Allgemeine Zahnheilkunde

Behandlungsziele mit dem Gesichtsscanner visualisieren

Patientenberatung gleich Therapieplanung?



Wie werde ich mit dem neuen Zahnersatz aussehen? Wie unterscheiden sich die Therapieoptionen im Ergebnis und wie verläuft die jeweilige Behandlung? Diese Fragen sind für den Patienten hinsichtlich der Wahl einer zahnmedizinischen Therapie – insbesondere bei prothetischen und ästhetischen Lösungen – bedeutend. Die Entscheidung wird ihm leichter fallen, wenn Behandlungsziele vom Zahnarzt bereits bei der Beratung visualisiert werden können. Der Gesichtsscanner priti®mirror (pritidenta, Leinfelden) ermöglicht dies, indem er ein dreidimensionales fotorealistisches Abbild des Patienten erstellt, das mit den Daten der individuellen Mundsituation kombiniert wird. Für diesen „digitalen Patienten“ können Therapieoptionen per Software erarbeitet und bei der Beratung einbezogen werden.

Die Patientenberatung gewinnt im zahnmedizinischen Bereich eine immer größere Bedeutung. Aufklärung über verschiedene Therapiekonzepte, die angestrebten Behandlungsziele und deren ästhetische Wirkung sowie die anfallenden Kosten für den Patienten stehen in der Regel am Beginn einer Behandlung. Damit diese Beratung möglichst realitätsnah und für den Patienten anschaulich ist, sollte sie auf Grundlage digitaler Patientenbilder oder – besser noch – digitaler 3D-Daten der Patientensituation erfolgen.

Gemeinsam mit dem Patienten kann so im Vorfeld eine Wunschsituation erarbeitet werden, die dem Zahnarzt und dem Techniker als spätere Zielvorgabe dient. Der Patient kann auf dieser Grundlage eine fundierte Entscheidung für oder gegen ein Therapiekonzept treffen und die jeweiligen Kosten eindeutig zuordnen. Auch die ästhetische Erscheinung des Zahnersatzes kann er bereits beurteilen. So entsteht zu Beginn der Behandlung Planungssicherheit bezüglich der eingesetzten Therapieform, der Kosten, aber auch des Anspruchs an den Techniker. Das Einhalten dieser Zielvorgabe ist dann Aufgabe des Behandlerteams. Fatal bei dieser Vorgehensweise wäre die Nichterfüllung des Behandlungsziels: Zusätzliche Kosten, situationsbezogene Veränderungen hinsichtlich der Versorgungsform oder an der ästhetischen Ausführung schüren dann Misstrauen beim Patienten. Nur durch das Umsetzen der im Vorfeld aufgezeigten Situation ist diese Vorgehensweise bei der Patientenberatung schlüssig. Somit ist diese Patientenberatung aufgrund der Einbeziehung der individuellen Patientendaten und der detaillierten Zielvorgabe schon im Bereich der Fallplanung angesiedelt.

Planungssicherheit

Der Zugewinn an Planungssicherheit durch intensive Patientenberatung und -planung geht einher mit einer erhöhten Überprüfbarkeit der geleisteten Arbeit. Aus diesem Grund ist diese Art der Patientenberatung nicht als reines Kundengewinnungsinstrument zu sehen, sondern man sollte Daten zur Patientensituation möglichst umfassend einbeziehen, um nicht mehr zu versprechen als realisierbar ist. Patientenberatungskonzepte, die anhand von digitalen Bildern und anschließendem Imaging die erzielbare Ästhetik darstellen, bieten nur eine Näherung an die Patientensituation. Um die Patientenberatung auf eine reale Basis zu stellen, sollte so früh wie möglich auf dreidimensionale Patientendaten zurückgegriffen werden, andernfalls fehlt die Tiefe als zentrale Dimension (Abb. 1). Der realitätsnahen Darstellung von Therapiekonzepten können letztendlich nur dreidimensionale Patientenberatungskonzepte gerecht werden (Abb. 2). Auf Grundlage der 3D-Daten lassen sich mögliche Komplikationen im Vorfeld analysieren und können in das Therapiekonzept einbezogen werden. So entsteht mehr Planungssicherheit bezüglich des Ergebnisses. Auch werden so zusätzliche Kosten durch Komplikationen, die bei einer Nichtbeachtung von anatomischen Gegebenheiten auftreten, vermieden.

  • Abb. 1: Digitalisierung mittels des Gesichtsscanners von pritidenta (Leinfelden) auf Grundlage der Patientenfallplanung.
  • Abb. 2: 3D-Darstellung des Patientengesichtes einschließlich zugeordneter 3D-Zahnmodelldaten.
  • Abb. 1: Digitalisierung mittels des Gesichtsscanners von pritidenta (Leinfelden) auf Grundlage der Patientenfallplanung.
  • Abb. 2: 3D-Darstellung des Patientengesichtes einschließlich zugeordneter 3D-Zahnmodelldaten.

