließen und Schwächen ausgleichen. Auch hat man in dieser Phase noch einmal die Möglichkeit, die getroffene Entscheidung zu sichern und zu bestätigen – oder ggf. auch noch einmal zu korrigieren.

Des Weiteren erhält man hier wichtige Hinweise, Anregungen und Empfehlungen auf die Fragen Standortwahl, Neugründung oder Übernahme, Einstieg in eine bestehende Praxis, Gründung einer Gemeinschaftspraxis, Gründung einer Praxisgemeinschaft etc. Neben Kursen und Seminaren sind in dieser Phase persönliche Berater von unschätzbarem Wert. Dies sind der Steuerberater, der Rechtsanwalt, das Dentaldepot, das Finanzinstitut und Berater für Versicherungsfragen. Der jeweilige Ratgeber sollte im Idealfall ein Experte auf seinem Gebiet und zudem mit der Betreuung zahnärztlicher Praxen vertraut sein.

Abhängig von der individuellen Situation können andere zusätzlich von Bedeutung sein. Beispiele hierfür sind Berater, die auf die Vermittlung von Zahnarztpraxen spezialisiert sind, Gründungsberater und Niederlassungsberater.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang: Beratung heißt „Be-Ratung“. Bei noch so viel Ratschlägen ist und sollte man selbst immer derjenige sein, der die Entscheidungen für die eigene Zukunft trifft; man ist auch derjenige, den die Zukunft „be-trifft“.

Nehmen Sie sich daher unbedingt die notwendige Zeit, Wünsche und Ziele für Ihr Leben zu reflektieren! Dies sollte die Grundlage für Ihre Entscheidung sein, prägnant und treffend formuliert von Ying-an:

„Bei einer Reise von 1.000 Meilen ist der erste Schritt der wichtigste.“ Ich wünsche Ihnen für den weiteren Weg viel Erfolg!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Benjamin Hundeshagen


Egal, ob Zahnmediziner oder Zahntechniker – so sind Sie bestens vorbereitet auf die Neuerungen der Medizinprodukte-Verordnung 2017/745.

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