Implantologie


Zahnimplantate aus Zirkonoxid – besser als Titanimplantate?

Abb. 1: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Titanimplantates.
Abb. 1: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Titanimplantates.

Seit einigen Jahren drängen vermehrt Implantatsysteme aus Zirkonoxid auf den Markt. Von den Herstellern werden vor allem die verbesserte Ästhetik sowie eine bessere Biokompatibilität gegenüber Titan-Implantatsystemen angeführt. Die Literaturrecherche zeigt, dass bisher im Vergleich zu Titan sehr wenig Daten hinsichtlich Zirkonimplantaten publiziert wurden. Vor allem Langzeitdaten, die über einen Zeitraum von 5 Jahren hinausgehen, fehlen nahezu vollständig. Das Verhältnis der Publikationen zu Zirkon im Vergleich zu Titan beträgt ca. 1 : 17. Für den Behandler stellen sich somit sowohl klinisch-praktische als auch juristische Fragen hinsichtlich dieser Implantate.

Prinzipiell ist Keramik als Implantatmaterial nichts Neues in der Implantologie, wenn man an das Tübinger Implantat aus Aluminiumoxidkeramik denkt. Da diese Implantate seinerzeit mit Problemen wie Implantatverlust und einer sehr hohen Frakturrate in der Langzeitbeobachtung behaftet waren, ist der Ruf von „Keramik“ als Implantatmaterial nicht der beste. Dazu muss gesagt werden, dass Aluminiumoxid ein extrem sprödes Material ist, was zu den o. g. Frakturen führte. Des Weiteren war die Osseointegration aufgrund der geringeren Rautiefe deutlich schlechter als bei den heutigen Zirkonimplantatsystemen (Abb. 1 u. 2).
Zirkon steht in der 5. Hauptgruppe des Periodensystems und ist somit ein Metall, während Zirkon(di)oxid eine Metalloxidkeramik ist, welche keinerlei metallische Eigenschaften mehr aufweist. Das Material besitzt eine Polygonstruktur und ist pseudoelastisch, wodurch sehr hohe Festigkeiten erreicht werden. Hinsichtlich der Rauigkeit sind Zirkonimplantate heute noch nicht mit Titanimplantaten vergleichbar. Die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren wird zeigen, ob bei Zirkonoxid vergleichbare Werte erreicht werden.

Zirkon vs. Titan

Ein wesentlicher Unterschied von Zirkonimplantaten zu Titanimplantaten ist die Tatsache, dass die Implantate aus einem Stück gefertigt sind, das bedeutet, dass auf Abutments verzichtet wird. Dieses Implantatdesign ist aufgrund der mechanischen Schwierigkeiten, die bei der Verbindung zwischen zwei Zirkonwerkstücken auftreten, derzeit der Standard. Mittlerweile gibt es zwei Hersteller auf dem Markt, die teilbare Zirkonimplantate anbieten, allerdings liegen für diese Systeme noch keinerlei Langzeitergebnisse vor.
Die Nachteile der einteiligen Implantate sind Limitationen hinsichtlich der prothetischen Möglichkeiten, da im Vergleich zu Titanimplantaten natürlich nicht mit angewinkelten Abutments gearbeitet werden kann. Die Implantate können zwar bis zu einem gewissen Grad enoral beschliffen werden, allerdings nur in sehr geringen Grenzen. Des Weiteren ist das enorale Beschleifen aufgrund der extremen Härte des Materials nicht gerade einfach. In manchen Fällen kann eine 3D-Planung mit Bohrschablone sehr hilfreich sein. Die einteiligen Systeme erfordern insbesondere in den ersten 6 Wochen der Einheilphase ein extremes Augenmerk hinsichtlich horizontaler und vertikaler Kaukräfte. Die Implantate müssen sehr sorgfältig vor solchen externen Kräften geschützt werden, wodurch sich die Frage der Sofortbelastung erübrigt. Zum Schutz der Implantate hat sich unmittelbar postoperativ eine entsprechend ausgeblockte Tiefziehschiene bewährt. Nach ca. einer Woche bietet sich dann ein Flexiplast-Provisorium an.
Die einteiligen Systeme haben aber auch Vorteile, da kein Mikrospalt zwischen Implantat und Abutment besteht. Dieser fehlende Mikrospalt dürfte mit dafür verantwortlich sein, dass die Gingiva sich extrem fest an den Implantaten anlagert. Ferner ist die Versorgung der eingeheilten Implantate denkbar einfach, da es sich im Prinzip bereits um einen beschliffenen Stumpf handelt, welcher lediglich abgeformt werden muss. Damit werden die höheren Implantatkosten teilweise ausgeglichen, da keine Kosten für die Abutments anfallen.
Hinsichtlich der Ästhetik ist zu sagen, dass das Material der derzeit am Markt verfügbaren Zirkonoxidimplantate schneeweiß ist. Liegt ein solcher Implantathals frei, so ist das zwar immer noch besser wie ein freiliegender Titanhals, allerdings wirkt das weiße Implantatmaterial ebenfalls unnatürlich.
Ob Zirkonoxidimplantate besser sind als Titanimplantate lässt sich mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht beantworten. Mit Zirkonoxid steht eine Alternative zu Titan zur Verfügung, wobei sich erst in den nächsten Jahren zeigen wird, ob die Langzeitergebnisse die derzeitigen Daten bestätigen.

