Finanzen


Versicherungscheckliste zur Praxisgründung

01.03.2018

Die freiberufliche Tätigkeit als niedergelassener Zahnarzt ist auch mit Risiken verbunden. Die persönliche Absicherung sowie die Absicherung der Praxis sind insbesondere in den Anfangsjahren enorm wichtig, da noch kein Eigenkapital vorhanden ist, um Ausfälle auszugleichen. Diese Checkliste soll Ihnen helfen, an die wichtigsten Versicherungen zu denken bzw. diese zu überprüfen.

1. Berufshaftpflichtversicherung

Die Berufshaftpflichtversicherung schützt Sie vor eigenen Fehlern bzw. vor Fehlern, die Ihren Mitarbeitern unterliefen, und die zu einem Schaden geführt haben. Die Versicherungssumme sollte mindestens 3 Mio. Euro betragen – besser sind 5 Mio. oder sogar 10 Mio. Euro. Der Versicherungsumfang muss sämtliche Tätigkeiten beinhalten, die durchgeführt werden. Wichtige Vertragsbestandteile sind die Mitversicherung von Erfüllungsschäden, die Nachhaftungsversicherung bei Aufgabe der Praxis und eine ausreichende Absicherung bei Vermögensschäden. Gute Gesellschaften bieten den sogenannten Kontrahierungszwang an, das heißt, sie verzichten de facto auf das Kündigungsrecht im Schadensfall.

Die Beitragsunterschiede sind enorm. Sehr günstige Angebote mit sehr gutem Versicherungsschutz erhält man schon für unter 250 € Jahresbeitrag inkl. Steuern.

2. Praxisinventarversicherung

Eine Praxisinventarversicherung schützt die Praxis vor den Risiken Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Es werden die Sachschäden ersetzt sowie ein sogenannter Betriebsunterbrechungsschaden, das heißt der Schaden für den Ausfall der Praxis. Enorm wichtige Einschlüsse im Versicherungsschutz sind der Verzicht auf die „Zeitwertklausel“, dies bedeutet, die gesamte Betriebseinrichtung wird immer zum Neuwert ersetzt, der Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit und der Unterversicherungsverzicht im Schadensfall. Die Leistungspraxis der Versicherer hat gezeigt, dass hier Kürzungen schnell vorgenommen werden können. Insofern ist die Qualität des Versicherungsschutzes von entscheidender Bedeutung.

3. Rechtsschutzversicherung

Insbesondere zum Start der Niederlassung ist es wichtig, dass im Vorfeld eine Rechtsschutzversicherung besteht. Denn wichtige Verträge, wie z.B. der Mietvertrag, der Kaufvertrag und Arbeitsverträge, werden vor dem eigentlichen Start der Niederlassung geschlossen. Die Mitversicherung dieser Verträge ist nur dann gegeben, wenn eine Vorsorgeversicherung für die zahnärztliche Niederlassung besteht.

Bei Gemeinschaftspraxen ist darauf zu achten, dass die Partner der Gemeinschaftspraxis jeweils eine eigene Rechtsschutzversicherung abschließen, da ansonsten Streitigkeiten aus der Gemeinschaftspraxis nicht mitversichert sind.

4. Krankentagegeldversicherung

Unabhängig davon, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, ist eine private Krankentagegeldversicherung notwendig. Die Wirtschaftlichkeit der Zahnarztpraxis ist abhängig von Ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit. Wenn diese ausfällt oder eingeschränkt ist, laufen die Kosten der Praxis und die privaten Kosten weiter. Hierfür müssen Sie sich in geeigneter Weise absichern. Wenn das Krankentagegeld nicht in der privaten Vollversicherung abgesichert ist, hat der Versicherer in den ersten drei Jahren ein außerordentliches Kündigungsrecht im Schadensfall. Hiervon weichen einige Gesellschaften ab und es ist unbedingt darauf zu achten, dass diese Möglichkeit ausgeschlossen ist.

5. Private Berufsunfähigkeitsversicherung

Dies ist neben der Krankentagegeldversicherung die wichtigste Absicherung für den niedergelassenen Zahnarzt. Die eingegangenen Verpflichtungen in Form von Krediten und diversen Praxisverträgen sind enorm. Die Leistungen aus den Versorgungswerken sind in der Höhe und vom Grunde nach unzureichend. Eine Berufsunfähigkeitsrente aus dem Versorgungswerk wird nur bei vollständiger Berufsunfähigkeit gewährt. So hat z.B. das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen klargestellt, dass nach der Satzung des Versorgungswerkes derjenige berufsfähig ist, der seine zahnärztliche Tätigkeit auch außerhalb der Praxis wirtschaftlich in irgendeiner Weise nutzen kann. Das heißt, maßgeblich ist nicht die „Arbeit am Stuhl“, sondern jedwede zahnärztliche Tätigkeit, z.B. als Gutachter.

Bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist dagegen die zahnärztliche Tätigkeit „am Stuhl“ versichert. Wenn diese zu mehr als 50% nicht mehr ausgeübt werden kann, wird die Rente bewilligt. Ein Verweisungsrecht ist bei guten Bedingungswerken ausgeschlossen. Im Gegensatz zu den Versorgungswerken wird die Rente auch dann gezahlt, wenn die Praxis weitergeführt werden kann. Die Approbation muss nicht abgegeben werden, man kann weiter seinem Beruf nachgehen.

Ralf Seidenstücker
Vorstand der nucleus Finanz- und Versicherungsmakler AG
Geschäftsführer der Versicherungsstelle für Zahnärzte GmbH
Max-Planck-Straße 4
50858 Köln
seidenstuecker(at)nucleus-ag.de
www.nucleus-ag.de

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