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Geleitwort von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe

Was die Digitalisierung des Gesundheitswesens leisten muss

09.02.2018

Hermann Gröhe ist seit 17. Dezember 2013 Bundesminister für Gesundheit und sieht die Digitalisierung als eine gesellschaftliche Aufgabe.
Hermann Gröhe ist seit 17. Dezember 2013 Bundesminister für Gesundheit und sieht die Digitalisierung als eine gesellschaftliche Aufgabe.

Die Digitalisierung treibt die Veränderung nicht nur in unserer Lebens- und Arbeitswelt, sondern auch im Gesundheitswesen voran. Die damit verbundenen Chancen für mehr Lebensqualität und eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen in unserem Land wollen wir nutzen.

Wir haben das „E-Health-Gesetz“ in der letzten Legislaturperiode auf den Weg gebracht, um endlich erfolgreich eine digitale Infrastruktur für unser Gesundheitswesen einzurichten. Mit dieser neuen Dateninfrastruktur, der Telematikinfrastruktur, wollen wir für die rund 180.000 Arzt und Zahnarztpraxen, 2,3 Millionen Angehörigen sonstiger Gesundheitsberufe, 2.000 Krankenhäuser, 20.000 Apotheken und über 70 Millionen gesetzlich Versicherte sichere Kommunikationsmöglichkeiten im Gesundheitswesen schaffen. Wie ein Straßennetz soll diese neue Infrastruktur die Beteiligten im Gesundheitswesen so verbinden, dass sie die für die Behandlung wichtigen medizinischen Informationen schnell, sicher und unbürokratisch austauschen können.

Die Einführung der Telematikinfrastruktur hat in den Arzt- und Zahnarztpraxen im Dezember 2017 begonnen und soll bis Ende 2018 flächendeckend abgeschlossen werden. Darauf aufbauend sollen dann schrittweise die ersten medizinischen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte, die Notfalldaten sowie der elektronische Medikationsplan eingeführt werden.

Darüber hinaus stärkt eine bessere digitale Vernetzung auch die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, vor allem zwischen den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten vor Ort und den Krankenhäusern. Dies ist gerade im Lichte der demografischen Herausforderungen eine große Chance für eine gute medizinische Versorgung in der Zukunft. Neue digitale Verfahren wie Telekonsile, in denen sich Ärztinnen und Ärzte untereinander austauschen, Videosprechstunden, aber auch die bessere Nutzung von Daten aus neuen mobilen Geräten wie Apps und Gesundheitstrackern können dazu beitragen, neue Versorgungsstrukturen zu schaffen. Der im Jahr 2015 neu aufgelegte „Innovationsfonds“ will mit jährlich 300 Millionen Euro solche neuen Versorgungsformen in Schwung bringen und unser Gesundheitswesen dabei unterstützen, sich auf neue Herausforderungen vorzubereiten.

Digitalisierung bedeutet aber nicht nur den sicheren und vernetzten Austausch von Daten, sondern auch Daten so zu nutzen, dass wir den „Datenschatz“ der Gesundheitsinformationen besser heben. Denn wir brauchen mehr Daten – für eine bessere Gesundheitsversorgung, für bessere Forschung zur Bekämpfung von Krankheiten und für eine bessere Information von Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten.

Ein wichtiges Instrument auf dem Weg zur besseren Bereitstellung und Nutzung von Daten im Gesundheitswesen ist die elektronische Patientenakte. Mit ihr werden sich in Zukunft medizinische Befunde, elektronische Rezepte, Patiententagebücher und weitere medizinische Informationen speichern und zwischen Ärztinnen und Ärzten austauschen lassen. Das erspart Doppeluntersuchungen, die Behandler bekommen viel schneller einen besseren Überblick über die Krankengeschichte der Patienten und können so zielgenauer und besser diagnostizieren und eine Therapie vorschlagen.

Wenn es zudem gelingt, Versorgungs- und Forschungsdaten aus unterschiedlichen Einrichtungen zusammenzuführen, besteht auch die große Chance, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Genen, Krankheiten und Lebensstilen genauer zu verstehen und die Behandlung zu verbessern. Das ist eine der großen Herausforderungen, der sich Gesundheits- und Forschungsfachleuten gemeinsam stellen müssen.

Mit dem medizinischen Fortschritt stellen sich im digitalen Zeitalter allerdings auch neue ethische Fragen. Wenn in Zukunft beispielsweise durch bessere Auswertungen früher vorhergesehen werden kann, ob und wann eine Krankheit eintritt, es sich aber um eine Erkrankung handelt, für die es in absehbarer Zeit noch keine wirksame Behandlung gibt, stellt sich unmittelbar die Frage, wie man mit dem neuen Wissen richtig umgehen soll. Wenn wir dem Bedürfnis nach guter Gesundheitsversorgung und Pflege und dem Schutz der Menschenwürde angemessen Rechnung tragen wollen, müssen wir die Chancen und Risiken der Digitalisierung offen diskutieren und abwägen. Einfach dürfen wir es uns nicht machen. Sowohl das Tun als auch das Unterlassen im Nutzen neuer Möglichkeiten müssen durchdacht, begründet und gegeneinander abgewogen werden.

Die Digitalisierung ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die wir alle gemeinsam anpacken müssen. Zukunftsweisende Versorgungsformen, mehr Sicherheit, mehr Selbstbestimmung und neue Therapiemöglichkeiten: das sind die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Hermann Gröhe, MdB
Bundesminister für Gesundheit; Berlin, im Januar 2018

Anmerkung der Redaktion: Alles was Sie zur Telematik wissen müssen, erfahren Sie auf www.telematik-aktuell.de. Angefangen über die Grundlagen, der Funktionsweise, die verschiedenen Komponenten der Infrastruktur bis hin zur Erstattung und vieles mehr.

 

 

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