Finanzen


Die Finanzierung einer Zahnarztpraxis – Fünf entscheidende Regeln

17.02.2018
aktualisiert am: 01.03.2018

Ob eine Praxisgründung, -übernahme oder die Neuinvestition in eine bestehende Praxis – für jede dieser Optionen benötigt man Geld! Im Regelfall geliehenes Geld über ein Darlehen der Bank. Doch oft werden bei Finanzierungen Fehler gemacht, die am Ende viel kosten. Die folgenden Regeln sollen eine erste Orientierung für eine solide Finanzierung geben.

Das Finanzierungsvolumen einer Zahnarztpraxis ist sehr stark abhängig von der Gründungsform. Während die Praxisübernahme in eine bestehende Praxis inklusive Umbau- und Nebenkosten bei ca. 260.000 Euro liegt, ist die Investition in eine Praxisneugründung einschließlich Betriebsmittelkredit mit ca. 430.000 Euro deutlich höher angesiedelt. Die Neugründung einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) liegt dagegen bei ca. 350.000 Euro und die Übernahme mit ca. 390.000 Euro knapp darüber. Ferner ist es entscheidend, welche Spezialisierung bzw. Strategie der Zahnarzt verfolgt und welche apparative bzw. gebäudetechnische Ausstattung dafür benötigt wird.

Einige Banken haben sich auf die Finanzierung solcher Vorhaben spezialisiert und bieten Zahnärzten unterschiedliche Finanzierungsmodelle an. Am Ende sollte dem Zahnarzt aber eines klar sein: Er selbst muss imstande sein, durch seine berufliche Tätigkeit das Darlehen wieder zurückzuzahlen. Damit dies ein realistisches Ziel bleibt, sollte man einige Regeln im Auge behalten.

Regel 1: Investitionsmittel strukturieren

Eine Praxisinvestition setzt sich aus verschiedenen Investitionsgütern zusammen. Bei der klassischen Praxisübernahme zahlt man z.B. für den immateriellen Wert den größten Anteil. Zusammen mit dem materiellen Wert wird der Kaufpreis ermittelt, welchen man dann auf eine Laufzeit zwischen 10 und maximal 20 Jahre finanziert. Somit zählt dieser Teil zu den langfristigen Praxisinvestitionen. Neben dem Praxiskaufpreis fallen in der Regel Bau- und Umbaukosten sowie Neuanschaffungen und sonstige Investitionen an. Kosten für z.B. Marketing, Beratungshonorare, die sofort abgeschrieben werden, sollten daher eine kurze Finanzierungsdauer haben, da sie zu den kurzfristigen Praxisinvestitionen zählen. Die erste Regel lautet also, dass die Laufzeit der Finanzierung im Schnitt nicht viel höher sein sollte als die tatsächliche oder steuerliche Lebensdauer (AfA-Zeitraum) der angeschafften Wirtschaftsgüter. Andernfalls kann es passieren, dass die erste Finanzierung noch nicht zurückgezahlt ist, bevor man das finanzierte Wirtschaftsgut ersetzen und wiederum über einen Kredit finanzieren muss. Laufen dann zwei Finanzierungen parallel, so übersteigt dies meist die Zahlungsfähigkeit der Praxis. Folge ist eine drohende Illiquidität.

Regel 2: Finanzierungsart passend zur Investition wählen

Am Ende der gewählten Laufzeit muss das Darlehen zurückgeführt sein. Hier führen 3 verschiedene Möglichkeiten zum Ziel.

Tilgungsdarlehen

  • Abb. 1: Tilgungsdarlehen: Die Tilgung bleibt konstant; die Darlehensrate sinkt.

  • Abb. 1: Tilgungsdarlehen: Die Tilgung bleibt konstant; die Darlehensrate sinkt.
Mit einem – langfristigen – Tilgungsdarlehen werden üblicherweise Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wie z.B. der Praxisumbau oder die Praxiseinrichtung finanziert. Bei einem Tilgungsdarlehen ist die vereinbarte Tilgung über die Darlehenslaufzeit hinweg immer gleich. Dies hat zur Folge, dass im Darlehensverlauf die durch die Tilgung abgeschmolzene Restschuld immer weniger Zinsen kostet und hierdurch die Darlehensrate kontinuierlich sinkt (Abb. 1). Das Tilgungsdarlehen ist daher insbesondere dann zu empfehlen, wenn das finanzierte Wirtschaftsgut „degressiv“ abgeschrieben wird – das impliziert ein hohes Abschreibungsvolumen und damit hohe Steuerminderungen in den ersten Jahren nach der Anschaffung. Mit den hohen Steuerminderungen in den Anfangsjahren können die größeren Darlehensraten in diesen Jahren finanziert werden. Zins- und Tilgungsleistung sind aber auch der Praxisliquidität anzupassen, da bei einer überhöhten Leistung rasch ein Liquiditätsengpass drohen kann.