  • Abb. 3–5: Die Patientin mit dem Wunsch nach einer verbesserten Frontzahnästhetik.
  • Abb. 3–5: Die Patientin mit dem Wunsch nach einer verbesserten Frontzahnästhetik.

Fallbeispiel

Ausgangssituation

Die 24-jährige Patientin suchte uns mit dem Wunsch nach einer besseren Frontzahnästhetik auf (Abb. 3). Defekte an den Schneidekanten der zentralen Inzisivi waren mit Kunststoff versorgt worden und Zahn 12 wies eine Fehlstellung auf (Abb. 4 u. 5).

Konstruktion einer digitalen Patientin

Beim ersten Beratungstermin wurde eine dreidimensionale Aufnahme der Patientin mit dem Gesichtsscanner priti®mirror (pritidenta, Leinfelden) gemacht (Abb. 6). Dieser Vorgang bedingt keinen höheren Zeitaufwand als die herkömmliche digitale Fotografie. Es entsteht keinerlei Strahlenbelastung, der Vorgang ist an eine Hilfskraft delegierbar und eine Aufnahme entsteht in einer Viertelsekunde.

  • Abb. 6: Gesichtsscanner zur Datenerfassung.
  • Abb. 7–9: Drei Aufnahmen werden benötigt: neutrales Gesicht, lachendes Gesicht, Aufnahme mit Wangenhalter.
  • Abb. 6: Gesichtsscanner zur Datenerfassung.
  • Abb. 7–9: Drei Aufnahmen werden benötigt: neutrales Gesicht, lachendes Gesicht, Aufnahme mit Wangenhalter.

  • Abb. 10: Darstellung der einzelnen Aufnahmen in der pritidenta-Software.
  • Abb. 10: Darstellung der einzelnen Aufnahmen in der pritidenta-Software.

Drei Aufnahmen des Gesichts werden benötigt: mit geschlossenen Lippen, mit einem Lächeln und eine Aufnahme mit Wangenhalter (Abb. 7–9). Die Wangenhalteraufnahme ermöglicht die Kieferregistrierung. Die beiden anderen Aufnahmen dienen der Darstellung des Gesichts und der Mimiksimulation (Abb. 10). Das Zusammenführen der Aufnahmen geschieht softwareseitig und als Resultat entsteht ein dreidimensionales digitales Abbild des Patienten.

Im Anschluss wurden Oberkiefer und Unterkiefer mit Alginat abgeformt. Diese Abformungen wurden ausgegossen und mit dem Desktopscanner D 700 (3Shape, Kopenhagen, Dänemark) digitalisiert. Die Modelldaten wurden in die Wangenhalteraufnahme der digitalen Patientin registriert (Abb. 11). Auf diese Weise entstand ein 3D-Patientenabbild, welches basierend auf den realen Patientendaten das Patientengesicht einschließlich Kiefermodelldaten zeigt, ein realistisches Patientenmodell als Planungsgrundlage (Abb. 12). Zu Demozwecken können die Zahnreihen natürlich eingefärbt werden (Abb. 13).

  • Abb. 11: Die Modelldaten werden den Gesichtsdaten zugeordnet.
  • Abb. 12: Aus allen zusammengefügten Daten entsteht der virtuelle Patient.
  • Abb. 11: Die Modelldaten werden den Gesichtsdaten zugeordnet.
  • Abb. 12: Aus allen zusammengefügten Daten entsteht der virtuelle Patient.

  • Abb. 13: Möglichkeit einer natürlicheren Zahnfarbendarstellung.
  • Abb. 13: Möglichkeit einer natürlicheren Zahnfarbendarstellung.

Digitale Planung

Auf Grundlage der eingescannten Modelldaten werden nun die verschiedenen Therapiekonzepte in der jeweils hierfür vorgesehenen Software erarbeitet: in der Orthoanalyser-Software (3Shape, Kopenhagen) und der Konstruktionssoftware Exocad (Exocad, Darmstadt). Als Therapiemöglichkeiten wurden eine kieferorthopädische Behandlung und eine restaurative Vorgehensweise mit Veneers gewählt. Im Orthoanalyser wurden die Frontzähne der digitalen Modelldaten segmentiert und entsprechend einer idealisierten ästhetischen Wirkung umgestellt (Abb. 14 u.15). In der Konstruktionssoftware wurde versucht, eine möglichst minimalinvasive Ausführung der Veneers zu realisieren. Hierbei zeigte sich, dass Zahn 12 bedingt durch seine Fehlstellung stark beschliffen werden müsste, um ein ästhetisches Erscheinungsbild zu liefern. Bei den mittleren Schneidezähnen wäre nur ein leichtes Beschleifen zur Korrektur der Mittenverschiebung notwendig (Abb. 16 u. 17).

