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Märchenhafte Sommer-Akademie des ZFZ in Ludwigsburg

11.07.2018

Märchen - Moden - Mythen in der (Zahn-)Medizin.
Märchen - Moden - Mythen in der (Zahn-)Medizin.

Die 25. Sommer-Akademie des Zahnmedizinischen FortbildungsZentrums Suttgart (ZFZ) am 6. und 7. Juli war laut Veranstalter ein voller Erfolg. Nahezu 1.000 Teilnehmer/Innen fanden den Weg nach Ludwigsburg. Das diesjährige Event in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie und der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/Innen stand unter dem Motto „Märchen – Moden – Mythen in der (Zahn-)Medizin. Was ist richtig und was sind „Fake News“?

  • Prof. Dr. Johannes Einwag.

  • Prof. Dr. Johannes Einwag.
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Wenn ZFZ-Direktor Prof. Dr. Johannes Einwag zur Sommer-Akademie einlädt, dann darf man obligatorisch mit schönem Wetter rechnen, einer super Organisation, tollem Essen und angenehmen Gesprächen sowie interessanter Wissensvermittlung. Die Veranstaltung brilliert nicht nur mit einem besonderen Rahmenprogramm, sondern auch mit inhaltlich aktuellen Vorträgen namhafter Referenten. Nach den Begrüßungsworten von Prof. Einwag startete am Freitagvormittag der Vorkongress mit dem Titel „Parodontologie – Dreck macht Speck?! Das Thema des Pre-Congress wurde gewählt aufgrund der gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie und der Deutschen Diabetes Gesellschaft in der Verbesserung von Prävention und Therapie der Diabetes und Parodontitis.

Parodontitis und Übergewicht

  • Prof. Dr. James Deschner.

  • Prof. Dr. James Deschner.
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Der erste Vortrag von Prof. Dr. James Deschner, Bonn, widmete sich dem schwergewichtigen Thema Parodontitis und Übergewicht. Übergewicht nimmt weltweit zu. In Deutschland sind mittlerweile 23,3% der Männer und 23,9% der Frauen adipös. Vorallem bei jüngeren Frauen in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren wird eine steigende Tendenz festgestellt sowie bei Männern in allen Altersgruppen (Mensik et al., 2013 DEGS1). Die Kosten für die Gesellschaft aufgrund von Folgeerkrankungen (Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karzinome) werden auf 25,7 Milliarden in 2020 errechnet – im Vergleich hierzu lagen die Kosten im Jahr 2003 lediglich bei 13 Milliarden.
Eine Vielzahl von Studien belegt, dass Übergewicht (BodyMassIndex [BMI] von 25 bis 30) und Adipositas (BMI > 30) mit Parodontitis und Zahnverlust assoziiert sind. Entscheidend ist hierbei allerdings auch die Körperfettverteilung (Taillenumfang). Zahlreiche Studien legen nahe, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Adipositas und Parodontitis besteht. Adipositas erhöht über verschiedene Mechanismen die Entstehung und das Fortschreiten der Parodontitis, wie z.B. Mundtrockenheit, erhöhte Entzündungsspiegel im Serum und Sulkusflüssigkeit etc.). Demzufolge muss den Patienten, so Prof. Deschner, der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Adipositas unbedingt bewusst gemacht werden. 

Parodontitis und Diabetes

  • PD Dr. Erhard Siegel.

  • PD Dr. Erhard Siegel.
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PD Dr. Erhard Siegel vom St. Josefskrankenhaus Heidelberg informierte die Zuhörer über die Verknüpfung Parodontitis und Diabetes. Beide Erkrankungen sind chronischer Natur und in wechselseitiger Beziehung stehen. Heutzutage gibt es 8 Millionen Diabetiker. Der Diabetes begünstigt die Entstehung, die Progression sowie die Ausprägung der Parodontitis. Es besteht ein bis zu 3-fach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis als Folgeerkrankung oder eine diabetische Komplikation. Der unbehandelt Diabetes führt zu Folgeschäden, wie Schlaganfall, Erblindung, Herzinfarkt, Dialysepflicht oder Amputationen. Prof. Siegel sieht es als Pflicht, dass in der zahnärztlichen Praxis jeder Patient auf Diabetes abgefragt werden muss. Auch sieht er es ebenfalls als ein Muss, dass jeder Diabetiker seinen HbA1c-Wert kennt, denn eine Parodontitistherapie kann den HbA1c-Wert des Diabetikers senken. Dr. Siegel fordert eine noch bessere Zusammenarbeit von Zahnärzten und Diabetologen.