Annuitätendarlehen

  • Abb. 2: Annuitätendarlehen: Die Darlehensrate bleibt konstant; ersparte Zinsen fließen in die Tilgung.

  • Abb. 2: Annuitätendarlehen: Die Darlehensrate bleibt konstant; ersparte Zinsen fließen in die Tilgung.
Das Annuitätendarlehen ist wie das Tilgungsdarlehen ein Investitionsdarlehen. Es wird regelmäßig dann gewählt, wenn Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens „linear“ abgeschrieben werden, d.h., wenn gleichmäßige Abschreibungen über die gesamte Nutzungsdauer vorliegen. Den gleichmäßigen gewinnmindernden Abschreibungen stehen gleichbleibende Finanzierungsaufwendungen gegenüber, denn die Rate oder Annuität dieses Darlehens bleibt immer konstant. Die Zinsersparnis wird bei sinkender Restschuld zur zusätzlichen Tilgung genutzt (Abb. 2). Durch diesen jährlich steigenden Tilgungsanteil wird eine schnelle Entschuldung erreicht. Hierbei gibt der feste Zinssatz dem Darlehensnehmer Kalkulationssicherheit. Bei der Regelung der Zinsfestschreibung gilt generell: Je länger die Festschreibungszeit, desto höher der Zinssatz. Die aktuellen Zinssätze des Annuitätendarlehens ähneln denen des Tilgungsdarlehens.

Tilgungsaussetzungsdarlehen

  • Abb. 3: Tilgungsaussetzungsdarlehen: Die Zinsen bleiben auf konstanter Höhe; der Betrag für die Endtilgung wird separat angespart.

  • Abb. 3: Tilgungsaussetzungsdarlehen: Die Zinsen bleiben auf konstanter Höhe; der Betrag für die Endtilgung wird separat angespart.
Auch das Tilgungsaussetzungsdarlehen ist ein Investitionsdarlehen. Bei dieser Darlehensform wird während der Darlehenslaufzeit keine laufende Tilgung vorgenommen. Für das Darlehen sind lediglich die Zinsen zu zahlen (Abb. 3). Die Tilgung erfolgt erst am Ende der Darlehenslaufzeit – und zwar in einer Rate. In der Regel wird für die Darlehenslaufzeit ein fester Zinssatz vereinbart. Damit der vollständige Darlehensbetrag zum Laufzeitende erbracht werden kann, wird bei Darlehensabschluss gleichzeitig bei einem Versicherungsinstitut oder einer Fondsgesellschaft ein Sparvertrag abgeschlossen. Bei Fälligkeit der Versicherung oder des Investmentdepots wird am Ende das Darlehen getilgt. Da die Tilgung am Laufzeitende in einer Summe erfolgt, spricht man im Kreditgeschäft auch häufig von einem endfälligen Darlehen oder einem Festdarlehen. Die konstant hohen Zinszahlungen dieser endfälligen Darlehen können als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten geltend gemacht werden. Im Vergleich zu einer Finanzierung mit laufender Tilgung ist damit der Steuervorteil bei diesen Darlehen wesentlich höher. Bei dieser Darlehensart ist das Tilgungssurrogat das wichtigste Element. Versagt dieses aufgrund schlechter Rentabilität, entstehen enorme Finanzierungslücken am Ende der Laufzeit.

Bei der zweiten Regel, der richtigen Wahl der Finanzierungsmittel, muss also darauf geachtet werden, keine teuren oder unflexiblen Kredite abzuschließen. Man sollte die Unterschiede zwischen den Kreditarten kennen, um so das passende Darlehen zur beabsichtigten Investition zu finden.

Regel 3: Fördermittel einbeziehen

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) regelt die Abwicklung der speziell geförderten Kreditprogramme des Bundes und der Landesbanken der jeweiligen Bundesländer. Zahlreiche besonders zinsgünstige Darlehen werden hier angeboten. Die Anträge sind stets über ein Kreditinstitut zu stellen. Zu beachten ist, dass die geplanten und zu finanzierenden Investitionen erst nach Einreichen des Antrages begonnen werden dürfen. Nachfinanzierungen oder Umschuldungen gibt es somit nicht. Das geborgte Geld vom Staat ist zwar zinsgünstig, dafür aber oft schnell zurückzuzahlen, was im Tilgungsplan unbedingt berücksichtigt werden sollte. Fördergelder sind zudem immer von verschiedenen Voraussetzungen abhängig und oftmals in der Höhe begrenzt. Daher ist auch eine Kombination von öffentlichen Krediten und Bankdarlehen möglich und sinnvoll. Regel 3 setzt also voraus, dass man die öffentlichen Mittel gleich am Anfang prüft und die passenden für das Projekt wählt. Dabei müssen die Vor- und Nachteile beleuchtet werden.

