Digitale Praxis


Optionen der definitiven Befestigung von CAD/CAM-gefertigten Vollkeramikrestaurationen – Teil 1

08.06.2010

Tab. 1: Befestigung in Abhängigkeit vom vollkeramischen System, der Indikation und der Retention (Gelb = zwingend kleben; Blau = kann konventionell zementiert werden).
Tab. 1: Befestigung in Abhängigkeit vom vollkeramischen System, der Indikation und der Retention (Gelb = zwingend kleben; Blau = kann konventionell zementiert werden).

Generell bestimmen bei der definitiven Befestigung von CAD/CAM-gefertigten Restaurationen das Material und die Art der Versorgung die Wahl des Zementes bzw. Befestigungskomposits. Bei keramischen Restaurationen in diesem Kontext bedarf es einer speziellen Betrachtung, schließlich veranlassen die unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften von Zirkonoxid, Feldspat- und Lithiumdisilikat-Glaskeramik auch eine unterschiedliche Befestigungswahl. Daneben spielt besonders die persönliche Vorliebe des Behandlers eine Rolle. Die folgenden Ausführungen geben Ihnen eine Hilfestellung für die richtige Materialwahl und zeigen dabei, dass es bei der Befestigung fast immer mehr als nur einen einzigen richtigen Weg gibt. Die im Beitrag genannten Produktbeispiele erleichtern die Einordnung der auf dem Markt erhältlichen Materialien.

In der Praxis steht uns heute eine Vielzahl von Befestigungsmaterialien zur Verfügung. Kein Material ist für alle Fälle gleichermaßen geeignet. Die jeweiligen Situationen erfordern eine sorgfältige Wahl des richtigen Zementes oder Befestigungskomposits. Im Folgenden werden die verschiedenen Optionen speziell im Hinblick auf CAD/CAM-gefertigte Keramikrestaurationen vorgestellt. Die idealen Eigenschaften eines Befestigungsmaterials sind:

Primäre Funktion:

1. Adhäsion zur Zahnsubstanz
2. ausreichende Festigkeit, um funktionellen Kräften zu widerstehen
3. geringe Löslichkeit im Mundmilieu (Säuren, Temperaturwechsel, Feuchtigkeit)
4. Biokompatibilität
5. Farbstabilität

Sekundäre positive Eigenschaften:

6. Antikariogenität
7. Radioopazität
8. einfache Verarbeitung
9. geringe Korngröße, geringe Filmdicke

Entscheidungsfindung Kleben versus Zementieren

Die wichtigste klinische Entscheidung liegt darin, ob eine bestimmte Restauration zementiert oder geklebt werden soll. Grundsätzlich stellt die Zementierung das bewährte Standardverfahren dar. Es ist bewährt, schnell, einfach und mit modernen Mischsystemen zuverlässig konstant durchzuführen. Eine Klebung wird vor allem in zwei Fällen notwendig:

  1. Das Material bedingt eine sekundäre adhäsive Stabilisierung. Dies ist bei allen schwach belastbaren Glaskeramiken mit Festigkeitswerten < 350 MPa der Fall. Lithiumdisilikat- Glaskeramik besitzt genau diese Festigkeit, sodass vom Hersteller auch eine konventionelle Befestigung mit Glasionomerzement freigegeben wurde.
  2. Es ist keine ausreichende Retention vorhanden.

In Tabelle 1 ist eine Übersicht von heute in der CAD/CAM-Technik relevanten vollkeramischen Werkstoffen, Indikationen und Befestigungsarten dargestellt. Glasinfiltrierte Oxidkeramiken sind der Einfachheit halber ausgeklammert. Außerdem bieten infiltrierte Keramiken keinen zusätzlichen Nutzen oder weitere Indikationen zu den hier aufgeführten Systemen.

Silikatkeramiken sind aufgrund ihrer zahnähnlichen Transluzenz für ästhetische Restaurationsformen, wie In lays, Teilkronen und Veneers, besonders geeignet. Die Adhäsivtechnik ermöglicht einen dauerhaften kraftschlüssigen Verbund und bewirkt eine höhere Belastbarkeit von Silikatkeramiken, da an der Unterseite der Restauration keine rissbildenden Spannungen wirksam werden können. Daher ist es weder notwendig noch sinnvoll, solche Versorgungen retentiv zu präparieren. Einzelkronen aus Glaskeramik sind technisch herstellbar und sollten auf jeden Fall adhäsiv befestigt werden. Es ist allerdings fraglich, wie sinnvoll diese Lösung im Hinblick auf die Alternative ist, aus Lithiumdisilikat gleichwertig ästhetische, jedoch ca. dreimal festere Kronen herzustellen. Seit der Verfügbarkeit von Lithiumdisilikat hoher Transluzenz (IPS e.max HT) ist es möglich, sich auch im Falle von Veneers, Inlays und Teilkronen die höhere Festigkeit zunutze zu machen und zusätzliche Sicherheit in der Dauerbelastbarkeit zu erhalten. Während diese Versorgungsarten aufgrund ihrer nicht retentiven Präparationsform adhäsiv befestigt werden müssen, hat der Zahnarzt bei Einzelkronen aus Lithiumdisilikat die Qual der Wahl. Klinische Studien weisen darauf hin, dass bei ausreichender Retention auch eine konventionelle Zementierung möglich sein dürfte1,2, was dem wohl häufigen Wunsch der meisten Praktiker nach möglichst simplen Verarbeitungsmethoden entgegenkommt. Die adhäsive Befestigung von Kronen ist aufgrund der gingivanahen oder subgingivalen Kronenränder wesentlich kontaminationskritischer als bei Inlays oder Teilkronen, wo auch ein Kofferdam angelegt werden kann. Die Möglichkeit der einfachen konventionellen Zementierung ist der große Vorteil hochfester Keramikgerüste. Außerdem ist Oxidkeramik auch für Brückengerüste geeignet. Bei zirkonoxidbasierten Kronen und Brücken ist es nur im Falle mangelnder Retention notwendig, adhäsiv zu befestigen. Bei korrekter Präparation ist in den allermeisten Fällen eine einfache Zementierung möglich.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Uwe Pompl

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Uwe Pompl