Diabetes und Adipositas

  • Prof. Dr. Mathias Laudes.

  • Prof. Dr. Mathias Laudes.
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Prof. Dr. med. Matthias Laudes, Kiel, leitet den Bereich „Klinische Ernährungs- und Stoffwechselmedizin“. Er beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Krankheitsbildern Diabetes und Adipositas sowie Fettstoffwechselstörungen im ambulanten, tagesklinischen und stationären Bereich. Übergewicht und Adipositas sind ernährungsassoziierte Erkrankungen und sind an der Entstehung von typischen Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, aber auch an Parodontitis wesentlich beteiligt. Dies konnte er anhand zahlreicher Studien präsentieren.

 

Parodontitistherapie

  • Prof. Dr. Christof Dörfer.

  • Prof. Dr. Christof Dörfer.
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Prof. Dr. Christof Dörfer, Kiel, stellte in seinem Vortrag die Frage: „Macht uns Parodontitistherapie gesund?“ Obwohl unstrittig ist, dass die Parodontitis mit einer Vielzahl anderer chronischer Erkrankungen in Zusammenhang steht, kann nicht mit Klarheit nachgewiesen werden, ob die Parodontitistherapie sich positiv auf die Erkrankungen auswirkt. Sicher sei jedoch, dass die Parodontitistherapie die Entzündungslast des Körpers reduziert und somit einen positiven Effekt für den Patienten hat.

  • Prof. Einwang im märchenhaften Gewand.

  • Prof. Einwang im märchenhaften Gewand.
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Den passenden Übergang und Ankündigung zu den Nachmittagsvorträgen über die mystischen Themen in der Medizin schuf Prof. Einwag, in dem er sich in einem märchenhaften Kostüm präsentierte. Prof. Dr. Wolfgang Schweiger, Stuttgart, sprach über die schnelle Verbreitung von Falschmeldungen meist über soziale Medien wie Facebook und welche Folgen dies für die Gesellschaft und die Demokratie hat. Wie sehr gesunde Ernährung heute im Spannungsfeld zwischen „Modethema und Ersatzreligion“ steht, erklärte Udo Pollmer, Gemmingen, und Jan Schweitzer, Leiter des Ressorts ZEIT Wissen, nannte einige Beispiele für die bekannten medizinischen Mythen, die sogar von Ärzten geglaubt werden und einfach nicht stimmen. So sei z.B. der Schlaf vor Mitternacht nicht der wertvollste, sondern entscheidend sind die Regelmäßigkeit und die gleiche Uhrzeit der Bettruhe. Der frühere ZDF-Redakteur Dr. Joachim Bublath, bekannt aus Sendungen wie „Abenteuer und Forschung“ oder der „Knoff-Hoff-Show“, schloss mit seinem Vortrag über die „Klimavorhersagen – die große Illusion?“. Er verdeutlichte, welcher Komplexität die Berechnungen für die Vorhersagen unterliegen.

Der Folgetag stand im Zeichen von „guten und bösen Mächten“, „Fehlerteufeln, Mythen und Fakten". Das Vortragsprogramm begann mit Prof. Dr. Adrian Lussi und den „Fake and Facts“ in der Prophylaxe Prof. Dr. Christof Dörfer berichtete dagegen über „gute und böse Mächte“ im Biofilm, wie sich in ihm Keime, Bakterien und Viren verhalten und worauf man deshalb bei der Therapie achten sollte.

Prof. Dr. Thomas Attin, Zürich, informierte über die Zahnerhaltung und die Adhäsivtechniken, während Prof. Dr. Reiner Biffar, Greifswald, zwölf Mythen in der Prothetik „von Ante bis Zentrik“ betrachtete. Dr. Karl-Ludwig Ackermann, Filderstadt, wusste, wie „Chirurgie und Implantologie ohne ein blaues Wunder“ zum Erfolg führen.

Der Termin der 26. Sommer-Akademie steht bereits fest. Sie wird vom 5. bis 6. Juli 2019 stattfinden. Man darf jetzt schon sicher sein, das sich Prof. Dr. Einwag mit seinem Team erneut ins Zeug legen wird, um den Anwesenden ein wissenschaftlich hochwertiges und gleichzeitig unterhaltsames Event zu bieten sowie eine große begleitende Dentalausstellung auf die Füße zu stellen, welche die Besucher über neue Produkte und Innovationen informiert.

  • Entspannung nach den Vorträgen.

  • Entspannung nach den Vorträgen.
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