Das Implantatsystem

Am Beispiel des bredent WhiteSky-Systems soll ein Zirkonoxid-Implantatsystem vorgestellt werden. Einen erfahrenen Implantologen wird das System vor keine größeren Schwierigkeiten stellen, da alle Komponenten aus der Impantologie bereits bekannt sind. bredent verwendet darüber hinaus für die Zirkonoxidimplantate dieselben Werkzeuge, welche auch für das Titansystem verwendet werden. Somit kann mit einer OP-Kassette gearbeitet werden (Abb. 3). Die Abbildung 4 zeigt das Bohrerset, welches zum Beschleifen der Implantate empfohlen wird. Die Abbildung 5 zeigt das Zirkonoxid-Implantat.

  • Abb. 2: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Zirkonimplantates.
  • Abb. 3: Implantatsystem bredent (Titan und Zirkonoxid).
  • Abb. 2: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Zirkonimplantates.
  • Abb. 3: Implantatsystem bredent (Titan und Zirkonoxid).

  • Abb. 4: Diamanten zum Beschleifen der Zirkonimplantate (WhiteSky, bredent).
  • Abb. 5: Zirkonoxidimplantat WhiteSky, Firma bredent.
  • Abb. 4: Diamanten zum Beschleifen der Zirkonimplantate (WhiteSky, bredent).
  • Abb. 5: Zirkonoxidimplantat WhiteSky, Firma bredent.

Patientenfall 1

Die Abbildung 6 zeigt das präoperative Panoramaröntgen mit einer Freiendsituation beidseits. Die Nervdarstellung veranschaulicht die Abbildung 7 anhand des DVT-Datensatzes. Im vorliegenden Fall sind 13,8 mm Knochenangebot vorhanden (Abb. 8). Das postoperative Panoramaröntgen zeigt die Situation unmittelbar postoperativ (Abb. 9, System: Z-Systems). Freiendsituationen sind eher anspruchsvoll, da es relativ schwierig ist, die Implantate vor den Kaukräften entsprechend zu schützen.

  • Abb. 6: Präoperatives Panoramaröntgen, beidseits Freiend-Situation im Unterkiefer.
  • Abb. 7: Präoperatives DVT, Nervdarstellung.
  • Abb. 6: Präoperatives Panoramaröntgen, beidseits Freiend-Situation im Unterkiefer.
  • Abb. 7: Präoperatives DVT, Nervdarstellung.

  • Abb. 8: Regio 46, Knochenangebot bis zum Mandibularkanal 13,8 mm.
  • Abb. 9: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem: Z-Systems).
  • Abb. 8: Regio 46, Knochenangebot bis zum Mandibularkanal 13,8 mm.
  • Abb. 9: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem: Z-Systems).

Patientenfall 2

Der folgende Patientenfall eignet sich ideal, um mit Zirkonimplantaten zu beginnen. Es liegen Schaltlücken 36 und 46 vor (Abb. 10). Im DVT zeigt sich ein ideales Knochenangebot von 10,5 x 17 mm (Abb. 11). Die Implantation sollte in diesem Fall problemlos gelingen (Abb. 12). Abbildung 13 zeigt das Flexiplast-Provisorium zum Schutz der Implantate während der Einheilphase (System: Z-Systems).