Regel 4: nur die nötigsten Sicherheiten

Mit einem Darlehen möchten Banken keinen Verlust machen, deshalb werden Schuldner immer auf ihre Kreditwürdigkeit hin überprüft. Ist eine fristgerechte Rückzahlung der Zins- und Tilgungsleistungen wahrscheinlich, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kredit vergeben wird. Ein solider Finanzplan kann die Entscheidung der Bank dabei positiv beeinflussen.

Auch wenn vorher alles genau kalkuliert ist: Theoretisch kann es passieren, dass die Kreditfähigkeit durch unvorhergesehene Ereignisse beeinträchtigt und die Rückzahlung des Darlehens gefährdet wird. Eine Bank verlangt deshalb Sicherheiten, auf die sie in einem solchen Fall zugreifen kann. Folgende Sicherheiten sind bei einer Praxisfinanzierung üblich:

  • Abtretung von Honorarforderungen
  • Abtretung von Ansprüchen aus einer Kapital- oder Risikolebensversicherung zur Absicherung des Todesfallrisikos – sowohl für die Bank als auch für die Familie
  • Sicherungsübereignung der Praxiseinrichtung

Im Zusammenhang mit solchen Sicherstellungen sind hin und wieder Einwände zu hören. Sie betreffen folgende Punkte:

  • Einschränkung der Verfügungsmöglichkeit
  • Abhängigkeit vom Kreditinstitut
  • Überbesicherung des Kreditinstitutes

Bei der Kreditvergabe geht es der Bank aber eigentlich um die Wirtschaftskraft als Sicherheit. An der Verwertung von Sicherheiten haben Banken prinzipiell kein Interesse. Die Nutzung von Forderungen an Patienten oder Einrichtungsgegenständen aus der Praxis führt selten zur vollständigen Befriedigung der Forderungen der Bank und fast immer zur Zerschlagung der Praxis. Dennoch sollte man der Bank keine zusätzlichen, nachhaltigen Sicherheiten wie Grundschulden auf Immobilien oder Wertpapierdepots anbieten, denn diese wird man später evtl. für private Finanzierungen benötigen.

Regel 5: Betriebsmittelkredit in angemessener Höhe

Der Betriebsmittel- oder Kontokorrentkredit ist kein Investitionskredit. Er soll vielmehr den Geldbedarf des Zahnarztes für Praxisund Lebenshaltungskosten bis zur nächsten Honorarzahlung abdecken. In der Praxisgründungsphase dient er aber auch zur Vorfinanzierung der Anlaufkosten. Der Betriebsmittelkredit ist in der Höhe begrenzt. Die betreffende Summe wird dem Zahnarzt auf sein laufendes Konto überwiesen, wo er seine täglichen Dispositionen abwickelt. Die erforderliche Höhe richtet sich nach den individuellen Verhältnissen: Ausschlaggebend sind hier sowohl Praxis- als auch Lebensführung. Die Höhe wird deshalb im Einzelfall festgelegt. Für die Zeit der Praxisgründung gilt: Die Höhe des Betriebsmittelkredits sollte etwa der Hälfte des Jahresbedarfs der Praxis- und Lebenshaltungskosten, d.h. der liquiden Ausgaben, entsprechen. Über das laufende Konto gehen neben Zahlungen auch Gutschriften – z.B. KZV-Zahlungen. Wie weit das Kreditlimit ausgenutzt wird, unterliegt deshalb ständigen Schwankungen. Bei dem Betriebsmittelkredit ist mit höheren Zinsen zu rechnen, trotzdem bringt er Vorteile: Der Betriebsmittelkredit ist flexibel und wirtschaftlich – und Zinsen müssen nur für den Betrag gezahlt werden, der auch wirklich in Anspruch genommen wird.

Vorbereitung ist wichtig: Das nötige Wissen über Konditionen, Begrifflichkeiten und etwaige Fallstricke sollte sich jeder Kreditnehmer zunächst aneignen, um die Finanzierung mit der Bank selbstsicher angehen zu können.

weiterlesen
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Finanzfachwirt (FH) Davor Horvat


Das könnte Sie auch interessieren:


Zum zweiten Mal heißt es bei PERMADENTAL “Leinen los” für ein spannendes On-Ship Fortbildungsevent für Zahnärzte und Praxismitarbeiter und einem entspannend-genussvollen Spätsommerabend am 5. September ab 17.00 Uhr auf dem Essener Baldeneysee.

Nähere Infos

Am 14. / 15. September 2018 findet unter dem Motto „Zahnerhaltung 2020 - Konzepte - Materialien – Techniken“ die 53. Bodenseetagung der BZÄK Tübingen in der Inselhalle Lindau statt. Parallel hierzu wird die 47. Tagung für Zahnmedizinische MitarbeiterInnen ausgetragen.

Hier erhalten Sie Näheres zur dieser Tagung