  • Abb. 14: Ausgangssituation vor der KFO-Behandlung.
  • Abb. 15: Mögliches Resultat nach der KFO-Behandlung.
  • Abb. 14: Ausgangssituation vor der KFO-Behandlung.
  • Abb. 15: Mögliches Resultat nach der KFO-Behandlung.

  • Abb. 16: Reduzierung der Ausgangssituation.
  • Abb. 17: Mögliches Resultat nach einer restaurativen Behandlung mittels Veneers.
  • Abb. 16: Reduzierung der Ausgangssituation.
  • Abb. 17: Mögliches Resultat nach einer restaurativen Behandlung mittels Veneers.

Durch Einlesen der Daten in die priti-imaging Software (pritidenta) lassen sich Hilfslinien im Patientengesicht darstellen, die eine gezielte Konstruktion ermöglichen. (Abb. 18). Die erarbeiteten Vorschläge zur KFO-Behandlung bzw. zu zwei alternativen restaurativen Vorgehensweisen wurden dann der Patientin präsentiert (Abb. 19).

  • Abb. 18: Das Anlegen von Ebenen im digitalen Patientengesicht erleichtert das ästhetische Design.
  • Abb. 19: Die möglichen Resultate. Von links oben: Ausgangssituation und Veneers von 13 bis 23; von links unten: Veneers von 12 bis 22, KFO-Behandlung.
  • Abb. 18: Das Anlegen von Ebenen im digitalen Patientengesicht erleichtert das ästhetische Design.
  • Abb. 19: Die möglichen Resultate. Von links oben: Ausgangssituation und Veneers von 13 bis 23; von links unten: Veneers von 12 bis 22, KFO-Behandlung.

Die Beratung

Mit der Patientin konnten die verschiedenen Therapieansätze anhand ihres digitalen Ebenbildes Abb. 20: Die Patientenberatung anhand des eigenen virtuellen Spiegelbildes. besprochen (Abb. 20) und die Kosten sowie die zeitliche Dauer der unterschiedlichen Vorgehensweisen den Therapievorschlägen eindeutig zugeordnet werden. Ebenso konnten die Resultate der unterschiedlichen Konzepte bildhaft veranschaulicht werden (Abb. 21).

  • Abb. 20: Die Patientenberatung anhand des eigenen virtuellen Spiegelbildes.
  • Abb. 21: Darstellung der unterschiedlichen Möglichkeiten im digitalen Patientengesicht.
  • Abb. 20: Die Patientenberatung anhand des eigenen virtuellen Spiegelbildes.
  • Abb. 21: Darstellung der unterschiedlichen Möglichkeiten im digitalen Patientengesicht.

Wenn die Entscheidung für eine Behandlungsform gefallen ist, können die bereits gespeicherten Daten direkt für die Herstellung übernommen werden. Die Überführung der Daten für die finale Restauration ist jederzeit möglich. Ein erneutes Scannen des Patientengesichtes ist hierfür nicht notwendig.

Fazit

  • Abb. 22: Zielvorgabe auf Grundlage dreidimensionaler Daten.

  • Abb. 22: Zielvorgabe auf Grundlage dreidimensionaler Daten.
3D-Patientendaten in der Patientenberatung ermöglichen eine vorhersagbare Planung des Therapieansatzes unter Einbeziehung des ästhetischen Erscheinungsbildes. Um diese Planungssicherheit zu erhalten, müssen die zur Planung verwendeten Grundlagen (Daten) der realen Situation entsprechen. Dies gelingt über die Einführung von 3D-Patientendaten in den Behandlungsablauf. Für den Patienten entsteht eine Transparenz in der Behandlung. Er ist einbezogen und kann die verschiedenen Therapieansätze begreifen. Kosten, Aufwand und Resultat kann er in Relation zueinander stellen. Vor- und Nachteile möglicher Therapieformen können visualisiert werden. Das Behandlerteam erarbeitet sich eine realisierbare Zielvorgabe und kann den Behandlungserfolg absehen (Abb. 22). Kurz: Der große Vorteil der 3D-Patientenberatung ist, zu Beginn zu wissen, was mit welcher Therapie erreichbar ist, und dies in Abstimmung mit dem Patienten zu diskutieren.

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Weitere Informationen:

pritidenta® GmbH
Meisenweg 37
70771 Leinfelden-Echterdingen
Tel.: 0711 320656-0
Fax: 0711 320656-99
www.pritidenta.com
E-Mail: info(at)pritidenta.com

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Andreas Höflsauer


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