  • Abb. 10: Präoperatives Panoramaröntgen, Schaltlücken 36 und 46.
  • Abb. 11: Präoperatives DVT, Knochenangebot 10,5 x 17 mm.
  • Abb. 10: Präoperatives Panoramaröntgen, Schaltlücken 36 und 46.
  • Abb. 11: Präoperatives DVT, Knochenangebot 10,5 x 17 mm.

  • Abb. 12: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem: Z-Systems).
  • Abb. 13: Flexiplast Provisorium zum Schutz der Zirkonoxidimplantate.
  • Abb. 12: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem: Z-Systems).
  • Abb. 13: Flexiplast Provisorium zum Schutz der Zirkonoxidimplantate.


Patientenfall 3

Es liegt eine Schaltlücke 33 bis 36 vor, Zahn 37. Die Kieferkammbreite beträgt im schmalsten Abschnitt 5,2 mm bei durchwegs ausreichender Knochenhöhe. Bisher unauffälliger Heilungsverlauf (System: bredent WhiteSky).

  • Abb. 14: Präoperatives DVT, Knochenangebot 18 x 5,2 mm.
  • Abb. 15: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem bredent WhiteSky).
  • Abb. 14: Präoperatives DVT, Knochenangebot 18 x 5,2 mm.
  • Abb. 15: Postoperatives Panoramaröntgen (Implantatsystem bredent WhiteSky).

Patientenfall 4 aus der Praxis von Dr. Dominik Schröder, Konstanz

Ein Frontzahnimplantat 21 unmittelbar postoperativ ist auf Abbildung 16 zu sehen und in Abbildung 17 das Implantat 6 Monate nach der Insertion unmittelbar nach der Freilegung. Während der Einheilung traten keine Komplikationen auf. Die weitere Versorgung des Implantates erfolgte direkt enoral mit dem Cerec System. Abb. 18 und 19 zeigen die Planung der Krone mit dem Cerec System. Abb. 20 und 21 zeigt die fertiggestellte Krone. Die Situation nach der Einprobe veranschaulicht die Abbildung 22. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die direkte Versorgung von Zirkonimplantaten mit dem Cerec System experimentell ist, weitere klinische Daten liegen derzeit nicht vor.

  • Abb. 16: Einzelzahnimplantat 21 unmittelbar postoperativ (Z-Systems).
  • Abb. 17: Einzelzahnimplantat 21 nach der Freilegung.
  • Abb. 16: Einzelzahnimplantat 21 unmittelbar postoperativ (Z-Systems).
  • Abb. 17: Einzelzahnimplantat 21 nach der Freilegung.

  • Abb. 18: Abformung und Planung der Krone mit dem Cerec System.
  • Abb. 19: Abformung und Planung der Krone mit dem Cerec System.
  • Abb. 18: Abformung und Planung der Krone mit dem Cerec System.
  • Abb. 19: Abformung und Planung der Krone mit dem Cerec System.

  • Abb. 20: Fertigstellung der Krone.
  • Abb. 21: Einzelzahnkrone unmittelbar vor dem Einsetzen.
  • Abb. 20: Fertigstellung der Krone.
  • Abb. 21: Einzelzahnkrone unmittelbar vor dem Einsetzen.

  • Abb. 22: Fertiggestellte Krone nach dem Zementieren.
  • Abb. 22: Fertiggestellte Krone nach dem Zementieren.


Schlussfolgerung

Ob Zirkonoxidimplantate besser sind als Titanimplantate lässt sich mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht beantworten. Mit Zirkonoxid steht eine Alternative zu Titan zur Verfügung, wobei sich erst in den nächsten Jahren zeigen wird, ob die Langzeitergebnisse die derzeitigen Daten bestätigen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, vor allem in Bezug auf die hervorragende Weichgewebsanlagerung. Die einteiligen Zirkonoxidimplantate sind hinsichtlich der prothetischen Position nicht immer einfach zu setzen, sollten einen erfahrenen Implantologen aber vor keine größeren Probleme stellen. In den nächsten Jahren sind sowohl hinsichtlich neuer Oberflächen als auch in Bezug auf zweiteilige Implantatsysteme noch einige Innovationen zu erwarten.

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